Einer flog über das Kuckucksnest (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelEiner flog über das Kuckucksnest
OriginaltitelOne Flew Over the Cuckoo’s Nest
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1975
Länge133 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieMiloš Forman
DrehbuchBo Goldman
Lawrence Hauben
ProduktionMichael Douglas
Saul Zaentz
MusikJack Nitzsche
KameraHaskell Wexler / Bill Butler
SchnittSheldon Kahn
Lynzee Klingman
Richard Chew
Besetzung
Synchronisation

Einer flog über das Kuckucksnest ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Miloš Forman aus dem Jahr 1975. Der vielfach preisgekrönte Film über die Insassen einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans (1962) von Ken Kesey und des darauf beruhenden Theaterstücks (1963) von Dale Wasserman.

Der Film hatte einen nennenswerten Einfluss auf die Behandlung psychisch Kranker, namentlich auf die Abschaffung der Lobotomie.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wegen Gewalt- und Sexualdelikten straffällig gewordene, 38-jährige Häftling Randle McMurphy täuscht eine psychiatrische Erkrankung vor, um dem Arbeitsdienst im Gefängnis zu entgehen. Zur Überprüfung seines Geisteszustandes verbringt man ihn in eine Nervenheilanstalt. McMurphy wird einer von 18 Insassen auf der von Oberschwester Ratched straff geführten Station und der neunte Teilnehmer an der ebenfalls von ihr geleiteten Gruppentherapie. In den Sitzungen geht Ratched in der Regel so vor, dass sie das Problem eines Patienten zur „Diskussion“ stellt und dann reihum hartnäckig nach Antworten „bohrt“. Teils überfordert sie die Betroffenen damit, teils stellt sie sie bloß, erzeugt Frust und Aggressionen untereinander, vertieft Ängste und befestigt so auch das Abhängigkeitsverhältnis ihr gegenüber.

Vom ersten Moment an ist zu spüren, dass McMurphy hier „stört“. Sein Freigeist gefährdet Ratcheds Autorität; ein „Zweikampf“ zeichnet sich ab. Er hinterfragt die verordneten Medikamente und boykottiert heimlich deren Einnahme. Er animiert seine Mitinsassen zu Aktivitäten, die er selbst liebt – Basketball, Kartenspiele, Wetten. Zwar scheitert er daran, einen schweren Waschtisch aus der Verankerung zu reißen (womit er einen Weg nach draußen bahnen will, um in irgendeiner Bar die Baseballendspiele sehen zu können). Seine Haltung aber, es „wenigstens versucht“ zu haben, hinterlässt Wirkung: am schnellsten bei dem naiv-ehrlichen, von Wutanfällen heimgesuchten Charlie Cheswick, sukzessive bei dem komplexbeladenen Stotterer Billy Bibbit, und exemplarisch bei dem baumlangen, als taubstumm geltenden „Chief“ Bromden. Der sich stets abseits haltende Indianer solidarisiert sich erstmals mit McMurphy bei dessen zweitem Anlauf, die Fernseherlaubnis für die Baseballendspiele durchzusetzen, den Ratched erneut abschmettert, worauf McMurphy mit einer Phantasiereportage kontert, die die anderen zu Begeisterungsstürmen mitreißt, als würden sie das Spiel tatsächlich sehen. Kurz darauf wagt er noch mehr, als er die gelegentlichen „Ausflügler“ unter ihnen zu einem Abenteuertrip entführt, für den er erst ihren Bus und dann sogar ein fremdes Schiff kapert, um nach einem halben Tag gemeinsamem Hochseeangeln mit kapitaler Beute heimzukehren.

