Echter Pfifferling

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Echter Pfifferling
Cantharellus cibarius - Lindsey.jpg

Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Pfifferlingsartige (Cantharellales)
Familie: Pfifferlingsverwandte (Cantharellaceae)
Gattung: Pfifferlinge (Cantharellus)
Art: Echter Pfifferling
Wissenschaftlicher Name
Cantharellus cibarius
Fr.

Der Echte Pfifferling, Eierschwamm oder Rehling (Cantharellus cibarius), auch Eierschwämmchen, in Österreich und Bayern Eierschwammerl und Reherl, in Franken Gelberle,[1] in Sachsen Gelchen, in der Schweiz auch Eierschwämmli genannt, ist ein essbarer Pilz aus der Familie der Pfifferlingsverwandten.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die charakteristischen Merkmale des Echten Pfifferlings sind Form und Farbe von Hut und Stiel der Fruchtkörper. Der dotter- bis goldgelbe Hut hat 2 bis 9, selten bis 15 Zentimeter im Durchmesser, hat anfangs eine halbkugelige bis gewölbte Form, die sich dann umstülpt zu einer trichterförmigen. Der Hutrand ist unregelmäßig wellig und oft auch später noch eingebogen. Die Hutunterseite ist mit vergleichsweise niedrigen und mehr oder weniger breiten, aderigen, oft gegabelten und anastomosierenden (miteinander verbundenen) Leisten bedeckt, die weit am Stiel herablaufen und allmählich daran auslaufen. Der hutfarbene Stiel ist kurz (3 bis 6, selten bis 8 Zentimeter lang), meist 1 bis 2 Zentimeter stark, oft gebogen, nach unten verjüngend und nach oben allmählich in den Hut übergehend und vollfleischig beschaffen. Das Fleisch ist knackig fest, im Stiel zäh und faserig, weißlich bis blassgelb gefärbt, schmeckt mild bis pfeffrig (daher der Wortursprung[2]) und riecht bei frischen Exemplaren fein fruchtartig (nach Aprikosen). Die Sporen erscheinen massenhaft als blassgelbes Sporenpulver, messen 8 bis 10 auf 4,5 bis 5,5 Mikrometer und sind ellipsoid geformt. Sie zeigen mit Iodreagenzien keine Farbreaktion (inamyloid).[3][4][5][6]

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Potenzieller Pfifferlingsstandort im bodensauren Fichtenwald mit spärlichem Pflanzenbewuchs

Der Echte Pfifferling ist ein Mykorrhizapilz, der mit diversen Nadel- und Laubbäumen Symbiosen eingeht. In Mitteleuropa ist der bevorzugte Baumpartner die Gemeine Fichte, gefolgt von der Rotbuche. Außerdem kann der Pilz mit Eichen, Kiefern und Tannen vergesellschaftet sein. Der Echte Pfifferling besiedelt diverse Waldtypen auf mäßig trockenen, basen- und nährstoffarmen Böden. In Kalkgebieten werden nur oberflächlich versauerte Böden besiedelt. Er wächst oft sehr gesellig in Jungpflanzungen und an mehr oder weniger offenen, nur schütter von Gräsern, Stauden und Moosen bewachsenen Stellen.

Die Fruchtkörper des Echten Pfifferlings erscheinen in Mitteleuropa von Juni bis November.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Echte Pfifferlinge (C. cibarius) auf dem Münchner Viktualienmarkt

Der Echte Pfifferling kommt in Australien, Südamerika, Nordasien, Nordamerika und Europa vor. In Europa ist der Pfifferling weit verbreitet.

Bestandsentwicklung und Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Pfifferlingsarten stehen in Deutschland unter Naturschutz, sie sind nach der Bundesartenschutzverordnung in Anlage 1 als "besonders geschützt" aufgeführt.[7]

Der Echte Pfifferling ist ein recht häufiger Pilz. Zu den Gefährdungsfaktoren zählen langjähriger Niederschlagsmangel, Grundwasserabsenkungen, forstliche Eingriffe und Bodenverdichtung durch Forstmaschinen und viel betretene Waldgebiete. Für Baden-Württemberg wird der Pfifferling in die Gefährdungsgruppe G 3 (derzeit noch häufig, aber erhebliche Rückgangstendenz) eingeordnet.

