Elfenbein-Mannstreu

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Elfenbein-Mannstreu
Elfenbein-Mannstreu (Eryngium giganteum)

Elfenbein-Mannstreu (Eryngium giganteum)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Saniculoideae
Gattung: Mannstreu (Eryngium)
Art: Elfenbein-Mannstreu
Wissenschaftlicher Name
Eryngium giganteum
M.Bieb

Der Elfenbein-Mannstreu (Eryngium giganteum) (englisch: giant sea holly, Miss Willmott's ghost) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Er wird auch Riesen-Mannstreu und Elfenbeindistel genannt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Elfenbein-Mannstreu ist eine kurzlebige, meist zweijährige Pflanze mit überwinternder Rosette aus herzförmigen, starren Blättern. Der doldenartig verzweigte Blütenstand mit starkem Stiel erreicht eine Höhe von 70–100 cm und eine Breite von etwa 80 cm. Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Die Blüten sind zu zylindrischen Köpfen verdichtete Dolden mit stechenden, silbrigen Hüllblättern. Nach der Blüte und Fruchtreife stirbt die Pflanze in der Regel ab, behält aber ihre äußere Struktur bis in den Winter.[1][2]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[3]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten des Elfenbein-Mannstreu werden gern von Insekten besucht

Die Blüten des Elfenbein-Mannstreu werden von vielen Insektenarten bestäubt, beispielsweise von Bienenwolf und Bienenkäfer.[4] Ähnlich wie die Blüten des Feld-Mannstreu geben sie sehr viel Nektar und in geringerem Maße Pollen ab.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pflanze von oben, kurz vor der Blüte

Der Elfenbein-Mannstreu ist vom Nordosten der Türkei über den Kaukasus in Georgien, Armenien und Aserbaidschan bis in den nordwestlichen Iran beheimatet, vor allem in Gebirgslagen auf felsigen Grashängen, Schotterbänken und Halbtrockenrasen mit kalkhaltiger Feinerde. In Großbritannien und Schweden gilt er als eingebürgert, in Mitteleuropa als unbeständiger Neophyt.[5][6] Er wächst gut auf vollsonnigen bis halbschattigen Standorten mit durchlässiger Erde, gern auch an südexponierten Gehölzrändern, wenn der Boden im Sommer nicht allzu trocken fällt.[7]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elfenbein-Mannstreu in voller Blüte

Der Elfenbein-Mannstreu wird als Zierpflanze in Parks und Gärten verwendet und viel von Insekten (Bienen, Schmetterlinge) besucht. Er eignet sich als Schnittblume und bildet formenschöne Trockenblumen. Die Pflanze gehört zu den kurzlebigen Arten für sonnige, warme Plätze mit mäßig trockenen bis frischen Böden. Die Art ist auf einen lockeren Stand mit offenem unbearbeiteten Boden angewiesen, um sich in einer Pflanzung durch Selbstaussaat zu erhalten.[2] Wie andere Arten der Gattung Mannstreu bildet die Pflanze eindrucksvolle walzenförmige Blütenstände, die am Grund von einer Hülle aus harten Hüllblättern umgeben sind. In der Gartenarchitektur gilt die Pflanze wegen ihrer hohen, bizarren Blütenstände und der silbrig-schimmernden Hüllblätter als wertvolle Strukturpflanze für den naturnahen Garten. Ihr metallisch glänzendes Silbern kommt insbesondere im Vordergrund dunkler Gartenbereiche zur Geltung.[7][8][9] Im berühmten Kiesgarten der britischen Gärtnerin Beth Chatto wuchs Elfenbein-Mannstreu neben den silber-grünen Büscheln des Mexikanischen Federgrases (Nassella tenuissima) und zitronengelber Färberkamille.[10]

Wie für Mannstreuarten typisch, enthält der Elfenbein-Mannstreu viele sekundäre Pflanzenstoffe wie Terpenoide, Triterpensaponine und Flavonoide, die möglicherweise medizinisch wirksam sind, deren pharmakologische Aktivität (z. B. Zytotoxizität) aber noch nicht ausreichend untersucht wurde.[11]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der englische Name Miss Willmott's ghost bezieht sich auf die britische Gärtnerin Ellen Ann Willmott (1858–1934). Sie war ein einflussreiches Mitglied der Royal Horticultural Society, galt aber als exzentrisch und trug angeblich immer Samen des Elfenbein-Mannstreu bei sich, um diese in fremden Gärten heimlich auszusäen.[12]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Eryngium giganteum erfolgte 1808 durch Friedrich August Marschall von Bieberstein in Flora Taurico-Caucasica 1.[5]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Hansen, Friedrich Stahl: Die Stauden und ihre Lebensbereiche. 6. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2016, ISBN 978-3-8001-8385-2.
  • Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6.
  • galasearch, Pflanzendatenbank der Gartenarchitektur: [4].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Elfenbein-Mannstreu (Eryngium giganteum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden: Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 341.
  2. a b Richard Hansen, Friedrich Stahl: Die Stauden und ihre Lebensbereiche. 6. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2016, ISBN 978-3-8001-8385-2, S. 321.
  3. Eryngium giganteum in der Chromosome Counts Database: (ccdb.tau.ac.il)
  4. Hilke Steinecke: Wölfe im Palmengarten. In: Der Palmengarten 83/2, Palmengarten Frankfurt 2019, [1], S. 141–143.
  5. a b Verbreitung nach Euro+Med PlantBase: (ww2.bgbm.org)
  6. Eryngium giganteum bei FloraWeb: (floraweb.de)
  7. a b Eryngium giganteum bei galasearch: (galasearch.de)
  8. Nobert Kühn: Neue Staudenverwendung. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2011, ISBN 978-3-8001-5970-3, S. 141, 173, 181, 207, 229.
  9. Piet Oudolf, Henk Gerritsen: Dream Plants for the Natural Garden. Frances Lincoln, London 2011, ISBN 978-0-7112-3462-8, S. 104.
  10. Beth Chatto: Draught Resistant Planting. Frances Lincoln, London 2000. ISBN 978-0-7112-1425-5. S. 86, S. 100.
  11. Ping Wang, Zushang Su, Wei Yuan, Guangrui Deng, Shiyou Li: Phytochemical constituents and pharmacological activities of Eryngium L.(Apiaceae). In: Pharmaceutical Crops 2012/3, Bentham Open 2012, [2], S. 99–120.
  12. Artikel über Ellen Willmott in der englischen Wikipedia: [3].