Die schwelenden Konflikte entladen sich immer bedrohlicher. In einer seiner Trotzattacken verlangt Cheswick die Herausgabe seiner konfiszierten Zigaretten, McMurphy holt sie ihm schließlich mit Gewalt, was in eine Schlägerei mit den Pflegern ausartet, in die auch Bromden eingreift. Ratched ordnet für die drei Delinquenten Elektroschocks an; zuvor votierte sie gegenüber den Ärzten für McMurphys Verbleib auf der Station. Der wiederum ist alarmiert, seit er weiß, dass man ihn auf unbestimmte Zeit hier festhalten kann, und fassungslos, als er erfährt, dass das Gros der Patienten Freiwillige sind. Er plant zu fliehen, und er ermutigt „Chief“ Bromden mitzukommen, noch dazu, da der ihm anvertraut hat, dass er seine Taubstummheit nur simuliert. In der fraglichen Nacht will McMurphy sich noch mit einer Party verabschieden. Zusammen mit zwei Frauen, Candy und Rose, schmuggelt er Alkohol ins Haus und besticht den Nachtwächter. Der junge Billy, zur Flucht noch nicht bereit, findet Gefallen an Candy, und McMurphy ermuntert ihn, mit ihr zu schlafen, was allerdings ihren Aufbruch entscheidend verzögert.

Am nächsten Morgen findet Ratched die Station verwüstet vor und die meisten Patienten schlafend auf dem Boden, unter ihnen McMurphy und Bromden. Zuletzt entdeckt sie Billy im Bett mit Candy. Als sie ihn vor allen zur Rede stellt, spricht er ohne Stottern, bis sie ihm ankündigt, seine Mutter über das Vorgefallene in Kenntnis zu setzen. Wenige Minuten später findet man ihn tot in einer Blutlache; er hat sich mit einer Scherbe die Kehle durchgeschnitten. Ratcheds Appell, ruhig zu bleiben und weiterzumachen wie bisher, lässt McMurphy durchdrehen; er versucht sie zu erwürgen, bis ein Pfleger ihn ausknockt. – Tage später bringt man ihn, nur bemerkt von „Chief“ Bromden, mitten in der Nacht auf die Station zurück. Auf McMurphys Stirn sind die Narben einer Lobotomie; seine Persönlichkeit scheint ausgelöscht. Ein Kissen auf seinen Kopf pressend, erstickt Bromden ihn. Dann folgt er dem von McMurphy vorgezeichneten Weg, reißt den riesigen Waschtisch aus dem Boden, schleudert ihn durch ein vergittertes Fenster – und entschwindet in die Nacht.

Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Titel basiert auf einem englischen Kinderreim:
Vintery, mintery, cutery, corn,
Apple seed and apple thorn;
Wire, briar, limber lock,
Three geese in a flock.
One flew east,
And one flew west,
And one flew over the cuckoo’s nest.
Der Witz des Abzählreims besteht darin, dass Gänse (geese) in einem Schwarm (flock) nicht in verschiedene Richtungen (east, west) fliegen können, und dass der Kuckuck kein Nest baut.
  • „Cuckoo“ bedeutet in US-amerikanischer Umgangssprache „verrückt“. Das „cuckoo’s nest“ könnte damit die Nervenheilanstalt bezeichnen.
  • Formans Werk ist eine Anklage gegen die Bevormundung Schwächerer. Er stellt u. a. die Frage, wer das Recht hat, über andere Menschen zu bestimmen und sie in Gruppen einzuteilen. Der Zuschauer ist aufgefordert, aus seiner freiwilligen Gefangenschaft zu fliehen und ein freies Leben zu wagen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirk Douglas und sein Sohn Michael waren diejenigen, die die ersten und entscheidenden Weichen stellten für die Verfilmung von Ken Keseys Einer flog über das Kuckucksnest. Im Besitz einer Druckfahne, gehörte Kirk zu den ersten Lesern und Bewunderern des Romans, erwarb die Theater- und Filmrechte und brachte die Bühnenfassung auf den Weg, in dessen erster Inszenierung er 1963/64 selbst die Hauptrolle spielte. – Bei einem Aufenthalt in Prag traf er dann den jungen tschechischen Regisseur Miloš Forman, bot ihm den Stoff für eine Verfilmung an und versprach ihm, das Buch zu schicken. Danach hörten beide zehn Jahre lang nichts mehr voneinander. Bei ihrer Wiederbegegnung machten sie sich Vorwürfe: Forman beschwerte sich über Douglas' Vergesslichkeit, und der beklagte Formans Unhöflichkeit. Beides beruhte auf einem Missverständnis; das Buch war von den tschechischen Behörden konfisziert worden.[1]

