Elisabeth Leonskaja

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Elisabeth Leonskaja (2012)

Elisabeth Leonskaja (russisch Елизавета Ильинична Леонская; geboren am 23. November 1945 in Tiflis, Sowjetunion) ist eine russische Pianistin. Als Solistin spielt sie in den ersten Orchestern der Welt wie den New Yorke Philharmonic, Los Angeles Philharmonic, Cleveland Orchestra, London Philharmonic Orchestra, Tonhalle-Orchester Zürich, Gewandhausorchester Leipzig und arbeitet mit bekannten Dirigenten zusammen. Sie zählt zu den führenden Pianistinnen ihrer Zeit.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth Leonskaja wurde als Tochter einer jüdischen Gesangs- und Klavierlehrerin und eines Anwalts geboren. Die Eltern stammten aus Odessa und waren vor den jüdischen Pogromen geflüchtet.[1] Durch den Wunsch der Mutter, die selbst Klavier studiert hatte besuchte sie im Alter von sieben Jahren eine Musikschule in Tiflis. Mit 10 Jahren spielte sie ein Haydn-Konzert und mit 11 Jahren beherrschte sie Beethovens Erste. Als sie 12 Jahre alt war, bekam sie eine neue Musiklehrerin die ihr sagte, sie müsse sechs Stunden am Tag üben.[2] Kurz vor ihrem Eintritt in das Staatliche Konservatorium nahm Leonskaja am internationalen Wettbewerb George Enescu in Bukarest teil, wo Arthur Rubinstein in der Jury saß. Sie gewann den ersten Preis und durch ihren Sieg ermutigt, schrieb sie sich 1964 am Moskauer Konservatorium ein, wo Jacob Milstein ihr Lehrer wurde. Der renommierte Pianist Swjatoslaw Richter unterstützte junge Studierende und so wurde Leonskaja oft in sein Haus eingeladen. Nach dem Tod ihrer Eltern entwickelte sie eine Freundschaft zu ihm und spielte das zweite Klavier bei seinen Mozart-Konzerten.[2][3][4] In dieser Zeit gewann sie Preise bei internationalen Wettbewerben in Bukarest, Brüssel und Paris.[5]

Nach dem Abschluss beschloss Elisabeth Leonskaja vorerst eine Pause, da sie aufgrund ihrer jüdischen Mutter nicht als Russin angesehen und selbstbestimmt entscheiden durfte, welchen Weg ihre Karriere nehmen sollte. Die Musikhochschule wollte sie als Solistin in eine kleine russische Stadt in der Provinz schicken. Für ein Konzert unter der Leitung von Giuseppe Sinopoli wurde ihr ein Transitvisum für Wien gewährt, das erst in letzter Minute eintraf. Sie beschloss in Wien zu bleiben, da die Sowjetunion 1978 jüdischen Bürgern das Recht zur Auswanderung gab.[1][6] Nach dem Tod ihrer Eltern und der Scheidung der Ehe mit dem Geiger Leonid Kogan fiel ihr dieser Ortswechsel nicht schwer.[7][2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth Leonskaja 2021
Elisabeth Leonskaja - Quincena Musical de San Sebastián 2021

Elisabeth Leonskaja ist regelmäßig bei internationalen Festivals vertreten, wie den Wiener Festwochen, dem Schleswig-Holstein Musik Festival, der Schubertiade Schwarzenberg, dem Spring Festival Tokio und den Dezemberabenden Moskau. Mit ihren Solorezitals ist sie in großen musikalischen Zentren weltweit präsent. Neben solistischer Tätigkeit trat sie auch als Kammermusikerin in Erscheinung, so mit den Quartetten Belcea, Borodin, Artemis in Jerusalem. Die gemeinsamen Aufnahmen mit dem Alban Berg Quartett, dem sie außerdem durch eine langjährige musikalische Freundschaft verbunden war, gelten als legendär.[8]

Zahlreiche ihrer LPs und CDs wurden mit Preisen ausgezeichnet. Von der International-Classical-Music-Awards-Jury (ICMA) wurde Paris mit Werken von Maurice Ravel, George Enescu und Claude Debussy als Solo-Einspielung des Jahres 2014 ausgezeichnet.[8] Zahlreiche CD-Einspielungen und Auftritte in der ganzen Welt, wie bei den Salzburger Festspielen, und ihre Zusammenarbeit, unter anderem mit den Berliner Philharmonikern und dem Guarneri String Quartet, zeugen von ihrer internationalen Anerkennung. Sie ist Ehrenmitglied des Wiener Konzerthauses.[9]

2006 wurde ihr die höchste Auszeichnung Österreichs, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse für besondere Verdienste um die Kultur des Landes verliehen. In Georgien erhielt sie 2016 die Auszeichnung Priesterin der Kunst, die höchste Auszeichnung des Landes für Kunstschaffende und 2020 erhielt sie den ICMA für ihr Lebenswerk.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1999: Ehrenbürgerin der Stadt Deutschlandsberg
  • 2006: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
  • 2016: Auszeichnung Priesterin der Kunst in Georgien
  • 2020: Opus Klassik, Kategorie Instrumentalistin (Klavier), für Robert Schumann Variations – Sonaten
  • 2020: International Classical Music Awards für ihr Lebenswerk
  • 2021: Auszeichnung als Instrumentalistin des Jahres von Opus Klassik

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1991: Brahms: Klavierkonzert No. 1
  • 2010: Klaviersonaten Op.109-111 Klaviersonaten von Ludwig Van Beethoven
  • 2016: Die Späten Klaviersonaten Klaviersonaten von Sviatoslav Richter
  • 2019: Schubert: Piano Works
  • 2022: Sämtliche Klaviersonaten Klaviersonaten von W. A. Mozart in einer Gesamtausgabe von Elisabeth Leonskaja

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Elisabeth Leonskaja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Robert Fraunholzer: Elisabeth Leonskaja – Schubert von Welt. In: www.rondomagazin.de. 2016, abgerufen am 9. April 2022.
  2. a b c Virtuosity & Grace. In: International Piano Magazine Nov - Dec 2014. Rhinegold Publishing, 2014, S. 18–21.
  3. Elisabeth Leonskaja: "Mozart". Abgerufen am 8. April 2022.
  4. Recording review: Joyce DiDonato's Eden. Abgerufen am 9. April 2022 (englisch).
  5. Elisabeth Leonskaja: Konzerte, Artikel, Rezensionen & Termine. In: concerti.de. Abgerufen am 8. April 2022 (englisch).
  6. deutschlandfunk.de: Russische Klaviermusik - Rückblick auf Leben und Wurzeln. Abgerufen am 9. April 2022.
  7. Erstklassig und gefeiert: Elisabeth Leonskaja. Abgerufen am 8. April 2022.
  8. a b Elisabeth Leonskaja. In: www.mdr.de. 5. Juni 2021, abgerufen am 8. April 2022.
  9. Ehrenmitglieder. In: konzerthaus.at. Abgerufen am 8. April 2022 (österreichisches Deutsch).