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Eiermann-Magnani-Haus

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Eiermann-Magnani-Haus (2021)

Das Eiermann-Magnani-Haus ist ein Museum im Buchener Stadtteil Hettingen. Es dokumentiert ein Nachkriegsprojekt zur Integration von Heimatvertriebenen und Bedürftigen. Es wurde in den 1940er-Jahren von dem Pfarrer Heinrich Magnani (1899–1979) und dem Architekten Egon Eiermann (1904–1970) als Wohnhaus realisiert und diente als Modell für weitere Genossenschaftssiedlungen.

Das Haus in der Adolf-Kolping-Straße 29, das die Jahrzehnte nahezu unverändert überstand, wurde von der Wüstenrot Stiftung saniert. Heute ist es ein Museum des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, das die Geschichte der Bewohner und die Entstehung der Siedlung darstellt. Betreiber und Eigentümer ist der Verein Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte.[1][2]

Das erste Baufeld, zu dem auch das Museum in der Adolf-Kolping-Straße 29 gehört, liegt zwischen den Straßen Adolf-Kolping-Straße, Kettelerweg, Heinrich-Magnani-Straße und Schwedensteinstraße im Süden von Hettingen. Die Doppelhäuser sind entweder von der Adolf-Kolping-Straße (Hausnummern 25 bis 37) oder der Heinrich-Magnani-Straße (Hausnummern 1 bis 13) erschlossen. Das zweite Baufeld liegt an der Heinrich-Magnani-Straße, südlich des ersten Bauabschnittes. An der Ecke Heinrich-Magnani-Straße zur Schwedensteinstraße wurde Heinrich Magnani ein Denkmal errichtet.

Aus wissenschaftlichen, künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen stellte das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg zwei der Doppelhäuser aus der ehemaligen Genossenschaftssiedlung 1988 nach § 2 des Denkmalschutzgesetzes des Landes Baden-Württemberg als Kulturdenkmäler unter Schutz. Darunter befand sich auch das heutige Eiermann-Magnani-Haus.[3]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand das Dorf Hettingen vor der Herausforderung, 500 Vertriebene in einer Dorfgemeinschaft mit 1500 Einwohnern aufzunehmen. Um dem akuten Wohnraummangel zu begegnen, gründete Ortspfarrer Heinrich Magnani (1899–1979) eine Baugenossenschaft. Ziel der Genossenschaft war es, sowohl für die Vertriebenen als auch für die Einheimischen angemessenen Wohnraum zu schaffen.[4]

Der Architekt Egon Eiermann (1904–1970) entwarf die Häuser der neuen Siedlung und schuf trotz begrenztem Platzangebot offene und großzügige Wohnbereiche. Seine Planung erstreckte sich bis ins Detail der Ausstattung.

Die zukünftigen Mieter waren verpflichtet, umfangreiche Eigenleistungen einzubringen. Auch Freiwillige halfen bei der Errichtung der Häuser mit. Am Schluss wurden die Häuser an die Familien vergeben, die die meisten Tagwerke eingebracht hatten. Die Siedlung wurde in zwei Bauabschnitten umgesetzt. Sieben Doppelhäuser, darunter das heutige Eiermann-Magnani-Haus, wurden bis 1948 errichtet. Im zweiten Abschnitt sollten dreizehn Ein- und drei Mehrfamilienhäuser folgen. Es wurden jedoch lediglich vier Einfamilienhäuser gebaut.[3] Später konnten die Mieter die Häuser erwerben. Viele Häuser wurden in der Folgezeit den sich verändernden Bedürfnissen angepasst.

Das heutige Museum gehört zu den Häusern, die wenige bauliche Veränderungen durchmachten. Die Wüstenrot Stiftung konnte für eine denkmalgerechte Instandsetzung gewonnen werden, die in den Jahren 2014 bis 2016 erfolgte. Danach wurde die Dauerausstellung eingebracht, die sich im Erdgeschoss dem Projektinitiator Magnani und dem Architekten Eiermann widmet und die Architektur und die Entwurfsfinessen in dem einfachen und zweckmäßigen Gebäude erläutert. Die Räume im Obergeschoss zeigen das Leben der heimatvertriebenen Bewohner.[5] Auch das Haus selbst und der Garten sind Teil der Ausstellung.[3]

Am 17. Juni 2018 wurde mit Gottesdienst, Festakt und einer Weihung die Eröffnung des Eiermann-Magnani-Hauses begangen.[6] Das Projekt findet bis heute überregionale Anerkennung.

