El Capitan (Kalifornien)

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El Capitan
Südwestwand des El Capitan

Südwestwand des El Capitan

Höhe 2307 m
Lage Mariposa County, Kalifornien, USA
Gebirge Sierra Nevada
Koordinaten 37° 44′ 2″ N, 119° 38′ 13″ W37.733888888889-119.636944444442307Koordinaten: 37° 44′ 2″ N, 119° 38′ 13″ W
El Capitan (Kalifornien) (Kalifornien)
El Capitan (Kalifornien)
Typ Felsvorsprung
Gestein überwiegend Granit
Alter des Gesteins Grenzbereich Unterkreide-Oberkreide (ca. 100 Mio. Jahre)
Blick von Westen das Yosemite-Tal hinauf, mit El Capitan links im Bildmittelgrund und dem Merced River im Vordergrund.
El Capitan von Süden, vom Südufer des Merced River aus gesehen.
Die Südkante des El Capitan von Südosten: die Route „The Nose“ verläuft in dem Bereich zwischen der Licht-Schatten-Grenze und der Kiefer rechts im Vordergrund.
Video mit Impressionen vom El Capitan und Aufnahmen von Bergsteigern

El Capitan ist ein markanter Felsvorsprung im Yosemite-Nationalpark im US-Bundesstaat Kalifornien. Seine teilweise senkrecht abfallenden Flanken erheben sich bis zu 1.000 Meter über dem Yosemite-Tal, an dessen Nordseite er liegt. Der höchste Punkt des Felsens befindet sich auf 2.307 Meter über dem Meeresspiegel. Durch seine Abmessungen ist El Capitan eine auffällige Landmarke im Yosemite-Tal und er gilt als eines der Wahrzeichen des Nationalparks. Seine Felswände machen ihn zu einem Anziehungspunkt für Freikletterer.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name El Capitan kommt aus dem Spanischen und bedeutet soviel wie ‚Anführer‘ oder ‚Hauptmann‘. Er soll im Jahr 1851, relativ kurz nach der Annexion Kaliforniens durch die USA, von Angehörigen des Mariposa Batallions geprägt worden sein, einer Freischärlertruppe aus US-Siedlern, die seinerzeit als erste Weiße das Yosemite-Tal betraten. Die Überlieferung der Etymologie stammt von Lafayette Bunnell einem Mitglied dieser Truppe. Ihm zufolge soll sich El Capitan vom Namen Tu-tock-ah-nu-lah aus der Sprache der Ahwahnee ableiten, einer Volksgruppe der Paiute-Indianer und Ureinwohner des Yosemite-Tales. Tu-tock-ah war der Name eines Häuptlings der Ahwahnee. Die Ureinwohner hatten also den Felsen nach ihrem Häuptling benannt, woraus die Weißen dann den ‚Häuptlingsfelsen‘ El Capitan machten.[1]

Morphologie[Bearbeiten]

El Capitan ist kein Berg im eigentlichen Sinn. Er fällt nach Westen, Südwesten und Südosten faktisch senkrecht und nach Osten relativ sanft zum Merced River im Yosemite-Tal bzw. in die Schluchten seiner Zuflüsse ab. Im Westen ist dies ein Zufluss des Ribbon Creek, im Osten Eagle Creek. Seine „Kammlinie“ verläuft nahe der Westflanke ungefähr Nordnordost-Südsüdwest. Nach Nordosten schließt El Capitan allerdings weitgehend unauffällig an das Hochplateau an, das sich nördlich des Yosemite-Tals ausdehnt. Zudem setzt sich die Steilwand sowohl nach Osten als auch nach Westen im Talverlauf fort. Man kann also genaugenommen nur von einem Felsvorsprung in der steilen Talwand sprechen, wenngleich dieser mit insgesamt knapp 2500 Metern Breite* und bis zu 1000 Metern Höhe beachtliche Dimensionen aufweist.

