Ekrem İmamoğlu

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ekrem İmamoğlu (2018)

Ekrem İmamoğlu (* 4. Juni 1970 in Akçaabat, Provinz Trabzon) ist ein türkischer Politiker der Republikanischen Volkspartei (CHP). Er wurde am 23. Juni 2019 zum Oberbürgermeister der Großstadtkommune Istanbul gewählt und trat das Amt am 27. Juni 2019 an, nachdem das Ergebnis der Wahl vom März 2019 angefochten worden war.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

İmamoğlu besuchte das Gymnasium in Trabzon und studierte an der Universität Istanbul Betriebswirtschaftslehre (Bachelor) und Personalwesen (Master). Er stieg in die Baufirma seiner Familie ein und wurde 2008 Mitglied der CHP. Bei den Kommunalwahlen 2014 trat er für seine Partei in Beylikdüzü an und wurde mit knapp 50 % zum Bürgermeister des Stadtteils gewählt.

Bei den Kommunalwahlen 2019 wurde er zum CHP-Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters von Istanbul nominiert und gewann mit 13.000 Stimmen Vorsprung.[2] Nachdem die in Istanbul unterlegene AKP eine Nachzählung der Stimmen beantragt hatte, wurde er am 17. April 2019 von der türkischen Wahlkommission (YSK) zum Oberbürgermeister der Großstadtkommune Istanbul erklärt.[3] Die AKP legte Beschwerde ein; am 6. Mai 2019 annullierte die Wahlkommission das Wahlergebnis wegen angeblicher Regelwidrigkeiten.[4][5] Bei der Neuwahl am 23. Juni 2019 erhielt er knapp 800.000 Stimmen mehr als Binali Yıldırım (AKP) und wurde erneut zum Oberbürgermeister gewählt.[2]

İmamoğlu ist verheiratet und hat drei Kinder.[6][7]

Im Amt des Oberbürgermeisters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wahlkampf zur Oberbürgermeisterwahl 2019 versuchte İmamoğlu das Thema der syrischen Flüchtlinge in der Türkei zu umgehen, zu dem die CHP die Auffassung vertritt, sie sollten schrittweise und sicher zurückgeführt werden. Nachdem es im Juli im Stadtteil Küçükçekmece als Folge falscher Behauptungen zu antisyrischen Ausschreitungen gekommen war, erklärte er, die Interessen des türkischen Volkes müssten geschützt werden. In anderem Zusammenhang warnte er davor, dass die Istanbuler Kultur durch die Zuwanderer verdrängt werde.[8]

Er entließ 1244 der 2500 Beschäftigten der Stadt, die zwischen dem 31. März 2019 und dem 23. Juni 2019 neu eingestellt worden waren. Die Einstellungen waren in dem Zeitraum der landesweiten Kommunalwahlen am 31. März bis zur Oberbürgermeister-Wahlwiederholung in Istanbul vorgenommen worden.[9]

In den ersten drei Monaten im Amt strich İmamoğlu mehreren AKP-nahen religiösen Stiftungen und Vereinen finanzielle Zuwendungen. Zu ihnen gehören die von Präsident Erdoğan gegründete Stiftung TÜRGEV, die Studenten mit Stipendien und Wohnheimplätzen unterstützt, die Bildungsstiftung TÜGVA, dessen Beirat der Sohn Bilal angehört, sowie die Aziz-Mahmud-Hüdayi-Stiftung unter Leitung des Bruders von Kadir Topbaş, dem langjährigen AKP-Oberbürgermeister der Stadt. Außerdem kündigte er Leasingverträge für Dienstwagen, die AKP-nahen Personen teilweise zur privaten Nutzung überlassen beziehungsweise von AKP-nahen Unternehmen zu höheren Preisen als üblich vermietet worden sein sollen. Die Stadt spart dadurch rund acht Millionen Euro im Jahr.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ekrem İmamoğlu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wahlsieger Imamoglu zum Bürgermeister erklärt, deutschlandfunk.de, erschienen und abgerufen am 27. Juni 2019.
  2. a b Blow for Erdogan in re-run Istanbul poll. 24. Juni 2019 (bbc.com [abgerufen am 24. Juni 2019]).
  3. Neuer Bürgermeister in Istanbul: Oppositionskandidat Imamoglu zum Sieger erklärt. In: Spiegel Online. 17. April 2019, abgerufen am 17. April 2019.
  4. Istanbuls Bürgermeister spricht von Verrat. In: Spiegel Online. 7. Mai 2016.
  5. Türkische Wahlbehörde ordnet Neuwahl für Istanbul an. In: Spiegel Online. 6. Mai 2019.
  6. Ekrem İmamoğlu’nun hayatı… Ekrem İmamoğlu kimdir, nereli ve kaç yaşında? In: sozcu.com.tr. 18. Dezember 2018, abgerufen am 1. April 2019 (türkisch).
  7. Ekrem İmamoğlu kimdir? (CHP'nin İstanbul belediye başkan adayı). In: ntv.com.tr. 18. Dezember 2018, abgerufen am 1. April 2019 (türkisch).
  8. Anna-Sophie Schneider: Hetze gegen „Gäste“, Spiegel Online, 13. Juli 2019, abgerufen am 1. Januar 2020.
  9. Philipp Mattheis: Millionen für Erdoğans Freunde und Verwandte, DerStandard.at, 2. September 2019, abgerufen am 1. Januar 2020.
  10. Anna-Sophie Schneider: Mit dem Rotstift gegen Erdogan, Spiegel Online, 12. September 2019, abgerufen am 1. Januar 2020.