Ein Jüngling liebt ein Mädchen

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Postkarte von Franz Korwan

Ein Jüngling liebt ein Mädchen ist ein Gedicht von Heinrich Heine aus dem Jahre 1822. In seinem Buch der Lieder.[1] wird es als das 39. Gedicht im Lyrischen Intermezzo aufgeführt. Das Gedicht handelt davon, wie eine zerbrochene Liebe letztlich einzigartige Bedeutung gewinnt, wenn es einen nur selbst trifft.

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen Andern erwählt;
Der Andre liebt eine Andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gedicht hat autobiographische Züge. Heine hat bei Briefkorrespondenzen mit Freunden von einer persönlichen Situation von Liebe und Ablehnung berichtet, in die fünf Personen verstrickt war.

Heinrich Heine war in jungen Jahren in seine Cousine Amalie verliebt, die jedoch diese Liebe nicht erwiderte. Sie hegte ihrerseits einseitige Gefühle für einen anderen Mann, der eine Verbindung zu einer anderen Frau einging. Nach fehlender Erwiderung ihres Schwarms heiratete sie einen anderen Mann und Heinrich Heine blieb in dieser Situation der enttäuschte Alleinstehende.[2]

Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gedicht besteht aus drei Strophen mit jeweils vier Versen. Das Gedicht hat berichtenden Charakter. Das Metrum ist nicht regelmäßig, es wechselt ständig zwischen Jamben und Anapästen. Männliche und weibliche Kadenzen wechseln sich hingegen ab, wobei es sich beim ersten Vers der jeweiligen Strophe immer um eine weibliche Endung handelt.

Marcel Reich-Ranicki merkte an, dass es sich aufgrund der kurzen Mitteilungen um einen Telegrammstil handele.[2]

Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heine, der in vielen Gedichten eine Bandbreite an rhetorischen Stilmitteln, wie bildlicher Sprache und Metaphern, nutzte, verwendete in diesem Gedicht eine Aneinanderreihung kurzer, knapper und sachlicher Mittleilungen. In den acht kurzen Versen der ersten zwei Strophen stellte er auf diese Weise die Beziehungen der fünf Protagonisten des Gedichts dar. Die genutzten Worte sind ausschließlich prosaischer Natur. Diese kaum vorhandene Verwendung poetischer Sprache zeugt von einem kühlen und sachlichen Bericht, einem Understatement. Der Schmerz des lyrischen Ichs verdrängt alle Gefühle und es ist wenig tröstlich, dass auch andere diesen Schmerz erlitten haben.

Lediglich im letzten Vers verwendete Heine mit den Worten „bricht das Herz entzwei“ ein poetisches Bild. Zudem findet man in der dritten Strophe nur einen Halbreim (neu–entzwei). Die Wirkung hiervon ist unharmonisch und wirke laut Ranicki wie ein Verzweiflungsschrei.[2]

Vertonungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Veröffentlicht 1827 im Buch der Lieder
  2. a b c „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“, Marcel Reich-Ranicki, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. Oktober 1997, abgerufen am 13. September 2020.