Eisenbahnunfall von Viareggio

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Bei dem Eisenbahnunfall von Viareggio entgleiste am 29. Juni 2009 im Bahnhof von Viareggio, Italien, ein Güterzug beladen mit flüssigem Butan[1], dessen Ladung zum Teil explodierte. 32 Menschen starben.[1]

Der brennende Zug im Bahnhof von Viareggio

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Güterzug Nr. 50325 der Trenitalia war auf der Bahnstrecke Pisa–Genua von Trecate nach Gricignano di Aversa unterwegs. Der Zug wurde von der Lokomotive E.655.175 gezogen und bestand aus 14 Kesselwagen der GATX, die zum Teil bei der Polnischen Staatsbahn (PKP) und zum Teil bei der Deutschen Bahn eingestellt waren. Der Einsteller ist für den Unterhalt der Eisenbahnwagen zuständig.

Unfallhergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgebrannte Kesselwagen im Bahnhof von Viareggio
Ausgebranntes Kfz neben der Unfallstelle

Um 23:48 Uhr entgleiste der erste Wagen des Zuges, einer der Güterwagen, die bei der Deutschen Bahn eingestellt waren,[2] bei der Einfahrt in den Bahnhof von Viareggio. Die Entgleisungsstelle befand sich auf einem geraden Stück Gleis, ohne Weiche. Ursache war vermutlich eine defekte Achse an dem Fahrzeug. Der Wagen schlug gegen die Bahnsteigkante und kippte, ebenso wie die folgenden vier Wagen, nach links. Die beiden darauf folgenden Wagen entgleisten ebenfalls, ohne umzukippen, die letzten sieben Wagen blieben im Gleis. Der Zug kam nach 500 Metern, 200 Meter hinter dem Bahnsteigende, zum Stehen.[1] Das Flüssiggas strömte aus, auch in das dem Bahnhof benachbarte Stadtviertel, und entzündete sich kurz darauf.[3]

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäudeschäden an der Unfallstelle

32 Menschen starben, 27 wurden verletzt. Der Brand verursachte schwere Zerstörungen an Eisenbahninfrastruktur und auch an Gebäuden.[1] Etwa 1.000 Menschen wurden evakuiert. Zwei Häuser stürzten ein. Große Teile von Viareggio wurden beschädigt, 100 Menschen wurden obdachlos. Die beiden Lokomotivführer entkamen mit leichten Verletzungen.[4]

Die Europäische Eisenbahnagentur arbeitete nach dem Unfall gesamteuropäisch auftretende Probleme mit Achsen von Eisenbahnfahrzeugen auf[5] und veröffentlichte dazu einen Bericht.[6]

Am 13. November 2013 begann in Lucca ein Prozess gegen 33 Angeklagte.[7]

Am 31. Januar 2017 verkündete die erste Instanz Urteile. Die sechs deutschen Mitarbeiter des Güterwagenunternehmens GATX Rail Europe erhielten Haftstrafen zwischen acht und neun Jahren; zwei Deutsche wurden freigesprochen. Die Anklage reichte von Herbeiführen eines Zugunglücks bis hin zu mehrfacher fahrlässiger Tötung. Das Unternehmen GATX Rail Europe kündigte an, gegen das Urteil für seine Mitarbeiter in Berufung zu gehen. Der ehemalige Manager der Rete Ferroviaria Italiana und der für die Instandhaltung Zuständige erhielten je sieben Jahre Haft; der damals für die Logistik Verantwortliche sieben Jahre und sechs Monate. Die Staatsanwaltschaft hatte weit höhere Strafen verlangt.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eisenbahnunfall von Viareggio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Europäische Eisenbahnagentur.
  2. Anders: Ferrovie dello Stato: Grave incidente.
  3. NN: Italians killed.
  4. NN: Italians killed.
  5. Europäische Eisenbahnagentur: Task Force on Maintenance.
  6. Final report on the activities of the Task Force Freight Wagon Maintenance (PDF). 2010.
  7. ORF: Angehörige demonstrieren vor Gericht, abgerufen am 13. November 2013
  8. FAZ.net / Jörg Bremer: Sechs Deutsche nach Zugunglück in Viareggio verurteilt

Koordinaten: 43° 52′ 38″ N, 10° 15′ 7″ O