In der Zwischenzeit hatte Kirk Douglas die Filmrechte an seinen Sohn abgetreten. Michael Douglas stieg selbst als Produzent ein, obwohl noch ebenso unerfahren wie Saul Zaentz, den er als Partner gewann.[2] Dass beide sich dann für Forman entschieden, hatte mehrere Gründe. Der tschechische Emigrant wider Willen war (noch) kein Starregisseur und schonte daher ihr knapp bemessenes Budget; anders als die Kandidaten vor ihm, spielte er mit offenen Karten und äußerte Vorstellungen von dem Film, die ihr Interesse weckten. – Er habe, so Forman später, einen Film vor Augen gehabt, der für ihn insofern „tschechisch“ war, als er eine Gesellschaft beschrieb, in der er 20 Jahre gelebt hatte, mit Menschen, von denen er wusste, wie sie sich fühlten.[1]

Das erste Drehbuch, verfasst von Lawrence Hauben, war aus Saul Zaentz' Sicht wenig brauchbar, weil zu eng an die Romanvorlage angelehnt.[1] Das zweite Angebot erging an den Autor des Romans persönlich, Ken Kesey, führte künstlerisch nicht weiter und stattdessen in einen „langwierigen, schmerzvollen“ Streit um Geld.[3] Erfolg hatte das Produzentenduo erst mit dem Engagement von Bo Goldman, einem in Hollywood noch ebenso unbeschriebenen Blatt wie Forman. Regisseur und Drehbuchschreiber verstanden sich auf Anhieb, gingen in täglichen Meetings das vorhandene Skript Szene für Szene durch und entwickelten so gemeinsam die Fassung, die dann auch beim Dreh zum Einsatz kam.[1]

Casting[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Findungsprozess für ihren Hauptdarsteller rekonstruieren Regisseur und Produzent nicht ganz übereinstimmend. Michael Douglas meint, sie hätten sich zuerst, ohne Erfolg, um Gene Hackman und Marlon Brando bemüht, wobei Formans Favorit ohnehin ein Dritter, Burt Reynolds, gewesen wäre. Der erinnert sich anders: Erste Wahl sei für ihn zu keiner Zeit ein Anderer gewesen als der von Hal Ashby, einem der früheren Regie-Kandidaten, empfohlene Jack Nicholson; und nur weil der für ein halbes Jahr anderweitig gebunden war, habe auch er andere Lösungen erwogen.[1]

Was die weibliche Hauptrolle betrifft, war man zunächst überzeugt, Oberschwester Ratched müsse von einer Darstellerin gespielt werden, die das „personifizierte Böse“ glaubhaft verkörperte. Entsprechende Angebote ließ man mehreren namhaften Schauspielerinnen zukommen, darunter Anne Bancroft, Geraldine Page und Angela Lansbury. Alle sagten ab. Als Forman dann auf Louise Fletcher aufmerksam wurde, begann sich das Bild, was ihm von McMurphys Antagonistin vorschwebte, zu wandeln. Dramaturgisch stärker schien ihm jetzt ein Image, das sie nur als „Instrument des Bösen“ zeigt, als jemand, der persönlich glaubt, den Patienten zu helfen, ihnen Gutes zu tun. Allerdings brauchte Forman ein halbes Jahr und ein halbes Dutzend Castingtermine, bevor er von Fletchers Eignung überzeugt war und sie unter Vertrag nahm – eine Woche vor Drehbeginn.[1]

Bezüglich der Nebenrollen hatte Forman ein klares Konzept, das er auch weitgehend umsetzte: Es sollten „völlig unbekannte Gesichter“ sein, die dem Zuschauer begegnen, damit er, ganz ähnlich wie McMurphy/Nicholson, deutlich das Gefühl habe, in eine ihm fremde Welt hineinzugeraten. So brachte Einer flog über das Kuckucksnest einige Debütanten hervor, wie zum Beispiel Christopher Lloyd. Manche seiner Schauspieler castete Forman, indem er mit ihnen Gruppentherapiesitzungen durchspielte, in denen er selbst den Part der Oberschwester übernahm.[1]