Geologie[Bearbeiten]

Das Gestein des El Capitan ist Teil des Sierra-Nevada-Batholiths, eines komplexen magmatischen Gesteinskörpers, der einen Großteil der Sierra Nevada aufbaut. Der Batholith entstand im Mesozoikum und gilt als Zeugnis der Subduktion der Farallon-Platte unter die Nordamerikanische Platte. El Capitan besteht aus zwei im Mineralbestand leicht voneinander abweichenden Graniten: dem etwa 105 Millionen Jahre alten El-Capitan-Granit und dem mit ca. 103 Millionen Jahren etwas jüngeren Taft-Granit. Darüber hinaus wird er von Gängen aus Granodiorit und mafischeren Gesteinen durchschlagen, die mit rund 99 Millionen Jahren zu den jüngsten Bildungen gehören. Weiterhin nachweisbar sind spätmagmatische aplitische und pegmatitische Gänge.[2]

El Capitan wird, vor allem in populärem Zusammenhang, oft als „Monolith“ bezeichnet. Jedoch besteht der Felsen gar nicht nur aus einer Gesteinsart sondern aus mehreren magmatischen Gesteinstypen, die sich kompositionell und/oder vom Gefüge her unterscheiden. Auch ist er morphologisch nicht wirklich eigenständig, im Gegensatz zu anderen Objekten, die oft als Monolithen angesprochen werden (beispielsweise Mount Augustus in Australien). Nicht zuletzt ist der Begriff „Monolith“ schlecht definiert und wird in verschiedenen Zusammenhängen verwendet. Aus all diesen Gründen sollte die Bezeichnung „Monolith“ bei Bergen, Felsen usw. generell vermieden werden.[3]

Klettern[Bearbeiten]

Obwohl der höchste Punkt des El Capitan auf einem einfachen Wanderweg erreicht werden kann, besteht die Herausforderung für Kletterer darin, eine der steilen Granitwände zu durchsteigen, die von zahlreichen langen und schwierigen Kletterrouten durchzogen werden.

Die bekannteste Route am El Cap, wie er unter Kletterern oft abgekürzt wird, ist wahrscheinlich The Nose an der Südkante, die 1958 von Warren Harding,[4] Wayne Merry und George Whitmore nach insgesamt 47 Klettertagen verteilt über 17 Monate in technischer Kletterei eröffnet wurde. Wegen der natürlichen Linie, der sie folgt, und ihrer Länge und Ausgesetztheit ist sie auch heute noch das Traumziel vieler Kletterer.

Im Laufe der 1960er Jahre wurden zahlreiche Anstrengungen an allen Wänden des El Capitan unternommen, die schließlich zu der Erkenntnis führten, dass jede der Wände mit genügend Hartnäckigkeit und Bohrhaken bezwungen werden konnte. Nach dieser Erkenntnis fingen einige der Kletterer an, die Fortbewegung an Bohrhaken abzulehnen und Routen zu suchen, die frei oder mit möglichst wenig technischer Kletterei durchstiegen werden konnten. Obwohl sich diese Ethik durchsetzte und die Anzahl der Freikletterversuche immer mehr wurden, dauerte es bis 1979, bis die ausgesetzte Westwand eine frei begangene Route aufwies. Diese Begehung gelang Ray Jardine. Die Nose konnte erst 1993 durch Lynn Hill zum ersten Mal frei durchstiegen werden.

Auch heute noch ist der El Capitan immer wieder Schauplatz herausragender Kletterleistungen: Immer noch werden neue und schwierigere Linien erschlossen oder alte, früher nur technisch kletterbare Routen frei geklettert:

Am 17. Juni 2004 konnten die Brüder Alexander und Thomas Huber in der Route Zodiac ihren eigenen Rekord für den schnellsten Durchstieg einer Route am El Capitan auf 1:51:34 Stunden drücken.[5] Üblicherweise benötigen Seilschaften für eine solche Route drei bis vier Tage. Noch bedeutender für das Speedklettern ist aber The Nose: Die derzeitige Bestzeit liegt bei 2:23:46 und wurde von Hans Florine zusammen mit Alex Honnold im Juni 2012 erreicht.[6]

Vom 27. Dezember 2014 bis zum 14. Januar 2015 gelang Tom Caldwell und Kevin Jorgeson die Erstdurchkletterung der Route Dawn Wall im freien Stil. Die Route gilt als eine der schwersten Kletterrouten der Welt.[7][8][9]

Base-Jumping[Bearbeiten]

Die 1.000 Meter hohe, oben teilweise überhängende Südwestwand des El Capitan macht ihn zu einem idealen Ort für Basejumps. Den ersten Basejump vom Gipfel des El Capitan machten Michael Pelkey und Brian Schubert am 24. Juli 1966, wobei sich beide Springer Knochenbrüche zuzogen. Nachdem sich in den 1970er Jahren die Ausrüstung und Technik wesentlich verbessert hatte, sprangen viele Basejumper erfolgreich und sicher vom El Capitan.

