Somali-Elefantenspitzmaus

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Somali-Elefantenspitzmaus
Systematik
Überordnung: Afrotheria
ohne Rang: Afroinsectiphilia
Ordnung: Rüsselspringer (Macroscelidea)
Familie: Rüsselspringer (Macroscelididae)
Gattung: Elefantenspitzmäuse (Elephantulus)
Art: Somali-Elefantenspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Elephantulus revoili
(Hüet, 1881)

Die Somali-Elefantenspitzmaus (Elephantulus revoili), auch Somali-Rüsselspringer oder Somalia-Elefantenspitzmaus, ist eine Art aus der Gattung der Elefantenspitzmäuse. Sie kommt nur in einem begrenzten Verbreitungsgebiet im nördlichen und möglicherweise auch im östlichen Somalia vor. Ihr äußeres Erscheinungsbild ähnelt dem anderer Vertreter der Gattung und wird durch eine verlängerte, rüsselsartige Nase sowie lange Hinter- und kurze Vorderbeine charakterisiert. Über die Lebensweise der Somali-Elefantenspitzmaus ist nichts bekannt, Informationen zur Art stammen nur von Museumsexemplaren. Sie wurde 1881 wissenschaftlich eingeführt, zu ihrem Bestand und dessen mögliche Bedrohung liegen keine Daten vor.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Habitus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Somali-Elefantenspitzmaus ist ein großer Vertreter der Elefantenspitzmäuse. Sie wird durchschnittlich etwas größer als die ihr stark ähnelnde Rotbraune Elefantenspitzmaus (Elephantulus rufescens). Die Kopf-Rumpf-Länge liegt bei 12,2 bis 14,8 cm, die Schwanzlänge bei 14,4 bis 16,7 cm. Damit ist der Schwanz länger als der restliche Körper (120 %). Im Körperbau ähnelt die Somali-Elefantenspitzmaus den anderen Vertretern der Gattung und besitzt wie diese einen charakteristisch großen Kopf mit rüsselartig verlängerter Nase und kurze Vorder- sowie lange Hinterbeine. Das Rückenfell ist weich, die Haare sind an der Basis schwarz bis grau, an der Spitze aber braun bis rotbraun gefärbten. Vereinzelt finden sich im Fell längere, schwarzspitzige Haare. Dadurch erscheint das Rückenfell fahl braungrau bis rotbraun. Jungtiere dagegen zeigen eine hellere Fellfärbung, die stärker gelblich und weniger grau getönt ist. An den Körperseiten hellt die Fellfärbung etwas auf, der Bauch besitzt generell eine weißliche Tönung, die Haare hier unterscheiden sich vom Rückenfell durch ihre hellen Spitzen. Wie bei der Rotbraunen Elefantenspitzmaus ist der Schwanz einfarbig, abweichend von dieser aber weißlich und dicht behaart. Die Haare hier haben eine weißlich gefärbte Basis weißlich und bräunliche Spitzen. Sie werden zur Schwanzspitze hin länger und bilden dort einen kleinen Büschel aus, was bei der Rotbraunen Elefantenspitzmaus nicht auftritt. Der Kopf besitzt relativ große Ohren, die eine Länge von 23 bis 25 mm erreichen und graubraun getönt sind. Hinter den Ohren zeichnet sich jeweils ein dunkler Fleck ab. Die großen Augen werden von einem schmalen, weißlichen Augenring umrahmt, der aber an der Außenseite durch einen ebenfalls dunklen Fleck unterbrochen ist. Dieser zieht sich teilweise bis unter die Ohren. Der Nasenspiegel ist behaart, was außer bei der Rotbraunen Elefantenspitzmaus bei keinem anderen Vertreter der Elefantenspitzmäuse bekannt ist. Die Vorder- und Hinterbeinen enden in jeweils fünf, mit Krallen ausgestatteten Strahlen, wobei der Hinterfuß zwischen 34 und 39 mm lang wird.[1][2][3]

Schädel- und Gebissmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Länge des Schädels variiert von 36,4 bis 38,7 mm, an den Jochbögen ist er 18,6 bis 21,9 mm breit. Das Gebiss besteht aus 40 Zähnen und zeigt folgende Zahnformel: . Die drei Schneidezähne weisen jeweils die gleiche Größe auf, der Eckzahn ist den hinteren Backenzähnen sehr ähnlich (molariform). Die Länge der oberen Zahnreihe beträgt 17,3 bis 21 mm, durchschnittlich 19,2 mm.[1][2][3]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiet (grün) der Somali-Elefantenspitzmaus