Für eine Rolle erwies es sich allerdings als schwierig, auch nur einen potenziellen Kandidaten aufzuspüren: „Chief“ Bromden. In seinem Fall wollte Forman, der ansonsten sehr frei mit der Romanvorlage umging, Ken Kesey treu folgen und einen sehr großen Indianer ausfindig machen. Da solche „Auswüchse“ unter den Ureinwohnern Amerikas äußerst selten sind, bedurfte es guter Verbindungen und aufmerksamer Helfer, Geduld und Glück, bis schließlich der Gesuchte bei einem Gebrauchtwagenhändler ins „Netz“ ging. Die Faszination, die die imposante Erscheinung des 2,01 m große Rangers Will Sampson auslöste, wird in Formans Erinnerung ähnlich lebendig wie in der entsprechenden Filmszene, in der McMurphy „Chief“ Bromden erstmals gegenübersteht.[1][3]

Drehort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Formans Konzept sah vor, seine Schauspieler ein authentisches Umfeld erleben und anschließend auch darin spielen zu lassen. Daher entschied man sich gegen ein künstliches Setting in Hollywood und für die Suche nach einer geeigneten psychiatrischen Klinik. Bei der fünften, dem Oregon State Hospital, wurde man fündig. Es war nicht nur die erste Einrichtung, in der man das Buch gelesen hatte, sondern auch die, die die besten Bedingungen bot. Man erlaubte der Filmcrew unbegrenzten Zutritt und verlangte eine Benutzungsgebühr von lediglich 250 Dollar pro Tag. Zu verdanken war dies in erster Linie dem äußerst aufgeschlossenen Direktor der Einrichtung, Dean R. Brooks. Sein Vorschlag, Patienten der Klinik als Komparsen und Laiendarsteller in den Film einzubeziehen, wurde ebenso realisiert wie Formans Idee, Brooks selbst die Rolle des Anstaltsleiters Dr. Spivey spielen zu lassen.[1][3]

Dreharbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dass man mit Rücksicht auf Jack Nicholson entschieden hatte, die Dreharbeiten erst im Januar 1975 beginnen zu lassen, erwies sich aus Michael Douglas' Sicht im Nachhinein als doppelter Vorteil. Man hatte dadurch ein halbes Jahr mehr Zeit für das Casting, und man filmte in der dunklen und kalten Jahreszeit, was man aus pragmatischen Gründen eher vermieden hätte, aber die Atmosphäre des Films noch besser zur Geltung brachte.[1][3]

„Natural“ und „real“ waren die beiden Worte, die die am Dreh Beteiligten von ihrem Regisseur wieder und wieder hörten, als Frage („Is it natural?“), Kritik („That's not natural“) oder Forderung („It must be real“). Was Forman ablehnte, war Künstlichkeit, was er wollte, war, dass seine Schauspieler – in ihren Rollen – so „natürlich“ und „wirklichkeitsnah“ wie möglich agierten. Um sie dahin zu bringen, hatte er eine Art Masterplan entworfen.[1]

Er selbst bezog einen Monat vor Drehbeginn Quartier in der Klinik, sein Ensemble bestellte er eine Woche früher ein, für den 4. Januar 1975. In dieser Woche verbrachten die Darsteller den Tag zur einen Hälfte mit Proben, zur anderen auf ihrer Station, damit sie ein Gefühl dafür entwickelten, was es bedeutete, eingeschlossen zu sein. Nach drei Tagen stellte man ihnen allerlei Gegenstände für den persönlichen Gebrauch zur Verfügung; jeder nahm sich von zwei großen Tischen, was er mochte. Um schließlich auch noch ihr persönliches „Krankheitsprofil“ zu schärfen, „diagnostizierte“ Dr. Brooks bei jedem ein zu ihm passendes, mögliches Leiden und paarte ihn mit einem echten Patienten, sodass beide dann Teile des klinischen Alltags und Programms, zum Beispiel die Gruppentherapie, gemeinsam durchliefen.[1]

