Einzug (Liturgie)

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Der Einzug, auch Introitus (lateinisch für ‚Eingang, Einzug, Zugang, Anfang‘) Incessus (incessus ‚Einherschreiten, Hineingehen‘) oder Access (lateinisch accessus ‚Annäherung, Zutritt‘) bildet als Teil der Eröffnung den Beginn der Liturgie in vielen christlicher Gottesdienstformen, insbesondere der heiligen Messe und der Hauptgottesdienste anderer Konfessionen.

Beim Einzug betreten der Liturg und die liturgischen Dienste (regional auch als „Offiz“ bezeichnet) den Gottesdienstraum, je nach Ritus werden auch noch weitere liturgische Handlungen wie der Altarkuss oder der Inzens des Altares vollzogen. Dazu wird meist ein Einzugsgesang gesungen, der in seiner traditionellen Form ebenfalls Introitus genannt wird.

In der byzantinischen göttlichen Liturgie werden zwei Prozessionen innerhalb des Gottesdienstes als „kleiner“ bzw. „großer Einzug“ bezeichnet.

Römischer Ritus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großer Einzug mit Bannerträgern in die Recker Pfarrkirche St. Dionysius.

Der Einzug markiert üblicherweise den Beginn des Gottesdienstes, auf ihn folgt das Kreuzzeichen.

Wie alle Teile der Liturgie hat der Einzug nicht nur funktionale, sondern zugleich symbolische Bedeutung: Er erinnert an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem und bei seinem Volk; er vergegenwärtigt das erste, irdische Kommen des Herrn, nimmt seine Wiederkunft in Herrlichkeit (Parusie) vorweg und feiert sein gegenwärtiges Kommen im Heiligen Geist. Zugleich ist die Einzugsprozession wie alle Prozessionen Sinnbild für das Volk Gottes auf seinem Weg.

Wegen dieser Symbolik wird der Einzug, je nach dem liturgischen Charakter des Tages und der Messfeier, mit abgestufter Feierlichkeit gestaltet. In der Hochform wird Christus außer durch den einziehenden Zelebranten durch Vortragekreuz, Evangeliar, zu Ostern durch die Osterkerze, zu Weihnachten durch das mancherorts mitgetragene Kind für die Krippe symbolisiert. Die mitgeführten Leuchter und der Weihrauch unterstreichen diese Symbolik.

Der Einzug besteht meist aus einer Prozession durch den Kirchenraum, oftmals vom Hauptportal durch den Mittelgang zum Altarraum. Diese Form wird großer Einzug genannt, der kleine Einzug dagegen führt von der Sakristei auf kürzerem Weg in den Altarraum. Auch beim kleinen Einzug können Vortragekreuz, Weihrauch und Leuchter benutzt werden.

Zum Einzug stehen die Gläubigen auf, und Chor oder Gemeinde stimmen – gegebenenfalls nach einem Orgelvorspiel – einen Eröffnungsgesang an; im Choralamt singt die Schola den Introitus.[1] Zelebrant und Liturgische Dienste betreten den Gottesdienstraum und machen eine Kniebeuge vor dem Allerheiligsten bzw. eine Verneigung vor dem Altar. Der Zelebrant vollzieht den Altarkuss und, wenn Weihrauch verwendet wird, die Inzens des Altars und des Altarkreuzes.

Sonderformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Gottesdiensten in der heiligen Woche gibt es besondere Formen des Einzugs: Am Palmsonntag ist die Palmprozession gleichzeitig der Einzug in die Kirche zur Messfeier, an dem auch die Gemeinde teilnimmt. Abschluss der Prozession und zugleich Beginn der Liturgie in der Kirche ist das vom Zelebranten gesprochene oder gesungene Tagesgebet der Messe. In der Osternacht ziehen ebenfalls alle Teilnehmenden am Gottesdienst nach der Weihe des Osterfeuers hinter der Osterkerze in die dunkle Kirche; das Proprium der Eucharistiefeier in der Osternacht hat keinen Introitus. Am Karfreitag erfolgt der Einzug von Priester und liturgischen Diensten zur Feier vom Leiden und Sterben Christi in Stille, ohne Kreuz, Kerzen und Weihrauch, und es schließt sich die Prostratio der Liturgen an; die Dienste und die Gemeinde knien nieder. Es folgen die Oration und die biblischen Lesungen, ein Altarkuss und eine Begrüßung der Gemeinde finden nicht statt.

