Ein verborgenes Leben (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelEin verborgenes Leben
OriginaltitelA Hidden Life
ProduktionslandDeutschland, USA
Erscheinungsjahr2019
Länge173 Minuten
Stab
RegieTerrence Malick
DrehbuchTerrence Malick
ProduktionElisabeth Bentley,
Grant Hill,
Josh Jeter,
Marcus Loges
MusikJames Newton Howard
KameraJörg Widmer
SchnittRehman Nizar Ali
Besetzung

Ein verborgenes Leben (Arbeitstitel Radegund, internationaler Titel A Hidden Life) ist ein deutsch-US-amerikanisches, biografisch gefärbtes Filmdrama von Terrence Malick. Der Film erzählt die Lebensgeschichte von Franz Jägerstätter.

Er wurde erstmals am 19. Mai 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes aufgeführt und konkurrierte dort im Wettbewerb um die Goldene Palme.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bauer Franz Jägerstätter und seine hübsche Frau Franziska („Fani“) betreiben ihren Hof hoch oben an den Hängen von St. Radegund, einer kleinen, idyllisch gelegenen Stadt im Westen Österreichs. Gemeinsam haben sie viele Kinder, die allesamt Mädchen sind. Bei ihrer Arbeit werden sie von einigen Helfern, die bei ihnen eine Bleibe gefunden haben, unterstützt.

Als Franz im Jahr 1940 gemeinsam mit Waldlan zum nahe gelegenen Militärstützpunkt gerufen wird, müssen sie sich einem Training unterziehen. Ziel dieser Übungen ist es, die jungen Männer auf den Kampf vorzubereiten, obwohl Franz, der wie ein klassischer Arier wirkt, es ablehnt, Hitler die Treue zu schwören oder die Kriegsanstrengungen in irgendeiner Weise zu unterstützen. Als Franz einberufen wird, sucht er Pfarrer Ferdinand Fürthauer auf, doch er erkennt schnell, dass sich die Kirche am Tod unschuldiger Menschen bereits mitschuldig gemacht hat. Fürthauer selbst hatte die Stelle erhalten, nachdem ein früherer Priester nach einer Predigt gegen die Nationalsozialisten entlassen worden war. Fürthauer warnt Franz, wenn er wegen seiner Weigerung, den Nazis zu dienen erschossen werden würde, nütze sein Opfer niemanden. Franz appelliert auch an den Bischof Joseph Fließen, er wolle den Kriegsdienst bei der Wehrmacht aus Gewissensgründen verweigern, doch bleibt auch hier erfolglos.

Als Franz offen seine ablehnende Haltung gegenüber dem neuen Regime kundtut, wenden sich auch diejenigen, die er einst seine Freunde nannte, gegen ihn und seine Familie. Man wirft mit Dreck nach seinen Töchtern und später, als Franz in das Berliner Gefängnis Tegel gebracht wird, bespucken die Nachbarn Fani auf der Straße.

Biografischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Gedenktafel am Franz-Jäger­stätter-Museums in St. Radegund erinnert an den österreichischen Widerstandskämpfer

Franz Jägerstätter wurde 1907 als Sohn der Bauernmagd Rosalia Huber und des Franz Bachmeier in St. Radegund geboren. Wegen seiner Bedenken gegen eine aktive Teilnahme am Krieg als Soldat suchte er Rat bei Bischof Fließer, doch Jägerstätter hatte den Eindruck, dass der Bischof nicht wagte, offen zu sprechen, weil er ihn nicht kannte. Später verweigerte der Bauer und Bergarbeiter aus Gewissensgründen den Kriegsdienst bei der Wehrmacht, wurde von den Nationalsozialisten verhaftet und nach kurzer Zeit im Gefängnis 1943 im Alter von 36 Jahren in Brandenburg durch das Fallbeil hingerichtet. Am 26. Oktober 2007 wurde Jägerstätter im Linzer Mariendom von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.[1]