Die Schauspieler gewöhnten sich so gut ein, dass sie bald schon in ihren Rollen blieben, auch in den Drehpausen, manche sogar rund um die Uhr. Allerdings wussten sie selbst nicht immer, wann gerade pausiert, wann geprobt und wann gedreht wurde. Stets auf der Jagd nach den „echten“ und „natürlichen“ Momenten, ließ Forman gern die Kameras länger laufen und die Akteure darüber im Unklaren. Von deren Seite wird jedoch mehrfach bezeugt, dass gerade dieses Nichtwissen auf Dauer entspannend wirkte und so indirekt zu der „Natürlichkeit“ führte, die ihr Regisseur sich wünschte. Vincent Schiavelli brachte ihre Eingewöhnung so auf den Punkt: „Worum es ging, war, der zu sein, der man wäre, wenn man verrückt wäre.“[1]

Louise Fletcher lobt Forman nachdrücklich dafür, dass er bei den Gruppentherapiesitzungen mit mehreren Kameras arbeiten ließ und dadurch viel Unkalkulierbares einfangen konnte, darunter ihren „Lieblingsmoment“, ihr sichtliches Erröten, als Nicholson sie überraschend intim mit „Mildred“ anspricht (diesen weder im Roman noch im Drehbuch existenten Vornamen hatte sie sich selbst ausgedacht und nur ihm verraten).[3] – Was Forman hingegen verweigert haben soll, war, mit ihr die Interpretation ihrer Figur zu diskutieren. Sie habe sich selbst damit auseinandersetzen müssen und beschlossen, Oberschwester Ratched nicht als „Monstrum“ darzustellen, sondern als menschlich und glaubwürdig, wenngleich durch zu viel Machtfülle korrumpiert.[4]

Dass Forman seinem Ensemble den filmischen Ertrag des Tages vorenthielt, sorgte zeitweise für Unruhe, die sich erst legte, nachdem wenigstens Nicholson Einblick nehmen durfte. Formans Lob für ihn als klugen Schauspieler, der wisse, dass ein besseres Ensemble auch ihn selbst besser mache, ist möglicherweise eine Anspielung darauf, dass Nicholson eine Zeitlang mit einer kleinen Truppe heimlich geprobt haben soll, weil er mit der Regie unzufrieden war. Auch soll er mit Forman bisweilen nur indirekt kommuniziert haben, über den Kameramann Haskell Wexler. Da dieser selbst Öl ins Feuer goss und Formans Autorität in Frage stellte, sah sich Michael Douglas gezwungen einzugreifen. Er entließ Wexler und engagierte Bill Butler, der von der Partynacht an übernahm, dann aber anderweitigen Verpflichtungen nachgehen musste, sodass der Schiffsausflug – als letzte und einzige nicht sequenziell gedrehte Szene – von einem dritten Kameramann, William A. Fraker, ins Bild gesetzt wurde.[2]

Forman gab seinen Widerstand gegen die Schiffsepisode nur zögernd auf; er befürchtete, sie könne dem eigentlichen Ausbruch am Schluss zu viel an befreiender Wirkung nehmen. Dass man eine Woche brauchte, sie zu filmen, lag daran, dass – mit Ausnahme von Nicholson – alle von der ersten Ausfahrt seekrank zurückkehrten und manche sich erst Tage später erholt hatten. Insgesamt dauerten die Dreharbeiten rund drei Monate und verbrauchten 4,4 Millionen Dollar; veranschlagt waren 2 Millionen. Saul Zaentz kam für die Differenz auf, indem er bei seiner Produktionsfirma, Fantasy Records, eine Anleihe aufnahm.[1][3]

Unterschiede zum Roman[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmadaption unterscheidet sich in mehreren Punkten vom Roman. Aus Gründen des Spannungsbogens und der Zeitgrenze wurden ausschmückende und erläuternde Elemente gestrichen. Am bedeutendsten ist, dass das Geschehen nicht aus Sicht des Häuptlings stattfindet. Dieser leidet an paranoider Schizophrenie, was sich auch im Schreibstil Keseys deutlich äußert. Bromden gibt aufschlussreiche Informationen über die Vorgeschichte der Station, insbesondere über das manipulative Verhalten Ratcheds, die über diese diktatorisch gebietet.

