Eintagsküken

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Eintagsküken sind Küken, die nicht älter als einen Tag sind.[1]

Sexen[Bearbeiten]

In der Regel wird die Geschlechtsbestimmung von Küken, das ""Sexen", bereits am ersten Lebenstag durchgeführt. Dies ist möglich durch die Inspektion der Genitalien, jedoch bei kommerziellen Zuchtlinien einfacher durch bewusst gezüchtete phänotypische Geschlechtsunterschiede (z.B. unterschiedliche Federlänge an den Flügeln).

Versorgung[Bearbeiten]

Küken die auf natürliche Weise ausgebrütet werden, werden sofort von der Glucke versorgt. Bei Kunstbrut wird die sofortige Verfügbarkeit von Wasser und Nahrung ab Schlupf empfohlen. Da Küken aus Kunstbrut aufgrund der Nahrungsreserven etwa 72 Stunden ohne Nahrung überleben können, wird in der kommerziellen Aufzucht Nahrung und Wasser häufig zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung gestellt. [2] Die Schutzimpfung gegen die Marek-Krankheit wird im Idealfall am ersten Lebenstag durchgeführt.

Das Töten von männlichen Eintagsküken aus Legelinien[Bearbeiten]

In der Geflügelproduktion werden die männlichen Küken des Hybridhuhns aus ökonomischen Gründen aussortiert. [3] Die weiblichen Küken aus Zuchtlinien für hohe Legeleistung werden als Legehennen aufgezogen. Die männlichen Küken legen keine Eier und jene dieser Zuchtlinien setzen auch weniger Brustfleisch an als Tiere, die für die Broilermast optimiert sind. Ihre Aufzucht ist daher weniger rentabel.[4]

Das Töten von Eintagsküken erfolgt üblicherweise durch Gasvergiftung oder durch Zerschreddern. Bei dem Vergiften mit Gas wird CO2 in Behälter mit einigen hundert Küken eingeleitet. Innerhalb von Sekunden tritt Bewusstlosigkeit ein und der Tod erfolgt, sofern nicht bereits zuvor durch Zerquetschen, innerhalb von wenigen Minuten durch Sauerstoffarmut im Blut. Medizinisch ist dieser Vorgang durch den Bohr- bzw. den Haldane-Effekt charakterisiert. In der Schweiz ist eine Vernichtung, bei der Küken lebendig übereinander gestapelt werden, untersagt, was einem praktischen Verbot der Vernichtungsmethode mit CO2-Vergiftung gleichkommt.[5] Im restlichen Europa ist es erlaubt und unterliegt Normierungen: Küken dürfen nicht älter als 72 Stunden sein und die Maschinenleistung muss ausreichen, um eine große Zahl von Tieren unverzüglich zu töten. Im Falle des Kohlendioxids muss die Gaskonzentration mindestens 40 % CO2 betragen.[6]

Verschiedene juristische Kommentare kommen zu dem Schluss, dass die massenhafte Tötung direkt nach dem Schlüpfen aus rein wirtschaftlichen Gründen schwer mit dem Tierschutzrecht zu vereinbaren ist.[4] Vermeiden ließe sich das, indem die Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei erfolgt und männliche Küken nicht ausgebrütet werden. Bislang liegt noch kein praxistaugliches Verfahren vor,[4] dies ist 2017 angestrebt.[7] Tierschützer fordern auch eine Rückkehr zum „Mehrnutzungshuhn“[8] oder die Nutzung männlicher Legehybriden als Stubenküken.[9] Eine weitere Möglichkeit besteht durch verstärkte Zucht und Haltung des Zweinutzungshuhns.

Nordrhein-Westfalen und Hessen sind die einzigen deutschen Bundesländer, in denen das Töten männlicher Eintagsküken durch das Verbraucherschutzministerium per Erlass als tierschutzwidrig untersagt wurde.[10][11] In Nordrhein-Westfalen wurde der entsprechende Erlass jedoch am 30. Januar 2015 durch das Verwaltungsgericht Minden für unwirksam erklärt.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden:Eintagsküken
  2. N.S. Joseph und and E. T. Moran; "Effect of flock age and postemergent holding in the hatcher on broiler live performance and further-processing yield." In: The Journal of Applied Poultry Research 14.3 (2005), S. 512.
  3. Agrarmarkt Austria: Woher kommen unsere Legehennen?
  4. a b c Landestierschutzbeauftragte Hessen: Millionenfache Tötung von männlichen Eintagsküken
  5. Tierschutzrecht – Schweiz (mit Kommentar) der Stiftung für das Tier im Recht
  6. Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 des Rates vom 24. September 2009 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung
  7. https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/Tierwohl/_texte/Tierwohl.html;jsessionid=71FC319A73BE71FDA7E005A09E9E598F.2_cid376?docId=6063534
  8. Klaus Hart: Wirtschaft: Männliche Küken werden in Deutschland erstickt, vergast und zerschreddert Der Tagesspiegel vom 18. August 1999
  9. M Koenig, G Hahn, K Damme und M Schmutz: Nutzung männlicher Legehybriden als Stubenküken (PDF; 422 kB)
  10. Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW, Ministerium untersagt massenhaftes Töten männlicher Eintagsküken von Legehennenrassen, 26. September 2013
  11. Tierschutz: Hessen verbietet Kükentötung. In: Frankfurter Rundschau, online-Seiten vom 4. September 2014, abgerufen am 5. September 2014.
  12. Verwaltungsgericht Minden: Tierschutzgesetz bietet keine ausreichende Grundlage für ein behördliches Tötungsverbot hinsichtlich sog. Eintagsküken, 6. Februar 2015