Elektrizitätsversorgungsunternehmen

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Ein Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU, auch Stromversorgungsunternehmen; kurz Elektrizitätsversorger, Stromversorger oder Stromanbieter) ist ein Unternehmen, welches seine Kunden mit elektrischer Energie (historisch und umgangssprachlich „Elektrizität“ oder „Strom“ genannt) versorgt, d. h. beliefert.

Im engeren Sinne werden nur solche Unternehmen als Elektrizitätsversorger bezeichnet, die einen Endverbraucher direkt beliefern, insbesondere solche, die hierfür ein Verteilungsnetz betreiben.[1] Im weiteren Sinne sind alle Unternehmen der Elektrizitätswirtschaft, also der gesamten Versorgungskette von der Erzeugung über den Handel, die Übertragung (Ferntransport) und die Verteilung bis zum Verbraucher unter diesem Begriff mit eingeschlossen.[2]

Situation nach Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland kann man die Elektrizitätsversorgungsunternehmen unterteilen in

  • überregionale Versorger, die auch Hochspannungsnetze betreiben, und
  • regionale Versorgungsunternehmen, die häufig Tochterunternehmen der großen Energieversorgungsunternehmen oder Stadtwerke sind.

Die Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind in Deutschland durch Kooperation - auch auf europäischer Ebene - in der Lage, eine hohe Versorgungssicherheit zu gewährleisten. So gibt es Netze, bei denen Leitungen verschiedener Spannungsebenen (110 kV, 220 kV und 380 kV) auch von verschiedenen EVU betrieben werden. Daneben werden manche Hochspannungsleitungen gemeinsam von den EVU und der Deutschen Bahn betrieben.

Nachfolgend einige bekannte deutsche Verbände:

Die Strompreise in Deutschland können mitunter stark variieren, wobei die Preise vor allem im Süd-Westen und Osten Deutschlands höher liegen. Der Preisunterschied ist jedoch aufgrund verschiedener Berechnungen oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich (Öko/Klimatarife, Pakettarife, Sonderabschläge, Haupt- und Nebenzeit).[3] Bedingt ist dieser Umstand einerseits durch die Preisfreiheit der Grundversorger, andererseits auch durch die Qualität der Anbindungen an überregionale Stromnetze.[4]

Zusammensetzung des Strompreises in Deutschland

Gesetzliche Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß § 3 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) wird unterschieden zwischen Betreibern von Elektrizitätsversorgungsnetzen und Betreibern von Elektrizitätsverteilernetzen. Der Begriff Energieversorgungsnetz bezieht sich demnach auf Elektrizität und Gas. Nach § 3 Nr. 18 EnWG sind Energieversorgungsunternehmen „natürliche oder juristische Personen, die Energie an andere liefern, ein Energieversorgungsnetz betreiben oder an einem Energieversorgungsnetz als Eigentümer Verfügungsbefugnis besitzen“. Sie übernehmen also Aufgaben der Erzeugung, der Verteilung und des Vertriebs. Hierunter fallen neben den Elektrizitätsversorgungsunternehmen zum Beispiel auch Erdgas- und Fernwärmeversorgungsunternehmen.

Die §§ 6–10 EnWG schreiben in Umsetzung des europäischen Gemeinschaftsrechtes eine Entflechtung der sogenannten vertikal integrierten EVU vor. Vertikal integrierte Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind nach der Legaldefinition des § 3 Nr. 38 EnWG solche Unternehmen oder eine Gruppe von Unternehmen, die im Elektrizitätsbereich mindestens eine der Funktionen Übertragung oder Verteilung und mindestens eine der Funktionen Erzeugung oder Vertrieb wahrnehmen. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Netzbetrieb bei marktbeherrschenden Unternehmen rechtlich, operationell, informationell und buchhalterisch unabhängig von anderen Tätigkeiten im Bereich der Energieversorgung organisiert werden muss.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es rund 300 Erzeuger und 1150 Lieferanten für elektrischen Strom (Stand: Januar 2013).[5][6] Die weitaus höchsten Gesamtumsätze erzielen folgende Energiekonzerne:

Rang Unternehmen Umsatz 2014
1. E.ON 111 Mrd. €
2. RWE 48 Mrd. €
3. EnBW 21 Mrd. €
4. Vattenfall Europe 11 Mrd. €
5. EWE 8 Mrd. €

Zusammen beherrschen die ersten vier etwa 80 Prozent des deutschen Strommarktes, wobei zu bemerken ist, dass E.ON selbst nur noch Erzeuger ist und den elektrischen Strom hauptsächlich über konzerneigene Vertriebsgesellschaften verkauft. Die DB Energie versorgt die Fahrzeuge der Deutschen Bahn und anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen mit Einphasenwechselstrom der Frequenz 16,7 Hz. Da dies nur für den Bahnbetrieb geschieht, zählt man sie insofern nicht zu den eigentlichen EVU, obwohl sie ein umfangreiches Hochspannungsleitungsnetz betreibt, welches auch nach Österreich und in die Schweiz führt. Indem die DB Energie jedoch auch zahlreiche Gewerbebetriebe an den Bahnhöfen mit 230 V 50 Hz Netzstrom versorgt, der überwiegend von außen zugeliefert wird, ist sie in diesem Aspekt ein relativ grosses EVU.

Daneben gibt es einige EVU, die elektrischen Strom vorwiegend aus erneuerbaren Energiequellen erzeugen bzw. verteilen. Die vom Umsatz her größten, von den großen EVU unabhängigen Ökostrom-Anbieter waren 2013:

Rang Unternehmen Umsatz Zahl der Kunden
1. LichtBlick 0,726 Mrd. € 560.000
2. Clean Energy Sourcing 0,650 Mrd. €[7]  ?
3. Naturstrom AG 0,234 Mrd. € 250.000
4. Elektrizitätswerke Schönau 0,125 Mrd. € 150.000
5. Greenpeace energy 0,103 Mrd. € 125.000

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 2007 gab es in Frankreich nur EdF sowie lokale Verteilungsunternehmen wie 'Electricité de Marseille' (zusammenfassend 'fournisseurs historiques' genannt). Mitte 2007 liberalisierte die französische Regierung den Elektritizitätsmarkt, seitdem gibt es zahlreiche 'fournisseurs alternatifs', z.B. Engie.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich gibt es zwei nationale Erzeuger-Gesellschaften sowie eine Reihe von regionalen Gesellschaften, die oft aber nur als Verteiler bzw. Stromhändler tätig sind (s. u.). Sie sind meist Gesellschaften mit Anteilen der einzelnen Bundesländer, einige (z. B. EVN, Wien Energie) haben auch eigene Elektrizitätswerke, um Spitzenbedarf abzudecken.

Die wichtigsten Stromerzeuger sind:

Bahnstrom

Die wichtigsten Ökostrom-Erzeuger sind:

Die Verteilergesellschaften sind:

Die Übertragungsnetzbetreiber sind:

Im Zuge der Deregulierung des Strommarktes 2001 sind neue Anbieter dazugekommen, die Endkonsumenten und Unternehmen beliefern. Allerdings besitzen sie keine Infrastruktur.

Siehe auch Elektrizitätswirtschaft in Österreich

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die großen Elektrizitätsversorgungsunternehmen in der Schweiz sind:

Die Schweizer Elektrizitätsversorgungsunternehmen sind großmehrheitlich im Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen organisiert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. § 3 Energiewirtschaftsgesetz. Abgerufen am 24. Januar 2012.
  2. NACE (Version 2.0), Abschnitt D, Abteilung 351 „Elektrizitätsversorgung“.
  3. Strom-Preisvergleich für Ihre Region
  4. Stromanbieter Atlas. Stromvergleich.de, abgerufen am 2. Mai 2013.
  5. Liste aller Stromanbieter. Auf www.verivox.de. Abgerufen am 24. Januar 2012.
  6. Die Unternehmen am deutschen Energiemarkt Abgerufen am 19. Juni 2013.
  7. http://www.clens.eu/at/newsroom/pressemitteilungen/pressedetails/eintrag/2014/02/06/clean-energy-sourcing-schliesst-umstrukturierung-ab