Elektrorollstuhl-Hockey

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Szene aus dem Zweitliga-Spiel Rolli-Teufel Ludwigshafen gegen Ballbusters Würzburg (29. April 2006)

Elektrorollstuhl-Hockey (abgekürzt: E-Hockey), auch Powerchair Hockey, wird vorwiegend von Menschen gespielt, die für ihre Mobilität auf einen Elektrorollstuhl angewiesen sind.

Diesen Behindertensport betreiben meist schwer Körperbehinderte mit den Behinderungsarten Muskelschwund (Muskelatrophie und Muskeldystrophie), spastischer Lähmung (Tetraspastik), Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit), Spina bifida und Querschnittlähmung.

Spielfeld und Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielfeld

Elektrorollstuhl-Hockey wird auf einem mit Banden begrenzten Hallenspielfeld der Größe 28 m × 16 m gespielt. Die Tore messen 2,40 m (Länge) × 0,40 m (Tiefe) × 0,20 m (Höhe) und sind wie beim Eishockey so aufgestellt, dass auch hinter dem Tor gespielt werden kann. Das Ziel einer Mannschaft ist es, den gelochten Plastikball (Umfang des Balles: 22,4 bis 23,5 cm) mittels eines Hockeyschlägers ins gegnerische Tor zu befördern. Die Mannschaft, die nach der regulären Spielzeit von 2 × 15 min mehr erzielte Tore hat, ist der Gewinner des Spiels. Ein E-Hockey-Team besteht aus vier Feldspielern, einem Torwart und fünf Ersatzspielern.

Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tor
Mobiler Schläger
Fest montierter Schläger

Der Torwart muss seinen Hockeyschläger fest an seinen Elektrorollstuhl montiert haben, wobei die einzuhaltende Form, Maße und Abstände des speziellen Hockeyschlägers entsprechend den Regeln eingehalten werden müssen. Die Feldspieler können Feld- und Eishockeyschläger jeder Art einsetzen. Sie können ihre Hockeyschläger entweder frei in der Hand halten oder bei nicht ausreichender Muskelkraft regelkonform an ihren Elektrorollstuhl montieren. Wegen der bestehenden Funktionseinschränkungen an den Armen und Händen, ganz besonders bei Spielern mit geringer Muskelkraft, spielt der Einsatz der Motorkraft des Elektrorollstuhles eine bedeutende Rolle.

Aufgrund der unterschiedlichen Behinderungen sind manche Spieler stärker eingeschränkt als andere. Um im Spiel dennoch Chancengleichheit zu gewährleisten, wurde 2004 ein offizielles Klassifizierungssystem eingeführt. So werden den Spielern abhängig von ihren körperlichen Fähigkeiten (Bewegungsradius, Muskelkraft etc.) Punktwerte zugeordnet, die von 0,5 (für Spieler mit festmontiertem Schläger und eingeschränktem Sichtfeld) bis 5,0 (für Spieler, die im Alltag nicht auf einen Elektrorollstuhl angewiesen sind) reichen. Eine Mannschaft muss darauf achten, dass die im Spiel gemeinsam eingesetzten Spieler insgesamt höchstens 11 Punkte haben.

Nationale Meisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland entwickelte sich Elektrorollstuhl-Hockey Anfang der Achtziger Jahre. Der erste Deutsche Meister wurde 1992 bei einem Turnier in Würzburg ermittelt und kam (wie in den darauffolgenden Jahren auch) aus München. Seit 2005 ist ein zweiklassiger Ligabetrieb installiert, in dem der Deutsche Meister ermittelt wird. Ab der Saison 2010/2011 wurde die 3. Bundesliga eingeführt. Bekannte Teams sind die Würzburger Ballbusters, die Black Knights Dreieich, die Munich Animals oder Torpedo Ladenburg.

In der Schweiz wurde bis 2013 in einem Cup System der inoffizielle Schweizer Meister ermittelt. Seit der Saison 2013/14 gibt es nun eine Nationalliga A und B wo der offizielle Schweizer Meister ermittelt wird. Der Cup wird als Swisscup weiter geführt. 12 Mannschaften nahmen am Liga Turnier 2016 teil. Zu den erfolgreichsten Teams zählen die Mannschaften aus Bern und Zürich.