Die Somali-Elefantenspitzmaus hat ein nur kleines Verbreitungsgebiet im östlichen Afrika, das sich weitgehend auf die Nordküste von Somalia beschränkt, möglicherweise tritt sie auch entlang der Ostküste Somalias bis zu 470 km weit nach Süden auf. Nur im Gebiet um Garoowe kommt die Art weiter im Innenland vor. Im westlich von Somalia benachbarten Dschibuti konnte sie bisher nicht nachgewiesen werden.[4] Die Höhenverteilung der Somali-Elefantenspitzmaus reicht von Tiefländern bis in die Bergregionen um 1300 m. Der Lebensraum besteht aus hauptsächlich offenen Landschaften der Somalia-Massai-Buschlandezone, wobei die Art steinigen bis felsigen Untergrund bevorzugt. Teilweise kommt sie sympatrisch zur Rotbraunen Elefantenspitzmaus vor, die aber sandigere Areale bewohnt. Möglicherweise ist die Somali-Elefantenspitzmaus lokal eher selten.[1][2][3]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Lebensweise der Somali-Elefantenspitzmaus ist nichts bekannt. Nahezu alle Informationen zur Art stammen von lediglich 15 Museumsexemplaren, die alle vor 1970 aufgesammelt wurden.[1][4][3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innere Systematik der Rüsselspringer nach Dumbacher et al. 2016[5]
 Macroscelididae  

 Rhynchocyon


  Macroscelidinae  

 Elephantulus


   


 Petrosaltator


   

 Petrodromus



   

 Macroscelides





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Die Somali- Elefantenspitzmaus ist eine eigenständige Art aus der Gattung der Elefantenspitzmäuse (Elephantulus). Diese umfassen insgesamt zehn Arten, welche weite Teile des südlichen und östlichen Afrikas bewohnen. Die Elefantenspitzmäuse gehören zur Familie der Rüsselspringer (Macroscelididae) innerhalb der gleichnamigen Ordnung (Macroscelidea). Alle Vertreter der Ordnung kommen endemisch in Afrika vor und stellen zumeist kleinere Tiere dar. Sie können heute auf zwei Unterfamilien aufgeteilt werden. Eine davon bilden die Rhynchocyoninae, die nur aus den Rüsselhündchen (Rhynchocyon) bestehen und dadurch monotypische sind. Sie umfassen die größten Angehörigen der Rüsselspringer, die überwiegend dicht bewaldete Habitate bewohnen. Die zweite Unterfamilie, die Macroscelidinae, wiederum setzt sich aus den Elefantenspitzmäusen, der Rüsselratte (Petrodromus) und den Arten der Gattung Macroscelides zusammen. Die Angehörigen dieser Gruppe sind an zumeist trockenere und offenere Landschaften angepasst. Dadurch treten sie sowohl in Savannen als auch in wüstenartigen Regionen auf. Molekulargenetische Analysen zeigten auf, dass sich die Trennung der beiden Unterfamilien bereits im Oberen Oligozän vor etwa 26 Millionen Jahren vollzog. Eine stärkere Diversifizierung der Macroscelidinae erfolgte mit Beginn des Mittleren Miozän vor rund 13,9 Millionen Jahren.[6][7]

Innere Systematik der Elefantenspitzmäuse nach Smit et al. 2011[6]
 Elephantulus  


 Elephantulus fuscus


   

 Elephantulus fuscipes



   

 Elephantulus revoili


   



 Elephantulus rufescens


   

 Elephantulus brachyrhynchus



   

 Elephantulus rupestris


   

 Elephantulus intufi




   

 Elephantulus myurus


   

 Elephantulus edwardii


   

 Elephantulus pilicaudus







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Die Darstellung hier vernachlässigt die Positionen von Petrodromus, Petrosaltator und Macroscelides, die alle drei zusammen momentan tief in Elephantulus eingebettet sind, wodurch die Gattung der Elefantenspitzmäuse paraphyletisch wird.

Die molekulargenetischen Untersuchungen ließen aber auch erkennen, dass die Elefantenspitzmäuse derzeit eine paraphyletische Gruppe bilden, da Petrosaltator, Petrodromus und Macroscelides momentan noch tief in die Gattung Elephantulus eingebettet sind. Darüber hinaus befürworten sie eine enge Verwandtschaftsgruppe einiger überwiegend süd- und ostafrikanisch verbreiteter Arten. Die genaue Stellung der Somali-Elefantenspitzmaus ist aber als unsicher einzustufen.[6] Eine nähere Beziehung zur Rotbraunen Elefantenspitzmaus (Elephantulus rufescens), die aufgrund ähnlicher morphologischer Merkmale wie der behaarte Nasenspiegel, die ähnliche Gesichtszeichnung und der nur einfarbige Schwanz angenommen wurde,[2] konnte durch die Ergebnisse der genetischen Analysen jedoch nicht bestätigt werden. Schädelanatomische Untersuchungen legen sowohl eine Beziehung zur Östlichen Klippen- (Elephantulus myurus) wie zur Rotbraunen Elefantenspitzmaus nahe.[8][9] Unterarten der Somali-Elefantenspitzmaus sind nicht bekannt. Allerdings zeigen Individuen aus dem südlichen Verbreitungsgebiet um Gabadir eine fahlere Rückenfärbung als im nördlichen, was durch Haare mit helleren Basen und weniger Haare mit schwarzen Spitzen verursacht wird. Für die Art liegen bisher keine Fossilfunde vor.[2][1]

