Ein Land, zwei Systeme

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Ein Land, zwei Systeme (chinesisch 一國兩制 / 一国两制, Pinyin yì guó liǎng zhì, engl. one country, two systems) ist ein verfassungsmäßiges Prinzip, das von Deng Xiaoping, dem entscheidenden Führer der Volksrepublik China, für die Wiedervereinigung Chinas in den frühen 1980er Jahren formuliert wurde. Deng legte nahe, dass es nur ein China geben solle, doch verschiedene chinesische Regionen wie Hongkong und Macau und Taiwan könnten ihre eigenen kapitalistischen, wirtschaftlichen und politischen Systeme beibehalten, während der Rest Chinas das sozialistische System benutzen sollte. Demnach könnte jede der beiden Regionen weiterhin ein eigenes politisches System, rechtliche, wirtschaftliche und finanzielle Angelegenheiten haben, unter anderem auch Außenbeziehungen mit dem Ausland.[1]

Ein Land, zwei Systeme bedeutet nach offizieller Lesart, dass innerhalb der Volksrepublik China der Sozialismus aufrechterhalten wird, während Hongkong, Macau und die Republik China (Taiwan) ihr kapitalistisches System nach einer friedlichen Wiedervereinigung beibehalten dürfen. Für Hongkong und Macau heißt dies, dass seit 1997 bzw. 1999, den Jahren der Rückgabe an die Volksrepublik China, das geltende System weitere 50 Jahre beibehalten werden darf. Von der Republik China, die de facto unabhängig ist, wird verlangt, sich unter dieser Regel mit der Volksrepublik wiederzuvereinigen.

Hintergrund im Zusammenhang mit Hongkong[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Hongkongs

Hongkong war eine Kronkolonie des Vereinigten Königreichs, die von einem Gouverneur 156 Jahre bis 1997 regiert wurde (außer vier Jahre japanischer Besatzung während des Zweiten Weltkriegs), als es zur chinesischen Souveränität zurückgegeben wurde. China musste einige Bedingungen akzeptieren, die in der Sino-British Joint Declaration (chinesisch-britische gemeinsame Erklärung) festgelegt wurden, wie die Ausarbeitung und Annahme der Miniverfassung Hongkongs vor seiner Rückkehr. Das Grundgesetz stellte sicher, dass Hongkong sein kapitalistisches Wirtschaftssystem und seine eigene Währung (der Hongkong-Dollar), das Rechtssystem, das Gesetzgebungssystem und die Rechte und Freiheit der Menschen für fünfzig Jahre, als Sonderverwaltungszone von China, behalten können. Im Jahr 2047 wird dies ablaufen, also erlaubt die aktuelle Vereinbarung Hongkong in vielen internationalen Umgebungen (z. B. Welthandelsorganisation und Olympische Spiele) als eigene Entität und nicht als Teil von China zu funktionieren. Der chinesische Renminbi ist kein gesetzliches Zahlungsmittel in Hongkong. Ebenso wird der Hongkong-Dollar in den Geschäften in China nicht akzeptiert. Mit dieser Vereinbarung ist eine Genehmigung oder Visum erforderlich, wenn die Grenzen von Hongkong und China überschritten werden. Die Menschen in Hongkong haben in der Regel Sonderverwaltungs-Reisepässe Hongkongs, anstatt chinesische Pässe. Die offiziellen Sprachen von Hongkong sind ein wichtiger Faktor neben der Geschichte der ehemaligen Kolonie, die Hongkong und China deutlich voneinander trennt. Die Kantonesische Sprache und das Hongkong-Englisch sind die am häufigsten verwendeten Sprachen in Hongkong, während Mandarin die offizielle Sprache Chinas ist. Die Zentralregierung in Peking unterhält die Kontrolle über die Außenpolitik Hongkongs sowie die rechtliche Auslegung des Grundgesetzes. Letztere hat Demokratie-Befürworter und einige Hongkonger Bewohner dazu geführt zu argumentieren, dass das Territorium noch kein Allgemeines Wahlrecht erreicht hat, wie es das Grundgesetz versprochen habe, was zu Massen-Protesten in Hongkong 2014 führte.[1][2][3]

Hongkong und Macau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Sino–British Joint Declaration

Deng Xiaoping schlug bei Verhandlungen mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher vor, als sie über die Zukunft Hongkongs sprachen, das Prinzip in Hongkong anzuwenden, wenn die Pacht der New Territories (einschließlich New Kowloon) von Hongkong an das Vereinigte Königreich 1997 ablaufen werde. Das gleiche Prinzip sollte bei Gesprächen mit Portugal über Macau angewendet werden.

