Ein Jäger aus Kurpfalz

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Das Lied vom Jäger aus Kurpfalz ist ein bekanntes deutsches Volkslied, das von der Jagd und den damit verbundenen Vergnügungen handelt. Das Lied hatte ursprünglich eine derbe sexuelle Bedeutung. In modernen Liederbüchern werden jedoch die kaum verhohlen anzüglichen Strophen 3 bis 5 nicht abgedruckt, wodurch das Lied verharmlost wird und eine neue Bedeutung erhält – wobei das Symbol des Kuckucks in Strophe 6, welches auf das Zeugen unehelicher Kinder (die redensartlichen Kuckuckskinder) verweist, so keinen rechten Sinn mehr ergibt. Häufig wird auch nur die erste Strophe gesungen.[1]

Urheber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl Verfasser des Textes als auch Komponist der Melodie sind unbekannt, der Text und die Spielweise wurden wohl mündlich überliefert. Die Entstehung wird einer nicht belegbaren Vermutung Ludwig Erks folgend oft auf 1763 datiert.[1] Erk-Böhme mutmaßen eine Entstehung zu Anfang des 18. Jahrhunderts „zur Blüthezeit deutscher Jagdlust“.[2] Tatsächlich nachweisbar ist das Lied seit 1794.[1] Die heute bekannte Melodie wurde von Leo von Seckendorf, der den Text auch in seinem Musenalmanach für das Jahr 1808 veröffentlichte,[3] vor 1808 aufgezeichnet; Franz Magnus Böhme, dem Seckendorfs heute verschollene Handschrift vorlag, bezeichnet die Melodie als der im Deutschen Liederhort abgedruckten „bis auf einige Noten gleich“.[2]

Historisches Vorbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inschrift auf dem 1913 von Kaiser Wilhelm II. eingeweihten Denkmal am Forsthaus Entenpfuhl für Friedrich Wilhelm Utsch

Als historisches Vorbild für den Jäger aus Kurpfalz wird zum einen der Erbförster Friedrich Wilhelm Utsch aus Rheinböllen im Hunsrück vermutet, der in der Literatur meistens angegeben wird, aber auch Johann Kasimir von der Pfalz-Simmern. Bei Utsch wird weiter vermutet, dass sein Hausgeistlicher, der Karmeliterpater Martinus Klein, dann die Verse des Liedes schrieb, was jedoch nicht nachweisbar ist.[4][5] Zum anderen weisen Aufzeichnungen auf Johann Adam Melsheimer hin. Dieser war in der Zeit vor Utsch, von 1719 bis 1757, kurpfälzischer „Reitender Förster im Unteren Soon“. Manche sehen auch in ihm den legendären Jäger aus Kurpfalz.

Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz mit Hubertusorden.

Als am wahrscheinlichsten wird in der neueren Forschung die These angesehen, der pfälzische und bayerische Kurfürst Karl Theodor (1724–1799) sei Vorbild für den Jäger aus Kurpfalz gewesen. Dieser war Großmeister des Hubertusordens und veranstaltete gerne Prunkjagden; auch hatte er Kinder aus zwei außerehelichen Verbindungen.[1][6]

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notenbild

1. Ein Jäger aus Kurpfalz,
Der reitet durch den grünen Wald,
Er schießt das Wild daher,
Gleich wie es ihm gefällt.

Refrain:
|: Juja, Juja, gar lustig ist die Jägerei
   Allhier auf grüner Heid’,
   Allhier auf grüner Heid’, :|

2. Auf! Sattelt mir mein Pferd
Und legt darauf den Mantelsack,
So reit’ ich hin und her
Als Jäger aus Kurpfalz.
Refrain:

3. Hubertus auf der Jagd,
Der schoss ein’n Hirsch und einen Has’.
Er traf ein Mägdlein an,
Und das war achtzehn Jahr.
Refrain:

4. Des Jägers seine Lust
Den großen Herren ist bewusst,
Jawohl, jawohl bewusst,
Wie man das Wildpret schuss.
Refrain:

5. Wohl zwischen seine Bein,
Da muss der Hirsch geschossen sein,
Geschossen muss er sein,
Auf eins, zwei, drei.
Refrain:

6. Jetzt reit’ ich nimmer heim,
Bis dass der Kuckuck, kuckuck schreit,
Er schreit die ganze Nacht
Allhier auf grüner Heid’!
Refrain:

Parodie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der folgende Text[7] stammt von Hoffmann von Fallersleben, der manchmal für seine kritischen Lieder, um sie populär zu machen, Melodien verwendete, die damals allgemein beliebt waren.

Das erwachte Bewußtsein (1844)

1.
Bei einer Pfeif’ Tabak,
bei einer guten Pfeif’ Tabak
und einem Glase Bier
politisieren wir.

Refrain:
|:Juja, juja!
Gar glücklich ist
fürwahr der Staat,
der solche Bürger hat.:|

2.
Da wird dann viel erzählt,
gar viel und mancherlei erzählt,
gestritten und gelacht,
und mancher Witz gemacht.
Refrain:

3.
Dann stoßen wir auch an,
auch auf die deutsche Freiheit an,
und unsre Polizei
sitzt fröhlich mit dabei.
Refrain:

4.
Und wenn die Stunde schlägt,
und wenn die Feierstunde schlägt,
löscht man die Lichter aus,
und wir, wir gehn nach Haus.
Refrain:

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Jäger aus Kurpfalz, von Loriot gezeichnet, war das Maskottchen der Bundesgartenschau 1975 in Mannheim.
  • Helmut Kohl pflegte bei öffentlichen Auftritten, wie z. B. Wahlkampfveranstaltungen oder Empfängen, das Lied spielen oder singen zu lassen (freilich ohne die Strophen 3 bis 5), da er aus dem Gebiet der historischen Kurpfalz stammt.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ein Jäger aus Kurpfalz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikibooks: Liederbuch/ Ein Jäger aus Kurpfalz – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Tobias Widmaier: Ein Jäger aus Kurpfalz (2008). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs
  2. a b Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme (Hrsg.): Deutscher Liederhort. Band 3. Leipzig 1893–94 (Nachdruck: Olms, Hildesheim 1963), S. 315 (Digitalisat).
  3. Leo Freiherr von Seckendorf: Musenalmanach für das Jahr 1808. Montag und Weiss, Regensburg [1807], S. 62 f. (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
  4. Historie von Auen: Friedrich Wilhelm Utsch, genannt der Jäger aus Kurpfalz (Memento vom 18. Juli 2011 im Internet Archive)
  5. Spall Soonwald − Der Jäger aus Kurpfalz
  6. Karl Scherer: Pfalzgraf Johann Casimir (1543–1592) und das Volkslied „Ein Jäger aus Kurpfalz“. In: Werner Kremp (Hrsg.): The Huntsman from Kurpfalz. Über den Zusammenstoß und die Zusammenarbeit von deutscher und amerikanischer Jagdkultur. Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 2002, ISBN 3-88476-559-0, S. 29–64.
  7. Hoffmann von Fallersleben: Das erwachte Bewusstsein
  8. @1@2Vorlage:Toter Link/wissen.dradio.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Der große Zapfenstreich. Gespräch mit Oberstleutnant Heiner Bröckermann vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam.) DRadio Wissen vom 10. März 2011, abgerufen: 2. April 2011.