Auch merkt McMurphy im Roman wesentlich früher, dass der Häuptling nicht taubstumm ist, behält es jedoch lange für sich. Weiterhin sind sich im Buch die Insassen ihrer Rolle als Gefangene sehr wohl bewusst und hassen Schwester Ratched zutiefst. McMurphy zeigt ihnen jedoch genau, wie sie von Ratched angestiftet werden, sich untereinander zu demütigen und zu entblößen. So wird im Roman ein ausgiebiges Denunziantentum geschildert.

Im Roman wird McMurphys Tod zuvor angedeutet. Eine seiner Tätowierungen ist ein Pokerblatt auf der Schulter: Asse und Achten – das Blatt, das Dead Man’s Hand genannt wird, da Wild Bill, ein Spieler des Wilden Westens, es bei seiner Ermordung auf der Hand gehabt haben soll.

Eine Schlüsselszene des Romans ist in der Filmadaption nicht enthalten: Der Insasse Cheswick begeht im Roman Suizid. Er ist einer der Ersten, die unter dem Einfluss McMurphys aufblühen. Die Enttäuschung über McMurphys Einordnung in das System, nachdem er erfahren hat, dass die meisten seiner Mitpatienten freiwillig dort therapiert werden, treibt Cheswick dazu, sich im Schwimmbecken zu ertränken. McMurphy resigniert im Buch zunehmend und setzt sich damit auch dem Unmut der Mitpatienten aus, die diesen versuchten Wandel zum Konformen nicht verstehen können. Im Film wirkt der Charakter bis zum Schluss ungebrochen, während er im Buch ein Bewusstsein für seine schwindenden Widerstandskräfte entwickelt.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In dem 1962 erschienenen Roman Keseys wird die Geschichte aus der Sicht Bromdens erzählt. Laut eigener Aussage hat Kesey den Film nie gesehen. Gleichzeitig bemängelte er, dass der Film nicht, wie das Buch, aus Sicht von Chief Bromden erzählt wird.
  • Inspiriert zu Einer flog über das Kuckucksnest wurde Kesey 1959 durch seine Arbeit als Aushilfe in der Psychiatrieabteilung am Veterans Hospital im kalifornischen Menlo Park. Dort gaben ihm Wissenschaftler im Rahmen des CIA-Forschungsprogramms MKULTRA psychotrope Substanzen, um deren Auswirkungen zu studieren. Die Erlebnisse verarbeitete er während der Zeit von Winter 1960 bis Frühling 1961 zu dem später verfilmten Roman.
  • Mit Einer flog über das Kuckucksnest begann der dreijährige Siegeszug der United Artists bei der Oscarverleihung in der Kategorie Bester Film.
  • Eine Folge der Dokumentarfilmreihe Es war einmal … von Antoine de Gaudemar (ARTE France, 2011, 52 Min.) hat den Film zum Gegenstand.

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1976 bei der Ultra Film Synchron in München unter der Dialogregie von Werner Uschkurat.[5]

Rolle Darsteller Synchronstimme
R. P. McMurphy Jack Nicholson Manfred Schott
Mildred Ratched Louise Fletcher Judy Winter
Billy Bibbit Brad Dourif Horst Sachtleben
Chief Bromden Will Sampson Kurt E. Ludwig
Harding William Redfield Paul Bürks
Taber Christopher Lloyd Hartmut Neugebauer
Charlie Cheswick Sydney Lassick Donald Arthur
Martini Danny DeVito Mogens von Gadow
Jim Sefelt William Duell Erich Ludwig
Dr. John Spivey Dean R. Brooks Harald Leipnitz
Aufseher Warren Mwako Cumbuka Michael Gahr
Aufseher Washington Nathan George Fred Klaus
Orderly Turkle Scatman Crothers Herbert Weicker
Oberaufseherin Kay Lee Alice Franz
Colonel Matterson Peter Brocco Bruno W. Pantel

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes
Kritiker [6]
Publikum [6]
Metacritic
Kritiker [7]
Publikum [7]
IMDb [8]

