Einsatzführungskommando der Bundeswehr

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Einsatzführungskommando der Bundeswehr
— EinsFüKdoBw —
Internes Verbandsabzeichen (Wappen)
Internes Verbandsabzeichen (Wappen)
Aufstellung 1. Juli 2001[1]
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Logo Bundeswehr Bundeswehr
Typ Höhere Kommandobehörde
Unterstellte
Truppenteile

Stabs-/Fernmeldebataillon Zentrum C-IED

Stärke 840
Unterstellung BMVg Generalinspekteur der Bundeswehr
Stationierungsort Geltow, Brandenburg
Führung
Befehlshaber Generalleutnant Erich Pfeffer
Stellvertretender Befehlshaber Generalmajor Thorsten Poschwatta
Chef des Stabes Brigadegeneral Peter-Georg Stütz

Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) in Geltow bei Potsdam ist eine höhere Kommandobehörde, die dem Bundesministerium der Verteidigung direkt nachgeordnet und dem Generalinspekteur der Bundeswehr unmittelbar unterstellt ist und alle Auslandseinsätze der Bundeswehr militärisch plant und führt.

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Einsätze deutscher Streitkräfte – ob im nationalen oder multinationalen Rahmen – werden grundsätzlich vom Einsatzführungskommando geplant und geführt. Der Begriff „Planung“ bedeutet dabei, dass der militärische Auftrag sowie die dafür nötigen Kräfte und Mittel aufeinander abgestimmt werden. Hinter dem Begriff „Führung“ steht vor allem die einheitliche Verantwortung für das Personal sowie das Material im jeweiligen Einsatzgebiet. Das Einsatzführungskommando ist damit die operative Führungsebene der Bundeswehr und gibt als einzige Dienststelle nationale Weisungen an die Führer der Kontingente in den Einsatzgebieten. Diese erhalten ihre Aufträge in der Regel von multinationalen Hauptquartieren. Das Einsatzführungskommando stellt sicher, dass der Einsatz deutscher Kräfte mandatskonform erfolgt und die Rechtsnormen der Bundesrepublik Deutschland nicht verletzt. Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr trägt gegenüber dem Generalinspekteur der Bundeswehr die Verantwortung für die Führung der ihm unterstellten Einsatzkräfte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die veränderten Sicherheits- und militärpolitischen Erfordernissen für die Bundeswehr wurde mit der Aufstellung des Einsatzführungskommandos am 1. Juli 2001 das zentrale Element für die Führung aus einer Hand geschaffen. Zum Aufbau wurde der Stab des aufgelösten Ⅳ. Korps herangezogen. Wenige Wochen nach seiner Aufstellung hatte das Einsatzführungskommando durch die Terroranschläge des 11. Septembers seine erste große Herausforderung: Im Rahmen des internationalen Kampfes gegen den Terrorismus Operation Enduring Freedom (OEF) und der International Security Assistance Force (ISAF), der internationalen Schutztruppe für Afghanistan, wurde dem Kommando die Führung der deutschen Kontingente übertragen.

Im Jahr 2005 wurde in Geltow für Operationen der Europäischen Union ein strategisches Hauptquartier (Operation Headquarters, OHQ) zur Führung militärischer Krisenbewältigungsoperationen eingerichtet, welches während der Operation EUFOR RD Congo von Juli bis November 2006 zur Absicherung der Präsidentschafts-, Parlaments- und Provinzwahlen in der Demokratischen Republik Kongo aktiviert worden war. 2009 wurde diese Aufgabe an das heutige Multinationale Kommando Operative Führung in Ulm übergeben. Dieses Kommando benutzt bei Bedarf die ortsfeste Operationszentrale (OPZ) des EinsFüKdoBw mit ihrer technischen Infrastruktur für Kommunikation und Information.

Mit der Neuausrichtung der Bundeswehr und dem Dresdner Erlass wurde im April 2012 das Einsatzführungskommando und sein Stabs- und Fernmeldebataillon auch truppendienstlich dem Generalinspekteur der Bundeswehr unterstellt (bis dahin unterstanden diese truppendienstlich dem Inspekteur der Streitkräftebasis). Und es wurden zwei weitere Einsatzfähigkeiten integriert.[2] Das bereits vor Ort ansässige Kommando Führung Operationen von Spezialkräften wurde zum April 2012 als eine neue Abteilung Spezialoperationen eingegliedert und der direkten Führung des Befehlshabers zugeordnet. Bereits seit Februar 2012 untersteht das neu geschaffene Zentrum Counter-Improvised Explosive Devices (C-IED) dem EinsFüKdoBw. Die Personalstärke des Kommandos umfasst in seiner neuen Struktur rund 840 Soldaten sowie zivile Mitarbeiter.[3]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das EinsFüKdoBw ist ein gemischter und streitkräfteübergreifender Stab aus Heer, Luftwaffe, Marine, Streitkräftebasis, Sanitätsdienst und Verwaltung.

Um Entscheidungsabläufe zu beschleunigen sowie in Anpassung an die sich kontinuierlich ändernden Einsatzerfordernisse hat sich das Konzept der Einsatzgruppen etabliert. Grundgedanke dabei ist es, die Aufgabenfelder Einsatzplanung, -führung und -auswertung für jeweils ein Einsatzgebiet aufbauorganisatorisch zu bündeln.

Der Kommandoführung mit dem Befehlshaber an der Spitze ist u. a. eine Beratergruppe aus den Bereichen Politik, Recht, Controlling, Presse, Sanitätsdienst, interkultureller Einsatz und administrativer Datenschutz direkt zugeordnet.

Kommandokette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diagramm der Kommandokette

Die nationale Kommandokette der Einsatzkräfte der Bundeswehr gliedert sich in die strategische, die operative und die taktische Ebene. An der Spitze dieser Kommandokette steht auf der stragetischen Ebene mit dem parlamentarischen Mandat der Bundesminister der Verteidigung. Diesem direkt unterstellt ist der Generalinspekteur der Bundeswehr. Die operative Ebene bildet das Einsatzführungskommando. Im Stab des Kommandos werden die Vorgaben aus politischen Entscheidungen in militärische Aufträge, Befehle und Weisungen umgesetzt. Die Führung der verschiedenen Einsatzkontingente bildet die taktische Ebene.

Auf der taktischen Ebene gibt es zumeist noch andere übergeordnete Befehlshaber, da die Bundeswehr meist im multinationalen Rahmen agiert und den Einsatzkontingenten damit entsprechende Einsatzhauptquartiere der NATO, der EU oder den Vereinten Nationen übergeordnet sind.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diagramm der Inneren Struktur Stand von 2007
Struktur des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr (2012)

Die innere Struktur des Kommandos ist nach dem Muster multinationaler Stäbe gegliedert. An dessen Spitze steht der Befehlshaber, mit seinem Stellvertreter und dem Chef des Stabes. Unterstützt wird die „Führung“ von Experten der Bereiche Rechtsberatung, Pressearbeit und Controlling.

Die einzelnen Fachabteilungen werden wie die Stabsabteilungen der Bundeswehr mit einem Buchstaben und einer Zahl abgekürzt. Beim Einsatzführungskommando werden die Kürzel „J“ (1-9 und JMED) verwandt, um auf das englische Prinzip der „jointness“ (dt. der Gemeinschaftlichkeit) zu verweisen, da teilstreitkräfteübergreifend gearbeitet wird. Die zehn Abteilungen sind:

Dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr unterstehen – mit Ausnahme seines eigenen Stabs- und Fernmeldebataillons sowie des Zentrums C-IED – truppendienstlich keine Kräfte in Deutschland. Vielmehr führt es die Truppenteile in den Einsätzen, die ihm von anderen Kommandos für den Einsatzzeitraum unterstellt werden.

Unterbringung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kommando ist in Geltow in der Henning-von-Tresckow-Kaserne untergebracht. Das Gelände gehört zu Wildpark-West, einem Teil Geltows, heute Gemeinde Schwielowsee. Die Kaserne wurde 1935 als Luftwaffenschule Ⅲ mit dem zugehörigen Flugfeld in Werder errichtet. Nach dem Krieg nutzten zunächst sowjetische Einheiten die Liegenschaft, ab 1956 ging sie an die Nationale Volksarmee der DDR über. Zuerst Luftverteidigungsschule, wurde sie 1970 Kommando der Landstreitkräfte der Nationalen Volksarmee. Mit der Übergabe an die Bundeswehr 1990 wurde hier zunächst das Heereskommando Ost aufgestellt, aus dem am 16. April 1991 das Korps und Territorialkommando Ost[4] hervorging. 1995 erfolgte die Aufstellung des Kommandos Ⅳ. Korps und seit Sommer 2001 hat das Einsatzführungskommando der Bundeswehr seinen Sitz hier. Benannt wurde die Kaserne am 15. Juli 1992 nach Henning von Tresckow.

Wald der Erinnerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Waldgebiet der Liegenschaft wurde am 15. November 2014 der Wald der Erinnerung eingeweiht als Wiedererrichtung verschiedener Ehrenhaine aus Einsatzländern, insbesondere Afghanistan, und als Ort der privaten Erinnerung Hinterbliebener.

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Auslandseinsätze der Bundeswehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Auslandseinsätze

Missionen und Operationen der NATO:

Missionen und Operationen der Europäischen Union:

Missionen und Operationen der Vereinten Nationen:

  • UNAMA – Unterstützungsmission der Vereinten Nationen für die Regierung Afghanistans beim Auf- und Ausbau rechtsstaatlicher Strukturen – seit März 2002
  • UNIFIL – Überwachung der Küste vor dem Libanon – seit Oktober 2006
  • UNMISS – Friedenssicherung im Südsudan – seit Juli 2011
  • UNAMID – Konfliktbewältigung in der Region Darfur im Sudan – seit November 2012
  • MINUSMA – Mission zur Konfliktbewältigung in Mali – seit Juli 2013
  • MINURSO – Beobachtermission der Vereinten Nationen in der Westsahara – seit Oktober 2013

Abgeschlossene Einsätze unter der Führung des Einsatzführungskommandos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kuwait
    • Operation Enduring Freedom (OEF) – 10. Februar 2002 bis 2. Juni 2003; Schutz der kuwaitischen Bevölkerung durch ein ABC-Abwehr-Kontingent aus 250 Soldaten; Schutz der stationierten Koalitionsstreitkräfte vor terroristischen oder militärischen Angriffen mit Massenvernichtungswaffen
  • Georgien
    • United Nations Observer Mission in Georgia (UNOMIG) – Blauhelmmission von August 1993 bis 15. Juni 2009; Kontrolle der Durchsetzung des Waffenstillstandsabkommens vom 14. Mai 1994 zwischen Georgien und der abchasischen Regierung sowie Beobachtung der in Abchasien tätigen GUS-Friedenstruppen

Führung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans-Werner Fritz begrüßt als COM RC North, ISAF die Bundeskanzlerin Angela Merkel in Afghanistan, 2010
Nr. Name Beginn der Berufung Ende der Berufung
6 Generalleutnant Erich Pfeffer 4. November 2015
5 Generalleutnant Hans-Werner Fritz 23. April 2013 4. November 2015
4 Generalleutnant Rainer Glatz 22. April 2009 23. April 2013
3 Generalleutnant Karlheinz Viereck 16. März 2006 22. April 2009
2 Generalleutnant Holger Kammerhoff 1. September 2004 16. März 2006
1 Generalleutnant Friedrich Riechmann 1. Juli 2001 1. September 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Bundeswehr, 4. Dezember 2013, abgerufen am 22. Januar 2015.
  2. Übergabeappell April 2012. Abgerufen am 12. Dezember 2014.
  3. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr. In: im Einsatz. Bundeswehr, 4. Dezember 2013, abgerufen am 11. Juni 2014.
  4. Uwe Brammer: Vor 15 Jahren – Korps und Territorialkommando Ost aufgestellt. In: if – Zeitschrift für Innere Führung. Bundeswehr, 4. Dezember 2013, abgerufen am 3. Januar 2015.

Koordinaten: 52° 23′ 10,6″ N, 12° 58′ 15,7″ O