Das Prinzip war, dass Hongkong und Macau nach der Wiedervereinigung, obwohl sie Kolonien des Vereinigten Königreichs beziehungsweise Portugals seien, und trotz des Sozialismus chinesischer Prägung, ihr etabliertes System unter einem hohen Grad an Autonomie für mindestens 50 Jahre beibehalten dürfen. Was nach 2047 (Hongkong) und 2049 (Macau) geschehen wird, wurde niemals öffentlich bekannt gegeben.

Kapitel 1, Artikel 5 des Grundgesetzes Hongkongs, der Verfassung der Sonderverwaltungszone Hongkongs, lautet:[4]

„Das sozialistische System und die Politik sollen in der Sonderverwaltungszone Hongkong nicht praktiziert werden, und das bisherige kapitalistische System und die Lebensweise bleibt für 50 Jahre unverändert.“[5][6]

Die Gründung dieser Regionen, sogenannte Sonderverwaltungszonen, ist nach Artikel 31 der Verfassung der Volksrepublik China genehmigt. Darin heißt es, dass der Staat bei Bedarf Sonderverwaltungszonen etablieren kann, und dass die in ihnen einzusetzenden Systeme durch das Gesetz, das vom Nationalen Volkskongress unter Berücksichtigung spezifischer Bedingungen angeordnet wird, vorgeschrieben werden.

Die Sonderverwaltungszonen von Hongkong und Macau wurden am 1. Juli 1997 bzw. am 20. Dezember 1999 offiziell gegründet. Dies geschah unmittelbar, nachdem die Volksrepublik China die Souveränität über die jeweiligen Regionen übernommen hatte.

Framework[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Sonderverwaltungszonen von Hongkong und Macau sind verantwortlich für ihre innenpolitischen Angelegenheiten, einschließlich, aber nicht beschränkt auf die Judikative und Gerichte letzter Instanz sowie Einwanderung und Zoll, Finanzwissenschaft, Währungen und Auslieferungen. Die Sonderverwaltungszonen sind von wichtigen kulturellen Effekten der Festlandgesetze befreit, die anordnen, für Veröffentlichungen Kurzzeichen und bei der öffentlichen Bildung und den meisten Rundfunkübertragungen Hochchinesisch zu verwenden. Diplomatische Beziehungen und die regionale Verteidigung der beiden Sonderverwaltungszonen liegen jedoch in der Zuständigkeit des Staatsrates der Volksrepublik Chinas in Peking.

Hongkong verwendet weiterhin das allgemeine englische Gesetz und Macau das portugiesische Zivilrechtssystem.

Implementierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hongkong wurde das System durch das Grundgesetz von Hongkong umgesetzt, das als „Mini-Verfassung“ der Region dient und im Einklang mit der Sino-British Joint Declaration steht. Für Macau wurden ähnliche Arrangements getroffen. Unter den jeweiligen Grundgesetzen haben die Sonderverwaltungszonen ein hohes Maß an Autonomie und genießen exekutive, legislative und unabhängige Justizvollmacht, einschließlich der rechtskräftigen Entscheidung. Im Rahmen der Grundgesetze pflegen sie ihre eigenen Währungen, formulieren ihre eigene Geld- und Finanzpolitik, ihre eigene Politik über Ausbildung, Kultur, Sport, Sozialhilfesystem, und so weiter.[7]

Wie aus dem Grundgesetz hervorgeht, während die zentrale Volksregierung China für die auswärtigen Angelegenheiten und die Verteidigung, in Bezug auf die Sonderverwaltungszonen zuständig ist, können Vertreter der Regierung der Sonderverwaltungszonen, als Mitglieder der Delegationen der Volksrepublik China an diplomatischen Verhandlungen sowie bei anderen internationalen Organisationen oder Konferenzen, die auf Staaten beschränkt sind und die Regionen betreffen teilnehmen. Für diese internationalen Organisationen und Konferenzen, die nicht auf Staaten beschränkt sind, dürfen die Sonderverwaltungszonen im Namen von Hongkong, China und Macau, und China teilnehmen. Sowohl die Sonderverwaltungszonen Hongkongs als auch die von Macau sind, als separate Wirtschaftseinheiten, Mitglieder der Welthandelsorganisation. Hongkong gehört auch zu den Mitgliedsländern der Asiatisch-Pazifische Wirtschaftsgemeinschaft (APEC).

