Elfen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Elfen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die Elfenkönigin Titania findet am Strand den Zauberring, Gemälde von Johann Heinrich Füssli, 1804/1805

Elfen (auch Alben, Elben) ist eine Bezeichnung für eine sehr heterogene Gruppe von Fabelwesen in Mythologie und Literatur.

Elfen sind Lichtgestalten oder Naturgeister, die ursprünglich aus der nordischen Mythologie stammen. Altnordisch heißen sie álfr, ahd. alb, altengl. ælf, dänisch elve; das kymrische (walisische) Wort ist Ellyll, „der [ganz] Andere“, irisch Ailill[1].

Die deutschen Entsprechungen sind eigentlich in der Mehrzahl Elbe oder Elber (Singular: der Alb oder Elb, feminin die Elbe, wozu seit dem 16. Jahrhundert der schwache Plural Elben hinzugebildet wurde); diese wurden bereits im 18. Jahrhundert jedoch weitgehend von der englischen Form Elfen verdrängt, während Alb heutzutage eigentlich nur noch in der eingeschränkten Bedeutung „Albtraum“ verwendet wird.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Herkunft des Wortes ist nicht gänzlich geklärt. Die gemeingermanische Form ist *albaz neben einem *albiz.

Zur Verwandtschaft der Wurzel *alb gelten zwei Ansätze als vertretbar:

  • wie althochdeutsch elbiʒ, altnordisch elptr, russisch lébed (лебедь) „Schwan“ und lateinisch albus „weiß“, zum indogermanischen *albh „glänzen, weiß sein“, im Sinne von „Lichtgestalt, weiße Nebelgestalt
  • zum altindischen rbhúh, eine Klasse von mythischen Handwerkern, mit einer Grundbedeutung „geschickt, fleißig“ (verwandt mit lateinisch labor = Arbeit), mit einer Motivierung von *albaz als „Handwerker, magischer Helfer“, da auch Elfen, neben Zwergen als kunstreiche Schmiede gelten.[2]

Elfen in der Mythologie[Bearbeiten]

Lichtalben und Schwarzalben in der nordischen Mythologie[Bearbeiten]

Wiesenelfen, Gemälde von Nils Blommér, 1850
Tanzende Elfen, Gemälde von August Malmström, 1866

Die Alben werden in der Snorra-Edda (welche um das Jahr 1200 verfasst worden ist und als jüngere Edda gilt) häufig im Zusammenhang mit dem nordischen Göttergeschlecht der Asen erwähnt.

ása ok alfa
er hér inni eru,
manngi er þér í orði vinr.[3]

die Asen und Alben
die hier innen sind,
sprechen alle arg von dir.[4]

In der Snorra-Edda wird unterschieden zwischen Licht- und Schwarzalben, Namen, die stark deren Gesinnung widerspiegeln.

„Sá er einn staðr þar, er kallaðr er Álfheimr. Þar byggvir fólk þat, er Ljósálfar heita, en Dökkálfar búa niðri í jörðu, ok eru þeir ólíkir þeim sýnum ok miklu ólíkari reyndum. Ljósálfar eru fegri en sól sýnum, en Dökkálfar eru svartari en bik.“

„Da ist ein Ort, der Álfheim heißt. Da haust das Volk, das man Lichtalben nennt. Aber die Schwarzalben wohnen unten in der Erde und sind ungleich von Angesicht und noch viel ungleicher in ihren Verrichtungen. Die Lichtalben sind schöner als die Sonne von Angesicht; aber die Schwarzalben schwärzer als Pech.[5]

Gylfaginning Kap. 17.

Ob Snorri diese Einteilung bereits vorfand oder selbst entwickelt hat, ist umstritten. Die Alben sind jedenfalls besonders an die Fruchtbarkeit geknüpft, da sie dem Fruchtbarkeitsgott Freyr zugeordnet sind.[6]

Álfheim Frey
gáfu í árdaga
tívar at tannféi.[7]

Álfheim gaben sie dem Frey
am Anfang der Zeiten
als Zahngabe.

