Eichenblättriger Giftsumach

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Giftsumach ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur Art Toxicodendron radicans siehe Kletternder Gift-Sumach
Eichenblättriger Giftsumach
Toxicodendron pubescens

Toxicodendron pubescens

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Sumachgewächse (Anacardiaceae)
Gattung: Toxicodendron
Art: Eichenblättriger Giftsumach
Wissenschaftlicher Name
Toxicodendron pubescens
Mill.


Der Eichenblättrige Giftsumach (Toxicodendron pubescens[1], Synonyme:[1] Giftefeu, Rhus toxicodendron L., Rhus toxicodendron var. quercifolium Michx., Toxicodendron quercifolium (Michx.) Greene, Toxicodendron toxicarium (Salisb.) Gillis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Toxicodendron in der Familie der Sumachgewächse (Anacardiaceae). Sie stammt aus Nordamerika.

Ein Pflanzeninhaltsstoff ist Urushiol, das bei Berührung der Pflanze in den allermeisten Fällen einen juckenden Ausschlag verursacht.[2][3][4]

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration von Pierre-Joseph Redouté

Diese variable Art wächst entweder als Strauch bis zu einer Wuchshöhe von etwa 1 Meter oder als Kletterpflanze mit Luftwurzeln. Die kletternde Form kann botanisch als Varietät Toxicodendron pubescens var. radicans oder manchmal als eigene Art Toxicodendron radicans angesehen werden.[2] Diese ist auch unter dem nordamerikanischen Trivialnamen Poison Ivy (direkt übersetzt „Giftefeu“) bekannt. Die Bezeichnung "Efeu" ist irreführend, da der Giftsumach trotz äußerlicher Ähnlichkeit, aber völlig anderer Laubblätter mit dem Gemeinen Efeu (Hedera helix) nicht verwandt ist.

Der Eichenblättrige Giftsumach wächst als sommergrüner Halbstrauch. Die großen Äste sind relativ dünn und biegsam. Alle Teile der Pflanze führen einen gelblich weißen Milchsaft, der sich an der Luft rasch schwarz färbt, mit penetrantem, übelkeiterregendem Geruch. Diese Schwarzfärbung bietet eine Möglichkeit, diese Pflanzenart zu identifizieren.[2][3][4]

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 8 bis 14 Zentimeter lang. Die dreiteilig gefiedrige Blattspreite ist flaumig behaart mit gezähnten Rand. Die Laubblätter können im Frühjahr purpurfarben sein, im Sommer grün glänzend und im Herbst leuchtend rot.[2][4]

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Der lockere, rispige Blütenstand ist seitenständig. Die eingeschlechtigen Blüten sind weiß bis grün mit roter Mitte. Die erbsengroße kugelige, gelbliche Steinfrucht ist 4 bis 8 Millimeter groß.[2][3][4]

Hautblasen durch das starke Kontaktallergen

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet von Toxicodendron pubescens erstreckt sich in Kanada von Nova Scotia bis British Columbia, über die östlichen USA bis Arizona und Florida. Er kommt teilweise in Mexiko, auf den Bahamas und in Nordostasien vor. Der Eichenblättrige Giftsumach ist auch in Buschwäldern und feuchten Gegenden in Mittelfrankreich und einigen anderen Teilen Europas ein Neophyt, wo er sich teilweise akklimatisiert hat. In Deutschland ist der Eichenblättrige Giftsumach in botanischen Gärten zu sehen, selten auch in Hausgärten.

Der Eichenblättrige Giftsumach wächst oft als Unterholz in Dickichten, aber auch an steinigen Orten, sowie in trockenen, bewaldeten Gebieten, vor allem an Randbereichen entlang und auf sandigen Dünen. Er verträgt saure Böden mit pH-Werten von 6,0 bis mäßig alkalische mit pH-Werten bis 7,9.[2][4]

Wichtige Inhaltsstoffe und Wirkungen[Bearbeiten]

Alle Pflanzenteile sind giftig, nicht aber der gewonnene Honig.[5] Die Arzneidroge wird aus den Blättern (Folia toxicodendri) gewonnen. Wichtige Inhaltsstoffe sind dabei das Urushiol, Fisetin, Gallussäure, Rhusgerbsäure und das Glykosid Toxicodendrol. Die ölige Substanz Urushiol zählt zu den stärksten natürlich vorkommenden Kontaktallergenen. Die unreifen Früchte enthalten ungefähr 3,6 %, die Blätter etwa 3,3 % und die Zweige circa 1,6 % der öligen Allergensubstanz. Schon sehr geringe Mengen im Mikrogramm-Bereich reichen für die starken Reizwirkungen. Oral aufgenommene Pflanzenteile führen zu Symptomen wie Erbrechen, Entzündung des Magen-Darm-Traktes, Koliken, Blutharnen und heftig neurologischen Symptomen, die an eine Atropinvergiftung erinnern.[6][7][8]

Verwendung[Bearbeiten]