Das Grundgesetz Hongkongs bietet auch einen verfassungsmäßigen Schutz bei verschiedenen grundlegenden Menschenrechten und Freiheiten. Insbesondere beim Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, dem internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und internationalen Arbeitsabkommen, die nach Artikel 39 des Grundgesetzes Hongkonga und der Hongkonger Bill of Rights Ordinance (Gesetz, das grundlegende Bürgerrechte gewährt) umgesetzt werden.[7]

Nichtsdestotrotz sehen die Regierungen der Volksrepublik China und Hongkong das Prinzip, als erfolgreich umgesetzt worden zu sein und zitieren offizielle Berichte sowohl des Vereinigten Königreichs als auch der Vereinigten Staaten.

Der Staatsrat der Volksrepublik China in Peking unterhält durch das Verbindungsbüro des Staatsrats in der Sonderverwaltungszone in Hongkong Beziehungen zur Regierung Hongkongs aufrecht. Für Macau benutzt Peking das Verbindungsbüro des Staatsrast der Volksrepublik China in der Sonderverwaltungszone in Macau. Während die Gegenparteien der Regierung Hongkongs für die Zentrale Volksregierung in Peking das Amt der Regierung der Sonderverwaltungszone Hongkongs in Peking ist und das Büro Macaus in Peking ist das Amt der Sonderverwaltungszone Macau in Peking.

Wahrnehmung der Autonomie von Hongkong[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Proteste in Hongkong 2014 entstand die Regenschirm-Bewegung, bei denen meistens Studenten mehr politische Freiheit forderten. Die Teilnehmer forderten Wahlfreiheit, Demokratie und insbesondere wollten sie bei den Wahlen des Verwaltungschefs Hongkongs mitbestimmen. Der Name Regenschirm-Bewegung entstand, weil sich die Studenten Berichten zufolge mit Regenschirmen vor dem Pfefferspray der Polizei schützen wollten. Somit wurden die Regenschirme das Symbol der Bewegung.[8]

Die Bewegung wurde von einer Gruppe namens Occupy Central with Love & Peace (Zentralbesetzung mit Liebe & Frieden) initiiert, die von Professor Benny Tai von der Hongkonger Universität für Rechtswesen angeführt wurde.[9] Auch Studentengruppen, die nichts mit dieser Gruppe zutun hatten, doch ähnliche Ziele verfolgten, schlossen sich den Protesten an. Die beiden wichtigsten dieser Studentengruppen soll der 17-jährige Joshua Wong gewesen sein, und der 24 Jahre alte Alex Chow, vom Hongkonger Studentenverband, und sein Stellvertreter Lester Shum.[9] In der Tageschau des ARD-Fernsehens wurde 2016 berichtet, dass Joshua Wong, Alex Chow und Nathan Law, als Anführer der Regenschirm-Bewegung angeklagt und schuldig gesprochen, doch nach dem Schuldspruch auf Kaution freigelassen wurden.[10]

Nachdem Großbritannien 1997 Hongkong an China zurückgegeben hatte, versprach Peking bei der Vereinigung, dass die Hongkonger Bürger ihre lokale Regierung frei wählen könnten. Doch schien Peking eine andere Vorstellung dieser freien Wahlen zu haben, als es die Demokratie-Bewegung Hongkongs hatte. Denn es schien, als ob die Kommunistische Partei Chinas den Menschen Hongkongs zwar erlauben würde, frei zu wählen, doch nur zwischen Kandidaten, die von Peking ausgesucht worden waren.[11] Einer der Gründe für die Proteste der Hongkonger Bürger und Studenten soll gewesen sein, weil Peking dieses Versprechen gebrochen hatte, ihnen bis 2017 offene Wahlen zu gewähren, deshalb verlangten sie „wahres allgemeines Wahlrecht“.[8]

