Eigenname (Pharao)

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Eigenname in Hieroglyphen
Egyptian-Sa-Ra.PNG Hiero Ca1.svg
Eigennamenhieroglyphen
Hiero Ca2.svg
Sa Ra ....
S3 Rˁ ....
Sohn des Re, ....
Egypt Hieroglyphe3.jpg

Der Eigenname (auch Geburtsname) eines altägyptischen Königs (Pharao) ist der Name, den dieser bei der Geburt erhielt und der ihm nicht erst bei beziehungsweise mit der Thronbesteigung verliehen wurde. Der Titel „Sohn des Re“ (Sa Ra) wurde dem Eigennamen ab der 4. Dynastie nach der Thronbesteigung hinzugefügt. Eine weitere Bezeichnung hierfür ist auch Sa Ra-Name.

Die Eigennamen sind in der frühdynastischen Zeit und in den Anfängen des Alten Reiches nicht zeitgenössisch belegt. Die für diesem Zeitraum ermittelten Eigen-/Geburtsnamen stammen aus späteren Königslisten.[1]

Eigenname/Geburtsname[Bearbeiten]

Mit der Geburt eines Königssohnes war nicht festgelegt, ob dieser seinem Vater auf den Thron folgen würde. So war sein Eigen- beziehungsweise Geburtsname wie der eines normalen Bürgers und enthielt kein „Programm“, so wie es die komplette Königstitulatur mit allen fünf Titeln ausdrückt. Es kam jedoch vor, dass er den Namen seines Vaters oder Großvaters erhielt.[2] Der Name eines Prinzen wurde mit den Worten Sohn des Königs, von seinem Leibe eingeleitet und nicht in einer Kartusche geschrieben.

Der Sa Ra-Name[Bearbeiten]

Eigenname Thutmosis III. in (Karnak)
Eigen-und Thronname (Mitte) Ramses II. ohne die davor stehenden Titel „Sa Ra“ und „Nesut Biti“

Übersetzt bedeutet Sa Ra „Sohn des Re“ beziehungsweise „Sohn des Sonnengottes“. Der Sa Ra-Titel steht vor dem in eine Kartusche eingeschlossenen Eigennamen (Geburtsnamen) des Königs.

Entwicklung des Titels[Bearbeiten]

Der König weist in Tempelinschriften stets darauf hin, dass er der Sohn der jeweils dort verehrten Gottheit ist: der Gott oder die Göttin sind Vater und Mutter des Königs und das Darbringen von Opfergaben ist die Pflicht ihres Sohnes. Als Vater des Königs gilt nach dem in der 4. Dynastie gültigen Dogma der Schöpfergott, der den König mit dessen irdischer Mutter gezeugt hat. Als der Sonnengott von Heliopolis zum obersten der Götter aufsteigt, gehört auch dieser im Staatskult um den König. So erhalten bereits die Söhne von Cheops Namen, die sie unter den Schutz des Gottes Re stellen. Die Könige der 5. Dynastie nehmen bei der Thronbesteigung einen solchen Namen an, der dann ab der 6. Dynastie stetig eine Beziehung zum Sonnengott ausdrückt.[3]

Anfangs wurde der Eigenname zunächst ohne „Sa Ra“ in die Kartusche geschrieben. Bruchstücke aus dem Pyramidentempel des Radjedef bilden bislang den ersten Nachweis für die Bezeichnung Sohn des Re. Allerdings handelt es sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht um einen „Titel“ des Königs, sondern um einen Beinamen bzw. Beiwort. Als Beiname wird diese Bezeichnung von den Königen des Alten Reiches bis in die 6. Dynastie verwendet. Die Schreibung erfolgte jedoch gewöhnlicherweise hinter der Kartusche.[4]

Pharao Unas schrieb den Titel vor dem Eigennamen, aber noch in der Namenskartusche selbst.[5] Diese Schreibweise ist häufig noch bis ins Mittlere Reich anzutreffen. Mit einigen Ausnahmen steht der Titel „Sa Ra“ seit König Meriibre (Cheti) vor dem Königsring, was durch ein Bronzegefäß mit seinem Namen bezeugt ist.

Erst später wurde Sohn des Re zu einem ständigen Titel des Eigennamens und zudem fester Bestandteil der großen Königstitulatur (insgesamt fünf Titel), die der König bei der Inthronisierung annahm. Der Sa Ra-Name ist in der Reihenfolge der gesamten Königstitulatur der zuletzt genannte Name.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Gelegentlich änderten ägyptische Herrscher ihren Eigennamen, wenn sie den Thron bestiegen hatten oder nahmen zusätzlich einen bedeutenderen an. Dies ist für Könige der 5. Dynastie nachgewiesen, die dies aus religiösen Gründen taten, aber auch bei Usurpatoren der 13. Dynastie sowie bei Königen in der 20. Dynastie. Die bekanntesten Änderungen eines Eigennamens sind hingegen die von Amenophis IV. in Echnaton und die von Tutanchaton in Tutanchamun.

  • König Phiops I. bezeichnete sich in mehreren Inschriften nicht als Sohn des Re, sondern als Sohn des mit dem von Heliopolis gleichgesetzten Sonnengott Atum und der Göttin Hathor. Er nahm diese Benennungen in die Eigennamenskartusche auf.[2]
  • Eine Inschrift eines Stelentextes im Tempel von Abu Simbel bezeichnet Ramses II. als Sohn des Tatenen und der Sachmet.
  • Nicht immer wird der Eigenname eines Königs mit Sa Ra eingeleitet. Eine Votivstele im Metropolitan Museum of Art zeigt den Eigen- und Thronnamen von Ramses II. ohne die davor stehenden Titel „Sa Ra“ und „Nesut Biti“.

Varianten[Bearbeiten]

Wie bei den Thronnamen, so wurden auch die Eigennamen seit dem Neuen Reich durch sogenannte Epitheta erweitert. Das am häufigsten vorkommende Beiwort ist mrj Jmen („geliebt von Amun“), das, auch wenn es oft vor dem Namen stehen kann, hinter dem Namen gelesen wird: Rˁ-msj-sw mrj-Jmn („Ramses, geliebt von Amun“).[2]

Auf der Stele University College 410 wird König Echnaton beispielsweise nicht als Sohn des Re bezeichnet. Hier geht seinem Eigennamen die Bezeichnung „Herr der Kronen“ voraus.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jochem Kahl: „Ra is my Lord“. 2007, S. 8.
  2. a b c Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. 1999, S. 26.
  3. Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. 1999, S. 25.
  4. Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. 1999, S. 25–26.
  5. Rolf Felde: Ägyptische Könige und Königinnen. 2. Auflage, R. Felde Eigenverlag, Wiesbaden 2004, S. XII.
  6. Abb. 10 in Alfred Grimm, Sylvia Schoske (Hrsg.): Das Geheimnis des goldenen Sarges. Echnaton und das Ende der Amarnazeit (= Schriften aus der Ägyptischen Sammlung. Bd. 10). Staatliche Sammlung Ägyptischer Kunst München, München 2001, ISBN 3-87490-722-8, S. 29.