Madaus zufolge wirkt schon die Ausdünstung des weißen, an der Luft sich schwarz färbenden Milchsaftes auf die Hautgefäße. So soll eine Gruppe Soldaten, die um ein Feuer aus den Zweigen lagerten, Hautbeschwerden gehabt haben. Häuser, wo der Strauch wuchs, galten als verhext, weil die Bewohner Rheuma bekamen. J. White beschrieb im New York medical journal 1873 eingehend die Grade der Hautreizung, vom Erythem mit etwas papulovesikulösem Ekzem bis hin zum heiß und rot geschwollenen Erysipel mit nässenden, krustigen Bläschen, die heftig jucken und brennen, dazu Fieber und Prostration. Andere beschrieben teils ähnliche Erscheinungen nach Einnahme. Allerdings seien nicht alle Menschen empfindlich. Hasen, die in strengen Wintern am Strauch nagten, stürben sofort, Pferde und Rinder aber nicht, und für die Haut von Kaltblütern sei er unschädlich. In die Heilkunde kam die Pflanze 1788 durch Dufresnoy als Mittel gegen Flechten. Alderson, Horsfield u.a. rühmten sie bei Lähmungen, besonders rheumatischer Natur, was viele Autoren bestätigten. Dazu kam der Einsatz bei Augenleiden, besonders wenn diese mit „skrofulös-herpetischen“ Gesichtsausschlägen verbunden waren.[9] Heute findet der Eichenblättrige Giftsumach in der Medizin keine Verwendung mehr.[7] Homöopathen verwenden Rhus tox bei Gelenk- und Rückenschmerzen, die zu ständiger Unruhe zwingen, auch bei Erkältungen, seltener bei Hautjucken, z.B. Herpes genitalis, mit Besserung durch Hitze.[10] Es wird aus frischen, beblätterten, jungen Trieben gewonnen. Eine orale Überdosierung wäre am ehesten durch Niedrigpotenzen und häufige Wiederholungen bedingt.[3][8][11]

Wissenswertes[Bearbeiten]

Eine ähnlich aussehende Art, die im englischen Sprachraum auch Poison Oak genannt wird, ist Toxicodendron diversilobum. Der Eichenblättrige Giftsumach wird in Deutschland oft nur als Giftsumach bezeichnet. Dieser Name ist aber für Toxicodendron vernix (Poison Sumac) gebräuchlich, der wenig Ähnlichkeit mit der hier behandelten Pflanzenart hat.

Neben den Wirkungen auf den Menschen ist der Eichenblättrige Giftsumach auch giftig für Pferde und oft tödlich giftig für Kleintiere wie Hasen.

Ein Merkspruch zur Erkennung und Vermeidung des Giftefeus lautet: „Der Blätter drei, geh dran vorbei.“

Quellen[Bearbeiten]

Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil aus den angegebenen Einzelnachweisen sowie den unter Literatur angegebenen Quellen:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Toxicodendron pubescens im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. a b c d e f Carlo Odermatt, Sven Hartmann, Beat Ernst: Homöopathie Arzneimittelbilder. K2-Verlag, 2004, ISBN 3-03722-950-0, S. 129.
  3. a b c d gifte.de – Rhus toxicodendron (letzter Zugriff am 18. Januar 2010)
  4. a b c d e Joseph-Amedee Lathoud: Materia Medica, Barthel & Barthel, 1996, ISBN 3-88950-017-X.
  5. Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. 8. Auflage. AT Verlag, 2007, ISBN 978-3-03800-352-6.
  6. Elisabeth Mandl: Arzneipflanzen in der Homöopathie, Maudrich, 1997, ISBN 3-85175-687-8.
  7. a b Willibald Pschyrembel: Pschyrembel Naturheilkunde und alternative Heilverfahren. 3. Auflage. de Gruyter, Berlin, New York: 2006, ISBN 3-11-018524-5.
  8. a b Frans Vermeulen: Prisma – Ähnlichkeiten und Parallelen zwischen Substanz und Arzneimittel. Emryss, 2006, ISBN 90-76189-17-X.
  9. Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band III. Olms, Hildesheim / New York 1979, ISBN 3-487-05891-X, S. 2316-2323 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938).
  10. Roger Morrison: Handbuch der homöopathischen Leitsymptome und Bestätigungssymptome. Kai Kröger Verlag, 2. Auflage, Groß Wittensee 1997, ISBN 3-9801945-5-8, S. 574-580.
  11. S. R. Phatak: Homöopathische Arzneimittellehre, Elsevier, 2005, ISBN 3-437-56860-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Hiller, Matthias F. Melzig: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, 2 Bände, Genehmigte Sonderausgabe für den area verlag, 2006, ISBN 3-89996-682-1.
  • L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Nikol Verlagsgesellschaft, 1994, ISBN 3-933203-31-7.
  • Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band III. Olms, Hildesheim / New York 1979, ISBN 3-487-05891-X, S. 2316-2323 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1938).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eichenblättriger Giftsumach (Toxicodendron pubescens) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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