Auch in Österreich ist das Eierschwammerl „gefährdet“ und deshalb in allen Bundesländern geschützt. Üblicherweise bedeutet das, dass nur von Privatpersonen Eierschwammerl ähnlich anderen Pilzarten bis zu einer Maximalmenge von zwei Kilogramm geerntet werden dürfen.[8]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Speisewert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für die Zubereitung: Kalbsgeschnetzeltes mit frischen Pfifferlingen in Rahmsoße

Der Echte Pfifferling ist bereits seit dem Altertum ein beliebter Speisepilz und wird in großen Mengen gehandelt. In Deutschland angebotene Pfifferlinge kommen meist aus ostmitteleuropäischen, baltischen und osteuropäischen Ländern, doch auch aus dem Atlasgebirge.

Redewendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit: „Das ist (mir) keinen Pfifferling wert!“ drückt man umgangssprachlich eine geringe Wertschätzung gegenüber einer Sache oder einer Person aus. Ob es einen Zusammenhang mit dem Pilz gibt, ist umstritten. Die Vermutung, dass die Redewendung auf das (über-)reichliche Angebot dieses Pilzes zurückzuführen ist, liegt zwar auf der Hand; wahrscheinlicher ist aber die Herkunft aus dem südwestdeutschen Dialekt, wo ein Fünf-Pfennig-Stück Pfifferle heißt. „So ein falscher Pfifferling!“ (i. d. R.: eine Person zwielichtigen Charakters) dürfte aus der Verwechselbarkeit mit ebendiesem entstanden sein.

Briefmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Variabilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Echte Pfifferling variiert stark, Corner (1966) führt weltweit bis zu 18 verschiedene Varietäten.[9] Krieglsteiner (2000) hat lediglich zwei Varietäten taxonomischen Rang zugestanden, die inzwischen Artniveau haben: Violettschuppiger Pfifferling (Cantharellus amethysteus) und Blasser Pfifferling (Cantharellus pallens).[10] Dagegen erkennen Eyssartier & Buyck (2000) neben der Typusvarietät sieben Taxa an:[11]

Typische Exemplare des Echten Pfifferlings.
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Blassleisten-Pfifferling Cantharellus cibarius var. albidus Maire 1937
Atlantischer Pfifferling Cantharellus cibarius var. atlanticus Romagnesi 1995
Zweifarbiger Pfifferling Cantharellus cibarius var. bicolor Maire 1937
Fleischrosa Pfifferling Cantharellus cibarius var. carneoalbus (R. Heim 1960) Corner 1966
Hasel-Pfifferling Cantharellus cibarius var. flavipes R. Heim 1960 ex Eyssartier & Buyck 2000
Braunschuppiger Pfifferling Cantharellus cibarius var. squamulosus (A. Blytt 1905) Eyssartier & Buyck 2000
Rostbrauner Pfifferling Cantharellus cibarius var. umbrinus R. Heim 1960 ex Eyssartier & Buyck 2000

Anhand neuerer genetischer Untersuchungen wurden einige dieser Varietäten wieder revidiert oder zu anderen Arten zugehörig erklärt: Beispielsweise var. squamulosus und var. umbrinus zum Violettschuppigen Pfifferling (C. amethysteus), var. albidus und var. bicolor zum Blassen Pfifferling (C. pallens) und var. flavipes zu Cantharellus ferruginascens.[12]

Artabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Falsche Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca) hat Lamellen anstatt von Leisten.

Falscher Pfifferling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der klassische Doppelgänger des Pfifferlings ist der Falsche Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca). Trotz seines Namens steht die Art in der Ordnung der Dickröhrlingsartigen und damit verwandtschaftlich weit entfernt. Sie unterscheidet sich in einigen Merkmalen vom Echten Pfifferling: Im Gegensatz zu den aderigen Leisten des Pfifferlings, die etwa ebenso dick sind wie hoch, hat der Falsche Pfifferling Lamellen. Während Leisten eigentlich hervorstehende Runzeln in der zusammenhängenden Fruchtschicht sind, stehen Lamellen einzeln; sie gleichen dünnen Buchseiten.

