Elektrochemotherapie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Elektro-Chemotherapie)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hersteller-Illustration

Die Elektrochemotherapie (ECT) ist ein zurzeit in klinischen Studien erprobtes[1] Verfahren der palliativen Therapie oberflächlich gelegener Tumoren, welches Chemotherapeutika mittels Elektroporation in das Zellinnere befördern soll. Durch lokale Anwendung kurzer und intensiver elektrischer Impulse werden die Poren der Zellmembran geöffnet und vorübergehend für Moleküle durchlässig, die sonst eine Zellmembran nicht durchdringen könnten.[2] Erste Anwendungen betreffen Bleomycin und Cisplatin gegen Hautkrebs, oberflächliche Sarkome, und Kopf-Hals-Tumoren. Die Ansprechraten dieser Medikamente waren in den vorläufigen Studien signifikant höher als ohne Elektroporation.[3]

Neben den einfachen Geräten, die nur im Wellnessbereich verkauft werden, bieten einige Anbieter auch Geräte für die medizinische Elektroporation an.[4] Die angebotenen Geräte arbeiten z. B. mit einer Spannung von 1.000 Volt und acht Impulsen von 100 µs.

Klinische Relevanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Reihe klinischer Studien wurde bei Anwendung der Elektrochemotherapie unter Verwendung bestimmter Chemotherapeutika bei unterschiedlichen kutanen oder subkutanen Metastasen oder Tumoren eine signifikante Ansprechrate festgestellt mit Vorteilen gegenüber anderen rein chemotherapeutischen Verfahren hinsichtlich Reduktion der Tumorgröße. Die im Februar 2013 publizierte S3-Leitlinie der AWMF zum Melanom[5] gibt eine schwache Empfehlung ("kann angewendet werden") für die ECT bei Patienten mit Satelliten- und In-transit-Metastasen. Die ebenfalls im Jahr 2013 veröffentlichte Leitlinie zum Mammakarzinom der AGO (Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie) listet die Elektrochemotherapie als Behandlungsoption beim loko-regionären Rezidiv bei nicht kurativen Fällen auf.[6]

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eric VanSonnenberg, William McMullen, Luigi Solbiati: Tumor Ablation: Principles and Practice. Springer, 13. Juli 2005, ISBN 978-0-387-95539-1, S. 295–6 (Abgerufen am 10. März 2013).
  2. L. M. Mir, S. Orlowski, J. Belehradek, C. Paoletti: Electrochemotherapy potentiation of antitumour effect of bleomycin by local electric pulses. In: European Journal of Cancer (Oxford, England : 1990). Band 27, Nummer 1, 1991, S. 68–72, ISSN 0959-8049. PMID 1707289.
  3. B. Mali, T. Jarm, M. Snoj, G. Sersa, D. Miklavcic: Antitumor effectiveness of electrochemotherapy: a systematic review and meta-analysis. In: European Journal of Surgical Oncology. Band 39, Nummer 1, Januar 2013, S. 4–16, ISSN 1532-2157. doi:10.1016/j.ejso.2012.08.016. PMID 22980492. (Review).
  4. Stephen T. Kee: Clinical Aspects of Electroporation. Springer, 1. Januar 2011, ISBN 978-1-4419-8363-3, S. 55–63 (Abgerufen am 10. März 2013).
  5. S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Melanoms.“ (Memento des Originals vom 19. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.awmf.org (PDF; 3,1 MB), p. 123
  6. Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasierten Brustkrebs Aufruf am 16. Juli 2014, S. 347

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]