Elisabeth Schwarzhaupt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Elisabeth Schwarzhaupt (rechts) und Abu Zaid, ägyptische Sozialministerin (1963)

Emma Sophie Elisabeth Schwarzhaupt (* 7. Januar 1901 in Frankfurt am Main; † 29. Oktober 1986 ebenda[1]) war eine deutsche Politikerin (CDU). Sie war von 1961 bis 1966 Bundesministerin für Gesundheitswesen und damit die erste Frau, die das Amt eines deutschen Bundesministers bekleidete.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth Schwarzhaupt studierte nach dem Abitur 1920 an der Viktoriaschule, heute Bettinaschule, Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main. 1930 bestand sie das zweite juristische Staatsexamen. Ebenfalls 1930 erfolgte die Promotion zum Dr. iur. mit der Arbeit Fremdwährungsklauseln nach deutschem Schuldrecht. Sie war bis 1932 als Beraterin bei einer Rechtsschutzstelle für Frauen in Frankfurt am Main tätig. Danach arbeitete sie als beauftragte Richterin in Dortmund und Frankfurt am Main. Im März 1933 erfolgte ihre Entlassung, da nach einem Erlass des nationalsozialistischen Justizministers Frauen nicht länger das Richteramt bekleiden durften.

Sie war dann kurz beim Deutschen Rentnerbund in Berlin tätig und schließlich ab 1935 als juristische Mitarbeiterin bei der Kanzlei der Evangelischen Kirche in Berlin. 1947 kehrte sie nach Frankfurt am Main zurück und arbeitete bis 1953 im Außenamt der Evangelischen Kirche, zuletzt als Oberkirchenrätin und Geschäftsführerin der Evangelischen Frauenarbeit.

Grab auf dem Hauptfriedhof Frankfurt

Elisabeth Schwarzhaupt wurde am 10. Dezember 1965 als erster Frau das Großkreuz des Bundesverdienstkreuzes verliehen. Von 1970 bis 1972 war sie Erste Vorsitzende des Deutschen Frauenrates. Sie wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof bestattet. Ihr Grab in Gewann II ist als Ehrengrab ausgezeichnet.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elisabeth Schwarzhaupt war die Tochter des Oberschulrats Wilhelm Schwarzhaupt (1871–1961), der von 1921 bis 1933 für die DVP dem preußischen Landtag angehörte. Ihre Mutter stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Verlobt war Elisabeth Schwarzhaupt mit einem jüdischen Arzt, der wegen des Berufsverbots zuerst in die Schweiz und dann nach Amerika emigrierte. Elisabeth Schwarzhaupt gelang es nicht mehr, mit ihm gemeinsam Deutschland zu verlassen.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Weimarer Republik war Elisabeth Schwarzhaupt Mitglied der DVP. Seit 1945 gehörte sie der CDU an.

Abgeordnete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1953 bis 1969 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war sie von 1957 bis 1961 stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. 1957 war sie die direkt gewählte Abgeordnete im Wahlkreis Wiesbaden.

Elisabeth Schwarzhaupt war – anders als die Mehrheit auch der Frauen in ihrer Partei – eine vehemente Gegnerin des Stichentscheides in der Ehe, mit der der Mann bei Streitfällen in allen die Ehegatten betreffenden Angelegenheiten seine Ansicht hätte durchsetzen können. Gemeinsam mit Margot Kalinke (DP) stimmte sie im Rechtsausschuss des Bundestages für den Änderungsantrag der FDP-Fraktion und sorgte damit für eine Niederlage der Regierungsfraktionen CDU/CSU, GB/BHE und DP. Das „Gesetz über die Gleichstellung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“ wurde am 18. Juni 1957 ohne die Stichentscheids-Klausel verabschiedet.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Bundestagswahl 1961 wurde sie am 14. November 1961 als Bundesministerin für Gesundheitswesen in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. Dieses Amt übte sie auch unter Bundeskanzler Ludwig Erhard aus. Am 30. November 1966, zum Ende der Regierung Erhard, schied sie aus der Bundesregierung aus.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ehrung und Erinnerung hat die Stadt Frankfurt am Main 1988 eine Grünanlage in Elisabeth-Schwarzhaupt-Anlage und die Stadt Mainz eine Straße in Mainz-Finthen in Elisabeth-Schwarzhaupt-Straße benannt. In Berlin ist der Elisabeth-Schwarzhaupt-Platz nach ihr benannt. Im Bonner Stadtteil Röttgen gibt es seit 2015 eine Elisabeth-Schwarzhaupt-Straße.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Frau in Regierungs- und Oppositionsparteien, in: Neue Evangelische Frauenzeitung, 1965, Heft 2, Seiten 34–38.
  • Aufzeichnungen und Erinnerungen, in: Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Aufzeichnungen und Erinnerungen, Band 2, Boppard am Rhein, 1983, Seiten 235-283.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Elisabeth Schwarzhaupt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesarchiv: Elisabeth Schwarzhaupt - eine streitbare Politikerin