Einzelradaufhängung

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Doppelquerlenkerachse an einem Saab-Rennwagen aus den 1960ern. Die beiden Querlenker sind oberhalb und unterhalb des Achsschenkels befestigt, im Vordergrund ist die Spurstange zu erkennen, über die die Lenkbewegung auf das Rad übertragen wird. Die Feder (links) ist am unteren Querlenker befestigt.

Die Einzelradaufhängung ist eine Bauart der Radführung, bei der sich die beiden gegenüberliegenden Räder mehrspuriger Straßenfahrzeuge unabhängig voneinander bewegen können.[1] Sie ist ein Mechanismus mit Freiheitsgrad f=1.

Die Unabhängigkeit der Radstellungen und die geringe ungefederte Masse sind Vorteile im Vergleich zur gemeinsamen Radführung mittels Starrachse.[2]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte Anwendung einer Einzelradaufhängung ist die an der Vorderachse der Voiturette von 1897 durch Joseph Guédon und Gustave Cornilleau. Die ab 1898 von Decauville gebauten Automobile hatten ebenfalls eine Einzelradaufhängung, die wie folgt funktionierte: Am Achsschenkel war ein senkrecht stehender Bolzen angebracht, der sich in einer am Fahrgestell befestigten Buchse drehen und auf- und abbewegen konnte und sich an einer quer eingebauten Blattfeder abstützte. Diese Bauart wurde auch von Sizaire-Naudin ab 1906 benutzt. Bei Morgan (ab 1909) stand der Bolzen fest und eine (schraubengefederte) Hülse bewegte sich mit dem Achschenkel. 1920 entwickelte Karl Slevogt eine vordere Schwingachse, die ab 1921 in alle Apollo-Automobile eingebaut wurde. Ab 1922 gab es von Lancia im Lambda eine ähnliche Konstruktion.[3][4] Edmund Rumplers Tropfenwagen mit Pendelachsen (Schwingachsen) entstand 1921. Ab den 1930er Jahren setzte sich die Vorderradaufhängung an doppelten Dreieckslenkern durch (teilweise übernahm eine Querblattfeder die Funktion einer der beiden Lenker an jedem Vorderrad). Aus dieser Zeit ist auch die Aufhängung an Längsschwingen bekannt. Das von Earle S. MacPherson erfundene radführende Federbein gab es ab 1950 und ist heute die an der Vorderachse am häufigsten benutzte Einzelradaufhängung. 1982 kam die “Raumlenkerachse” mit fünf Lenkern auf, die in unterschiedlichen Bauformen und unter verschiedenen Namen verwendet wird (“Multi-Link-Achse”, “Fünflenkerachse” oder “Vierlenkerachse” mit zwei zusammengefassten Lenkern).

Bauarten an der Vorderachse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modellauto mit Einzelradaufhängung an den Vorderrädern, mit doppelten Querlenkern und daran befestigten, schräg nach oben verlaufenden Feder/Dämpferelementen.
Vordere Radaufhängung eines Opel Astra G

Aufhängung an Federbeinen:

Aufhängungen mit Lenkern sind die:

  • Doppelquerlenkerradaufhängung mit quer angeordneten Dreieckslenkern. Meistens ist der obere Lenker kürzer als der untere, damit sich beim Einfedern die Spurweite nicht zu sehr ändert. Sie können mit Schrauben-, Blatt- oder Drehstabfedern kombiniert werden. Sie wird in gehobenen Fahrzeugklassen und bei Sport- und Nutzfahrzeugen verwendet.
  • Bei der Kurbellenkerachse sind die Lenker längs angeordnet, beim Einfedern ändert sich der Radstand. Sie wurde von Porsche erfunden und fast nur in seinen Konstruktionen (zum Beispiel Auto-Union-Rennwagen und dem VW Käfer) genutzt. Typisch sind hier Drehstabfedern.
  • Selten gab es unten quer und oben längs (oder leicht angestellt) eingebaute Dreieckslenker.
  • Mehrlenkerachse als Sammelbezeichnung für eine Vielzahl unterschiedlicher konstruktiver Ausführungen wie zum Beispiel der Vier-Lenkerachse mit aufgelöstem unteren Querlenker.