Später kommen noch die Dunkelalben hinzu, was eine eher negative Mischform jener beiden ist.

Bei anderen Autoren besteht eine Hierarchie, bei welcher die Asen an oberster, die Alben an zweiter und die Zwerge an letzter Stelle stehen.

Wieder andere stellen die Alben in die Nähe der Zwerge, da álfr in der Tat ein Wortteil einiger Zwergennamen ist, z. B. Álfr, Gandálfr, Vindálfr, etc. Der Zwerg Alberich aus dem Nibelungenlied ist ein gutes Beispiel. Das englische Wort für Zwerg, Dwarf stammt von Dwarftalf, was Schwarzalb bedeutet. Nur ein Autor stellt Alben in die Nähe der Riesen.

Eine dämonische Seite der Alben liegt im Wort Hexenschuss, welches eine Übertragung des älteren Ausdrucks Albenschuss ist, sowie dem heute noch gebräuchlichen Wort Albtraum.

Es gibt jedoch wesentlich mehr positive Darstellungen der Alben als negative. In der Heldensaga von Wieland dem Schmied wird Wieland als Führer und Landsmann der Alben bezeichnet, was mit seiner Kunstfertigkeit als Schmied zu tun hatte. In der Ahnenreihe des Königs Harald Schönhaar treten auch vom Begriff Alben abgeleitete Namen auf (Álfr, Álfgeirr, Gandálfr, Álfhild). Álf war lange als Namensteil bei nordischen Namen häufig. Die altenglische Dichtung verwendet ælfsciene als albenschön für wunderschön. Eine Kenning bezeichnet die Sonne als Albenrad.

Schon die Brüder Grimm wiesen darauf hin, dass die Unterteilung Snorris verdächtig dem Dualismus des christlichen Weltbildes von Engeln und Teufeln gleichsehe. Christliche Einflüsse sind zwar nicht auszuschließen, aber bei so allgemeinen Einteilungen sind Vermutungen von Übernahmen mit Vorsicht aufzustellen. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass dieser Gegensatz der Licht- und Schwarzalben aus einem anderen Toten- und Fruchtbarkeitskult kommt. Dies jedenfalls findet sich in angelsächsischen Quellen.

Heute ist diese Form des Albenglaubens noch in Island verbreitet.

Álfablót[Bearbeiten]

Es wurden in der Zeit des heidnischen Europas Opfer an die Alben gebracht, die álfablót genannt wurden. Es ist nur wenig darüber bekannt. Das álfablót war lokal und wurde von Frauen geleitet, Fremde hatten keinen Zutritt. Da es den Elfen als allgegenwärtigen Mächten gewidmet war und es von Frauen geleitet wurde, vermutet man, dass es um Ahnen und Fruchtbarkeit ging. Wahrscheinlich handelte es sich um Opfer an die Schwarzalben.[8] Die einzige Nachricht von dem Fest liefert Sigvat, der Skalde Olafs des Heiligen. Der Skalde macht eine Reise nach Osten, und da widerfährt ihm folgendes:

„Þá kom hann að öðrum garði. Stóð þar húsfreyja í durum, það hann ekki ðar inn koma, segir að þau sættu álfablót.“

„Da kam er an einen anderen Hof. Stand da die Hausfrau in der Türe, sagt, dass er nicht hineinkommen dürfe, es werde gerade das Elfenopfer abgehalten.“

– Heimskringla. Saga Ólafs hins helga Kap. 91.

Álfheimr[Bearbeiten]

Das altnordische Wort Álfheimr bedeutet „Welt der Alben“. Snorri Sturluson stellte sich diesen Ort als Wohnort der Lichtalben, als himmlische Region vor. (Gylf 16). Nach Grm 5 ist Álfheimr aber die Wohnung des Freyr und gehört zu den Götterwohnungen in Asgard, der Festung der Nordischen Götterwesen.

