Eguisheim

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Eguisheim
Wappen von Eguisheim
Eguisheim (Frankreich)
Eguisheim
Region Grand Est
Département Haut-Rhin
Arrondissement Colmar-Ribeauvillé
Kanton Wintzenheim
Gemeindeverband Pays de Rouffach, Vignobles et Châteaux
Koordinaten 48° 3′ N, 7° 18′ OKoordinaten: 48° 3′ N, 7° 18′ O
Höhe 191–764 m
Fläche 14,13 km2
Einwohner 1.738 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 123 Einw./km2
Postleitzahl 68420
INSEE-Code

Eguisheim – Burg mit St.-Leo-Kapelle

Eguisheim (deutsch Egisheim) ist eine französische Gemeinde mit 1738 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie gehört zum Arrondissement Colmar-Ribeauvillé und zum Kanton Wintzenheim. Das Dorf ist als eines der Plus beaux villages de France (schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Eguisheim liegt an der Elsässischen Weinstraße (Route des vins), wenige Kilometer südwestlich von Colmar. Der Ort liegt unterhalb eines von einer auffälligen, dreitürmigen Burgruine gekrönten Berges. Diese Bergfriede sind bekannt als die Drei Exen (elsässisch Dri Egsa; französisch les trois tours d’Eguisheim). Das Gemeindegebiet ist Teil des Regionalen Naturparks Ballons des Vosges.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blumen und Fachwerk in Egisheim

In Egisheim befand sich wohl schon in der Römerzeit ein Kastell. Im Ort wurde möglicherweise 1002 Bruno von Egisheim-Dagsburg geboren, der 1049 Papst Leo IX. wurde. Die im Ort befindliche Burganlage wird – in Konkurrenz zu Dagsburg – oft als dessen Geburtsort angegeben, da aber die Chronik des Klosters Ebersmünster als einzige Aufzeichnung, auf die sich diese Angabe stützt, erst vier Jahrhunderte nach dem eigentlichen Ereignis angefertigt wurde, ist sie nicht glaubwürdig.[2] Zudem deutet die erhaltene und ergrabene Architektur auf eine Gründung der Burg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und damit rund 200 Jahre nach der Geburt Leos hin.[3]

Im 19. Jahrhundert wurden große Teile der Burggebäude, darunter der ebenfalls achteckige Bergfried, abgetragen. Ab 1886 wurde stattdessen eine neoromanisch-byzantinische Kapelle in Angedenken Papst Leo IX. errichtet. 1908[4] wurde die Anlage saniert. Die Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde 1809 im Scheunenstil errichtet. Von ihrer im 12. Jahrhundert errichteten romanischen Vorgängerin ist der Turm erhalten; ihre Umrisse sind im Pflaster zu erkennen.

Von 1871 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gehörte Eguisheim als Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich und war dem Kreis Colmar im Bezirk Oberelsaß zugeordnet.

Grafen von Egisheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 7. Jahrhundert wurde das fränkische Herzogtum Elsass gegründet. Das Herzogtum wurde im 9. Jahrhundert in zwei Grafschaften aufgeteilt: Den Nordgau und den Sundgau; noch heute besteht die Region Alsace aus den Départements Bas-Rhin (67) und Haut-Rhin (68). Die Grafen des Nordgaus beherrschten bald wieder die gesamte Region. Die Grafen von Egisheim stammen von Kaiser Karl dem Grossen ab. Von Adelheid von Egisheim (* 1000), Schwester von Graf Leo von Egisheim (Leo IX.) und Gattin von 801 Aldalbert I. von Calw, ebenfalls ein Karolingier > 735 Heilwig von Dagsburg Gattin von Hugo IV. von Egisheim (*970 + 995) > 501 N von Dillingen > 305 Hildegard von Westfranken > 193 Karl III. der Einfältige >91 Ludwig II. der Stammler > 39 Karl II. der Kahle > 7 Ludwig I. von Franken > 1 Karl der Grosse (Die Vorzahlen entsprechen der Liste der Nachkommen von Karl dem Grossen von Josef Schneider[5]). Die Grafen Gerhard und Adalbert verheirateten ihre Schwester Adelheid mit Herzog Heinrich, sie wurde Mutter von Konrad II., der das Haus der salischen Kaiser begründete. Eine Seitenlinie der Grafen des Nordgaus nannte sich schließlich Grafen von Egisheim. Graf Bruno von Egisheim (1002–1054) wurde 1048 Papst, er nannte sich „Leo IX.“. Im Jahr 1049 weihte er die Kirche von Ottmarsheim.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1910 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2014
Einwohner 1387[6] 1470 1519 1461 1438 1530 1549 1572 1738

Stadtgestalt und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtplan von Egisheim
Das spätromanische Portal in der Peter-und-Pauls-Kirche

Egisheim ist stadttypologisch bekannt als „Zwiebelstadt“, da sich außer der west-östlich verlaufenden Grand Rue (elsässisch Hauptstross) alle Gassen ringförmig um die achteckige Burganlage im Zentrum legen.

  • Burg mit neoromanischer St.-Leo-Kapelle in der Ortsmitte
  • Altstadt
  • Ringgassen (Groowe und Allmend)
  • Kirche St. Peter und Paul. Im Bau aus dem frühen 19. Jahrhundert befinden sich ein künstlerisch äußerst wertvolles spätromanisches Portal aus dem Vorgängerbau, das im Bogenfeld bereits stilistische Merkmale der Gotik aufweist, sowie eine denkmalgeschützte, hölzerne Schreinmadonna mit Kind aus dem 14. Jahrhundert.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1969 ist Hinterzarten im Schwarzwald Partnergemeinde von Eguisheim. Außerdem besteht eine Partnerschaft zur Gemeinde Hautvillers in der Champagne.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adelheid von Metz, (um 970–1039 oder 1046), Gräfin von Worms
  • Leo IX. (1002–1054), Papst der katholischen Kirche (Verbindung zu Egisheim behauptet, aber nicht belegbar)
  • Peter Paul Stumpf (1822–1890), Erzbischof von Straßburg
Panoramaansicht des Eguisheimer Stadtkerns

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eguisheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Eguisheim – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eguisheim auf Les plus Beaux Villages de France französisch
  2. Thomas Biller, Bernhard Metz: Der spätromanische Burgenbau im Elsaß. 1200–1250. (Die Burgen des Elsaß. Architektur und Geschichte, Band 2). Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 2007, ISBN 978-3-422-06635-9, S. 195.
  3. Thomas Biller, Bernhard Metz: Der spätromanische Burgenbau im Elsaß. 1200–1250. (Die Burgen des Elsaß. Architektur und Geschichte, Band 2). Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2007, ISBN 978-3-422-06635-9, S. 200.
  4. Charles Laurent Salch: Nouveau Dictionnaire des Châteaux Forts d’Alsace. Alsatia, Straßburg 1991, ISBN 2-7032-0193-1, S. 73.
  5. schneidermuch.de
  6. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Kreis Colmar