Eine Reihe von Filmen hatte bereits die Lebensgeschichte von Jägerstätter zum Gegenstand.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regie übernahm der US-Amerikaner Terrence Malick, der auch das Drehbuch zum Film schrieb.[2] Das Medienboard Berlin-Brandenburg fördert den Film mit 400.000 Euro.[3]

Besetzung und Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dietenheim SLV 2.JPG
Die Dreharbeiten fanden unter an­de­rem im und am Volks­kunde­museum in Dietenheim statt
Rathaus Zittau.jpg
Der Markt in Zittau wurde im August 2016 für weitere Dreharbeiten gesperrt

Die Rolle des Widerstandskämpfers Franz Jägerstätter übernahm der deutsche Schauspieler August Diehl, sein Schwiegervater Lorenz Schwaninger wird von Ulrich Matthes gespielt. Der österreichische Schauspieler Tobias Moretti spielt Ferdinand Fürthauer, der von 1958 bis 1996 Pfarrer in Klam war. Valerie Pachner stellt Jägerstätters Ehefrau Franziska dar. In einer seiner letzten Rollen ist der verstorbene schwedische Mime Mikael Nyqvistzu sehen,[4] der den Part von Bischof Joseph Fließen übernahm, bei dem Jägerstätter im Film Rat sucht.

Für die teilweise in Südtirol stattfindenden Dreharbeiten wurden über 300 Männer und Frauen aus Brixen und Umgebung als Komparsen für den Film gesucht.[5]

Die Dreharbeiten haben am 21. Juli 2016 begonnen. Zu den Drehorten in Italien gehörten die venezianische Gemeinde Sappada, die in Südtirol gelegene Stadt Brixen und das Dorf Dietenheim, wo Aufnahmen im und am Volkskundemuseum entstanden. In Zittau diente das alte Gefängnis als Drehort. Am 18. August 2016 fanden zudem Sperrungen des Marktes und des Johannisplatzes für die Dreharbeiten in Zittau statt.[6] Weitere Aufnahmen haben im Studio Babelsberg in Brandenburgs Hauptstadt Potsdam stattgefunden.[7] Am 27. August 2016 wurden die Dreharbeiten beendet.

Filmmusik und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik komponiert der mehrfach Oscar-nominierte James Newton Howard.[8] Er setzte zudem klassische Musikstücke von Ludwig van Beethoven, über Georg Friedrich Händel bis hin zu Henryk Mikołaj Górecki, Arvo Pärt, Alfred Schnittke und Johann Sebastian Bach ein, so zu Beginn des Films dessen chorale Matthäus-Passion.[9][10]

Nach Aussage von Schauspieler Matthias Schoenaerts sollte der Film im Herbst 2018 im Rahmen eines Filmfestivals seine Premiere feiern.[11] Im April 2019 war der Film noch immer nicht veröffentlicht. Anfang April 2019 wurde der Titel A Hidden Life bekanntgegeben.[12] Kurz später wurde der endgültige Veröffentlichungstermin bekannt. Der Film feierte am 19. Mai 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere und konkurrierte dort im Wettbewerb um die Goldene Palme. Im deutschsprachigen Raum wird der Film im Verleih von Pandora Film in die Kinos gebracht.[13][14]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film stieß bislang auf die Zustimmung von 75 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 7,5 der möglichen 10 Punkte[15] womit er hier einen der mittleren Plätze bei den in Cannes vorgestellten Filmen belegte.[16] Im Kritikerspiegel von critic.de erhielt er überwiegend positive Kritiken.[17] In der bei Screen veröffentlichten Kritikerumfrage zu den Festivalbeiträgen in Cannes erhielt er 2,5 von 4 möglichen Punkten.[18]

