Elbphilharmonie Bau KG

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Elbphilharmonie Hamburg Bau GmbH & Co. KG
(kurz: Elbphilharmonie Bau KG
oder: Bau KG
)
Rechtsform Kommanditgesellschaft
Sitz Hamburg
Leitung Dieter Peters und Martin Heyne
Umsatz 15.925.000,00 € (2007), 4.123.000,00 € (2008)
Branche Baumanagement

Die Elbphilharmonie Hamburg Bau GmbH & Co. KG ist eine Kommanditgesellschaft mit der Stadt Hamburg als Kommanditistin und der ReGe Hamburg Projekt-Realisierungsgesellschaft mbH als Komplementärin.

Die Gesellschaft gab bei der Adamanta (Commerzbank + Hochtief) den Bau der Elbphilharmonie in Auftrag und soll die Bauausführung überwachen und mit den Planungen der Architekten koordinieren.[1]

Wegen der Ausführung dieser Aufgabe geriet die Bau KG in die Kritik, es wurde der Parlamentarischer Untersuchungsausschuss „Elbphilharmonie“ eingesetzt.

Aufsichtsrat und Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufsichtsrat besteht aus dem Vorsitzenden Johann C. Lindenberg, der 2008 Ole von Beusts Senatskanzlei-Staatsrat Volkmar Schön ersetzte,[2] Wilhelm Friedrich Boyens, Haushaltsdirektor Hans Hinrich Coorssen (Finanzbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg), Rechtsanwalt Johannes Conradi (Freshfields Bruckhaus Deringer), Eckart Kottkamp, Jens-Ulrich Maier, Staatsrat Horst-Michael Pelikahn (Behörde für Wissenschaft und Forschung) und Staatsrat Nikolas Hill (Behörde für Justiz und Gleichstellung), der 2009 Staatsrat Reinhard Stuth[1] nach dessen Versetzung in den Ruhestand[3] als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender gefolgt war.

Geschäftsführer der ReGe und der Elbphilharmonie Bau KG sind Dieter Peters und Martin Heyne (seit Januar 2013). Bis 17. September 2008 war Hartmut Wegener Sprecher der Geschäftsführung.[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der Elbphilharmonie ist überschattet von Bauzeitverzögerungen, Baukostensteigerungen und Qualitätsmängeln.[5][6]

Hauptakteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Bau sind folgende Parteien beteiligt: Geldgeber sind das Investorenkonsortium IQ² sowie die Freie und Hansestadt Hamburg. Das Investorenkonsortium bedient sich der Projektgesellschaft Adamanta GmbH & KG zur Abwicklung des Projektes, die Stadt Hamburg hat die ReGe als Bauherrenvertreterin und für das städtische Projektmanagement eingesetzt. Ein Großteil der Planung und die Bauüberwachung obliegen den Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron und ihren deutschen Partnern Höhler und Partner. Die Bauausführung liegt bei Hochtief im Auftrag der Adamanta.

Kostensteigerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Planung und Umsetzung des Vorhabens haben sich die Projektkosten von ursprünglich 77 Mio. Euro im Jahr 2005 auf aktuell 789 Mio. Euro mehr als verzehnfacht.[7] Dem steht eine Vergrößerung des Projektes von einer im Jahr 2003 geplanten Bruttogeschossfläche von 84.000 m² um 43 % auf aktuell 120.000 m² gegenüber.

Nach dem Ruf nach mehr „externem Sachverstand“ und dem „Rauswurf“ des damaligen Elbphilharmonie-Chefmanagers Hartmut Wegener im September 2008 wird das Projekt bei der ReGe Hamburg Projekt-Realisierungsgesellschaft unter der Leitung von Heribert Leutner (Vorstandssprecher der ReGe) durchgeführt.[2]

Bereits 2006 beliefen sich die Gesamtbaukosten auf 241,3 Mio. Euro. Davon sollten 138 Mio. Euro auf den öffentlichen Bereich entfallen, 103 Mio. Euro auf den privaten Bereich, den das Investorenkonsortium IQ², bestehend aus der Hochtief AG und der Commerz Real AG, trägt. Inklusive weiterer Projektkosten und abzüglich von Spendenmitteln hätten aus dem Haushalt der Freien und Hansestadt Hamburg 114,3 Mio. Euro finanziert werden müssen. Zusätzlich existierte ein Budget von 10 Mio. Euro für unvorhergesehene Baumaßnahmen. Dieses Budget wurde bereits mit Nachforderungen in Höhe von 7 Mio. Euro durch Schwierigkeiten bei den Nachgründungsarbeiten und ein neues Kühlsystem belastet.

Bei Nachtragsverhandlungen zwischen der ReGe Hamburg und der Hochtief Construction AG im November 2008 wurde ein Nachtrag in Höhe von 137 Mio. Euro ausgehandelt (sogenannter „Nachtrag 4“[8]). Der Anteil der Stadt läge demnach bei 323 Mio. EUR. Dafür wurde die ReGe von Peter Tschentscher sowie dem Bausachverständigen Franz-Josef Schlapka kritisiert.[8] Als personelle Konsequenz der Kostenentwicklung wurde der Leiter der städtischen Realisierungsgesellschaft, Hartmut Wegener, von seinen Aufgaben entbunden.[9]

Nach Medienberichten von Anfang 2010 stellte die Hochtief AG Nachforderungen von etwa 22,4 Mio. Euro.[10]