Mehrere Vorfälle haben dazu beigetragen, dass Teile der Hongkonger Öffentlichkeit das Versprechen der Volksrepublik China infrage stellten, ein hohes Maß an Autonomie in Hongkong zu ermöglichen. Einige internationale Beobachter und Menschenrechtsorganisationen äußerten Zweifel an der Zukunft der relativ politischen Freiheiten in Hongkong. Im Jahr nach der Übergabe zeigten Untersuchungen ein hohes Maß an Zufriedenheit mit Pekings Nichteinmischungs-Beziehung zur ehemaligen Kolonie.[12]

Im zuvorgegangenen Jahr verabschiedete der vorläufige Legislativrat Gesetze, die das Aufenthaltsrecht einschränkten, was zu einem Rechtsstreit gegen die Regierung führte, die im Jahre 1999 mit einem Verlust für die Regierung durch das letztinstanzliche Berufungsgericht endete. Die Regierung brachte danach ihren Fall vor den Nationalen Volkskongress. Die juristische Einrichtung äußerte, dass sie die Handlung ablehne, die Martin Lee als Hongkongs Autonomie mit einem stillen Marsch „weggeben“ beschrieb. Umfragen ergaben, dass die Ereignisse das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung niedergeschlagen hatten, trotz der Tatsache, dass die meisten Stellung zugunsten der Regierungshaltung über der des Gerichts bezogen.[12]

Es wurde behauptet, dass die Beschlussvorlage im Artikel 23 des Grundgesetzes im Jahr 2003 (die aufgrund des massiven Widerspruchs zurückgezogen wurde), die Autonomie untergraben würde.

  • Hongkongs Wahlreform 2014-15

Am 10. Juni 2014 veröffentlichte Peking einen neuen Bericht,[7] in dem es seine Befugnis über das Gebiet behauptete. Dies entzündete Kritik vieler Menschen in Hongkong, die sagten, dass die kommunistische Führung ihre Zusagen nicht einhielten, sich an die Politik des „ein Land, zwei Systeme“ zu halten, die ein demokratisches, autonomes Hongkong unter Pekings Herrschaft erlaubt.[13]

Das Verschwinden von fünf Mitarbeitern bei Causeway Bay Books – einem unabhängigen Verlag und Buchladen – im Oktober bis Dezember 2015, hat einen internationalen Aufschrei ausgelöst. Mindestens zwei von ihnen verschwanden auf dem Festlandchina, einer in Thailand. Ein Mitarbeiter wurde zuletzt in Hongkong gesehen, aber anscheinend hatte er seinen Weg nach Shenzhen, über die chinesische Grenze, ohne die notwendigen Reisedokumente gefunden. Die Verschwinden im Oktober wurden verschwiegen, da unerklärliches Verschwinden und langwierige außergerichtliche Inhaftierungen auf dem Festlandchina bekannt sind.[14] Das beispiellose Verschwinden einer Person in Hongkong und die bizarren Begleitumstände, erschütterte die Stadt und kristallisierte internationale Besorgnis über die mögliche Entführung Hongkonger Bürger durch chinesische Beamte der öffentlichen Sicherheitsbehörde und ihre wahrscheinliche Überstellung und die Verletzung mehrerer Artikel des Grundgesetzes und des Ein-Land-zwei-Systeme-Prinzips.[15][16][17]

Es wurde später bestätigt, dass sie im Festlandchina inhaftiert seien, obwohl die meisten in Hongkong wieder aufgetaucht waren und die Berichte über vermisste Personen bei der Polizei rückgängig gemacht hatten. Am 16. Juni 2016, kurz nachdem Lam Wing-kee nach Hongkong zurückgekehrt war, gab er eine lange Pressekonferenz, in der er die Umstände und Einzelheiten seiner achtmonatigen Haft beschrieb. Lam erzählte, wie sein Geständnis und die seiner Mitarbeiter schriftlich ausgearbeitet und inszeniert worden waren. Lam deutete an, dass die zentrale Ermittlungsgruppe beteiligt gewesen sei, die unter der direkten Kontrolle der Pekinger Führung auf höchster Ebene stehe. Seine Offenbarungen bestürzten Hongkong und machten weltweit Schlagzeilen und veranlasste ein Treiben von Gegenbeschuldigungen und Bestreitungen der Festlandbehörden und deren Unterstützern.[18][19]