1980 versuchte die Nationalpark-Verwaltung, die Anzahl der Sprünge durch die Vergabe von Sprungerlaubnissen zu regulieren. Da in der Folge einige der Springer die im Nationalpark geltenden Regeln grob verletzten, stellte die Verwaltung die Vergabe von Erlaubnissen schließlich wieder ein und verbot das Base-Jumping am El Capitan und im gesamten Nationalpark.[10] Seitdem hat sich eine Reihe von Gruppen gebildet, die sich für die Wiederöffnung einsetzen. Am 23. Oktober 1999 kam die Basejumperin und Stuntfrau Jan Davis bei einem als Protest gegen das Verbot unternommenen illegalen, aber von den Park-Offiziellen geduldeten Sprung ums Leben.[11]

Trivia[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

* Distanz zwischen Ribbon Creek und Eagle Creek auf Höhe der Südwest- und Südostwand des Capitan parallel zum Talverlauf

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: El Capitan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Browning: Yosemite Place Names: The Historic Background of Geographic Names in Yosemite National Park. 2. Auflage. Great West Books, Lafayette (CA) 2005, ISBN 0-944220-19-3, S. 41 (englisch).
  2. Roger Putnam, Allen F. Glazner, Drew S. Coleman, Andrew R. C. Kylander-Clark, Tamlin Pavelsky, Miquela I. Abbot: Plutonism in three dimensions: Field and geochemical relations on the southeast face of El Capitan, Yosemite National Park, California. Geosphere, Juli 2015, doi:10.1130/GES01133.1; siehe auch Roger Putnam: Understanding plutonism in three dimensions: Field and geochemical relations on the southeast face of El Capitan, Yosemite National Park, California. MSc-Thesis, University of North Carolina at Chapel Hill, 2013 (online) (beide englisch).
  3. Robert P. Bourman, Clifford D. Ollier, Solomon Buckman: Inselbergs and monoliths: a comparative review of two iconic Australian landforms, Uluru (Ayers Rock) and Burringurrah (MountAugustus). Zeitschrift für Geomorphologie. Bd. 59, Nr. 2, 2015, S. 197–227, doi:10.1127/0372-8854/2014/0148, (alternativer Volltextzugriff: ResearchGate) (englisch).
  4. Tom Frost: A Climber Returns to El Capitan. Yosemite Guide. Bd. 30, Nr. 2, 2005, S. 0–1 (PDF 1,3 MB auf archive.org) (englisch).
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNew Speed Record on the Zodiac. In: bergsteigen.com. 2. Juli 2004, abgerufen am 11. Mai 2007.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNeuer Speed-Rekord an der "Nose": Alex Honnold und Hans Florine. In: klettern.de. 28. Juni 2012, abgerufen am 13. August 2015.
  7. El Capitan in Kalifornien: Kletterer bezwingen legendäre Felswand. In: Spiegel Online, 15. Januar 2015.
  8. El Capitan’s Dawn Wall: Coverage of the Ascent at Yosemite. In: New York Times, 14. Januar 2014 (englisch).
  9. Chris Van Leuven: Free at Last: Caldwell, Jorgeson Top Out the Dawn Wall. In: alpinist.com. 14. Januar 2014, abgerufen am 15. Januar 2015 (englisch).
  10. BASEjumping. In: baseclimb.com. Archiviert vom Original am 3. April 2013, abgerufen am 13. August 2015 (englisch).
  11. Marianne Costantinou, Gregory Lewis: Death fall from El Capitan. In: San Francisco Chronicle, 23. Oktober 1999 (englisch).
  12. Apple OS X Preview auf apple.com, abgerufen am 09. Juni 2015.