Städtebauliche Anordnung

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Eingangsseite mit Schuppen und Vordach sowie Ansicht vom Garten

Das Baugrundstück steigt leicht an. Eiermann ordnete die Doppelhaushälften der Siedlung quer zum Hang und in der Längsachse leicht verschoben an, was ein aufgelockertes Bild der Bebauung und vielfältig gegliederte Außenflächen erzeugte. Ein Kleintierstall mit Holzschuppen wurde neben der Eingangsseite platziert, so dass der sich ergebende Hof von der Straße abgeschirmt wird. Das verlängerte Schuppendach dehnt sich in Richtung Eingang aus und bildet einen geschützten Vorplatz. Der Nutzgarten liegt auf der westlichen Seite des Hauses.[3]

Ursprüngliche Gestaltung der Häuser

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Das tragende Mauerwerk der Fassade bestand aus luftgetrockneten Lehmziegeln. Vorgeblendet wurden gebrannte Klinker im Prüßverband, bei dem die Steine abwechselnd horizontal und vertikal vermauert werden, so dass ein schmückendes Muster entsteht. Die Klinker waren nach dem Krieg auf Grund des Mangels an Kohle teuer und schwer zu beschaffen. Deshalb wurden sie nur bei der witterungsbeständigen Gebäudehülle verwendet. Die Lehmziegel innen waren mit Material aus der Umgebung einfach herzustellen. Magnani ließ dazu eine stillgelegte Ziegelei in Walldürn reaktivieren. Die aufwendigen Kastenfenster mit schwenkbaren Kippflügeln waren ein Entwurf Eiermanns.[3]

Die Einbaumöbel wurden von den Bewohnern in der Siedlungsschreinerei angefertigt. „Auch innen werden die Häuser anders sein“, erklärte der Architekt Eiermann. „Die neuen Häuser müssen (…) mit ihrer gesamten Einrichtung gebaut werden, um bei den kleinen Räumen das Optimum an Wohnlichkeit zu erzielen“.[3]

Das Haus wurde über eine kleine Diele im Erdgeschoss betreten, die über ein tiefes, hinter einem Holzgitter liegenden Fenster beleuchtet wurde. Der Belag aus Bruchsteinplatten wurde vom Vorplatz bis in die Diele geführt. Geradeaus lag die einläufige Treppe zum Obergeschoss, rechts betrat man den Wohnbereich. Das Wohnzimmer lag der Küche und dem Essbereich gegenüber. Die Räume waren ursprünglich nicht durch Wände geschlossen, so dass ein großzügiges Raumgefüge entstand und alle Räume mit nur einem Ofen beheizbar waren. Aus dem Wohnzimmer und der Küche konnte man über Nebentüren direkt in den Hof bzw. den Garten gelangen.[3]

Im Obergeschoss befanden sich zwei Schlafzimmer, die über eine begehbare Ankleide verbunden waren: „das in den nordischen Staaten längst eingeführte Rezept des begehbaren Schrankes, in dem nur leichte Regale für die Wäsche und Ständer für die Kleider aufgestellt werden (…), um kostbare Tischlerarbeit und kostbares Material (…) zu sparen.“ Der Ofen im Wohnzimmer erwärmte die Schlafzimmer im Geschoss darüber. Zwei am Kamin angeordnete Heißluftkanäle führten in eine Besenkammer im Obergeschoss, wo sie horizontal aufgeteilt wurden. In den Schlafzimmern trat die Wärme aus Gittern in der Wand aus. Im Obergeschoss gab es weiter das Badezimmer sowie eine unbeheizte Kammer. Die Verbindungstreppe verfügte über einen Handlauf sowie ein Geländer aus Seil.[3]