Liturgische Vorschriften bis zur Liturgiereform 1970 und in der außerordentlichen Form des römischen Ritus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bis zur Reform der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil gültigen Rubriken, die in der außerordentlichen Form des römischen Ritus noch gelten, sehen in Bezug auf die stille Messe für den Einzug des Priesters zum Altar vor:

Der Priester, angekleidet mit den Paramenten und den Kopf mit dem Birett bedeckt, erweist in der Sakristei dem Kruzifix durch eine Verneigung des Kopfes Reverenz und begibt sich zum Altar, oculis demissis, incessu gravi, erecto corpore („gesenkten Blicks, mit gewichtigem Schreiten und aufrechtem Körper“). In der linken Hand trägt er in Brusthöhe den mit dem Kelchvelum bedeckten Kelch, die rechte Hand liegt auf dem Kelch und fixiert die Burse. Begleitet wird der Priester vom Ministranten, der vor ihm geht (ministro praecedente) und gegebenenfalls das Missale oder andere notwendige Dinge trägt.

Beim Erreichen des Zelebrationsaltars nimmt der Priester das Birett ab und reicht es dem Ministranten, und beide verehren den Altar mit einer Kopfverneigung oder, wenn sich dort der Tabernakel befindet, mit einer Kniebeuge. Der Priester stellt den Kelch auf der linken Seite des Altares ab. Dann nimmt er das Korporale aus der Burse, breitet es in der Altarmitte aus und stellt den Kelch darauf. Nun geht er zur Epistelseite und schlägt dort das Missale auf. Mit einer Reverenz vor dem Altarkreuz steigt der Priester dann die Altarstufen wieder hinab und betet, zum Altar gewandt, mit dem Ministranten das Stufengebet.

In Hochamt schreiten Akolythen mit Leuchtern beim Einzug vor dem Priester und den Leviten. Der Kelch steht auf der Kredenz bereit, das Missale bereits aufgeschlagen auf dem Altar. Priester und Leviten schreiten beim Einzug mit vor der Brust gefalteten Händen, den Kopf mit dem Birett bedeckt. Beim Erreichen des Altars bleiben sie an der untersten Stufe stehen, legen das Birett ab, verneigen sich oder machen eine Kniebeuge und beginnen das Stufengebet. [2]

Bis 1970 galt, dass, wenn die Einzugsprozession im Augenblick der Elevation an einem Altar vorbeikam, an dem gerade eine heilige Messe zelebriert wurde, Priester und Ministrant bis zum Ende der Elevation niederknieten, der Priester nahm das Birett ab.

Evangelischer Gottesdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den evangelischen Kirchen ist die Praxis in einzelnen Landeskirchen oder auch regional oder örtlich verschieden:

Byzantinischer Ritus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „kleine Einzug“ mit dem Evangelienbuch

In der byzantinischen Liturgie steht der Einzug nicht am Beginn des Gottesdienstes, sondern zweimal innerhalb der Göttlichen Liturgie finden Prozessionen statt, die griechisch εἴσοδος eísodos „Einzug“ genannt werden:

  • Mit dem „kleinen Einzug“ (griechisch μικρὰ εἴσοδος mikrá eísodos) beginnt nach den einleitenden Riten der Vormesse der Lesegottesdienst. Der Klerus zieht in feierlicher Prozession mit dem Evangelienbuch, das auf dem Altar lag, durch die nördliche (also die linke) Tür der Ikonostase durch die Kirche und durch die mittlere Tür, die „Königstür“, zurück in den Altarraum. Während der Prozession wird gesungen, als letztes nach dem Einzug in den Altarraum der Hymnus Trisagion.
  • Der „große Einzug“ (μεγάλη εἴσοδος megálē eísodos) eröffnet die Opfermesse. Die Opfergaben von Brot und Wein werden beim Gesang des Cherubim-Hymnus (Cherubikon) von der Próthesis (πρόθεσις „Aus- oder Zurschaustellung“), dem Rüsttisch an der Nordseite des Altarraumes, durch die nördliche Tür der Ikonostase in Prozession durch die Kirche und durch die Königstür zum Altar übertragen. An den großen Einzug schließen sich Friedensgruß und Glaubensbekenntnis an, darauf folgt das Hochgebet.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rupert Berger: Der christliche Gottesdienst, in: Hans Munsch (Hrsg.): Musik im Gottesdienst, Bd. 1, 5. Auflage, 1994, ConBrio Verlagsgesellschaft Regensburg S. 117 f.
  2. Ritus servandus in celebratione Missae. In: Missale Romanum Editio XXIX post typicam. Ratisbonae o.J. [1953], p. (33).
  3. LMU München, Lehrstuhl für Praktische Theologie II: Religionspädagogik, abgerufen am 21. Januar 2015.
  4. Josef Andreas Jungmann SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Band 1, Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, S. 55f.