Ei

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Dieser Artikel behandelt das Ei in der Biologie, für weitere Bedeutungen siehe Ei (Begriffsklärung), für das Hühnerei siehe dort
Eier des Nilkrokodils

Das Ei ist System aus einer weiblichen Keimzelle, auch Eizelle genannt, Nährstoffe und schützenden Hüllen („Schale“), das in einem frühes Stadium der Entwicklung (Ontogenie) eines eierlegenden Tieres (Ovipars) gebildet wird. Das Ei entsteht während der Oogenese und in ihm entwickelt sich aus der meistens befruchteten Eizelle der Embryo.[1]

Viele Eier sind wegen ihres hohen Nährwerts eine begehrte Nahrung für zahlreiche Tierarten und auch den Menschen. Als Reaktion haben sich zahlreiche Strategien zum Schutz des Eis und somit zur Verbesserung der Überlebensfähigkeit der jeweiligen Art entwickelt. Umgangssprachlich wird als Ei auch die Eizelle selbst bezeichnet und aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung werden Hühnereier ebenfalls in der Regel einfach als Eier bezeichnet.

Aufbau und Funktion[Bearbeiten]

Eier von Vögeln, Schildkröten, Fischen und Kopffüßern sowie verschiedener Schmetterlinge. Zeichnung von Adolphe Millot aus der Nouveau Larousse Illustré (1897–1904).

Ein Ei ist durch seine Hülle ein in sich abgeschlossenes System und bietet dem sich entwickelnden Wesen für eine begrenzte Zeit einen Schutzraum. In diesem Raum befindet sich zu Anfang ein Depot an Substanzen, die als Ressourcen für die benötigte Energie und den Aufbau an Körpermasse dienen. Das Stadium des Eies wird durch das Schlüpfen beendet, meist wenn das Depot fast vollständig vom Lebewesen aufgebraucht ist.

Eizelle[Bearbeiten]

Hauptartikel: Eizelle

Das Ei ist ein System, das um eine Eizelle herum aufgebaut wird. Die Eizelle selbst ist eine einzelne weibliche Keimzelle. Diese kann, abhängig von der Tiergruppe, sowohl unbefruchtet wie auch durch eine männliche Keimzelle (Spermium) befruchtet sein.

Bei Eiern ist es nicht ausgeschlossen – jedoch eher selten –, dass in ihnen mehrere Keimlinge enthalten sind. Bei Hühnereiern kann es gelegentlich vorkommen, dass in einem Ei mehrere Dotter enthalten sind. Solche Eier sind meist etwas größer als Vergleichsobjekte desselben Tieres. Wären diese Eier befruchtet, so würden aus einem Ei im Idealfall zwei Küken schlüpfen.

Dotter[Bearbeiten]

Hauptartikel: Dotter

In die Eizelle an besonderen Stellen eingelagerte Nährstoffe werden als Dotter bezeichnet. Der Dotter kann sowohl direkt in die Eizelle eingelagert werden (endolecithale Eier) wie auch in Form von Dotterzellen (Vitellozyten) angelagert werden.[2] Die Produktion des Dotters erfolgt entweder allein durch die Eizelle (autosynthetisch) oder teilweise außerhalb der Eizelle durch andere Zellen (heterosynthetisch) erfolgen.[2]

Bei vielen ursprünglichen Wassertieren schlüpft aus dem Ei nach kurzer Zeit eine winzige Larve, die sich selbständig ernährt, sodass nur wenig Dotter in der Eizelle vorhanden sein muss. Solche Eier nennt man dotterarm oder oligolecithal. Unter den Wirbeltieren legen die meisten Fische und die Amphibien dotterarme Eier. Bei Eiern, aus denen schon recht weit entwickelte Jungtiere schlüpfen, ist die Eizelle sehr groß und besteht zum überwiegenden Teil aus Dotter. Bei diesen dotterreichen oder polylecithalen Eiern unterscheiden sich die ersten Zellteilungen, Furchung genannt, deutlich von den Verhältnissen bei dotterarmen Eiern.

Eihülle[Bearbeiten]

Im einfachsten Fall besteht das Ei nur aus der Eizelle mit einer dünnen Schützhülle aus Gallerte, hinzu kommt häufig eine Schale zum Schutz der Eizelle. Bei Landtieren erfüllt die Schale neben dem mechanischen Schutz noch die wichtige Funktion, das Ei gegen Austrocknung zu schützen. Die Schale von Insekteneiern ist häufig auffällig skulpturiert, sodass man die Insektenarten auch in diesem Stadium bestimmen kann. Bei den vom Wasser unabhängigen Landwirbeltieren, den Amnioten (Reptilien, Vögel und Ursäuger), befindet sich zwischen Eizelle und Schale eine weitere vom Muttertier eingebrachte Schicht, das Eiklar.

Größe und Form[Bearbeiten]

Die Größe und Form von Eiern ist sehr unterschiedlich, sie reicht von mikroskopisch kleinen, endolecithalen Eiern mit einem Durchmesser von etwa 50 μm, wie sie beispielsweise bei Schwämmen, Nesseltieren und vielen weitere Tiergruppen vorkommen, bis zu Eiern von mehreren Zentimetern Durchmesser wie etwa bei vielen Knochenfischen oder beim Afrikanischen Strauß mit 15 Zentimetern Durchmesser.[1]

Da Eier als Ruhestadium keine äußeren Organe wie Gliedmaßen oder Flossen, Mundwerkzeuge und Sinnesorgane besitzen, sind sie einfach geformt, meist ist der Längsschnitt ein Oval. Die Variationen reichen dabei von der häufigen Kugelform bis zum an den Enden abgerundeten Zylinder („Stift“), wie er bei Insekten häufig vorkommt, und zum fast kegelförmigen Lummenei. Manche Eier haben jedoch äußere Fortsätze, die der Befestigung dienen, wie etwa die Eier der Echten Rochen.

Eiablage und Brutpflege[Bearbeiten]

Eier der Honigbiene in der Honigwabe

Im ursprünglichsten Fall, besonders bei festsitzenden (sessilen) Tieren, werden die unbefruchteten Eizellen und die Spermien einfach ins Wasser abgegeben. Bewegliche Wassertiere legen die Eier meist an besonders geeigneten Orten ab, so legen Forellenfische zum Laichen im Kies spezielle Laichgruben an, Erdkröten wickeln ihre Laichschnüre um Wasserpflanzen. Die Überlebenschancen der Eier werden durch Brutpflege erhöht, wie das Bewachen der Eier bei Fischarten wie den Stichlingen und das Bebrüten bei den Vögeln. Im Extremfall werden die Eier im Mutterleib ausgebrütet, etwa bei ovoviviparen Haien und Rochen oder den Lebendgebärenden Zahnkarpfen, aber auch bei verschiedenen Wirbellosen, bei denen die Weibchen im Laufe der Eientwicklung sterben.

Die Gesamtheit der an einem Ort abgelegten, entwicklungsfähigen Eier werden als Gelege bezeichnet.

Nutzung durch den Menschen[Bearbeiten]

Ernährung[Bearbeiten]

Die Hauptnutzung von Eiern durch den Menschen ist das Ei als Nahrungsmittel. Das weltweit bei weitem am meisten gebrauchte Vogelei ist das Hühnerei, das nicht nur als gekochtes Ei oder Rührei und als Zutat verschiedener Speisen, sondern auch in der Technik verwendet wurde und wird (z. B. in manchen Temperafarben oder historischem Mörtel.)[3]

Neben den Eiern von domestizierten Nutztieren, vor allem Hühnern, werden auch Eier wildlebender und/oder schwer kultivierbarer Tiere gesammelt und genutzt, was für den Fortbestand einiger Arten wie den Meeresschildkröten oder den Stören, die zur Kaviargewinnung gefangen und getötet werden, eine Bedrohung für die Bestände darstellen kann.

Kulturelle Bedeutung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ei in der Kultur

Aufgrund ihrer Bedeutung haben Hühner- und andere Eier auch in der Kultur eine Bedeutung. Aus den Schalen von Straußeneiern wurden früher in Europa prunkvolle, reichverzierte Trinkgefäße gefertigt,[4] heute werden aus den Schalen Lampenschirme oder Schmuckgegenstände hergestellt.

Im traditionellen Brauchtum werdeb gefärbte oder verzierte hartgekochte Eier oder ausgeblasene verzierte Eierschalen als Ostereier oder Osterschmuck zum Osterfest genutzt. Eier als Grabbeigabe sind seit dem 4. Jahrhundert belegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Ebermann, Ibrahim Elmadfa: Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung. Springer-Verlag 2011, ISBN 3-709-10211-1, S. 334.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Ei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wikiquote: Ei – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ei“, Stichwort im Lexikon der Biologie, spektrum.de; abgerufen am 25. April 2015.
  2. a b Reinhard Rieger: Metazoa, Tierische Vielzeller. in: W. Westheide, R. Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart und Jena 1996; S. 89. ISBN 3-437-20515-3.
  3. Tschechien online: Uralte Legende bestätigt: Eier im Mörtel der Prager Karlsbrücke nachgewiesen, aufgerufen 4. Juli 2012
  4. Das Grüne Gewölbe Dresden: Strauße als Trinkgefäße von Elias Geyer (vor 1610), Straußeneipokale deutsch, süddeutsch (um 1600)