Eierhäuschen

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Eierhäuschen
Ausflugsrestaurant
Ansicht um 1896

Ansicht um 1896

Daten
Ort Berlin
Baumeister Karl Frobenius
Baujahr 1837–1869
Ersatzbau 1876–1890
zweiter Neubau 1890–1892
Koordinaten 52° 28′ 53″ N, 13° 29′ 39″ OKoordinaten: 52° 28′ 53″ N, 13° 29′ 39″ O
Besonderheiten
zweimal abgebrannt

Das Eierhäuschen ist ein im 19. Jahrhundert errichtetes Berliner Ausflugslokal am Rande des Plänterwalds direkt am Ufer der Spree. In seinem Roman Der Stechlin ließ Theodor Fontane Melusine beim Anblick des Eierhäuschens über diesen Palazzo juchzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Eierhäuschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überreste einer slawischen Siedlung in unmittelbarer Nähe des Eierhäuschens belegen, dass diese Region an der Spree schon früh besiedelt war, doch die Geschichte des eigentlichen Ausflugslokals beginnt mit der Errichtung einer Ablage um 1820, zu der sich 1837 eine Schifferkneipe gesellte.[1] Über die Entstehung des Namens des Lokals gibt es zwei Theorien: Entweder weil der Wächter der Ablage nebenbei Eier an die Spreeschiffer verkaufte, oder weil der Preis bei einem örtlichen Ruderwettbewerb aus einem Schock Eier bestand, wurde die Spreeschönheit „so sonderbar benamst“, wie es bei Fontane heißt.

Im Jahr 1869 brannte das Restaurant ab. Der Pächter ließ es als Fachwerkbau neu errichten. Der Bau ging 1876 in den Besitz der Stadt Berlin über und hieß nun Altes Eierhäuschen.[2] Im Jahr 1890 brannte der Bau, nun in der Verwaltung des Gastwirts Lammers, erneut ab.

Neues Eierhäuschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Berliner Adressbuch der 1880er Jahre ist neben dem Alten Eierhäuschen das Neue Eierhäuschen genannt, das nicht der Stadt Berlin, sondern dem Gastwirt Franz Jachmann gehörte.[3] Das neue Eierhäuschen bestand weiterhin und wurde in den 1890er Jahren vom Sohn Julius Jachmann weiter geführt.[4] Im Jahr 1900 bestehen wieder das alte und das neue Eierhäuschen nebeneinander. Das Neue (was ja eigentlich nach dem Neubau des Alten das ältere ist) befindet sich zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Eigentum und in der Bewirtschaftung von Gastwirt F. Müller.[5]

Ende des 19. Jahrhunderts entsteht das (dritte) Eierhäuschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Entwürfen von Karl Frobenius wurde 1890–1892 am Ort des alten Eierhäuschens das dritte Gasthaus mit dem gleichen Namen gebaut. Typisch für den Landhausstil sind die Fachwerkelemente sowie der Turm mit einem Helm. Im Jahr 1902 ließ der Betreiber eine Veranda und einen großen Saal zusätzlich anbauen.[6]

Um die Jahrhundertwende bis nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war Wilhelm Andrée der Pächter des stets gut besuchten Lokals.[7] Eigentümer war und ist die Stadt Berlin. Im Jahr 1936 werden gar das Alte Eierhäuschen, das dem Bootshaus zugeordnet ist (Pächter Gastwirt Arthur Bieler) sowie das Kleine Eierhäuschen und das Große Eierhäuschen im Adressbuch in der Kiehnwerderallee aufgeführt, deren Pächter Gastwirt Alfred Werdermann ist.[8]

Zwischen 1945 und 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht 1960

In der DDR-Zeit bis Anfang der 1970er Jahre zählte das Eierhäuschen zu den beliebtesten Ausflugsgaststätten im Norden des Stadtbezirks Treptow. Teile des Hauses dienten darüber hinaus zeitweilig als Requisitenkammer des Fernsehfunks. 1970–1973 ließ der Rat des Bezirks Treptow das Gebäude rekonstruieren und in Teilen umbauen.

Nach der Wende, 1991 wurde das Lokal zusammen mit der Abwicklung des Kulturparks Plänterwald geschlossen. Der Schausteller Norbert Witte aus Hamburg kaufte danach die gesamte Immobilie, machte sich nach Insolvenz seines Unternehmens und anschließender Flucht nach Peru des Drogenschmuggels schuldig. So blieben das Parkgelände brach liegen und das Eierhäuschen unsaniert und dem Verfall preisgegeben. Die aus Zeiten des Kulturparks fortbestehende Zuordnung der Gaststätte zur Liegenschaft Spreepark, obwohl sie außerhalb dessen Einzäunung liegt, erwies sich bisher (Stand 2014) als hinderlich für eine Reaktivierung. Eine vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene Herauslösung der Immobilie aus dem seit Ende 2001 insolventen Spreepark wurde seitens des Berliner Senats nicht umgesetzt, da größere Vermarktungschancen für die Spreepark-Fläche erwartet werden.

