Elina Duni

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Elina Duni spielt Gitarre während eines Konzerts in Biel (2018)

Elina Duni (* 10. März 1981 in Tirana) ist eine albanisch-schweizerische Jazzsängerin. Mit ihrem Quartett interpretiert sie Volkslieder vom Balkan mit den Stilmitteln des modernen Jazz.[1] Sie lebt in Zürich.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Tochter von zwei Künstlern – der Schriftstellerin Bessa Myftiu und des aus dem südalbanischen Dorf Dhërmi stammenden Regisseurs Spiro Duni – stand Elina im kommunistischen Albanien bereits mit fünf Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Das Kind lernte Geige und hatte Auftritte am Radio und im Fernsehen. Die Eltern liessen sich scheiden, und 1992 übersiedelte Elina mit ihrer Mutter in die Schweiz. Sie lebte für zehn Monate in Luzern, danach in Genf, wo sie im Klavierspiel am Conservatoire de musique de Genève ausgebildet wurde; am Collège de Saussure entdeckte sie den Jazz. Nach dem Schulabschluss im Jahr 2000 beteiligte sie sich an mehreren Film-, Theater und Jazzprojekten in Albanien und in der Schweiz.[1][3][4][5]

Von 2004 bis 2008 studierte Duni Gesang und Komposition an der Hochschule der Künste Bern. In dieser Zeit gründete sich auch das Elina Duni Quartet bestehend aus Colin Vallon (Klavier), Bänz Oester (Bass) und Norbert Pfammatter (Schlagzeug). Vallon hatte sie dazu bewegt, Lieder aus ihrer Heimat zu spielen – die ihr aber aus der Kindheit kaum vertraut waren, da die Eltern die vom kommunistischen System propagierte Volksmusik verachteten.[1][3][5]

Geprägt wird die Musik des Quartetts – bei dem seit 2012 Patrice Moret Bass spielt – von Dunis Gesang.[6] Im Jahr 2008 veröffentlichte die Band die erste CD und tourte durch halb Europa. Sie spielten auch beim Jazz Festival Willisau sowie beim Grenoble Jazz Festival.[1] Die dritte CD des Quartetts Matanë Malit, die 2012 erschien, wurde vom Plattenlabel ECM produziert, ebenso die 2015 erschienene CD Dallëndyshe.[7] 2014 erschien im Kosovo und in Albanien Dunis Soloalbum Muza e Zezë („die schwarze Muse“) auf dem sie sich als Singer-Songwriter vorstellt.

Daneben beteiligt sich Duni auch bei anderen Bands. Mit der albanischen Elektro-Avantgarde-Pop-Band Retrovizorja entstand die CD Lakuriq, und Duni als Gast auf André Manoukians Melanchology zu hören. Weiter realisiert sie verschiedene Soloprojekte.[2]

Mit dem Bandprojekt Aksham verwirklicht sie seit 2018 in Quintettbesetzung eine Konvergenz von temperiertem Jazz und Dichtung. Gesungen wird auf Englisch und Französisch. Die dichterischen Texte stammen von James Joyce, Paul Verlaine und ihr selbst. Ein erstes gleichnamig getiteltes Album kam 2019 auf Nome heraus. Die Kompositionen sind teils von der ganzen Band erarbeitet, stammen meist von Duni, Pianist Marc Perrenoud oder Trompeter David Enhco.[8] Ein Auftritt mit dem Albummaterial wurde auf dem Cully Jazz Festival mitgeschnitten und vom Deutschlandfunk Kultur am 2. September 2019 gesendet.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzert in Wil mit Patrice Moret im Hintergrund (2011)

Duni erhielt 2005 den Sonderpreis der Jury in Tirana für die CD Lakuriq mit der Gruppe Retrovizorja. 2007 war sie Trägerin des Friedl Wald-Stipendiums. Im Folgejahr wurde sie von der Musikkommission des Kantons Bern mit dem Coup de cœur ausgezeichnet; auch erhielt sie ein Stipendium der Hochschule der Künste Bern für den Best-Berufseinstieg (2008). Ihr Quartett wurde für die prioritäre Jazzförderung der Pro Helvetia 2010–2012 ausgewählt.[1] 2012 war sie die Preisträgerin des 15. Essener Jazz Pott.[9] Das Album Partir gewann in Brüssel den Klara Award in der Kategorie "Bestes internationales Album 2018".[10]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Doch selten berührt das Ohr eine Musik wie Baresha, wie die Lieder der unbekannten Elina Duni, die auf ihrem ersten Album albanische, griechische und bulgarische Songs in Jazz verwandelt, ohne sie und sich unter Wert zu verkaufen.“

„Überhaupt ist es frappierend, wie selbstverständlich hier zwei Welten zueinander finden, weitab von klischeehaftem Balkanjazz.“

Klaus von Seckendorff: Jazzthetik[12]

„Ein Statement für kulturellen Reichtum und gegen Nationalismus.“

Martina Läubli: NZZ[2]

Diskographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[13]
Partir
  CH 49 06.05.2018 (2 Wo.)
  • Lakuriq (2004 mit Retrovizroja)
  • Baresha (2008, Meta Records)
  • Lume Lume (2010, Meta Records)
  • I kaltër (2010 mit Retrovizroja)
  • Matanë Malit (2012, ECM)[14]
  • Muza e Zezë (2014)
  • Dallëndyshe (2015, ECM)
  • Partir (ECM, 2018)
  • Aksham (Nome, 2019) mit Elina Duni - voc, David Enhco - tp, Marc Perrenoud - p, Florent Nisse - b, Fred Pasqua - dr

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Elina Duni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Bio. (Nicht mehr online verfügbar.) In: elinaduni.com. Archiviert vom Original am 22. Februar 2014; abgerufen am 27. Februar 2011.
  2. a b c Martina Läubli: Jazzsängerin Elina Duni: Lieder aus dem Dazwischen. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 72, 27. März 2017, S. 29 (nzz.ch [abgerufen am 27. März 2017]).
  3. a b Ane Hebeisen: Sie bringt Folklore vom Balkan richtig zum Grooven. In: Tages-Anzeiger. 19. Februar 2010, S. 33.
  4. Christian Hubschmid: Schwarzer Humor und paradoxe Poesie. In: SonntagsZeitung. 7. Februar 2010, S. 41.
  5. a b Pai Seiler: Lieder aus der Heimat und dem Herzen. In: Schweizer Familie. Nr. 11, 2010, S. 16–17.
  6. Ueli Bernays: Die fröhliche Traurigkeit. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 50, 2. März 2010, S. 19.
  7. Elina Duni. In: ECM Records. Abgerufen am 1. Februar 2016 (englisch).
  8. Aksham Projekt, abgerufen 2. September 2019
  9. Elina Duni erhält den 15. Essener „Jazz Pott“ – Preisverleihung und Konzert am 18. Oktober im Grillo-Theater. In: NMZ Kulturinformationszentrum. 17. September 2012, abgerufen am 11. Februar 2014.
  10. Beste internationale cd World: Partir - Elina Duni, klara.be, abgerufen 28. Mai 2019
  11. Poesie ohne Heimat. In: Die Zeit. Abgerufen am 27. Februar 2011.
  12. Klaus von Seckendorff: Tonspuren März + April 2010. Elina Duni Quartet. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Jazzethik. 2010, archiviert vom Original am 1. Februar 2016; abgerufen am 1. Februar 2016.
  13. Charts CH
  14. Besprechung (AllAboutJazz)