Elektrosensibilität

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Als elektrosensibel werden Menschen bezeichnet, die nach eigenen Angaben elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder (EMF) wahrnehmen können. Solche Felder werden größtenteils von elektrotechnischen Anlagen erzeugt und umgangssprachlich als Elektrosmog bezeichnet. Quellen der primär technisch genutzten EMF sind zumeist Mobilfunk, Rundfunksender, Radargeräte, DECT-Telefone, WLAN, Mikrowellenherde oder Bluetooth. „Elektrosensibilität“ wird auch als „idiopathische Umweltintoleranz gegenüber elektromagnetischen Feldern“ (IEI-EMF) bezeichnet.[1] Andere höherfrequente Strahlungen wie Infrarotstrahlung, sichtbares Licht, Röntgen- und Gammastrahlung werden dabei nicht betrachtet, obwohl diese auch elektromagnetische Felder darstellen.

Aus Sicht der Betroffenen führt eine elektromagnetische Hypersensibilität zu verschiedenen Krankheitssymptomen; ein Nachweis, dass EMF die Ursache dafür sind, konnte nicht erbracht werden.

Studienlage zur Elektrosensibilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studien können die behauptete Elektrosensibilität beim Menschen mehrheitlich nicht belegen.[2][3][1] Bei Personen, die sich selbst als elektrosensibel bezeichneten, konnte kein Zusammenhang zwischen subjektiven Symptomen und Anwesenheit von hochfrequenten Feldern kausal gezeigt werden. Weder konnten solche Personen echte magnetische Impulse von Scheinimpulsen unterscheiden, noch können sie EMF selbst wahrnehmen. Stattdessen wird ein Nocebo-Effekt oder auch andere, zugrunde liegende (mentale) Krankheiten als mögliche Erklärung angeführt. Das Wissen um existierende EMF ist an der Entstehung und insbesondere an der Aufrechterhaltung einer Elektrosensibilität beteiligt.

Die stochastischen athermischen Effekte sind von thermischen Wirkungen von EMF zu unterscheiden. Das Schädigungspotenzial letzterer auf alle Lebewesen ab einem bestimmten Schwellenwert ist seit Jahrzehnten zweifelsfrei belegt.[4] Für die oben angesprochenen athermischen Wirkungen gibt es jedoch keine Anhaltspunkte.

Erst ab einem gewissen Schwellenwert reagiert der Körper zwar auf elektromagnetische Strahlung; die festgelegten Grenzwerte für elektromagnetische Felder liegen deutlich unter diesem Schwellenwert.[5]

In einer 2011 veröffentlichten Stellungnahme der Strahlenschutzkommission heißt es:[6]

„Die Ergebnisse des DMF [Anm.: Deutsches Mobilfunk-Forschungsprogramm] zeigen, dass die ursprünglichen Befürchtungen über gesundheitliche Risiken nicht bestätigt werden konnten. Es haben sich durch die Forschungsergebnisse des DMF auch keine neuen Hinweise auf bisher noch nicht bedachte gesundheitliche Auswirkungen ergeben. In Übereinstimmung mit anderen internationalen Gremien (ICNIRP 2009, WHO 2011) kann festgestellt werden, dass die den bestehenden Grenzwerten zugrundeliegenden Schutzkonzepte nicht in Frage gestellt sind.“

2021 hat die Strahlenschutzkommission ihre Stellungnahme von 2011 bestätigt und auch für hochfrequente Felder des 5G-Mobilfunkstandards ausgedehnt: sie sieht „keine belastbaren Hinweise für gesundheitliche Risiken bei Expositionen von Personen unterhalb der in Deutschland gültigen Grenzwertvorgaben für Sendeanlagen und Endgeräte“.[7] Ferner gibt sie an, dass keine akuten oder langfristig gesundheitlichen Auswirkungen bestehen und schließt sich damit den Schlussfolgerungen anderer internationaler Expertengremien an. In der Stellungnahme fordert sie weiteren Forschungsbedarf, beispielsweise bei der Erforschung der Immissionsveränderung zukünftiger Mobilfunk-Technologien (z. B. 6G) oder die zugrundeliegender zellulärer Wirkmechanismen für biologische Effekte bei Expositionen im Bereich der Grenzwerte.

Elektromagnetische Hypersensibilität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß EU-Report von 1998 gibt es zur elektromagnetischen Hypersensibilität „bislang keine diagnostischen Kriterien und keine nachgewiesenen Wirkungsmechanismen“.[8][9]

Auch die Weltgesundheitsorganisation schloss 2005[10] sowie 2014[11], dass kein kausaler Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und den Symptomen, die der elektromagnetischen Hypersensitivität zugeschrieben werden, besteht.

Symptomatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu einigen Tierarten können Menschen keine Magnetfelder wahrnehmen. Menschen, die sich für elektrosensibel halten, geben verschiedene Symptome wie z. B. Übelkeit, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen an.[1][5]

In Deutschland halten sich etwa 2–3 % für elektrosensibel, die EMF als Ursache betrachten – tatsächlich spielt das Wissen um die Existenz der Felder, Besorgnis und Erwartungshaltung eine Rolle.[5]

Falls EMF stark genug sind, kann es zu einer Erwärmung des Körpers bzw. eines Körperteils kommen.[5] Innerhalb der Grenzwerte können thermische bedingte Effekte (Temperaturschwankungen von etwa 1 °C) auftreten, haben aber gemäß BfS keine gesundheitlichen Auswirkungen.[1]

Frey-Effekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einigen Menschen können elektromagnetische Hochfrequenzen im MHz- und GHz-Bereich in der Hörschnecke des Innenohrs einen leise wahrnehmbaren akustischen Reiz auslösen. Der Effekt wurde erstmals 1947 berichtet und wird seit 1961 untersucht. Der Frey-Effekt ist reproduzierbar. Als ursächlich angenommen werden durch die Hochfrequenz induzierte, minimale, aber schnelle Temperaturänderungen im Millionstel-Kelvin-Bereich.[12]

Abgrenzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn es allgemein um die Auswirkung der ausgestrahlten Felder auf die Umwelt (inklusive Mensch) geht, so spricht man von der elektromagnetischen Umweltverträglichkeit (EMVU). Geht es um die Auswirkung auf andere technische Geräte, so spricht man von der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Wissenschaftlich diskutierte biologische und gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder. In: BfS. 16. Juni 2022, abgerufen am 3. April 2023.
  2. G. James Rubin et al.: Do people with idiopathic environmental intolerance attributed to electromagnetic fields display physiological effects when exposed to electromagnetic fields? A systematic review of provocation studies. In: Bioelectromagnetics. Band 32, Nr. 8, Dezember 2011, S. 593–609, doi:10.1002/bem.20690, PMID 21769898 (englisch).
  3. Kristina Schmiedchen et al.: Methodological limitations in experimental studies on symptom development in individuals with idiopathic environmental intolerance attributed to electromagnetic fields (IEI-EMF) - a systematic review. In: Environmental Health: A Global Access Science Source. Band 18, Nr. 1, 22. Oktober 2019, S. 88, doi:10.1186/s12940-019-0519-x, PMID 31640707, PMC 6805477 (freier Volltext) – (englisch).
  4. A. Ahlbom, U. Bergqvist, J. H. Bernhardt, J. P. Cesarini, L. A. Court: ICNIRP Guidelines for limiting exposure to time-varying electric, magnetic, and electromagnetic fields (up to 300 GHz). In: Health Physics. Band 74, Nr. 4, 1998, ISSN 0017-9078, S. 494–521, PMID 9525427 (icnirp.org [PDF; abgerufen am 7. Oktober 2018]).
  5. a b c d Macht Strahlung krank? Das sagt die Forschung. In: Quarks. 23. Juli 2019, abgerufen am 7. April 2023.
  6. Biologische Auswirkungen des Mobilfunks - Gesamtschau. (PDF) In: Strahlenschutzkommission. September 2011, abgerufen am 5. April 2023.
  7. Elektromagnetische Felder des Mobilfunks im Zuge des aktuellen 5G-Netzausbaus. (PDF) Technische Aspekte und biologische Wirkungen im unteren Frequenzbereich (FR1, bis ca. 7 GHz). Strahlenschutzkommission, Dezember 2021, abgerufen am 5. April 2023.
  8. EU-Report über „elektromagnetische Hypersensibilität“. In: Dtsch Arztebl. 95(4), 1998, S. A-130 / B-112 / C-108.
  9. Gerlinde Kaul: Was verursacht „elektromagnetische Hypersensibilität“? (PDF; 1,5 MB) Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2009.
  10. Electromagnetic hypersensitivity. In: WHO. Dezember 2005, abgerufen am 25. Oktober 2018 (englisch).
  11. Electromagnetic fields and public health: mobile phones. In: WHO. 8. Oktober 2014, abgerufen am 3. April 2023 (englisch).
  12. J. A. Elder, C. K. Chou: Auditory Response to Pulsed Radiofrequency Energy. In: Bioelectromagnetics. Supplement 6, 21. Mai 2003, S. 162–173, abgerufen am 12. Juni 2015, doi:10.1002/bem.10163 (PDF; 113 KB)