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Eisbach (Isar)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Eisbach
Kreuzung von Eisbach und Schwabinger Bach

Kreuzung von Eisbach und Schwabinger Bach

Daten
Lage München (Bayern, Deutschland)
Flusssystem Donau
Abfluss über Isar → Donau → Schwarzes Meer
Quelle Isar
48° 8′ 36″ N, 11° 35′ 16″ O
Mündung IsarKoordinaten: 48° 9′ 43″ N, 11° 36′ 34″ O
48° 9′ 43″ N, 11° 36′ 34″ O

Länge 2,8 km
Großstädte München
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Der Eisbach als linke Ableitung der Isar ist der stärkste Bach im Englischen Garten in München (Bayern).

Der Eisbach ist Teil der Münchner Stadtbäche, die sämtlich aus der Isar gespeist werden und heute größtenteils unterirdisch die Isarvorstadt, die Münchner Altstadt und das Lehel durchfließen. Im Englischen Garten ist er Teil eines Bachsystems, zu dem auch der Schwabinger Bach und der Oberstjägermeisterbach gehören, die beide länger als der Eisbach sind.

Der Eisbach entsteht durch die Zusammenführung des Stadtmühlbachs und des Stadtsägmühlbachs an der Eisbachbrücke und tritt am südlichen Rand des Englischen Gartens in unmittelbarer Nähe des Hauses der Kunst zutage. Gut 2 km weit fließt er im Osten der Parkanlage parallel zur Isar und mündet nach Unterfahren des Isarrings etwa 500 m unterhalb der John-F.-Kennedy-Brücke in den Fluss (Lage).

Kurz vor der Mündung zweigt ein Teil des Bachs nach links ab, wird unterirdisch weitergeführt und erst 700 m weiter, unterhalb des Stauwehrs Oberföhring, in die Isar zurückgeleitet.

Das Bachsystem im Englischen Garten wurde in seinen Grundzügen um 1789 durch den Gartenbaumeister Friedrich Ludwig von Sckell konzipiert, der Überschwemmungs­räume der Isar als natürliche Gegebenheiten nutzte.

Sport und Freizeit

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Flusssurfer auf dem Eisbach
Stehende Welle auf dem Eisbach
Geringe Welle während der jährlichen Bachauskehr
Wenig Wasser, sichtbare Steinquader

Eine Steinstufe bei der Prinzregentenstraße erzeugt seit dem Anbringen eines Anbaus eine künstliche Stromschnelle und eine etwa halbmeterhohe stehende Welle, die von Flusssurfern genutzt wird und bei Wellenreitern international bekannt wurde. Bei Letztgenannten ist sie aber auch gefürchtet, weil hinter der Welle Steinquader unter Wasser Verletzungen bewirken können.

Laut Süddeutscher Zeitung wurde die Eisbachwelle zunächst durch künstliche Hilfsmittel erzeugt:[1] Sie war in den 1970er Jahren ansatzweise entstanden, als die Stadt München Betonblöcke installierte, um die schnelle Strömung im Flussverlauf zu beruhigen.[2] Es entstand je nach Strömung eine Welle, die an 20 bis 30 Tagen jährlich surfbar gewesen sei.[3] Walter Strasser, dem „Vater der Eisbachwelle“, gelang es in tagelanger Experimentierarbeit, sie durch Installation einer Metall-Schiene zu stabilisieren. Über Jahrzehnte wurde die Welle auch durch Holzbretter künstlich erzeugt.[3][4]

Im Jahr 2005 hatte sich durch die Hilfsmittel so viel Sediment abgelagert, dass sie nicht mehr notwendig waren – die Welle war „natürlich“ geworden.[5]

Im April 2010 wurde bekannt, dass die Stadt München das Gelände im Tausch gegen ein Grundstück im Englischen Garten an der Königinstraße vom Freistaat Bayern übernommen hat, um das Wellenreiten nach 35 Jahren auf eine legale Grundlage zu stellen.[6] Gleichzeitig startete in den Kinos der Dokumentarfilm Keep Surfing, der die Situation am Eisbach und die Wellenreiter, die zum Teil aus der ganzen Welt anreisen, porträtiert.[7] Auch bekannte Surfer wie Jack Johnson surften schon hier.[8]