Im November 2011 stellte die Hochtief AG die Bauarbeiten an dem Projekt vorübergehend ein. Nachdem im Juni 2013 die Hamburger Bürgerschaft einer Neuordnung der Verträge zustimmte, konnten die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden. Es ist geplant, dass das Konzerthaus bis Oktober 2016 fertiggestellt wird.[7]

Verzögerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leutner erklärte, dass es ein eindeutiger Vertragsfehler im Regelwerk der ReGe mit Hochtief und dem Architekten gewesen sei, dass „die Terminplanung, die der Bauunternehmer im Vertrag hat, […] nicht diejenige [war], die der Architekt im Vertrag hat. Das war einer der Kardinalfehler, die im Ursprungsvertrag leider zu finden sind.“ Der Architekt Pierre de Meuron meint, seine Planleistung sei termingerecht und komplett abgeliefert worden.[6]

Im Frühjahr 2010 legte Hochtief einen neuen Terminplan vor, wonach sich die Eröffnung des Konzerthauses in der HafenCity auf Januar 2013 verschieben sollte.

Baumängel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau wird durch die Firma Hochtief ausgeführt. Die ReGe bemängelte am 16. Mai 2010 „inakzeptable Baumängel“.[6] Die Baumängel ergeben sich aus einem Prüfbericht des mit der Bauaufsicht beauftragten Architektenduos Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Demnach bestehen Sicherheitsmängel an tragenden Teilen.

Klagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. April 2010 reichte die Bau KG Klage beim Landgericht Hamburg ein, um über die Adamanta das Subunternehmen Hochtief AG zur Verpflichtung auf eine „vertraglich zugesicherte, verbindliche Terminplanung“ zu zwingen.[11] Hochtief bestritt, die Verantwortung für diese Verzögerung zu tragen.[12]

Umgekehrt reichte die Hochtief AG im April 2010 Klage gegen den in den Medien zitierten Bausachverständigen Schlapka ein, um diesen zu zwingen, bestimmte Äußerungen aus einem Spiegel-Online Interview nicht zu wiederholen. Schlapka bleibt jedoch bei seinen Vorwürfen gegen HochTief.[13][14]

Abschlag zurückbehalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bau KG hält wegen der im Mai 2010 geltend gemachten Baumängel eine Abschlagszahlung in Höhe von fünf Millionen Euro zurück, die sie normalerweise im selben Monat hätte zahlen sollen.[15]

Untersuchungsausschuss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Mai 2010 hat die Hamburgische Bürgerschaft auf Antrag der SPD einstimmig einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Elbphilharmonie eingesetzt. Das Gremium soll die Ursachen und Hintergründe der Kostenexplosion beim Bau des prestigeträchtigen Konzerthauses untersuchen.

Der SPD-Finanzexperte Peter Tschentscher wurde zum Vorsitzenden gewählt und der SPD-Abgeordnete Rolf-Dieter Klooß wurde sein Stellvertreter.[16][17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Beteiligungsbericht 2008. Hamburg, S. 229, abgerufen am 14. Juni 2010 (PDF).
  2. a b Peter Ulrich Meyer: Die Kompetenz reichte nicht aus. In: Hamburger Abendblatt, 19. September 2008
  3. Kulturstaatsrat Reinhard Stuth entlassen. Welt online, abgerufen am 14. Juni 2010.
  4. Senatorin von Welck stellt neue ReGe-Geschäftsführung vor, ReGe. 2. Oktober 2008. 
  5. Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch, Andreas Ulrich: Neuschwanstein an der Elbe. In: Der Spiegel. Nr. 12, 2010 (online).
  6. a b c Martin Kopp und Katja Engler: Elbphilharmonie-Architekten prangern Baumängel an: Prüfbericht listet Sicherheitsversäumnisse und Fehlkonstruktionen auf – Von Welck reagiert vor heutigem Krisengipfel gereizt. In: Die Welt. 17. Mai 2010, abgerufen am 18. Mai 2010.
  7. a b Bauarbeiten an der Elbphilharmonie können wieder losgehen. Spiegel Online, 20. Juni 2013, abgerufen am 10. Juli 2013.
  8. a b ots / ReGe: Elbphilharmonie: Anfechtung teurer als Nachtrag 4. Abgerufen am 3. Mai 2010.
  9. Preis des Prestigeobjekts steigt weiter. In: Hamburger Abendblatt, 27. November 2008
  10. Der Streit um die Elbphilharmonie geht weiter. Auf: Welt-online, 28. Januar 2010
  11. NDR.de abgerufen 7. April 2010
  12. Bauverzögerung – Stadt verklagt Hochtief wegen Elbphilharmonie. NDR, abgerufen am 28. April 2010.
  13. Hochtief klagt gegen Gutachter. In: Hamburger Abendblatt, 25. April 2010
  14. Interview Gutachter Elbphilharmonie. In: Spiegel Online. 22. März 2010, abgerufen am 25. April 2010.
  15. Stefan Grund, Eva Eusterhus: Elbphilharmonie: Hamburg hält Zahlung zurück. In: Die Welt, 12. Juli 2010, Ausgabe Hamburg, Seite 29
  16. Parlamentarischer Untersuchungsausschuss: Elbphilharmonie (11 Mitglieder). Hamburgische Bürgerschaft, abgerufen am 7. Mai 2010.
  17. dpa/lno: Elbphilharmonie-Ausschuss nimmt Arbeit auf. In: Die Welt. 12. Mai 2010, archiviert vom Original am 14. Mai 2010, abgerufen am 15. Mai 2010.