Zustand des Gasthauses im Jahr 2012

Ab 2014: Sanierung und Wiedereröffnung geplant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das stark sanierungsbedürftige denkmalgeschützte Gebäude sollte 2014 durch das Land Berlin und den Bezirk Treptow-Köpenick ein gemeinsames Nutzungskonzept mit dem landeseigenen Spreepark gefunden werden.[9] Bisher nur notdürftig vor weiterem Verfall gesichert, stellte der Berliner Senat ab 2015 zehn Millionen Euro „für Investitionen auf dem Gelände des Spreeparks und hier insbesondere für die Sanierung des sogenannten Eierhäuschens“ bereit.[10] Ende des Jahres 2015 begann die Senatstochterfirma Grün Berlin mit konkreten Planungen und ersten Arbeiten. Von der Gesamtsumme entfallen nach dem Willen des Berliner Finanzsenators Matthias Kollatz-Ahnen sieben Millionen auf das ehemalige Ausflugslokal, das seine ursprüngliche Gestalt zurückerhält.[11] Im 2. Quartal 2018 sollte die bauliche Sanierung/Wiederherstellung abgeschlossen werden.[12] Nach Wiedereröffnung soll das Gebäude als Residenz für Künstler („Artists in Residence“ in den Obergeschossen) dienen, die zugleich hier temporäre Kunstwerke für den Park erschaffen sollen.[13] Diese Zeitplanungen waren zu ambitioniert. Der Rahmenplan vom Frühjahr 2018 sieht nun vor, das Eierhäuschen mit Gastronomie und einem Biergarten sowie den Künstler-Unterkünften im Jahr 2021 fertig zu stellen.[14] Die geplante „nutzungsneutrale und denkmalgerechte Grundsanierung“ machte jedoch Schwierigkeiten, weil der Bauzustand schlechter als vorab ermittelt war und weil die während der Arbeit stattgefundene Änderung des Betreibers (von der ehemals landeseigenen Immobiliengesellschaft BIM auf Grün Berlin GmbH) höhere Bauanforderungen verursachte. Bis zur Realisierung der Pläne soll noch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung stattfinden.[15]

Die denkmalgerechte Sanierung erfolgt unter Verantwortung der DHL-Architekten (Detlev Höink-Langguth aus Berlin).[16]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giebelschmuck

Das Gebäude besitzt einen mehrfach gegliederten rechteckigen Grundriss und sein Mittelstück ist zweigeschossig. Die Fassade besteht aus unverputzten Backsteinen, regelmäßig gegliedert durch längs betonte Doppelstreifen aus schwarz glasierten Steinlagen. Die zweiflügeligen Fenster sind weiß oder farbig gerahmt und ihr oberer Abschluss ist leicht gerundet. Das Satteldach ruht auf fachwerkähnlichen Dachkonstruktionen, zur Spitze des Giebels sind mit weißen Ornamenten ist auf einer Seite ein gerahmtes Rundfenster eingearbeitet, auf der anderen Siete wurde anstelle des Fernsters das Berliner Wappen platziert. Über den Fenstern trägt die Fassade querrechteckige weiße Ornamentstreifen, mittig zur Wasserseite hin findet sich der Schriftzug Zum Eierhäuschen.[15] Das Ziertürmchen mit quadratischer Grundfläche ist asymmetrisch in das Bauwerk eingefügt, etwa 8 m hoch und mit einem Pyramidendach versehen. Außen sind einige Fassadenelemente unterhalb der symmetrisch angeordneten Doppelfenster ebenfalls wie Fachwerk gestaltet. Halbrund-Erker gliedern Räume zum Inneren hin.[17][6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wo sich Fontane sein Rührei munden ließ. In: Volkmar Draeger: Wie geht’s altes Haus? Verlag Neues Deutschland, Berlin 2006, ISBN 3-9807073-7-7, S. 30–34.
  • Dana Schultze, Karin Manke: Streifzüge durch Treptow. Stapp Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-87776-932-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eierhäuschen (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Über Stralow, seine Gegend und sein Volksfest, in historischer Beziehung. In: George Gropius: Beiträge zur Geschichte Berlins. Hier wird eine frühere Besiedlung des Areals genannt (S. 9 ganz unten).
  2. Treptow > An der Spree. In: Berliner Adreßbuch, 1885, I, S. 99 (Eigentümer Magistrat; Betreiber Buchholz, Restaur.).
  3. Treptow > Einwohnerverzeichnis. In: Berliner Adreßbuch, 1887, Anhang, Adress-Buch, N, S. 109 (Buchholz, Oscar; Jachmann, Franz).
  4. Treptow > Jachmann, Julius. In: Berliner Adreßbuch, 1893, V, S. 172.
  5. Treptow > An der Spree. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1900, V, S. 239.
  6. a b Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 382 f.
  7. Andrée, Wilhelm. In: Berliner Adreßbuch, 1918, I, S. 36. „Gastwirt in Treptow; Altes Eierhäuschen“.
  8. Kiehnwerderallee. In: Berliner Adreßbuch, 1936, Teil 4, S. 1981.
  9. Alter Pächter räumt fristgemäß Spreepark im Plänterwald In: Berliner Morgenpost. 1. Mai 2014.
  10. Zehn Millionen Euro für die Sanierung des "Eierhäuschens". Berliner Woche, 12. Februar 2015.
  11. Regina Köhler: Sanierung von Spreepark und Eierhäuschen beginnt noch 2015, In: Berliner Morgenpost, 20. Oktober 2015, abgerufen am 29. Oktober 2016.
  12. Hoffnung für das Eierhäuschen, In: Berliner Woche, online, abgerufen am 29. Oktober 2016.
  13. Plänterwald – was für ein Spreepark. In: Berliner Kurier, 12. Dezember 2017.
  14. Philipp Hartmann: Rahmenplan zur Zukunft des Spreeparks vorgestellt auf www.berliner-woche.de, 30. Mai 2018. Abgerufen am 9. Dezember 2018.
  15. a b Gerhard Lehrke: Das Eierhäuschen bleibt bis 2021 eine Baustelle. In: Berliner Zeitung, 26. August 2019, S. 13 (Printausgabe).
  16. Projekt Eierhäuschen. Abgerufen am 26. August 2019.
  17. Foto: Eierhäuschen von hinten, abgerufen am 26. August 2019.