Elektrodenkessel

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Der Elektrodenkessel dient zur Erzeugung von Warmwasser, Heißwasser oder Dampf direkt aus elektrischer Energie. Charakteristisch ist, dass er mit Wechselstrom betrieben und der Strom direkt ohne Widerstandsheizelemente im Elektrodenkessel in das Wasser mittels zumeist drei Elektroden eingebracht wird.[1][2]

Bauformen und Regelung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wassererwärmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bei der Elektrolyse werden unter Spannung stehende Elektroden direkt in Kontakt mit Wasser gebracht, jedoch werden diese nicht mit Gleich-, sondern mit Wechselspannung beaufschlagt. Dadurch kann die eigentliche Elektrolyse verhindert werden und es entsteht keine elektrolytische Zerlegung des Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Es passiert eine reine elektrische Widerstandsbeheizung des Wassers. Die Regelung erfolgte früher bei gewissen Anlagentypen durch Zugabe von leitfähigkeitserhöhenden Substanzen wie Salzen und Zugabe von entsalztem Wasser, um die Leistung zu reduzieren; diese Verfahren sind jedoch nur langsam regelbar.

Die alternative, gebräuchlichere Methode ist die Regelung durch Variieren der Elektrodenbedeckung durch Ändern des Wasserstandes, entweder durch mechanische Elemente (Überlaufrauf, Ablaufklappe) oder durch den Dampfdruck, der bei steigender Temperatur den Flüssigkeitsstand nach unten drückt und die Elektroden nicht mehr bedeckt sind. Dies erfordert, dass Wasser unten ein- und austreten kann. Entsprechend geformte Elektroden unterstützen die Regelung.

Dampferzeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bauform nach Sulzer werden Elektroden von einem nach unten gerichteten Wasserstrahl aus einer höher angeordneten Verteilerkammer getroffen. Der Strom fließt durch die Wasserstrahlen und ein Teil des Wassers verdampft. Bewegliche Abfangvorrichtungen sind im Gefäß angebracht, um die Wasserstrahlen bei Teillast abzufangen.[3]

Bei einer weiteren Bauform treffen aus unteren Elektroden austretende Wasserstrahlen die darüberliegenden Gegenelektroden. Je höher die Wasser-Förderleistung, desto mehr Dampf wird erzeugt. Bei steigendem Dampfdruck wird die Förderleistung zurückgenommen.[4]

Spannungsversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kessel werden zumeist direkt mit Mittelspannung (1 kV bis 35 kV) beaufschlagt.

Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Elektrodenkessel werden für einen Leistungsbereich von 0,5 MW bis 90 MW[5] gebaut. Bei größeren Leistungen werden mehrere Anlagen parallel geschaltet. Die Anlagen haben, wenn sie in Betrieb sind, immer eine Mindestleistung von rund 5 bis 10 % und sind in wenigen Sekunden bis auf 100 % der Leistung regelbar.[6]

Power-to-Heat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elektrodenkessel stellen neben den deutlich effizienteren, aber in der Installation auch teureren Wärmepumpen eine Möglichkeit zur Realisierung von Power-to-Heat-Anlagen in Nah- und Fernwärmenetzen dar. Im Gegensatz zur Wärmepumpe ist ihr Wirkungsgrad bei knapp 100 % beschränkt, allerdings erreichen sie höhere Temperaturen und bauen kompakter.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einem identischen Funktionsprinzip, aber mit deutlich kleiner Leistung arbeiteten sehr einfache Tauchsieder, welche mit zwei in das Wasser getauchten Elektroden das Wasser aufgrund seines spezifischen Widerstandes direkt erhitzten. In der NVA benutzte Improvisationen wurden umgangssprachlich als Atomino bezeichnet. Das Prinzip des Wasserwiderstandes wurde auch zum Anfahren von Schleifringläufermotoren benutzt, indem Elektroden in Wasser eintauchten. Siehe Flüssigkeitsanlasser.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. hannovermesse.de.
  2. Deutsches Patent: Elektrodenkessel 23. Dezember 1987, Patentblatt 1987/52.
  3. Elektrodampferzeuger Patent: US 4109137 A.
  4. Elektrokessel mit einer Einrichtung zur Steuerung der Dampferzeugung Patent: US 4314139 A.
  5. Hochspannungs-Elektrodenkessel. VAPEC AG, abgerufen am 29. Januar 2018.
  6. Carl Züblin: Die elektrischen Kessel der Firma Gebrüder Sulzer A. G. Winterthur. In: Polytechnisches Journal. 343, 1928, S. 77–81.