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung der Art erfolgte im Jahr 1881 durch den französischen Zoologen Joseph Hüet. Er nutzte dabei den wissenschaftlichen Namen Macroscelides revoilii. Als Grundlage stand ihm ein 16 cm langes Individuum zur Verfügung, das der französische Afrikaforscher Georges Révoil bei Medjourtine im damaligen Somaliland (nordöstliches Somalia) aufgesammelt hatte. Das Gebiet gilt auch als Typusregion. Der Artname revoili wurde von Hüet zur Ehrung des Forschungsreisenden gewählt.[10][11]

Bedrohung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Somali-Elefantenspitzmaus ist so gut wie nichts bekannt. Das betrifft sowohl die genauen Verbreitungsgrenzen als auch das bevorzugte Habitat. Für letzteres wird ein ähnlicher Landschaftsraum wie bei der Rotbraunen Elefantenspitzmaus angenommen, möglicherweise aber unter trockenerem Klimaeinfluss. Aufgrund der mangelnden Informationen wird die Art von der IUCN unter „ungenügende Datengrundlage“ (data deficient) geführt.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. B. Corbet und J. Hanks: A revision of the elephant-shrews, Family Macroscelididae. Bulletin of the British Museum (Natural History) Zoology 16, 1968, S. 47–111
  • Stephen Heritage: Macroscelididae (Sengis). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths and Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 206–234 (S. 231) ISBN 978-84-16728-08-4
  • Mike Perrin: Elephantulus revoili Somali Sengi (Somali Elephant-shrew). In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume I. Introductory Chapters and Afrotheria. Bloomsbury, London, 2013, S. 271–272

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Mike Perrin: Elephantulus revoili Somali Sengi (Somali Elephant-shrew). In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume I. Introductory Chapters and Afrotheria. Bloomsbury, London, 2013, S. 271–272
  2. a b c d e G. B. Corbet und J. Hanks: A revision of the elephant-shrews, Family Macroscelididae. Bulletin of the British Museum (Natural History) Zoology 16, 1968, S. 47–111
  3. a b c d Stephen Heritage: Macroscelididae (Sengis). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths and Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 206–234 (S. 231) ISBN 978-84-16728-08-4
  4. a b Galen B. Rathbun, Paolo Agnelli und Gianna Innocenti: Distribution of sengis in the Horn of Africa. Afrotherian Conservation 10, 2014, S. 2–4
  5. John P. Dumbacher, Elizabeth J. Carlen und Galen B. Rathbun: Petrosaltator gen. nov., a new genus replacement for the North African sengi Elephantulus rozeti (Macroscelidea; Macroscelididae). Zootaxa 4136 (3), 2016, S. 567–579
  6. a b c Hanneline Adri Smit, Bettine Jansen van Vuuren, P. C. M. O’Brien, M. Ferguson-Smith, F. Yang und T. J. Robinson: Phylogenetic relationships of elephant-shrews (Afrotheria, Macroscelididae). Journal of Zoology 284, 2011, S. 133–143
  7. Mike Perrin und Galen B. Rathbun: Order Macroscelidea – Sengis (Elephant-shrews). In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume I. Introductory Chapters and Afrotheria. Bloomsbury, London, 2013, S. 258–260
  8. Fabiana Panchetti, Massimiliano Scalici, Giuseppe Maria Carpaneto und Giancarlo Gibertini: Shape and size variations in the cranium of elephant-shrews: a morphometric contribution to a phylogenetic debate. Zoomorphology 127, 2008, S. 69–82
  9. Massimiliano Scalici und Fabiana Panchetti: Morphological cranial diversity contributes to phylogeny in soft-furred sengis (Afrotheria, Macroscelidea). Zoology 114, 2011, S. 85–94
  10. Joseph Hüet: Description d'une nouvelle espèce de Macroscelide. Bulletin de la Société philomathique de Paris 7 (5), 1881, S. 95–100 ([1])
  11. Galen B. Rathbun: Eponyms in the Afrotheria: Who were the people that had Afrotheria species named after them? Afrotherian Conservation 9, 2012, S. 5–6
  12. C. FitzGibbon, M. Perrin und C. Stuart: Elephantulus revoili. The IUCN Red List of Threatened Species. Version 2014.3. ([2]); zuletzt abgerufen am 8. April 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Somali-Elefantenspitzmaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien