Eisenbahnunfall von Erfurt-Bischleben

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Bergungsarbeiten am siebten Wagen

Bei dem Eisenbahnunfall von Erfurt-Bischleben entgleiste am 11. Juni 1981 aufgrund einer Gleisverwerfung der „InterzonenzugD 1453 von Düsseldorf nach Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). 14 Fahrgäste starben, 102 weitere Reisende wurden zum Teil schwer verletzt.[1]

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Erfurt-Bischleben betrug 120 km/h.

Der D 1453 war von Düsseldorf Hauptbahnhof nach Karl-Marx-Stadt Hauptbahnhof unterwegs. Gezogen wurde er von der Diesellokomotive 132 009 des Bahnbetriebswerks Eisenach. Der Lokomotive folgten 10 Personenwagen. Im Zug reisten viele DDR-Rentner, die von einem Westbesuch, einem Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland, zurückkehrten. Gegen 16:20[2] Uhr fuhr er in Erfurt-Bischleben in das Stadtgebiet von Erfurt ein.

Der 11. Juni 1981 war ein heißer Sommertag. Die Temperatur betrug 30 °C.

Unfallhergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeiten am siebten Wagen

Aufgrund der Hitze und wohl auch qualitativ schlecht ausgeführter Gleisbauarbeiten[3], kam es im Bahnhof von Erfurt-Bischleben offenbar zu Schienenspannungen und infolgedessen zu einer Gleisverwerfung im Gleis 1 in Höhe des Empfangsgebäudes. Die Zerstörungen am Oberbau durch den Unfall vernichteten jedoch alle Spuren, so dass dies nicht mehr nachgewiesen werden konnte.[4]

Der Zug näherte sich der Gleisverwerfung mit knapp 120 km/h[5], der Lokomotivführer erkannte sie noch und löste eine Schnellbremsung aus. Das war aber zu spät, um den Unfall noch zu verhindern. Die ersten Wagen blieben mit der Lokomotive verbunden. Zwischen dem dritten und dem vierten Personenwagen brach die Kupplung, der vierte und der fünfte Wagen stürzten die Böschung hinunter. Die nachfolgenden Wagen entgleisten, blieben aber im Schotter stehen, wobei der siebte Wagen jedoch frontal mit einem Stellwerksgebäude zusammenstieß und zur Hälfte zerstört wurde.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panzer der NVA ziehen zerstörte Reisezugwagen aus der Unfallstelle
Die Wagen 4 und 5 des D 1453 werden vor Ort verbrannt

Zahlreiche Helfer waren schnell zur Stelle und nahmen sich der Verletzten an. Nicht selten fielen den Schwestern und Ärzten gebündelte D-Mark-Scheine entgegen, wenn sie Schwerverletzte aus ihren Kleidern schnitten. Manche der Rentner, die von ihrem West-Besuch heimkehrten, sollen bis zu vier Jacken übereinander getragen haben, Geschenke von der West-Verwandtschaft, die der Zollkontrolle an der Grenze entgehen sollten.[3] Verkehrsminister Otto Arndt traf noch am Abend an der Unfallstelle ein. Am nächsten Morgen zogen Panzer der Nationalen Volksarmee und Sowjetarmee die zerstörten Wagen aus dem Gleisbereich. Einen Tag nach dem Unfall war die Strecke geräumt. Neben den 14 Toten und den mehr als 100 Verletzten entstand ein Sachschaden von mehr als 1,16 Mio. Mark.

Ein eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen verantwortliche Mitarbeiter der Deutschen Reichsbahn wurde von der Erfurter Staatsanwaltschaft eingestellt, da die Zerstörungen an der Unfallstelle die Ursache für die Gleisverwerfung nicht mehr eindeutig feststellen ließen.[4] Auch bestand auf Seiten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ein Interesse daran, den Vorfall so schnell wie möglich vergessen zu machen, da hier – aus Sicht der DDR – ein internationaler Zug betroffen war und der Unfall der internationalen Reputation der DDR schädlich sein konnte.

Nach dem Unfall kam in der DDR das Gerücht auf, die Gleisverwerfung sei durch Militärfahrzeuge, die unzulässigerweise die Gleise am Bahnhof in Erfurt-Bischleben überquert haben sollten, verursacht worden.[4] Dagegen spricht aber, dass sich die Gleisverwerfung in der Höhe des Empfangsgebäudes befand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Kentner: Medizinische und soziale Folgen des Eisenbahnunglückes bei Erfurt-Bischleben am 11. Juni 1981. 1984.
  • Hans-Joachim Ritzau, Jürgen Höstel: Die Katastrophenszenen der Gegenwart = Eisenbahnunfälle in Deutschland Bd. 2. Pürgen 1983. ISBN 3-921304-50-4, S. 185.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eisenbahnunfall von Erfurt-Bischleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ritzau.
  2. Kummer; nach Dürlich: 16:55.
  3. a b Kummer.
  4. a b c Dürlich.
  5. So: Kentner; Ritzau: 120 km/h.

Koordinaten: 50° 56′ 2,9″ N, 10° 59′ 19,1″ O