Elisabeth Müller (Autorin)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Elisabeth Müller (* 21. September 1885 in Langnau im Emmental; † 22. Juni 1977 in Hünibach bei Thun) war eine Schweizer Autorin und Jugendschriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familiäre Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth Müller wurde als jüngstes von sechs Kindern des Ernst Müller (1849–1927) und der Anna Müller-Rüetschi (1854–1886) geboren. Ihr Vater war für seine Geschichte der bernischen Täufer (Frauenfeld 1895) zum Ehrendoktor der Universität Jena ernannt worden und wirkte von 1884 bis 1927 als reformierter Pfarrer in Langnau. Die Mutter starb ein Jahr nach Elisabeths Geburt, und der Vater heiratete daraufhin deren Schwester Emma (1856–1910), mit der er noch drei weitere Kinder hatte.

Von der Ausbildung zur Krankheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem sie wie alle ihre Geschwister die Sekundarschule in Langnau besucht hatte, wurde Elisabeth mit 16 Jahren in das städtische Lehrerinnenseminar Monbijou in Bern aufgenommen. Nach einer halbjährigen Stellvertretung auf der Schonegg in der Gemeinde Sumiswald wurde sie 1906 definitiv als Lehrerin nach Lützelflüh gewählt. 1909 wechselte sie an das burgerliche Waisenhaus in Bern, bis sie 1913 an Tuberkulose erkrankte, bis 1918 in diversen Sanatorien behandelt wurde und danach zu ihrer Familie nach Langnau zurückkehrte. In dieser Zeit der äusseren und inneren Krise fand sie zum Schreiben. Religiös näherte sie sich dem Pietismus, wodurch sie in einen gewissen Gegensatz zu ihrem theologisch entschieden liberalen Vater geriet.

1921–1935: Arbeit in Thun[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1921 trat sie eine Stelle an einer Privatschule in Thun an. Nach vier Jahren wechselte sie als Methodiklehrerin an das bernische Staatsseminar für Lehrerinnen in Thun. Sie hatte dort den Status einer Hilfslehrerin und unterrichtete daneben ständig eine dritte und eine vierte Klasse als sogenannte «Übungsschule», in der die Seminaristinnen ihr Unterrichtspraktikum absolvierten.

Freie Schriftstellerin und Erwachsenenbildnerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1935, ihrem fünfzigsten Lebensjahr, arbeitete Elisabeth Müller vor allem als freie Schriftstellerin und Erwachsenenbildnerin. Ihre Schwester Hedwig hatte im Vorjahr in Hünibach bei Thun eine Gärtnerinnenschule gegründet, die seit 1993 Gartenbauschule heisst.[1] An der von Hedwig geleiteten Schule unterrichtete Elisabeth Staatskunde und später auch noch Korrespondenz. Die beiden Schwestern wohnten zusammen in einem Haus in Hünibach.

Elisabeth entfaltete eine reiche Vortragstätigkeit zu Fragen der Erziehung und des Familienlebens. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges entstanden die meisten ihrer berndeutschen Weihnachtsgeschichten. Später wirkte sie als Redaktorin beim saemann, einer Monatszeitung für reformierte Kirchenmitglieder im Kanton Bern. Sie sympathisierte mit der Berner Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei, der Vorläuferorganisation der Schweizerischen Volkspartei, und war befreundet mit dem Politiker Rudolf Gnägi.

Müllers Nachlass befindet sich in der Burgerbibliothek Bern.[2]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946 erhielt Elisabeth Müller den Schweizerischen Jugendbuchpreis und 1954 sowohl das Ehrenbürgerrecht von Langnau als auch eine Ehrenpromotion der Universität Bern; später kam noch das Ehrenbürgerrecht von Hünibach dazu. 1955 erhielt sie nach 1939 zum zweiten Mal den Literaturpreis der Stadt Bern, der im Jahr zuvor an Friedrich Dürrenmatt gegangen war.

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth Müllers 1942 erschienener Jugendroman Die sechs Kummerbuben wurde 1968 unter der Regie von Franz Schnyder als Kinofilm und als 13-teilige Fernsehserie verfilmt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke für Erwachsene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elternsegen. Erzählung, Einsiedeln 1910
  • Fride i Huus und Härz. Bärndütschi Gschichte für üses Volk, Bern 1940
  • Martinssümmerli u anderi Liebesgschichte, Bern 1948
  • Die Quelle. Erinnerungen, Bern 1950
  • Heimatbode. Bärndütschi Gschichte, Bern 1955
  • Türen gehen auf. Ein Stück Lebensarbeit. Erinnerungen, Bern 1957
  • Was in der Stille wächst. Eine Auswahl von saemann-Artikeln, Bern 1962

Gesammelte Weihnachtsgeschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke für Kinder und Jugendliche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Lädrach: Elisabeth Müller, Bern 1957 (Berner Heimatbuch 68)
  • Fritz Wartenweiler: Elisabeth Müller und ihre Welt, Zürich 1967
  • Samuel Geiser: Elisabeth Müller. Leben und Werk, Zürich und Stuttgart 1978
  • Renata Egli-Gerber: Elisabeth Müller: Leben und Werk – eine Annäherung, Bern 2004 (ISBN 3727213329)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website der Gartenbauschule Hünibach
  2. Nachlass von Elisabeth Müller im Katalog der Burgerbibliothek Bern

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]