Taiwan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieses System wurde auch von der Regierung der Volksrepublik China für Taiwan vorgeschlagen, aber die Regierung der Republik China hat diesen Vorschlag abgelehnt. Es wurde auch behauptet, dass das System ursprünglich für Taiwan entworfen worden sei, um es wieder mit der Volksrepublik China zu vereinigen.[20] Genauer gesagt wurden auch spezielle Bestimmungen für die Erhaltung des Militärs in Taiwan von der Kommunistischen Partei Chinas (der herrschenden politischen Partei der Volksrepublik Chinas) vorgeschlagen, im Gegensatz zu denen von Hongkong und Macau; da diese Gebiete durch die Volksbefreiungsarmee der Volksrepublik China geschützt werden. Alle großen politischen Parteien in Taiwan, unter anderem diejenigen, die zur Chinesischen Wiedervereinigung neigen, haben sich jedoch stark gegen das „Ein Land, zwei Systeme“ gestellt. Einige schlugen stattdessen „Ein Land, zwei Regierungen“ vor, das von der Regierung der Volksrepublik China völlig abgelehnt wurde, während einige vorschlugen, dass das „ein Land“, das im System hervorgehoben wurde, die Republik China anstelle der Volksrepublik China sein sollte. Einer der wenigen Taiwanesen, die das „Ein Land, zwei Systeme“ öffentlich unterstützt haben, ist Li Ao, ein im Festland geborener Romanschriftsteller.[21]

Obwohl das „ein Land, zwei Systeme“ dafür sorgt, dass Hongkongs wirtschaftliche und politische Systeme 50 Jahre nach der britischen Übergabe im Jahr 1997 nicht geändert werden, hat der Rat für Festlandangelegenheiten der Republik Chinas 169 Fälle angeführt, in denen sie behaupten, dass die Volksrepublik China die Rechte der Menschen von Hongkong, sich selbst zu regieren, verletzt habe, und im Justizsystem sowie der Redefreiheit gravierend interveniert hätte.[22]

Seit Hu Jintao am 15. November 2002 der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas wurde, hat die Volksrepublik China aufgehört, die sofortige Vereinigung via „ein Land, zwei Systeme“ zu fördern, trotzdem blieb es die offizielle Politik. Im Rahmen des Anti-Abspaltungsgesetzes der Volksrepublik China, das am 14. März 2005 verabschiedet wurde, wurde das „ein Land, zwei Systeme“ nicht erwähnt, um die damalige wachsende Taiwan-Unabhängigkeitsbewegung zu verhindern. Eine neue Politik der schrittweisen Wirtschaftsintegration und des politischen Austauschs wird nach dem Konsens von 1992 bevorzugt.[23] Diese neue Politik wurde bei den Pan-Blue-Besuchen im April 2005 auf dem Festlandchina hervorgehoben[24] sowie alle weiteren großen Taiwan-Straßen-Austausche. Vor allem, nachdem Ma Ying-jeou aus der Pro-Wiedervereinigungs-Kuomintang-Partei die Präsidentenwahl in der Republik China 2008 gewann. Während seines Besuchs in Peking im März 2012 schlug der ehemalige Kuomintang (KMT)[25] Vorsitzende Wu Po-hsiung das Framework für „Ein Land, zwei Bereiche“ (Chinesisch: 一 國 兩 區) vor, um die Taiwanstraße-Beziehungen zu regieren.[26] Während der Ansprache des Nationalfeiertags der Republik China am 10. Oktober 2013, richtete sich Präsident Ma Ying-jeou an die Öffentlichkeit. Er erwähnte, dass die Menschen auf beiden Seiten der Taiwanstraße alle volkstümlich Chinesen seien und dass die Beziehungen zwischen der Taiwanstraße keine internationalen Beziehungen seien.[27]

Aufgrund des wachsenden Drucks für die Pro-Unabhängigkeit der Demokratischen Fortschrittspartei, um an der Entwicklung der Taiwanstraße in den vergangenen Jahren teilzunehmen, die von der KMT-CPC entwickelt wurde, hat die Demokratische Fortschrittspartei schließlich ihre Haltung gegenüber ihrer Taiwan-Unabhängigkeitsbewegung gelockert, als der ehemalige Vorsitzende Frank Hsieh Chang-ting vom 4. bis 8. Oktober 2012 das Festlandchina besuchte. Dies soll ein bahnbrechender Besuch von höchstem Rang in der Demokratischen Fortschrittspartei gewesen sein, obwohl Frank behauptete, dass diese Reise in seiner Privatkapazität und nicht als Politiker durchgeführt wurde.[28] Die Demokratische Fortschrittspartei hat am 21. November 2012 ihre Partei, Ausschuss für China-Angelegenheiten, gegründet und beantragte am 27. Mai 2014 das Broad-One-China-Framework (Chinesisch: 大一 中 ­­), das von dem ehemaligen Vorsitzenden Shih Ming-teh geleitet wurde.[29]