Aufhängungen, bei denen der Achsschenkel direkt gelenkig mit dem Chassis verbunden ist:

  • vordere Pendelachse war früher bei Kleinwagen, sonst nur an allradgetriebenen Baustellen- und Geländefahrzeugen zu finden.
  • bei der Schwinge sitzt das Rad auf einem längs angeordneten Träger, der sich zum Einfedern als Ganzes nach oben dreht – zum Lenken wird entweder die Schwinge mit Lagerung, Feder und Stoßdämpfer um eine annähernd senkrechte Achse geschwenkt (Dubonnet-Federknie) oder sie trägt an ihrer Spitze das auf dem Achsschenkel schwenkbar gelagerte Rad. Dann verändert sich der Nachlauf stark beim Einfedern.

Bauarten an der Hinterachse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintere Radaufhängung eines Opel Astra G

Es waren oder sind verschiedene Bauarten gebräuchlich:

Aufhängungen, bei denen der Achsschenkel direkt gelenkig mit dem Chassis verbunden ist:

  • Pendelachse. Bei dieser federn die pendelnd befestigten Halbachsen in der senkrechten Querebene des Fahrzeugs nach oben und nach unten ein und aus. Bei angetriebenen Achsen sind sie über Kreuz- oder homokinetische Gelenke mit dem Differentialgetriebe verbunden, das starr am Fahrzeugkörper befestigt ist (z. B. VW Käfer). Nachteil der Pendelachse ist eine große Sturzänderung, sowie ein hohes Momentanzentrum.
  • Längslenkerachse, Schräglenkerachse, früher von Mercedes als Diagonalpendelachse bezeichnet.
  • sphärische Doppelquerlenker-Achse: Der Achsschenkel ist über einen Ausleger mit Kugelgelenk (Gummilager) am Wagenkörper abgestützt und wird von zwei Querlenkern seitlich geführt. Bei BMW wird dieser Achstyp als Zentrallenkerachse bezeichnet.[5][6]

Die Aufhängung an Lenkern:

  • Doppelquerlenkerachse, auch mit radführenden Querblattfedern, wurde insbesondere im Rennsport verwendet,[7] auch als spurkorrigierende „Weissach-Achse“ im Porsche 928.
  • Schwertlenkerachse: Der Achsschenkel ist über einen biegeweichen Ausleger mit Kugelgelenk (Gummilager) am Wagenkörper abgestützt und wird von drei Querlenkern seitlich geführt.[8]
  • Mehrlenkerachse: Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Konstruktionen mit drei bis fünf Lenkern. Beispiel ist die Raumlenkerachse mit fünf Lenkern. Bei ihr lassen sich Anlenkpunkte, Lenkerlängen und Gelenksteifigkeiten komfortabel nachgiebig in Längs- und Querrichtung auslegen ohne unerwünschte Vorspur- und Sturzänderungen.

Aufhängung an MacPherson-Federbeinen oder Dämpferbeinen und Querlenkern: Camuffo-Hinterachse, Chapman-Achse und noch weitere Bauformen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Bosch GmbH: Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. Friedr. Vieweg & Sohn, Wiesbaden, 26. Auflage 2007, ISBN 978-3-8348-0138-8.
  • Reimpell, Jörnsen; Betzler, Jürgen: Fahrwerktechnik: Grundlagen, Würzburg 2005; ISBN 3-8343-3031-0

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernd Heißing, Metin Ersoy, Stefan Gies: Fahrwerkhandbuch., S. 437.
  2. Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik, Europa Lehrmittel, 27. Auflage 2001, ISBN 3-8085-2067-1, Seite 469
  3. http://www.lancianews.com/main.php?id=661&cat=Technik Vorderachse
  4. http://morgan3w.de/technic/technic_de.htm Vorderachse
  5. http://images.vogel.de/vogelonline/bdb/494800/494840/sourceimage.jpg Bild einer Zentrallenkerachse
  6. Henning Wallentowitz, Konrad Reif (Hrsg.): Handbuch Kraftfahrzeugelektronik: Grundlagen – Komponenten – Systeme, Vieweg und Teubner/Springer-Verlag Wiesbaden, S. 179
  7. oldtimer-markt.de (abgerufen am 16. Februar 2011)
  8. http://www.alfisti.net/alfa-forum/attachments/alfisti-talk/9371d1265449908-alfa-romeo-giulietta-ii-focus.jpg Bilder von Schwertlenkerachsen (VW und Ford)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Einzelradaufhängung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen