Eisenbahnunfall von Yokohama (1951)

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Der brennende erste Wagen des Zuges

Bei dem Eisenbahnunfall von Yokohama (jap. 桜木町事故, Sakuragi-chō jiko, dt. „Unfall von Sakuragi-chō“) geriet am 24. April 1951 im Bahnhof Sakuragichō in Yokohama, Japan, ein Nahverkehrszug der Japanese National Railways mit einem stromführenden Draht der Oberleitung in Kontakt. Der folgende Kurzschluss führte zum Brand des Zuges. 106 Menschen starben, 92 wurden schwer verletzt.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Unfalltag fanden auf der Keihin-Strecke (heute: Negishi-Strecke) Wartungsarbeiten an der elektrischen Oberleitung statt.

Gleichzeitig wurde auf der Strecke weiter planmäßiger Bahnverkehr durchgeführt, unter anderem mit Triebwagen der Bauart MoHa 63. Die Türen der Kriegsbaureihe 63 ließen sich nur elektrisch öffnen, was zwar durch eine Türnotöffnung überbrückbar war, diese aber war für Reisende nicht ohne weiteres erkennbar unter den Sitzen angebracht. Außerdem waren – aufgrund kriegsbedingter Materialknappheit – anstelle eines großen Fensters jeweils drei kleine eingebaut worden.[1]

Unfallhergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 13 Uhr 38 wurde bei den Wartungsarbeiten versehentlich ein Tragseil durchtrennt. Dadurch sackte der stromführende Fahrdraht ab und hing durch.

Vier Minuten später näherte sich der Gefahrenstelle vom Bahnhof Yokohama her ein fünfteiliger Triebwagen der Bauart MoHa 63 (1271B). Dessen Pantograf verfing sich in der herabhängenden Leitung, das stromführende Kabel schlug gegen die hölzernen Wagen, was einen Kurzschluss auslöste. Der damit verbundene Lichtbogen setzte das Dach des ersten Wagens des Zuges in Brand und setzte die Anlage zur elektrischen Türöffnung außer Funktion. Der Wagen war mit etwa 150 Reisenden besetzt. Die Durchgangstür zum zweiten Wagen öffnete nach innen, was aber nicht mehr möglich war, da die in Panik geratenen Reisenden, die zu fliehen versuchten, dagegen drückten.[2] Die Fenster waren zu klein, um sie als Notausstieg zu verwenden. Der hölzerne Wagen brannte innerhalb von 10 Minuten komplett aus.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unfall führte zum Rücktritt von Hideo Shima, dem Direktor, der für das Rollmaterial zuständigen Abteilung der Japanese National Railways. Er war ab 1955 zuständig für Konstruktion und Bau von Japans erstem Hochgeschwindigkeitszug, Shinkansen.[3]

Innerhalb von zwei Jahren wurden in allen 800 Wagen der Baureihe MoHa 63 die Isolation verbessert und die Türnotöffnung deutlich gekennzeichnet.

Für die Opfer des Unfalles wurde im Tempel Sōji-ji in Yokohama eine Gedenkstätte errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Saito.
  2. Nach anderen Angaben (Saito) existierte zwischen den Wagen gar kein Übergang.
  3. Aigis Salpukas: Hideo Shima, a Designer of Japan's Bullet Train, Is Dead at 96. In: New York Times v. 20. März 1998.

Koordinaten: 35° 27′ 3″ N, 139° 37′ 52″ O