Rund einen Kilometer unterhalb der Eisbachwelle gibt es in dem Bach die „kleine Eisbachwelle“. Sie ist etwas einfacher zu fahren, für ungeübte Surfer besteht wegen der Betonbegrenzungen auf beiden Seiten und der teilweise starken Unterströmung erhebliche Gefahr. Deshalb und wegen der Kollisionsgefahr mit den Eisbachschwimmern wird Anfängern empfohlen, diese Welle zu meiden und an die Floßlände in Thalkirchen auszuweichen.

In der Nacht zum 17. April 2025 starb eine 33-jährige Münchnerin, nachdem sich ihre Sicherungsleine im Bachgrund verhakt hatte. Trotz Hilfe anderer Surfer konnte sie sich nicht befreien und wurde nach rund 30 Minuten von Einsatzkräften gerettet. Eine Woche später starb sie an den Folgen des Unfalls. Die Eisbachwelle wurde gesperrt und ein staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet.[9] Am 23. Juni gab die Staatsanwaltschaft München I dessen Einstellung bekannt,[10] woraufhin das Surfen unter verschärften Regelungen wieder erlaubt wurde.[11]

Nach der jährlichen „Bachauskehr“[12] – der Trockenlegung des Bachbetts[13] – sollte die Welle Ende Oktober 2025 mit neuer Beleuchtung freigegeben werden. Aus unbekannten Gründen baute sich aber keine für das Surfen geeignete Welle mehr auf.[14] Mitte November 2025 gelangten Vertreter der Stadt, Surfer und Wissenschaftler bei einem Treffen im Baureferat zur Einschätzung, dass bei der Reinigung zu viel Sediment entnommen worden sei.[15] Vom Oberbürgermeister war kurz zuvor angekündigt worden, das Problem beheben zu wollen.[16]

Weihnachten 2025 wurde mit Hilfe von Freiwilligen und Baufirmen wieder eine Eisbachwelle errichtet, diese wurde drei Tage später, am 28. Dezember 2025 von den Behörden wieder abgebaut. Der Surfclub München spricht von unüberbrückbaren Differenzen und Auflagen, um die Welle weiter betreiben zu können.[17]

Die Eisbachwelle hat bisher keinen juristisch verantwortlichen Betreiber. im Falle eines Umbaus bzw. einer Neugestaltung wäre sie nach Einschätzung eines Experten rechtlich als Sportstätte einzuordnen und würde einen Betreiber benötigen, der die Verantwortung für die Welle trägt.[18]

An warmen Sommertagen wird der Eisbach auch häufig von Badegästen frequentiert, obwohl das Baden, im Gegensatz zur Isar und mit Ausnahme der Surferwelle, im gesamten Englischen Garten verboten ist.[19] Es kommt dabei immer wieder zu Todesfällen:[20] Allein von 2007 bis 2017 ertranken acht Menschen im Eisbach.[21][22] Grund dafür ist unter anderem die sehr starke Strömung. Zudem können sich unter der Wasseroberfläche neben Steinen auch Gefahren wie zerbrochene Bierflaschen und „entsorgte“ Fahrräder verbergen. Da der Bach relativ flach ist, können auch bereits beim Sprung in das Wasser Unfälle passieren. Darüber hinaus wird das Wasser auch im Sommer nicht wärmer als 15 °C, was die Gefahr eines Kälteschocks birgt. Da es keine befestigten Ausstiegsstellen gibt und das Aussteigen zudem durch die Strömung erschwert ist, treiben gelegentlich Badegäste zu weit und bleiben schließlich hinter der Tivolibrücke im Rechen vor dem Wehr des Tivoli-Kraftwerks hängen, wo sie von der Feuerwehr gerettet werden müssen.[23]

