Ehrwalder Becken

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Koordinaten: 47° 24′ 2″ N, 10° 54′ 4″ O

Reliefkarte: Tirol
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Ehrwalder Becken
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Tirol
Blick auf das Ehrwalder Becken von der Zugspitze
Das Ehrwalder Becken mit dem Wettersteingebirge
Das Ehrwalder Becken Richtung Süden mit Ehrwald und Sonnenspitze
Im Lermooser Moos
Die Loisach im Ehrwalder Becken

Das Ehrwalder Becken ist ein weiter Talkessel im Tiroler Außerfern. Den Großteil davon nimmt ein teilweise trockengelegtes Moorgebiet, das Lermooser Moos, ein. Teile davon bilden das Naturschutzgebiet Ehrwalder Becken, das eine große Vielfalt an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten beherbergt.

Lage und Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ehrwalder Becken ist ca. 3,5 km² groß und liegt auf einer Höhe von 963 m ü. A. Es wird umrahmt vom Wettersteingebirge mit dem markanten Zugspitzmassiv im Nordosten, der Mieminger Kette mit der Sonnenspitze im Südosten, den Lechtaler Alpen mit dem Grubigstein im Südwesten und den Ammergauer Alpen mit dem Daniel im Nordwesten. Der Boden ist flach, nur einzelne bewaldete Tomahügel ragen heraus. Der Tummebichl als höchster davon erhebt sich mit 996 m ü. A. rund 30 Meter über den Talboden.

Das Becken wird von Süd nach Nord von der begradigten Loisach durchflossen. Ihr fließen zahlreiche kleinere Bäche von den umliegenden Hängen zu, die früher großteils im Moor versickerten. Größere Zuflüsse sind der Geißbach von rechts aus dem Gaistal und der Lussbach von links aus dem Zwischentoren. Bedingt durch das Feuchtgebiet befinden sich die Siedlungen am Rand des Beckens: das namensgebende Ehrwald im Osten, Biberwier im Süden und Lermoos im Westen.

Verkehrsverbindungen bestehen im Süden über den Fernpass zum Inntal, im Nordwesten durchs Zwischentoren ins Lechtal, im Norden entlang der Loisach nach Garmisch-Partenkirchen und (ohne Straßenverbindung) im Osten über die Ehrwalder Alm ins Gaistal. Der Großteil des Durchgangsverkehrs wird heute durch den Lermooser Tunnel am Becken vorbeigeführt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermutlich entwässerte die Loisach ursprünglich Richtung Süden durch das Gurgltal zum Inn. Durch einen gewaltigen Bergsturz vor rund 4100 Jahren[1] wurde der heutige Fernpass aufgeschüttet und der Abfluss der Loisach versperrt.[2] Dadurch bildete sich im heutigen Ehrwalder Becken ein See, der schließlich einen Abfluss nach Norden ins Werdenfelser Becken fand, verlandete, und so das Moor bildete.

Die Römer bauten die Via Claudia Augusta mitten durch das Moor, wobei tausende Baumstämme schwimmend im Moorboden verlegt und mit Schotter abgedeckt wurden.[3] Im Moor konservierte Reste dieser sogenannten „Prügelstraße“ wurden im 20. Jahrhundert entdeckt.

Im 16. Jahrhundert wollte Erzherzog Ferdinand II. das Becken wieder zu einem See aufstauen und auf dem dann als Insel herausragenden Tummebichl ein Lustschloss errichten lassen, ließ aber auf Bitten der betroffenen Gemeinden davon ab.[4] Um das Gebiet landwirtschaftlich besser nutzen zu können, wurde im 19. Jahrhundert mit der Trockenlegung des Moores mithilfe von Entwässerungsgräben begonnen, die Arbeiten wurden in den 1930er Jahren abgeschlossen.

Naturschutzgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein 28,6 ha großer Bereich wurde 1991 unter Schutz gestellt. Zum Naturschutzgebiet Ehrwalder Becken gehört neben dem zentralen Teil der Moorlandschaft auch ein rund 800 m langer Altarm der Loisach im Norden des Beckens. Im zentralen Bereich des Feuchtgebietes befindet sich ein Übergangsmoor, das von einem Kleinseggen-Niedermoor und Pfeifengraswiesen umgeben ist. Zu den typischen Pflanzenarten im Übergangsmoor zählen Torfmoose, Gewöhnliche Moosbeere, Scheidiges Wollgras, Rosmarinheide und Rundblättriger Sonnentau. Im Kleinseggenmoor finden sich zahlreiche Orchideenarten wie Breitblättriges Knabenkraut, Sumpf-Glanzkraut, und Sumpf-Stendelwurz, weiters Schwertlilien, Lungenenzian und Mehl-Primel.

Das Schutzgebiet ist auch ein wichtiger Lebensraum für Insekten, darunter 126 Schmetterlingsarten. Im gesamten Gebiet wurden 51 Vogelarten nachgewiesen, von denen zahlreiche auf den Roten Listen gefährdeter Tierarten in Tirol bzw. Österreich aufscheinen. Insbesondere der Altarm der Loisach bietet gute Brutbedingungen für Vögel, hier finden sich u.a. Braunkehlchen, Neuntöter, Sumpfrohrsänger, Baumpieper, Hänfling und Karmingimpel.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Universität Innsbruck: Weltweit neue Methode zur Altersdatierung von Bergstürzen in Innsbruck entwickelt
  2. Otto Ampferer: Die Bergstürze am Eingang des Ötztales und am Fernpaß. In: Verhandlungen der Kaiserlich-Königlichen Geologischen Reichsanstalt. Nr. 3, 1904, S. 73–84, (PDF; 1,5 MB).
  3. Via Claudia Augusta - Routenbeschreibung Abschnitt "Tirol"
  4. Heinz Groth, Rudolf Wutscher: Lechtaler Alpen. Gebietsführer für Wanderer und Bergsteiger. 6. Auflage. Bergverlag Rudolf Rother, München 1996, ISBN 3-7633-3261-8, S. 21.