Der Standard der Ausstattung lag deutlich über dem Standard damaliger Häuser. Die Notsiedlung erhielt damit ein bürgerliches Flair, verwies aber mit den verwendeten Gestaltungselementen (z. B. Kordel als Handlauf) und den Materialien (z. B. Natursteinplatten auf der Diele und dem Vorplatz) schon auf die Nachkriegsmoderne.[3]

Die Gliederung des westlichen Gartens bestand in einem zentralen Mittelweg aus Kalksteinplatten, die in gebrochenen Formaten verlegt wurden. Von diesem Gang aus waren die Gemüsebeete parallel angeordnet. Vor der Wand des Hauses wurde ein ca. 50 cm breites Blumenbeet angelegt. Eine Rampe verband das nördliche Eingangstor und den Hof mit der Umgebung. Mit Handkarren wurden über die Rampe Holz, Kohle sowie die Ernte von den gemeinschaftlich bewirtschafteten Feldern eingebracht.[3]

Instandsetzung des Eiermann-Magnani-Hauses

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Bestand, Bestandsuntersuchungen und Planungen

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Seit dem Erstbezug 1948 blieb das heutige Museum über fast 50 Jahre hinweg in der Hand derselben Eigentümerfamilie. Das Haus wurde dabei wenig verändert. Nur die gartenseitigen Fenster wurden getauscht und das Erdgeschoss wurde untergliedert. Eine zusätzliche Innenwand teilte das Wohnzimmer vom Esszimmer, so dass sich ein weiteres Schlafzimmer ergab. Der Grund dafür war, dass im Haus zeitweilig bis zu drei Familien wohnten. Im Schuppen des Hauses wurden noch die ausgebauten Flügel des ursprünglichen Fensters auf der Gartenseite eingelagert. Sogar zwei Regale aus dem ehemaligen Ankleidezimmer wurden im Keller noch entdeckt.[3]

Im Jahr 2008 gründete sich der Verein Eiermann Magnani-Dokumentationsstätte e. V., um das leerstehende Haus zu erhalten. Der Erwerb des Hauses erfolgte mit finanzieller Unterstützung der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Die Denkmalstiftung unterstützte mit 10.000 EUR, noch einmal 35.000 EUR Förderung kamen vom Landesamt für Denkmalpflege für die denkmalgerechte Instandsetzung hinzu.[3]

Das Landesdenkmalamt beauftragte die Erstellung eines restauratorischen Raumbuchs, um den Erhaltungszustand der Innen- und Außenwände, Decken, Fußböden, Fenster und Einbaumöbel darzustellen und den Umgang mit den originalen Ausbauelementen und Materialien festlegen zu können. Das Haus war stark sanierungsbedürftig, jedoch in der Substanz brauchbar. 2012 erstellte der als Bauherr auftretende Projektpartner, die Wüstenrot Stiftung, eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung. Planer erstellten ein Reparatur- und Instandsetzungskonzept. Die neuen Konstruktionen und Baustoffe des Hauses, die Haustechnik und die Gartengestaltung wurden in enger Abstimmung zwischen der Stiftung und dem Denkmalamt festgelegt.

Instandsetzungs- und Präsentationskonzept für das Gebäude

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Viele Bauelemente waren aus der Bauzeit erhalten. Sie waren jedoch oftmals in der Nutzungszeit mehrfach verändert oder mit neuen Deckschichten versehen worden. Die hochwertige Architektur des Hauses war ein Argument für die Rückführung in den ersten, bauzeitlichen Zustand. Die Spuren der Nutzung sind jedoch ein erhaltenswertes Dokument der Sozialgeschichte der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik. Weiter war der Anspruch, die gesamte Lebensgeschichte des Hauses sichtbar zu machen. Originale Zeitschichten waren zu schützen, Verlorengegangenes sollte nicht rekonstruiert werden.[3]

