Einartshausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 50° 30′ 10″ N, 9° 4′ 14″ O

Einartshausen
Stadt Schotten
Höhe: 245 m ü. NHN
Fläche: 5,42 km²[1]
Einwohner: 476 (31. Dez. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 63679
Vorwahl: 06044

Einartshausen ist ein Stadtteil von Schotten im Vogelsbergkreis in Hessen.

Der Ort liegt, von Wald umgeben, am Rand des Vogelsberges westlich des Hauptortes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsnamensendung -hausen lässt auf eine fränkische Besiedlung schließen. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgt zwischen den Jahren 890 und 904 als Einharteshuson.[3]

1187 übertrug Graf Berthold II. von Nidda den Johannitern in Nidda Güter in Einhardeshusen und 25 anderen Orten im Vogelsberg und in der Wetterau.[4]

Für die Zeit vom Hochmittelalter bis zum Spätmittelalter und dem Beginn der Neuzeit ist die geschichtliche Entwicklung des Dorfes mit der von Gonterskirchen weitgehend identisch.

Im Solmser Besitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Solmser Teilung von 1432 gelangte Einartshausen mit Laubach an Graf Johann von Solms.[5] 1548 teilte sich Solms-Hohensolms-Lich erneut und Einartshausen kam an die Linie Solms-Laubach.

1607 wurde die Grafschaft Solms-Rödelheim geschaffen. Am Ende des 17. Jahrhunderts kam es zu Konflikten zwischen Solms-Laubach und Solms-Rödelheim. Am 26. November 1701 begannen Vergleichsverhandlungen, die im Sommer 1704 abgeschlossen wurden. Friedrich Ernst zu Laubach verzichtete auf seinen Teil an Solms-Rödelheim, die Brüder Ludwig und Ludwig Heinrich auf ihr Fünftel an Laubach. Die Rödelheimer Linie bekam als Wertausgleich „das Dorff Einartshausen nebst zugehöriger schöner waldung als auch aller hohen und niederen sowohl geist.- als auch weltl. Jurisdiction auf Ewig, ... wodurch wir ... in die endl. Ruhe undt Einigkeit gesezt worden.“

Nach dem Herrschaftswechsel wurde von Solms-Rödelheim im Dorf eine „Verwalterei“ eingerichtet, da alle anderen Orte der Grafschaft in der Wetterau lagen. Der Verwalter in Einartshausen übernahm die Funktionen eines Amtmanns und eines Kellers. 1728 wurde er sogar noch zum Jäger bestimmt. Die Landkassenrechnungen weisen für Einartshausen als Geldzahlungen nur Wacht- und Monatsgelder aus.[6]

Die Herrschaft Solms-Rödelheim erlaubte und förderte das Entstehen einer jüdischen Gemeinde in Einartshausen.

1806 kam das Dorf in das neu gegründete Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen mit dem Amt Nieder-Wöllstadt. Es gehörte von 1822 bis 1837 zum Landratsbezirk Hungen, dann zum Kreis Grünberg. Als Folge der Revolution von 1848 wurden im Großherzogtum Regierungsbezirke gebildet, welche aber nicht mit den heutigen vergleichbar sind. Einartshausen gehörte nun seit 1848 zum Regierungsbezirk Gießen, der aber 1852 bereits wieder aufgelöst wurde. Seit dieser Zeit gehörte man zum Kreis Schotten, der im November 1938 aufgelöst wurde. Einartshausen kam zum Landkreis Büdingen, der 1972 teilweise in den Vogelsbergkreis integriert wurde.

1889 wurde die Schule erbaut.

Am 28. Juni 1896 wurde dem Förster Georg Heinrich Karpf von Einartshausen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für 50jährige treue Dienste“ verliehen.[7]

Am 1. April 1972 wurde Einartshausen in die Stadt Schotten eingegliedert.[8]

Schotten-Einartshausen, ev. Kirche, ehem. St. Nikolaus

In der Gemarkung liegt der Oberwaider Hof.

Religionsverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herrschaftsbereich der Grafen von Solms-Rödelheim gab es einige Dörfer mit einem hohen Anteil jüdischer Einwohner. Dies waren Niederursel, Nieder-Wöllstadt und Einartshausen.

1706 wurden erstmals Juden als Einwohner in Einarthausen erwähnt. Sie lebten meist unter ärmlichen Verhältnissen. Die jüdische Gemeinde hatte einen Vorsteher und betete in der örtlichen Synagoge. Diese wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Es gab ein rituelles Bad und eine jüdische Schule. Der jüdische Friedhof wurde seit dieser Zeit belegt.

Im 19. Jahrhundert waren von den Dorfbewohnern meist mehr als zehn Prozent jüdischen Glaubens. Um 1770 lebten etwa zwölf jüdische Familien im Dorf, 1828 waren es 52 Juden, 1861, 1880 51, die rund 13 % der Bevölkerung bildeten. Im 20. Jahrhundert nahm die jüdische Bevölkerung stark ab, von 40 Personen im Jahr 1900 bis auf sieben 1933.[9]

Die Synagoge wurde in der Pogromnacht 1938 erheblich beschädigt und diente lange als landwirtschaftliches Gebäude. Nach dem Abbruch der Synagoge 1964 wurde dort das Dorfgemeinschaftshaus errichtet. Hier wurde 1999 eine Gedenktafel angebracht. Dies geschah auf wiederholten Wunsch des ehemaligen Oberbürgermeisters von Netanja, Avram Bar Menachem. Dessen Großmutter stammte aus Einhartshausen.[10] Avram Bar Menachem war in Wieseck geboren worden.

13 Juden aus Einartshausen wurden im Holocaust ermordet.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:

  • 1834: 426 Einwohner
  • 1852: 448 Einwohner
  • 1858: 390 Einwohner
  • 1905: 334 Einwohner
  • 1939: 334 Einwohner
  • 1946: 443 Einwohner
  • 1956: 358 Einwohner
  • 1961: 317 Einwohner
  • 1970: 338 Einwohner

Fläche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c „Einartshausen, Vogelsbergkreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 5. November 2015)
  2. Zahlen - Daten - Fakten der Stadt Schotten, abgerufen im April 2016.
  3. Ernst Friedrich Johann Dronke, Codex diplomaticus Fuldensis, Fulda 1850, ND 1962, Nr. 628, S. 286.
  4. Karl Christian Eigenbrodt, Urkunden. in: AHG 2, Darmstadt 1841, S. 117–139, Nr. 32.
  5. Friedrich Battenberg, Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt (Abteilungen B 9 und F 24 B), im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich. 1131-1913. Bd. 1-5, Darmstadt 1981-1986, Solmser Urkunden 1, Nr. 996.
  6. Tobias Busch, Herrschen durch Delegation. Reichsgräfliche Herrschaft am Ende des 17. und im 18. Jahrhundert am Beispiel der Grafschaft Solms-Rödelheim. Dissertation Kassel 2007, S. 75 ff, 103, 165 ff.
  7. Großherzogliches Hessisches Regierungsblatt 1896.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352.
  9. Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2, S. 283.
  10. Die Synagoge in Einartshausen (Stadt Schotten, Vogelsbergkreis)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]