Einbruch

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen siehe Einbruch (Begriffsklärung).

Als Einbruch bezeichnet man das unerlaubte Eindringen in einen abgegrenzten Bereich bei Überwindung eines Hindernisses oder einer besonderen Sicherung gegen Wegnahme; Näheres wird im nationalen Recht definiert. Ein Einbruch geschieht in der Regel mit dem Ziel, in den Besitz von Gegenständen und/oder Informationen zu gelangen.

Strafrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Tatbestand „Einbruch“ kommt jedoch im deutschen Rechtsraum nicht vor. Einbruch ist immer an weitere Motive oder Tatbestände gekoppelt, wie Diebstahl, Hausfriedensbruch oder die Sachbeschädigung an Hindernissen bzw. der Versuch derselben.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach deutschem Strafrecht kommen die Tatbestände des § 243 (Besonders schwerer Fall des Diebstahls) und § 244 (Diebstahl mit Waffen, Bandendiebstahl, Wohnungseinbruchdiebstahl) jeweils mit dem Grundtatbestand des § 242 sowie der Hausfriedensbruch nach § 123 in Betracht. Der maßgebliche Unterschied zwischen den Diebstahlsformen und dem Hausfriedensbruch ist die Zueignungsabsicht. Der Einbruchsdiebstahl ist die bei weitem häufigste Form.

An Hausfriedensbruch kann gedacht werden, wenn der „Einbrecher“ ohne Bereicherungsabsicht handelt, aber wissentlich oder erklärtermaßen unwillkommen ist.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich begeht man nach § 129 StGB (Diebstahl durch Einbruch oder mit Waffen) eine Straftat.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer in der Schweiz einen Einbruch verübt, macht sich nach Art. 139 StGB wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch, und/oder zusätzlich wegen Sachbeschädigung strafbar.

Vorgehensweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türen und Fenster werden bei Einbrüchen häufig mit Werkzeugen aufgebrochen bzw. aufgehebelt – eine bei schwachen Schließblechen und kleinen Rollzapfen gängige Täterarbeitsweise. Sehr häufig kommt es auch zu Angriffen auf Schließzylinder von Zylinderschlössern. Schließzylinder sind ein wichtiger Bestandteil der Türabsicherung. Sie können jedoch nur in der Systemeinheit – Schloss, Schließzylinder, Beschlag – Sicherheit bieten. Bei Einbrüchen werden Schließzylinder in vielfältiger Weise angegriffen. Sie müssen daher gegen die Täterarbeitsweisen Abbrechen, Aufbohren, Nachschließen und Ziehen Schutz bieten.

Im Detail kommen in Betracht:

  • Aufbrechen/Aufhebeln der Tür oder des Fensters mit Werkzeugen im Verschlussbereich oder der Bandseite
  • Türblattdurchbruch mit körperlicher Gewalt (Glas-/Holzfüllung)
  • Angriffe auf Schloss und Beschlag oder den Schließzylinder
  • Öffnen der Tür mit einem Schlüssel
  • Bohrangriffe im Fenstergriffbereich/Olive
  • Glas einschlagen, durchgreifen und entriegeln

Unter einer Heißen Arbeit versteht man den Modus Operandi bezüglich des angegangenen Objekts. Dabei wird Feuer (Aufschweißen) verwendet.
Eine Kalte Arbeit ist hingegen die Anwendung von Werkzeugen (aufhebeln).

Psychische Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich zu dem materiellen Verlust leiden viele Geschädigte durch die gewaltsame Verletzung ihrer Privatsphäre an Belastungsstörungen wie Angststörungen, Panikattacken, Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit sowie an starken Gefühlen von Ohnmacht, Scham und Wut. Diese und weitere Symptome als immer wiederkehrende Bilder zu erleben, kann bei längerem Andauern eine Posttraumatische Belastungsstörung verursachen. Der persönliche Leidensdruck kann so stark werden, dass die Indikation für eine Psychotherapie gegeben ist. Studien bestätigen, dass fast die Hälfte der Einbruchopfer sich 12 Monate nach der Tat immer noch unsicher fühlen.[1]

Prävention[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maßnahmen zum Einbruchschutz sollen das unerlaubte Eindringen in einen verriegelten Raum oder Bereich verhindern. Einbrüche können durch das Anlegen von Hindernissen (Umzäunungen, Türen, Sicherheitstechnik) und eine Erhöhung der Sicherheit, zum Beispiel durch Streifendienst, erschwert werden. Große Firmengebäude oder -gelände können darüber hinaus durch Nachtwächter gesichert werden, Privatpersonen und Unternehmen schützen ihr Eigentum oft durch Einbruchmeldeanlagen oder eine Anwesenheitssimulation.