Vergleich zu den Vorschlägen für Tibet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jiang Shigong (2008) stellte fest, dass das Konzept von „ein Land, zwei Systeme“ auf dem 17-Punkte-Abkommen zur friedlichen Befreiung Tibets basiert, das 1951 unterzeichnet wurde. Und dass sein Mechanismus dem ähnelt, wie der Qing-Kaiser seine neue Territorien integrierte, die er erobert hatte, indem er den örtlichen Eliten in diesen Regionen erlaubte einige Zeit Macht zu genießen und Autonomie auszuüben, ohne anscheinend unterschiedliche lokale Bräuche zu bedrohen. Da der Begriff nur eine „taktische und vorübergehende Vereinbarung“ war, argumentiert ein Standpunkt, dass das Territorium von Hongkong allmählich das gleiche Schicksal wie Tibet, seit 1959, erleben wird – eine Zwangsanpassung und strikte, direkte Kontrolle durch die Zentralregierung. Im Laufe der Zeit würde die vollständige Anpassung und die Abschaffung der lokalen Autonomie in einer Art und Weise stattfinden, die „illustrativ eine ähnliche chinesische, imperialistische, expansionistische Mentalität“ darstellt.[30]

Der Völkerrechtsexperte Eckart Klein widersetzt sich jedoch den Argumentationen, die auf dem Siebzehn-Punkte-Abkommen zur friedlichen Befreiung Tibets beruhen, und erklärte: „Das sogenannte Siebzehn-Punkte-Abkommen von 1951 stellt in keiner Weise eine solche Zustimmung dar. Da es sich um einen Vertrag unter Zwang handelt, ist er rechtlich ungültig.“[31]