Peter Debruge von Variety schreibt, es gebe in Terrence Malicks Film keine Schlachtfelder, sondern nur Weizenfelder, auch keine Horrorschlachten im Konzentrationslager und keine dramatischen Mitternachtsüberfälle. Dennoch sei Ein verborgenes Leben ein Kriegsfilm, es sei nur so, dass der hier gezeigte Kampf ein innerer zwischen einem Christen und seinem Gewissen ist. Ohne die Millionen von Menschenleben zu schmälern, die während des Zweiten Weltkriegs ums Leben kamen, zeige Malick hier das Schicksal und das Seelenleben eines einzelnen Mannes, und eine Laufzeit von fast drei Stunden scheinen nicht das geringste Übermaß zu sein, wenn es darum geht, das Opfer von Franz Jägerstätter einzufangen, der geächtet und inhaftiert und schließlich für seine Überzeugungen hingerichtet wurde. Malick zeige, wie seine Gemeinde St. Radegund es der Angst erlaubte, ihr Urteilsvermögen zu vergiften, und das Gruppendenken anregte, das Franz zu einem Ausgestoßenen unter seinen eigenen Leuten machte. Malick mache in diesem Film eine kritische Unterscheidung zwischen Glauben und Religion, indem er das Versagen der letzteren herausfordert, eine menschliche Institution, die ebenso fehlbar und korrumpierbar ist, wie jeder Einzelne.[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2019

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biographie Franz Jägerstätter 1907 – 1943 Märtyrer In: dioezese-linz.at. Abgerufen am 13. Oktober 2016.
  2. Scott Roxborough: Terrence Malick to Tackle WWII Biopic 'Radegund' In: The Hollywood Reporter, 22. Juni 2016.
  3. Jan Lange: Hollywood-Legende dreht in Zittau. Im Gefängnis an der Lessingstraße entstehen erneut Szenen für einen Film. Die Mandaustadt ist dabei nicht sie selbst In: Sächsische Zeitung, 16. August 2016.
  4. Meisterregisseur Malick dreht Film über Franz Jägerstätter In: katholisch.at, 20. Oktober 2017.
  5. Über 300 Komparsen für Kinofilm in Südtirol gesucht. In: unsertirol24.com, 7. Juni 2016.
  6. Hollywood-Regisseur Malick dreht für neuen Film in Zittau. In: lvz.de, 16. August 2016.
  7. https://www.medienboard.de/infothek/aktuelle-meldungen/aktuelles/News/detail/News/brandenburg-dreht-durch-dreharbeiten-hochsaison-mit-til-schweiger-detlev-buck-und-babylon-berlin/
  8. James Newton Howard Scoring Terrence Malick’s 'A Hidden Life'. In: filmmusicreporter.com, 18. April 2019.
  9. a b Peter Debruge: Cannes Film Review: 'A Hidden Life'. In: Variety, 19. Mai 2019.
  10. Steve Pond: 'A Hidden Life' Film Review: Is This Where Terrence Malick Gets His Mojo Back?. In: thewrap.com, 19. Mai 2019.
  11. Charles Barfield: Terrence Malick’s Latest Film 'Radegund' Might Get A Fall Premiere. In: theplaylist.net, 18. Juli 2018.
  12. Zack Sharf: Terrence Malick’s WWII Drama 'Radegund' Retitled 'A Hidden Life' Ahead of Potential Cannes Debut. In: indiewire.com, 2. April 2019.
  13. 'Ein verborgenes Leben' beim 72. Festival de Cannes. In: tabularasamagazin.de, 2. Mai 2019.
  14. Ein verborgenes Leben. In: pandorafilm.de. Abgerufen am 9. Mai 2019.
  15. A Hidden Life In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 4. Juni 2019.
  16. Cannes 2019 Movie Scorecard. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 25. Mai 2019.
  17. Cannes critic's jury - Kritikerspiegel 2019. In: critic.de. Abgerufen am 25. Mai 2019.
  18. Ben Dalton: Screen reveals Cannes 2019 jury grid critics. In: screendaily.com. Abgerufen am 25. Mai 2019.