„Eine unterhaltsame Tragikomödie, überzeugend in der Schauspielerführung und Milieuzeichnung, zugleich aber fragwürdig in der eher oberflächlichen, auf Lach- und Schockeffekte spekulierenden Schilderung des ‚Irrsinns‘.“

„Das 1975 gedrehte Psychodrama brachte nicht nur dem aus der Tschechoslowakei geflohenen Miloš Forman den US-Durchbruch, sondern festigte auch Jack Nicholsons Status als nonkonformistischer Star. […] Das Ergebnis ist ein überragendes Werk, das sowohl komische als auch tragische Elemente gekonnt verbindet. Der Erfolg des Filmes ist vor allem dem genial aufspielenden Jack Nicholson zu verdanken, der McMurphy gekonnt von Moll bis Dur bis in die kleinste Nuance beherrscht. ‚Einer flog über das Kuckucksnest‘ wurde so zum finalen Höhepunkt des New Hollywood Cinema, dem amerikanischen Autorenkino der 1960er und 70er Jahre, das bald durch die Flut anspruchsloser Blockbusterfilme zu einem jähen Ende kam.“

Filmreporter.de[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film rangiert in einigen Listen des renommierten American Film Institutes:

  • 1998: Platz 20 der 100 besten Filme aller Zeiten (2007: Platz 33)
  • Die von Louise Fletcher verkörperte Rolle der Schwester Ratched erreichte Rang 5 der Top-50-Schurken.
  • In der Liste der 100 meist inspirierenden Filme rangiert der Film auf Platz 17.

DVD-Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einer flog über das Kuckucksnest. Deutsch (Mono), Englisch (Dolby Surround), Spanisch (Mono). Warner Home Video 2005
  • Einer flog über das Kuckucksnest. Edition „Bester Film“. Special Edition (2 DVDs). Warner Home Video 2007

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joanne Berry: Einer flog über das Kuckucksnest. One Flew Over the Cuckoo’s Nest (1975). In: Steven Jay Schneider (Hrsg.): 1001 Filme. Edition Olms, Zürich 2004, ISBN 3-283-00497-8, S. 596
  • Ken Kesey: Einer flog über das Kuckucksnest. Roman. (Originaltitel: One Flew Over the Cuckoo’s Nest). Deutsch von Hans Hermann. 24. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-15061-1.
  • Dale Wasserman: Einer flog über das Kuckucksnest. Ein Stück in 2 Akten. Nach dem Roman von Ken Kesey. (Originaltitel: One Flew Over the Cuckoo’s Nest.) Deutsch von Jürgen Fischer. S. Fischer, Frankfurt am Main 1976
  • One Flew Over the Cuckoo’s Nest. New American Library; TB-Reprint, ISBN 0-451-16396-6.
  • Einer flog über das Kuckucksnest. Erzählt von Dominic Raacke. Hörbuch auf 6 CDs, 463 Minuten. Patmos, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-491-91230-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n The Making of One Flew Over the Cuckoo's Nest, basierend auf Charles Kislyak: Completely Cuckoo, 2002 (englisch).
  2. a b Sylvia Townsend: Haskell Wexler and the Making of 'One Flew Over the Cuckoo's Nest'. In: World Cinema Paradise, 19. Dezember 2014 (englisch), abgerufen am 18. Mai 2018.
  3. a b c d e f Phil Hoad: How we made One Flew Over the Cuckoo's Nest. In: The Guardian, 11. April 2017 (Interviews mit Michael Douglas und Louise Fletcher, englisch), abgerufen am 18. Mai 2018.
  4. Tim Walker: The actress recalls.... In: The Independent, 22. Januar 2016 (Interview mit Louise Fletcher, englisch), abgerufen am 18. Mai 2018.
  5. Eintrag in der Synchrondatenbank von Arne Kaul
  6. a b [1] bei Rotten Tomatoes, abgerufen am 12. Februar 2015
  7. a b [2] bei Metacritic, abgerufen am 12. Februar 2015
  8. Einer flog über das Kuckucksnest in der Internet Movie Database (englisch)
  9. Einer flog über das Kuckucksnest. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  10. http://www.filmreporter.de/?cat=1&text=2004