Der Vorschlag des 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso im Jahr 2005, dass Tibet eine „hochrangige Autonomie“ haben sollte, entstand aus einer Position der Befürwortung der tibetischen Unabhängigkeit, und wurde mit „ein Land, zwei Systeme“ verglichen. Er sagte, dass seine Vorschläge für China akzeptabel sein sollten, weil „ein Land, zwei Systeme“ in der chinesischen Verfassung untergebracht sei. Die staatlichen Medien lehnten diesen Anspruch ab und wiesen daraufhin, dass „ein Land, zwei Systeme“ für das kapitalistische Sozialsystem von Hongkong und Macau entworfen worden sei, etwas das nie in Tibet existiert haben soll.[32]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Rory Boland, What Country Is Hong Kong in? China or Not?, tripsavvy.com, 11. Mai 2017, abgerufen am 23. Juli 2017
  2. Edward A. Gargan, China Resumes Control of Hong Kong, Concluding 156 Years of British Rule, The New York Times, 1. Juli 1997, abgerufen am 23. Juli 2017
  3. 1898 and all that—a Brief History of Hong Kong, The Economist, 26. Juni 1997, abgerufen am 23. Juli 2017
  4. Chapter I : General Principles, The Basic Law of the Hong Kong Government, 17. März 2008, abgerufen am 23. Juli 2017
  5. Jing Luo, Over A Cup of Tea: An Introduction To Chinese Life And Culture, University Press of America, 2004, ISBN 0-7618-2937-7, abgerufen am 23. Juli 2017
  6. Yiu-chung Wong, One Country, Two Systems in Crisis: Hong Kong’s Transformation, Lexington Books, 2004, ISBN 0-7391-0492-6, abgerufen am 23. Juli 2017
  7. a b c Cheng Yang, Full Text: The Practice of the „One Country, Two Systems“ Policy in the Hong Kong Special Administrative Region, Xinhua News Agency, 10. Juni 2014, abgerufen am 23. Juli 2017
  8. a b Jonathan Kaiman, Hong Kong’s umbrella revolution – the Guardian briefing, The Guardian, 30. September 2014, abgerufen am 23. Juli 2017
  9. a b Rishi Iyvengar, 6 Questions You Might Have About Hong Kong's Umbrella Revolution, Time World, 5. Oktober 2014, abgerufen am 31. Juli 2017
  10. Anführer der Proteste schuldig gesprochen, ARD, Tageschau, 21. Juli 2016, abgerufen am 31. Juli 2017
  11. Frank Sieren, Eigentor, In: Deutsche Welle. 30. Juni 2014, abgerufen am 29. Juli 2017
  12. a b John Mark Carroll, A Concise History of Hong Kong, Hong Kong University Press, Rowman & Littlefield, S. 221–228, 2007, ISBN 978-962-209-878-7, abgerufen am 23. Juli 2017
  13. Alan Wong, Beijing’s ‘White Paper’ Sets Off a Firestorm in Hong Kong, The New York Times, 11. Juni 2014, abgerufen am 23. Juli 2017
  14. Kelvin Chan, Hong Kong unsettled by case of 5 missing booksellers, The Big Story, Associated Press, 3. Januar 2016, abgerufen am 23. Juli 2017
  15. Michael Forsythe, Disappearance of 5 Tied to Publisher Prompts Broader Worries in Hong Kong, The New York Times, 4. Januar 2016, abgerufen am 23. Juli 2017
  16. Ilaria Maria Sala, Hong Kong bookshops pull politically sensitive titles after publishers vanish, The Guardian, 7. Januar 2016, abgerufen am 23. Juli 2017
  17. SC Yeung, Unanswered questions about the missing booksellers, EJ Insight, 5. Januar 2016, abgerufen am 23. Juli 2017
  18. In Pictures: Over 1,000 protesters chant ‘no to authority’ in support of returned bookseller, Hong Kong Free Press, 18. Juni 2016, abgerufen am 23. Juli 2017
  19. Returned bookseller says he was detained by ‘special unit’ in China, TV ‘confession’ was scripted, Hong Kong Free Press, 16. Juni 2016, abgerufen am 23. Juli 2017
  20. The One-China Principle and the Taiwan Issue (2000), Chinese Government’s Official Web Portal, Februar 2000, abgerufen am 23. Juli 2017
  21. Li Ao (New Party): Exposing the Dark Side, Taiwan Today, 1. März 2000, abgerufen am 23. Juli 2017
  22. News Release, MAC Press Release No. 065, Mainland Affairs Council, Republic of China (Taiwan), 29. Juni 2006, abgerufen am 23. Juli 2017
  23. Michael E. O’Hanlon, The Risk of War Over Taiwan is Real, The Financial Times, 1. Mai 2005, abgerufen am 23. Juli 2017
  24. Hamish McDonald, Hopes grow as second Taiwan leader visits China, The Age, Melbourne, 13. Mai 2005, abgerufen am 23. Juli 2017
  25. Su to Chair DPP’s „China Affairs Committee“, Kuomingtang Official Website KMT, 22. November 2012, abgerufen am 23. Juli 2017
  26. Mo Yan-chih, ‘One country, two areas’ proposed by Wu Po-hsiung, Taipei Times, 23. März 2012, abgerufen am 23. Juli 2017
  27. Press release: President Ma Ying-jeou’s National Day Address 10/10/2013, Taipei Representative Office in Finland, 15. Oktober 2013, abgerufen am 23. Juli 2017
  28. Chris Wang, Frank Hsieh confirms visit to China, Taipei Times, 2. Oktober 2012, abgerufen am 23. Juli 2017
  29. Lee I-chia, ‘Broad one-China framework’ set, Taipei Times, 28. Mai 2014, abgerufen am 23. Juli 2017
  30. Ho-fung Hung, Three Views of Local Consciousness in Hong Kong, The Asia-Pacific Journal, Vol. 12, Issue 44, No. 1, 2. November 2014, abgerufen am 23. Juli 2017
  31. Eckart Klein, Tibet’s Status Under International Law, University of Potsdam, Tibet–Forum, Vol. 2, 1995, abgerufen am 23. Juli 2017
  32. „One country, two systems“ not possible for Tibet, China Tibet Information Center, Embassy of the People’s Republic of China in the United States of America, 28. Juli 2005, abgerufen am 23. Juli 2017