Mittelalterliche Vorstellungen[Bearbeiten]

Zeichnung eines Elfen von Richard Doyle.

Im späten Mittelalter legten sich ganz andere Ängste um den Begriff Alb (Alp). Er wurde als nächtlicher Unhold, als böser Zwerg, als eine Art Incubus oder Succubus gesehen. Das pure Gegenteil der Fee also, die streng betrachtet auch als Albin, möglicherweise als Lichtalb betrachtet werden kann (auch hier treffen wir demnach wieder auf die Vorstellung des Christentums). Er wird allgemein als Dämon oder als Geist eines kürzlich Verstorbenen beschrieben.

Vereinzelt findet sich die Vorstellung, dass eine Frau, die eine bestimmte Form der Geburtshilfe verwendet hat, sich nach dem Tod oder schon früher in einen Alb verwandelt, und dann in Tiergestalt oder in der Gestalt eines hässlichen Kobolds umherirren muss.

Der Alb kann einem Opfer schweren Schaden zufügen. Er legt sich in der Nacht auf die Brust eines Schlafenden, der durch die Beklemmung dann Atemnot und Albträume (früher Albdruck genannt) bekommt. Er kann aber auch in der Nachtzeit durch den Mund in den Menschenkörper eindringen und das Blut aufsaugen. Ganz besonders mag er auch Kuh- oder Muttermilch.

Elfen schieben Menschen dem Volksglauben nach auch Wechselbälger unter.

Elfen in Fantasywelten[Bearbeiten]

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Elfen bei Tolkien („Elben“)[Bearbeiten]

Die Elben (Quendi) bei Tolkien sind potenziell unsterbliche (wenn sie nicht getötet werden), menschenähnliche Wesen. Tolkien arbeitete die Sprachen der Elben (siehe Sprachen und Schriften in Tolkiens Welt) mit großer Liebe zum Detail aus; tatsächlich erschuf der Linguist Tolkien die Welt von Mittelerde, einschließlich der dort lebenden Völker, um für seine Sprachen einen Hintergrund zu liefern.

Die Tolkienschen Elben basieren teilweise auf Elementen, die der nordischen Mythologie entstammen, teilweise aber auch auf christlichen, philosophischen und theologischen Gedankenspielen. Zwar sind die Elben im Grundsatz, aufgrund ihrer Unsterblichkeit, Krankheitsimmunität, überragender Intelligenz, physischer wie psychischer Stärke und Geschick, als „bessere“ Menschen konzipiert, weisen jedoch bei genauerem Hinsehen die gleichen charakterlichen Fehler und Unzulänglichkeiten auf, die auch den Menschen zu eigen sind. Die in neuerer Zeit aufgekommene Vorstellung von Elfen als winzige, blumenbewohnende, gar geflügelte, feenähnliche Wesen lehnte Tolkien als unangebrachte Verniedlichung ab. „Elf“, wie die im Englischen verwendete Bezeichnung lautet, empfand Tolkien als unangebracht, da sie in seinen Augen genau diese Assoziation erzeugte. Um dies zu vermeiden, wählte er für den Plural die veraltete Form „Elves“ anstatt des moderneren „Elfs“ (ebenso verfuhr er bei den Zwergen: Dwarves anstatt Dwarfs). Daher schlug er in seinem Guide to the Names in The Lord of the Rings auch die auf Jacob Grimm zurückgehende „richtigere“ Form Elb/Elben für die deutsche Übersetzung von Margaret Carroux vor.