Statistische Daten zur Wohnungseinbruchkriminalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erfahrungen der Polizei und der Versicherer zeigen:

  • In weit über der Hälfte aller Einbrüche werden Türen und Fenster mit einfachsten Mitteln aufgehebelt oder überwunden (z. B. mit einem Schraubendreher).
  • Fast 44 Prozent der Wohnungseinbrüche in Deutschland finden tagsüber statt.
  • Einbrüche finden vermehrt bei Anwesenheit der Bewohner statt.
  • Statistisch gesehen geschieht in Deutschland alle 3,5 Minuten ein Einbruch[2]
  • Laut der polizeilichen Kriminalstatistik steigerte sich die Zahl der registrierten Wohnungseinbrüche in den vergangenen 15 Jahren auf einen Höchststand[3] mit einem Anstieg von knapp 16 % von 2012 bis 2015:
2012: 144.117 Fälle
2013: 149.500 Fälle
2014: 152.123 Fälle[4]
2015: 167.136 Fälle[4]
  • In Deutschland steigerte sich die Zahl der gescheiterten Wohnungseinbrüche von 28,3 % (1993) auf 40,2 % im Jahr 2013. Die Dunkelziffer hierbei ist aber vermutlich hoch, da Versuche häufig nicht angezeigt werden.[3]
  • Der verursachte Schaden betrug 2013 427.495.425 Euro (2012: 404.832.971 Euro).[5]
  • 68,9 Prozent (2012: 71,2 Prozent) der Tatverdächtigen sind Deutsche.[5]
  • "Immer mehr Einbrecher scheitern an den Sicherungsvorkehrungen" - 2009 in NRW 16.086-mal. Das sind 1.235 Delikte (+ 8,3 Prozent) mehr als 2008. "Immer mehr Menschen schützen ihr Eigentum besser."[6]
  • 25.029 vollendete Wohnungseinbrüche wurden 2009 in NRW angezeigt, 1.878 mehr als im Vorjahr (+ 8,1 Prozent). Im Jahr 1995 gab es die meisten Wohnungseinbrüche. Diese Zahl lag um 16.819 Fälle und damit 30 Prozent höher als 2009.[6]

Einbrecher nutzen bei Ein- und Mehrfamilienhäusern unterschiedliche Schwachstellen:

Einfamilienhäuser Köln Erftkreis
Terrassen-/Balkontüren 52,05 % 45,77 %
Fenster 26,49 % 31,79 %
Haustüren 13,88 % 27,14 %
Kellerfenster/Kellertüren 6,93 % 7,09 %
Sonstige 0,31 % 0,45 %
Mehrfamilienhäuser Köln Erftkreis
Wohnungsabschlusstüren 54,60 % 35,70 %
Terrassen-/Balkontüren 25,66 % 35,45 %
Fenster 19,73 % 27,14 %
Sonstige 0,01 % 1,71 %
Die genannten Zahlen beziehen sich auf die Wohnungseinbruchkriminalität der Stadt Köln („Kölner Studie 2001“) und den ländlichen Erftkreis („Erftkreisstudie 2002“).

Aufklärungsquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufklärungsquote ist bei Einbruchsdelikten gering. Sie betrug in Deutschland im Jahr 1973 20,3 % (nur Bundesrepublik Deutschland), 1993 13,8 % und 2012 15,7 %.[7][8][9] Im Vergleich zu 2011 ist dies sogar ein Rückgang von 0,5 Prozent. Der steigenden Einbruchsrate steht 2013 auch eine sinkende Aufklärungsquote von nur 15,5 % entgegen.[3] Nach anderen Quellen kommen auf hundert Wohnungseinbrüche jedoch nur zwei bis drei Verurteilungen.[10]

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adam Merschbacher: Sicherheitsanalyse für Gewerbebetriebe. VdS-Verlag, Köln 2003, ISBN 3-936050-04-X
  • Adam Merschbacher: Sicherheitsanalyse für Haushalte. VdS-Verlag, Köln 2002, ISBN 3-936050-03-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einbruch-Report 2015: „Fast die Hälfte der Opfer fühlt sich noch 12 Monate nach der Tat unsicher“, gdv.de vom 22. Mai 2015, abgerufen am 22. Mai 2015
  2. Einbruchstatistik für Deutschland auf Alarmanlage.de; abgerufen am 1. Juli 2014
  3. a b c Bundeskriminalamt, Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2013 - Zusammenfassung, Wiesbaden 2013, S. 53. (online, PDF)
  4. a b Zahl der Wohnungseinbrüche stark gestiegen, Zeit Online, 30 März 2016
  5. a b Bundeskriminalamt, Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2013 - Zusammenfassung, Wiesbaden 2013, S. 54. (online, PDF)
  6. a b Kriminalstatistik 2009 (NRW)
  7. Bundeskriminalamt, Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2011 - Zusammenfassung, Wiesbaden, S. 77 (online, PDF)
  8. Bundeskriminalamt, Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2011 - Zusammenfassung, Wiesbaden 2012, S. 79–80 (online, PDF)
  9. welt.de, Deutschland ist das Eldorado für Einbrecher, 11. Mai 2013
  10. Jacobs L. (2016) Wohnungen sind leichte Beute, Zeit Online 31 März 2016
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