Um sowohl den architektonisch-historischen als auch den sozialgeschichtlichen Aspekten gerecht zu werden, wurde für das Erdgeschoss und die Außenanlagen eine Präsentation in der ursprünglichen Räume und Fassungen beschlossen. Hier wurde nach längerer Abwägung ein Abriss der Trennwand zwischen Wohn- und Essbereich umgesetzt, um die Großzügigkeit des Eiermann-Entwurfes darstellen zu können. Die Spuren des alten Wandanschlusses am Fußboden und an der Decke sind dennoch erhalten geblieben. Da nicht festgestellt werden konnte, ob Eiermann auch Farbvorschläge für die Ersteinrichtung gemacht hatte, erhielt man den letzten, neuzeitlich-weißen Dispersionsanstrich der Wände. Die älteren, darunter liegenden Farbschichten kann man in kleinen, freigelegten Schichten in der Nähe des Kamins und im Wohnbereich ansehen. Bei den unteren Schichten über dem Kalkputz handelt es sich um einen weißen Kalkanstrich als Grundierung und eine beige Leimfarbe.[3]

Das Obergeschoss sollte dagegen die Nutzung und den bewohnten Zustand bezeugen. Auf den Wänden fand man dort verschiedene Rollmuster-Fassungen. Statt Tapeten hat man früher Ornamente oder Strukturen mittels in Farbe getränkter Rollen auf die mit einer Grundfarbe versehenen Wände aufgetragen. In den 1950er Jahren wurde auf dem Fußboden Stragula verlegt, der ebenso wie bemalte Dielenböden erhalten wurde.[3]

Das Architekturbüro, das die Sanierung betreute, wurde für den DAM Preis für Architektur in Deutschland 2020 nominiert.[7]

Egon Eiermann ließ bauzeitlich die Elektroleitungen in Leerrohren unter Putz verlegen, was für die ländliche Gegend bereits gehobener Standard war. Bei der Sanierung wurden in den vorhandenen Leerrohren neue, technisch sichere Elektroleitungen eingezogen. Der Heizofen ließ sich trotz Instandsetzung nicht mehr ausreichend betreiben. Heute wird mittels einer Wärmepumpe warme Luft über die historischen Kanäle im Haus verteilt. Da in den alten Kanälen ein Ventilator eingebaut wurde, der die erwärmte Luft auch in Richtung des alten Ofens drückt, entsteht auch an dieser Stelle der Eindruck einer leichten Wärmequelle. Der Wärmeerzeuger im Keller ist für Besucher nicht sichtbar. Die Temperierung des Hauses wird konstant betrieben, um auch der Feuchte im Keller entgegenzuwirken.[3]

  • Wüstenrot Stiftung, Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Eiermann Magnani Haus (Katalog), Ludwigsburg / Stuttgart, 2018. ISBN 978-3-933726-57-5
  • Dorothea Deschermeier: Das Eiermann-Magnani-Haus. Die Geschichte der Instandsetzung. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 47, Nr. 4/2018. Digitalisat
Commons: Eiermann-Magnani-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Eiermann-Magnani-Haus. In: Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Abgerufen am 5. Januar 2025.
  2. Das Eiermann Magnani Haus, ein Architekt, ein Pfarrer, eine Modellsiedlung. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, abgerufen am 5. Januar 2025.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Dorothea Deschermeier: Das Eiermann-Magnani-Haus. Die Geschichte der Instandsetzung. In: Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg (Hrsg.): Denkmalpflege in Baden-Württemberg,. Band 47, Nr. 4, 2018, S. 264269.
  4. Stuttgarter Zeitung: Eiermann-Magnani-Haus: Ein Pfarrer, ein Architekt, ein Flüchtlingsheim. Abgerufen am 28. Februar 2026.
  5. Eiermann-Magnani-Haus in Buchen-Hettingen. Abgerufen am 28. Februar 2026.
  6. Nadine Schäfer: Eiermann-Magnani-Haus in Buchen-Hettingen / Odenwald. In: Wüstenrot Stiftung. 13. November 2023, abgerufen am 28. Februar 2026.
  7. Eiermann-Magnani-Haus - wolfram architekten | ihr architekturbüro in buchen. Abgerufen am 28. Februar 2026.

Koordinaten: 49° 31′ 3,8″ N,  21′ 53,8″ O