Ejektionsreflex

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Der Ejektionsreflex, Milchejektionsreflex oder Milchspendereflex ist ein durch das Saugen eines Säuglings bzw. Jungtiers bei der Mutter ausgelöster Reflex zur Stimulierung der Milchabgabe. Die Reizung der Zitze beziehungsweise Brustwarze wird von sensiblen Nervenfasern zum Hypothalamus der Mutter geleitet. Im Hypophysenhinterlappen wird daraufhin das Peptidhormon Oxytocin abgegeben. Durch dieses Hormon werden die Myoepithelzellen der Milchdrüse angeregt sich zu kontrahieren. Dies bewirkt wiederum einen Milchtransport von den Endkammern (Alveolen) in die Milchsammelräume (Zisternen) der Milchdrüse. Die Zeit von der Stimulation der Zitze bis zum Einschießen der Milch beträgt etwa zehn Sekunden.

Beim Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oxytocinlevel bei einer stillenden Frau steigen erst etwa eine Minute nach Beginn der Stimulation, sodass Säuglinge zunächst wenige Minuten lang keine oder nur wenig Muttermilch erhalten. Die meisten Frauen spüren den ersten Milchspendereflex einer Stillmahlzeit als warmes, teilweise kitzelndes Druckgefühl, die späteren Reflexe werden in der Regel nicht mehr gespürt. Auch andere Reize als die taktile Stimulation der Brustwarze können zum Auslösen des Reflexes führen, so zum Beispiel das Betrachten eines Fotos des eigenen Kindes[1].

Der Milchspendereflex kann gestört werden durch Kälte, Schmerzen, Stress und einen hohen Alkohol- oder Nikotinkonsum, gefördert durch feuchte Wärme und eine generell warme Umgebung, eine entspannte Körperhaltung und durch eine Brustmassage vor der Stillmahlzeit[2]. Ein gestörter Milchspendereflex erhöht das Risiko für wunde Brustwarzen, Mastitis und somit indirekt für eine gestörte Gewichtszunahme des Säuglings[3].

Selten kann der Milchspendereflex zu einer sehr kurzzeitigen jedoch deutlichen Dysphorie führen, dem sogenannten „D-MER“ (dysphoric milk ejection reflex).[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Heldmaier, Gerhard Neuweiler: Vergleichende Tierphysiologie: Band 2 Vegetative Physiologie. Springer 2004, ISBN 978-3540000679, S. 387.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GIF eines menschlichen Milchspendereflexes

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karen Wambach: Breastfeeding and human lactation. Sixth edition Auflage. Burlington, MA 2021, ISBN 1-284-15157-3, S. 66 ff.
  2. Renate Egelkraut, Deutscher Hebammenverband: Praxisbuch: besondere Stillsituationen. Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8304-5495-3, S. 354.
  3. Regine Gresens: Intuitives Stillen dem eigenen Gefühl vertrauen - die Beziehung zum Baby stärken - einfach und entspannt. München 2016, ISBN 978-3-466-31061-6, S. 134.
  4. T. L. Ureño, T. L. Buchheit, S. G. Hopkinson, C. S. Berry-Cabán: Dysphoric Milk Ejection Reflex: A Case Series. In: Breastfeeding medicine : the official journal of the Academy of Breastfeeding Medicine. Band 13, Nummer 1, 2018 Jan/Feb, S. 85–88, doi:10.1089/bfm.2017.0086, PMID 29115857.