In Österreich steckt das E-Hockey noch total in den Kinderschuhen. Die Rollende Titanen aus Mäder ist die einzige Mannschaft die regelmässig trainiert und sogar an internationalen Turnieren teilnimmt. [1]

Deutscher Meister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2006: Torpedo Ladenburg
  • 2007: Torpedo Ladenburg
  • 2008: Torpedo Ladenburg
  • 2009: Torpedo Ladenburg
  • 2010: Torpedo Ladenburg
  • 2011: Munich Animals
  • 2012: AC 92 Weinheim
  • 2013: Torpedo Ladenburg
  • 2014: Torpedo Ladenburg
  • 2015: Munich Animals
  • 2016: Black Knights Dreieich
  • 2017: Black Knights Dreieich

Schweizer Meister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014: Iron Cats Zürich
  • 2015: Rolling Thunder Bern
  • 2016: Rolling Thunder Bern
  • 2017: Iron Cats Zürich

Schweizer Cup[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014: Iron Cats Zürich
  • 2015: zeka Rollers Baden
  • 2016: Iron Cats Zürich
  • 2017: Iron Cats Zürich

Weltmeisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elektrorollstuhl-Hockey wird nicht nur in Deutschland gespielt. Ursprünglich kommt der Sport aus den Niederlanden. In unregelmäßigen Abständen werden internationale Turniere ausgetragen, bei denen das deutsche Team regelmäßig um die vorderen Plätze mitspielt. Die erste IWAS Weltmeisterschaft fand im Juni 2004 im finnischen Helsinki statt, Weltmeister wurden die Niederlande, Vize-Meister das Team aus Deutschland. 2010 fand die zweite Weltmeisterschaft im Elektrorollstuhl-Hockey im italienischen Lignano Sabbiadoro mit acht Mannschaften aus Europa und Australien statt. Im Endspiel konnte sich die deutsche Nationalmannschaft mit ihrem Kapitän Görkem Oguz gegen die bis dahin ungeschlagenen Niederlande mit einem knappen Ergebnis von 7:6 durchsetzen und wurde somit Weltmeister. Nationaltrainer ist Deniz Genc. 2014 fand die WM in München statt. Diesmal wurde die Niederlande wieder überlegen Weltmeister. Deutschland belegte durch einen knappen Sieg gegen die Schweiz nur den 5. Platz.

Für die WM 2018 in Italien werden erstmals Vertreter aus Asien und Nordamerika dabei sein. Aus Europa sind die Niederlande, Italien, Deutschland, Belgien und Dänemark gesetzt. Japan hätte Asien vertreten, verzichtet aber auf die Teilnahme. Dadurch rückt die Schweiz, als Weltranglisten Sechster nach. Dazu kommt Australien aus Ozeanien. Der Teilnehmer aus Nordamerika ist die USA, die sich gegen Kanada durchsetzte. [2]

Für die Paralympics 2020 wird eine Teilnahme am Demonstrationswettbewerb angestrebt.

Die Weltrangliste (Stand 31. August 2016) wird von den Niederlanden angeführt. Gefolgt von Italien. Deutschland ist Dritter und die Schweiz belegt den 6. Platz. [3]

Jahr Datum Gastgeber Finalstände
Weltmeister 2. Platz 3. Platz 4. Platz
2004 11. bis 13. Juni Helsinki (Finnland) NiederlandeNiederlande Niederlande DeutschlandDeutschland Deutschland ItalienItalien Italien AustralienAustralien Australien
2010 1. bis 8. November Lignano Sabbiadoro (Italien) DeutschlandDeutschland Deutschland NiederlandeNiederlande Niederlande FinnlandFinnland Finnland ItalienItalien Italien
2014 6. bis 10. August München (Deutschland) NiederlandeNiederlande Niederlande BelgienBelgien Belgien FinnlandFinnland Finnland DanemarkDänemark Dänemark
2018 24. September bis 1. Oktober Lignano Sabbiadoro (Italien)

Europameisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 finden auch Euromeisterschaften statt. Die Mannschaft aus den Niederlanden ist da bisher an allen vier Turnieren als Sieger hervorgegangen.

Jahr Datum Gastgeber Finalstände
Europameister 2. Platz 3. Platz 4. Platz
2005 Juni Rom (Italien) NiederlandeNiederlande Niederlande DeutschlandDeutschland Deutschland ItalienItalien Italien BelgienBelgien Belgien
2008 8. bis 16. November Maasmechelen (Belgien) NiederlandeNiederlande Niederlande DeutschlandDeutschland Deutschland ItalienItalien Italien FinnlandFinnland Finnland
2012 4. bis 11. Juni Nastola (Finnland) NiederlandeNiederlande Niederlande BelgienBelgien Belgien FinnlandFinnland Finnland DeutschlandDeutschland Deutschland
2016 3. bis 17. Juli De Rijp (Niederlande) NiederlandeNiederlande Niederlande ItalienItalien Italien DeutschlandDeutschland Deutschland BelgienBelgien Belgien

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wheelchair hockey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E-Hockey in Österreich
  2. WM 2018
  3. Weltrangliste 31. August 2016