Eigenfertigung oder Fremdbezug

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Eigenfertigung oder Fremdbezug oder Make-or-Buy (Abkürzung mob; v. englisch make ‚machen‘ und buy ‚kaufen‘) sind Bezeichnungen für die Frage bzw. für die von jedem Unternehmen zu treffende Entscheidung, ob man etwas im eigenen Unternehmen herstellt (Eigenfertigung) oder ob man etwas – zum Beispiel ein Bauteil, ein Zwischenprodukt oder eine Dienstleistung – von einem Lieferanten kauft (Fremdbezug/Outsourcing). Neben Eigenfertigung und Fremdbezug gibt es weitere Möglichkeiten, Arbeitsteilung bei einer Wertschöpfung zu realisieren, zum Beispiel mittels Lohnunternehmern bzw. Lohnfertigung.

Jede Arbeitsteilung bedarf der Koordination und bringt Transaktionskosten und -risiken mit sich.

Man kann sich auch dafür entscheiden, statt bei einem („Single Sourcing“) bewusst bei mehreren Lieferanten zu kaufen, um Abhängigkeiten bzw. andere Nachteile zu vermeiden (Hauptartikel: Beschaffungsstrategie)

Schlanke Produktion (lean production) ist ein Begriff für die Idee, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, also auf Gebiete, auf denen das Unternehmen einen komparativen Kostenvorteil beispielsweise durch Spezialisierung oder durch Größenvorteile (economies of scale) hat. Manche Unternehmen reduzieren zur Verfolgung dieses Ziels Eigenfertigungsanteil und/oder Fertigungstiefe. Der Einkauf bestimmter – zum Beispiel selten benötigter – Dinge bei spezialisierten Lieferanten kann die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärken.

Dagegen sind auch Economies of Scope (Verbundvorteile) möglich, wenn man sich gegen eine lean production entscheidet.

Kriterien für eine systematische Make-or-buy-Entscheidung sind neben Transaktionskosten die Zuverlässigkeit der Belieferung und auch die mögliche (unerwünschte) Abhängigkeit von Lieferanten. Im Zuge der Reduzierung der Fertigungstiefe können ganze Werksteile oder ganze Werke geschlossen werden bzw. an Zulieferer verkauft werden, z. B. die Gießerei eines Automobilunternehmens, wenn die Verantwortlichen sich dafür entschieden haben, die Gussteile einzukaufen. Eine Alternative dazu ist es, dass diese nicht mehr nur werksintern arbeiten, sondern ihre Dienste und Leistungen auch extern anbieten bzw. vermarkten. Ein bekanntes Beispiel ist das des Porsche-Entwicklungszentrums in Weissach – es arbeitet seit langem auch für andere Automobilhersteller (siehe auch Coopetition, die Dualität von Konkurrenz und Kooperation auf Märkten).

Eine intensivierte Kostenrechnung (Controlling) bzw. die Schaffung von Profit-Centern haben in vielen Unternehmen die Transparenz erhöht und das Bewusstsein für Kosten, Nutzen, Mengen und Auslastungsgrade in Unternehmen geschärft.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benslimane, Y.; Plaisent, M.; Bernard, P. (2005): Investigating Search Costs and Coordination Costs in Electronic Markets: A Transaction Cost Economics Perspective, Electronic Markets, Vol. 15, No. 3, pp. 213-224
  • Brem, A., Make-or-Buy-Entscheidungen im strategischen Technologiemanagement – Kriterien, Modelle und Entscheidungsfindung, Saarbrücken 2007, ISBN 3-8364-1827-4
  • Jäger, C.; Wolke, C., Make-or-Buy Decisions - A Transaction Cost Theoretical Approach to the Assessment of Outsourcing Activities, September 2008, ISBN 3-8370-6459-X
  • Jentsch, M., Eigenfertigung oder Fremdbezug?: Herangehensweise an die Make-or-Buy-Fragestellung in der Praxis, Oktober 2010, ISBN 3-6392-9865-9