Der Geruch des Falschen Pfifferlings ist unauffällig pilzig, nicht angenehm fruchtig wie der des Echten Pfifferlings. Außerdem hat der Falsche Pfifferling weiches, biegsames Fleisch und nicht knackig festes wie der Echte. In typischer Ausprägung unterscheiden sich die beiden Arten auch farblich: Der Falsche Pfifferling ist intensiver orange gefärbt, der Echte gelb, ohne Orangetöne. Allerdings können bei beiden Arten hellere Farbformen auftreten.

Der Leuchtende Ölbaumpilz wächst büschelig an Holz.

Ölbaumpilze und Schleierlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefährlich wäre eine Verwechslung mit dem giftigen Leuchtenden Ölbaumpilz (Omphalotus illudens). Er ist wärmeliebend und in Deutschland sehr selten. Der Leuchtende Ölbaumpilz hat ebenfalls Lamellen statt Leisten, außerdem ist er langstieliger und wächst büschelig an Laubholz. Er ist mehr orange gefärbt und leuchtet schwach im Dunklen.

Eine Verwechslung mit Schleierlingen wie dem Spitzgebuckelten Raukopf (Cortinarius rubellus) wäre lebensgefährlich. Der rostbraune Lamellenpilz unterscheidet sich aber so deutlich in Farbe, Form und Geruch, dass nur ganz junge, noch geschlossene Exemplare von unaufmerksamen Sammlern verwechselt werden könnten.

Blasser Pfifferling (Cantharellus pallens).

Andere Pfifferlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unterscheidung zu anderen Arten der Gattung kann schwierig sein, jedoch sind diese alle wie der Echte Pfifferling ebenfalls essbar.

Der Samtige Pfifferling (Cantharellus friesii) ist kleiner und zierlicher und intensiver orange gefärbt. Der Blasse Pfifferling (C. pallens) hat einen deutlich blasseren Hut mit weißlicher Bereifung und wächst nur bei Laubbäumen. Der Violettschuppige Pfifferling (C. amethysteus) hat einen violettlichen Überzug in der Hutmitte, der zu kleinen Schüppchen aufbricht. Der Olivgelbe Rostfleck-Pfifferling (C. ferruginascens) kommt ebenfalls nur bei Laubbäumen vor und unterscheidet sich durch zumindest am Hutrand weißliche Leisten, rostrot fleckendes Fleisch und eine mehr kühl zitronengelbe Hutfarbe.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Pfifferling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. nordbayern.de, Nürnberg, Germany: Anfang Januar Gelberle gefunden. (nordbayern.de [abgerufen am 28. Juli 2018]).
  2. [1] Seite "wissen.de"
  3. Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2001, ISBN 3-440-08457-4, S. 454.
  4. Hans E. Laux: Essbare Pilze und ihre giftigen Doppelgänger. Pilze sammeln – aber richtig. Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-440-10240-4, S. 167.
  5. Markus Flück: Welcher Pilz ist das? 3. Auflage. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-440-11561-9, S. 306.
  6. Gerlinde Hausner: Pilze. Die wichtigsten Speise- und Giftpilze. 2. Auflage. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München 1991, ISBN 3-405-13811-6, S. 20.
  7. Verordnung zum Schutz wild lebender Tier- und Pflanzenarten (Bundesartenschutzverordnung - BArtSchV) Anlage 1 (zu § 1)
  8. Pilzeschutz als Beispiel die Seite der Salzburger Landesregierung (abgerufen am 18. Oktober 2018).
  9. Edred John Henry Corner: A monograph of Cantharelloid fungi. Oxford University Press, London (UK). 1966.
  10. German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0.
  11. Guillaume Eyssartier, Bart Buyck: Le genre Cantharellus en europe – nomenclature et taxinomie. In: Bulletin de la Société Mycologique de France 116(2). 2000. Seite 91–137.
  12. a b Ibai Olariaga, Gabriel Moreno, Jose Luis Manjón, Isabel Salcedo, Valérie Hofstetter: Cantharellus (Cantharellales, Basidiomycota) revisited in Europe through a multigene phylogeny. In: Fungal Diversity. Band 83, Nr. 1, März 2017, ISSN 1560-2745, S. 263–292, doi:10.1007/s13225-016-0376-7 (springer.com [abgerufen am 18. Mai 2020]).