Elfen in neueren Fantasywelten[Bearbeiten]

Nachtelfenstatue

In der modernen Fantasy-Literatur, insbesondere in Rollenspielen, erscheinen häufig Wesen (meistens als ‚Elfen‘ bezeichnet), die den Tolkienschen Elben mehr oder weniger nachempfunden sind. Dabei zählen diese meist zu den „guten“ und friedfertigen Völkern, beispielsweise die zwar (wenn ihr Wald bedroht ist) kriegerischen Nachtelfen (aus World of Warcraft), welche sich jedoch (u.a.) mit Menschen verbündet haben, um für ihr Überleben zu kämpfen. Anders ist es beispielsweise bei den Dunkelelfen (aus Warhammer) oder den Drow (aus Dungeons & Dragons), die die Ideale der Elfen in das Gegenteil umkehren. Je nach Interpretation des Themas haben sich diese bösen Elfen vom „wahren Weg“ der Elfen abgewandt, es gab eine politische Spaltung oder diese sind bereits als Angehörige einer „bösen“ Elfenrasse geboren worden.

Die Darstellungsweise von Elfen in den verschiedenen Fantasy-Welten reicht von anarchistisch angehauchten, zurückgezogen lebenden Barbaren mit gutem Aussehen über kriegerische, indianerähnliche Stämme oder Hochkulturen, bis zu feenähnlichen Darstellungen. Auch die beschriebene Körpergröße der Elfen schwankt von „deutlich größer als Menschen“ bis zu „feenhaft klein“.

Eine Darstellung von Elfen, die deutlich dichter an die früher gängige, eher negative Elfendarstellung der Folklore angelehnt ist als an Tolkien, findet sich in Terry Pratchetts Scheibenwelt-Roman Lords und Ladies. Sie sind katzenhaft gemein, verspielt und grausam, jedoch empfindlich auf Eisen und „Eisenliebe“, die dauermagnetisches Material darstellt.

Gemeinsam ist vielen modernen Fantasywelten, dass die Elfen spitze Ohren besitzen, oft zierlich sind, musikbegabt, in vielen Fällen durch Magie wirken können, auf Menschen sehr attraktiv wirken und mit Zwergen verfeindet sind. Eine Verbindung zwischen Mensch und Elf bezeichnet man üblicherweise als Halbelf (z. B. in Das Schwarze Auge oder Regnum Online). Manche Werke unterscheiden zudem zwischen mehreren verschiedenen Elfenvölkern, die sich auch untereinander teils stark voneinander unterscheiden. Zum Beispiel kommen in der Fantasyreihe Die Zwerge auch Albae als die bösen Verwandten der Elfen vor.

In den Eragon-Büchern von Christopher Paolini werden Elfen als anmutige und schöne, fast menschenähnliche Geschöpfe beschrieben. Sie sind größer und stärker als Menschen und beherrschen Magie. Hier sind Elfen sehr mit der Natur verbunden.

Eine weitere eher eigenständige Ausprägung stellen die Hauselfen in den Harry-Potter-Romanen von J. K. Rowling dar. Sie sind eine Variante der englischen Brownies, die den deutschen Heinzelmännchen oder Wichteln entsprechen. Abweichend von diesen Figuren ordnen sich die Hauselfen bei Rowling jedoch nahezu sklavisch menschlichen Zauberern unter, die in der Regel auch ihre Besitzer sind. Die dienstbare Unterwerfung entspringt der natürlichen Mentalität von Rowlings Hauselfen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Elf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Elbe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Elfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Birkhan: Nachantike Keltenrezeption. Praesens Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-7069-0541-1, S. 546.
  2. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, dtv, München 2005. 8. Auflage, Stichworte „Alb“ und „Elf“.
  3. Lokasenna Vers 2.
  4. Übersetzung von Heusler.
  5. Angepasste Übersetzung von Simrock.
  6. Jens Peter Schjødt: Relationen mellem aser og vaner og den ideologiske implikationer. (Das Verhältnis zwischen Asen und Vanen und dessen ideologische Implikationen.) In: Nordisk hedendom. Et Symposium. Odense 1991. S. 303–319, 306.
  7. Grímnismál Vers5.
  8. Jan de Vries: Über Sigvats Álfablót-Strophen. In: Acta Philologica Scandinavica 7 (1932/1933) S. 169 ff.