Einsiedel (Adelsgeschlecht)

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Wappen der von Einsiedel

Einsiedel ist der Name eines alten meißnischen Adelsgeschlechts, das mit Guntherus de Einsedelen 1299 als Burgmann von Schapa (Zschopau) und Zeuge in einer Urkunde der Ritter von Erdmannsdorf für das Kloster Buch bei Leisnig erstmals urkundlich erwähnt wird.[1] Die zeitgenössische Schreibweise des Familienname wechselte zwischen Einseideln, Einsedeln, Einsidlin, Einsedeln, Eynsydeln, Eynsydl, Ainsidel, Eynsedil, Einsidel und der heutigen Schreibweise Einsiedel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach bisherigem Kenntnisstand liegt der Ursprung der Familie im Benediktinerkloster Einsiedeln im heutigen Schweizer Kanton Schwyz. Es wird angenommen, dass dort um 1290 der Ahnherr der Familie "mit König Rudolf von Habsburg als Ritter von Einsiedel − aus der Schutzmannschaft des Klosters stammend − mit in das Pleißenland gezogen sei".[2] Dieser, auf der Burg Zschopau der Herren von Erdmannsdorf bewaffnenden Dienst leistender Guntherus de Einsedelen behielt seinen Herkunftsnamen bei und benannte sich nicht nach seinem neuen Sitz im mittleren Erzgebirge.

1307 tritt ein Petrus de Einsedeln erneut in einer in Zschopau ausgestellten Urkunde der Herren von Erdmannsdorf in Erscheinung, während 1341 ein Puncelinus dictus Eynsedeln in einem Flurstreit in Lohma bei Altenburg urkundlich erscheint.[3]

Erst 1439 werden die Herren von Einsiedel im Erzgebirge als Besitzer von Dörfern, namentlich von Reichenhain, Kemtau, Einsiedel und Erfenschlag genannt. 1455 befand sich außerdem bereits das Gebiet um Gnandstein, Kohren und Sahlis sowie zusätzlich das Dorf Dittersdorf im Lehnbesitz der Herren von Einsiedel.[4]

Die direkte Stammreihe beginnt mit dem Ritter Heinrich von Eynsydeln, 1363–1403 urkundlich erwähnt, Gutsherr auf Ehrenberg und Prießnitz sowie Vogt zu Rizemburg (Riesenburg).

Es werden folgende Linien bzw. „Häuser“ unterschieden:

Gnandstein
Eintragung in das königlich-sächsische Adelsbuch am 27. Juni 1911 für Elise von Einsiedel, geborene Freiin Hiller von Gaertringen, Witwe des herzoglich sachsen-altenburgischen Kammerherrn und königlich-württembergischen Oberstleutnants Ernst von Einsiedel, Gutsherr auf Burg Gnandstein. Der erste bekannte Lehnbrief über Gnandstein datiert auf den 8. Mai 1455.[5]
Greitschütz
Eintragung in das königlich-sächsische Adelsbuch am 9. Mai 1914 für Ernst von Einsiedel, Mechaniker-Meister in Groitzsch.
Prießnitz
Eintragung in das königlich sächsische Adelsbuch am 26. September 1908 für Hugo von Einsiedel, Oberlehrer in Glauchau, am 29. Juni 1911 für den königlich sächsischen Major Haubold von Einsiedel in Dresden, am 28. November 1913 für den praktischen Arzt Gotthard von Einsiedel in Dresden und am 14. Juni 1918 für den Assessor und Syndikus Carl von Einsiedel.
Scharfenstein
Eintragung in das königlich sächsische Adelsbuch am 28. November 1913 für den Gutsbesitzer Heinrich von Einsiedel, Herr auf Scharfenstein und Grünau. Die Herrschaft Scharfenstein gelangte 1492 durch Kauf in Familienbesitz. Haubold von Einsiedel (1521–1592), der Kanzler am kursächsischen Hof in Dresden war, übernahm diese Herrschaft und wurde zum Ahnherr dieser Linie im sächsischen Erzgebirge, die 1652 in die beiden Äste Wolkenburg und Scharfenstein geteilt wurde. Der Ast Scharfenstein wurde 1680 nochmals in die Zweige Scharfenstein, Lumpzig und Weißbach-Dittersdorf geteilt.[6]
Syhra
Eintragung in das königlich-sächsische Adelsbuch am 26. September 1908 für Kathinka von Einsiedel, geborene Tolberg, Witwe des Gutsbesitzers Reinhard von Einsiedel, Herr auf Syhra sowie Groß und Klein-Zössen, am 8. April 1913 für den Gutsbesitzer und königlich-sächsischen Major Konrad von Einsiedel, Herr auf Hopfgarten und Syhra, und am 28. November 1913 für Ida von Einsiedel, geborene Nitzschke, Witwe des Gutsbesitzers Max von Einsiedel, Herr auf Hopfgarten.
Wolftitz
Eintragung in das königlich sächsische Adelsbuch am 26. September 1908 für den herzoglich sachsen-altenburgischen Kammerherrn und königlich sächsischen Rittmeister Horst von Einsiedel, Gutsherr auf Gösen.
Wolkenburg
Erhebung in den Reichsgrafenstand durch Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen als Reichsvikar am 9. September 1745 in Dresden für den königlich-polnischen und kurfürstlich-sächsischen Hofmarschall Johann Georg von Einsiedel.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Gold einen weißbärtigen, barfüßigen Einsiedler in blauer Kutte und silber gestulpter blauer Mütze, der in der rechten Hand das Paternoster von roten Korallen und eine stahlfarbene Axt mit braunem Griff, in der linken eine stahlfarbe, zweizinkige Hacke (Karst) an braunem Griff auf der Schulter trägt. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken der Einsiedler.

Namensträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besitzungen der Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Besitzungen befanden sich über längere Zeiträume im Eigentum der Familie:

Ferner befanden sich im Besitz der Einsiedel:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band III, Band 61 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1975, ISSN 0435-2408.
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser A Band XIV, Seite 83-173, Band 66 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1977, ISSN 0435-2408.
  • Kurt Krebs: Haugold von Einsiedel auf Gnandstein der erste Lutheraner seines Geschlechts, Veröffentlicht von Rossberg, 1895
  • Maria Emanuel Herzog zu Sachsen: Mäzenatentum in Sachsen, Verlag Weidlich, Frankfurt am Main 1968, Erwähnungen und Nennungen der Familie von Einsiedel, S. 11-14, 20, 25, 39
  • Britta Günther: Besitzungen der Herren von Einsiedel im Mittleren Erzgebirge. In: Erzgebirgische Heimatblätter, 2016, H. 2, S. 22−25.
  • Ernst Heinrich Kneschke, Deutsche Grafen-Haeuser der Gegenwart, Band 1, S.212ff Die Grafen von Einsiedel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Einsiedel family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Hengst: Wann und warum entstand der Name Einsiedel südlich von Chemnitz? In: Erzgebirgische Heimatblätter, 2016, H. 2, S. 22−25.
  2. Helga Reich, Birgit Richter: Besitzgeschichte sowie Archivbildung bei der Familie von Einsiedel und die Überlieferung im Staatsarchiv Leipzig. In: Die Familie von Einsiedel. Stand, Aufgaben und Perspektiven der Adelsforschung in Sachsen. Sächsisches Staatsarchiv 2007, S. 53.
  3. Ebenda.
  4. Britta Günther: Besitzungen der Herren von Einsiedel im Mittleren Erzgebirge. In: Erzgebirgische Heimatblätter, 2016, H. 2, S. 22.
  5. Britta Günther: Besitzungen der Herren von Einsiedel im Mittleren Erzgebirge. In: Erzgebirgische Heimatblätter, 2016, H. 2, S. 23.
  6. Britta Günther: Besitzungen der Herren von Einsiedel im Mittleren Erzgebirge. In: Erzgebirgische Heimatblätter, 2016, H. 2, S. 23.