Für den Rückweg zu ihrem Ausgangspunkt nutzen die Badegäste häufig die parallel verkehrende Straßenbahn, was wegen eventuell feuchter Kleidung immer wieder zu Konflikten mit anderen Fahrgästen und der Betreibergesellschaft führt.[24]

Commons: Eisbach (Isar) – Sammlung von Bildern
 Karte mit allen Koordinaten: OSM | WikiMap

Einzelnachweise

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  1. Sebastian Strauß, Katja Schnitzler, Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: München: Eisbachwelle wurde jahrelang mit Hilfsmitteln aufgebaut. 4. Dezember 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  2. Sebastian Strauß, Katja Schnitzler, Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: München: Eisbachwelle wurde jahrelang mit Hilfsmitteln aufgebaut. 4. Dezember 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  3. a b Weiterhin Flaute am Eisbach: Surf-Legende bietet Hilfe an – „Einfach nur traurig“. 5. Dezember 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  4. Irene Kleber, Anna Kelbel: Totgeglaubter Eisbach-Pionier zurück – Vater der Welle rechnet mit der Stadt ab. 6. Dezember 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  5. Landeshauptstadt München Stadtverwaltung: So geht es an der Eisbachwelle weiter. Abgerufen am 26. Dezember 2025.
  6. Eisbachsurfen wird endlich legal - WELT. Abgerufen am 4. November 2025.
  7. Home - keep surfing. 9. September 2025, abgerufen am 4. November 2025.
  8. OFFSHORE: Jack Johnson surft im Eisbach München / You And Your Heart. 27. Mai 2010, abgerufen am 4. November 2025.
  9. Verunfallte Surferin verstorben. In: BR24. 24. April 2025, abgerufen am 24. April 2025.
  10. Anne Leiding: Ermittlungsabschluss zum Todesfall an der Eisbachwelle. Pressemitteilung. In: www.justiz.bayern.de. Staatsanwaltschaft München I, Bayerisches Staatsministerium der Justiz, 23. Juni 2025, abgerufen am 25. Juni 2025.
  11. n-tv NACHRICHTEN: Nach tödlichem Unfall ist Münchens Surfspot wieder offen. Abgerufen am 4. November 2025.
  12. Bernd Kastner: Englischer Garten in München: Die Eisbachwelle ist zurück. 25. Dezember 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  13. Tom Soyer: München: Nach Bachauskehr lässt sich Eisbachwelle nicht mehr surfen - OB Reiter bietet Hilfe an. 1. November 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  14. Münchens Eisbach ohne Welle – was steckt hinter dem Wasser-Rätsel? 3. November 2025, abgerufen am 3. November 2025.
  15. Sebastian Strauß, Heiner Effern: München: Eisbachwelle mit temporären Einbau zurückholen - doch wer haftet? 19. November 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  16. Birgit Grundner: Hoffen auf Rückkehr der Eisbachwelle. Abgerufen am 5. November 2025.
  17. Andreas Junkmann, Bernd Kastner: München: Provisorische Eisbachwelle von Feuerwehr wieder abgebaut. 28. Dezember 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  18. André Wagner: Experte zum Unfall am Münchner Eisbach: "Sehr wahrscheinliche Schlussfolgerung". In: www.abendzeitung-muenchen.de. 12. Mai 2025, abgerufen am 15. Mai 2025.
  19. Julia Sextl: Englischer Garten in München: Darum ist das Baden im Eisbach verboten. 30. Mai 2017, abgerufen am 4. November 2025.
  20. Tödlicher Sommerspaß. Abgerufen am 4. November 2025.
  21. TV Bayern Media: München: 15-jähriges Mädchen stirbt im Eisbach. 31. Mai 2017, abgerufen am 1. Juni 2017.
  22. n-tv NACHRICHTEN: Schon wieder ein Toter im Eisbach. Abgerufen am 4. November 2025.
  23. Thomas Schmidt: Warum immer wieder Menschen im Eisbach ertrinken. 31. Mai 2017, abgerufen am 4. November 2025.
  24. Eisbachtram: Streit um nassen Po. In: Abendzeitung München. 10. August 2015, abgerufen am 7. März 2021.