Elite (Computerspiel)

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Elite ist ein 1984 erschienenes Science-Fiction-Computerspiel von Ian Bell und David Braben, das Wirtschaftssimulation und eine bewaffnete Weltraum-Flugsimulation verbindet. Mit seiner mehr als tausend Planeten umfassenden Spielwelt sowie Verzicht auf ein klar definiertes Spielende gilt Elite als früher Vertreter eines Open-World-Spiels. Die in Echtzeit berechnete Cockpitsicht auf den Weltraum mit Polygon-Raumschiffen war im Grenzbereich der Rechenleistung damaliger Heimcomputer.

Aufgrund seiner Popularität wurde das ursprünglich für den BBC Micro erschienene Spiel auf viele weitere Systeme portiert und blieb bis in die 1990er Jahre beliebt. Das Spielprinzip wurde in Fremdproduktionen und offiziellen Nachfolgespielen (Frontier: Elite 2, 1993) vielfach nachgeahmt und weiterentwickelt.

Screenshot von Oolite, einem repräsentativen Elite-Klon, Grafik und Texturen jedoch höher aufgelöst als im Original

Handlung[Bearbeiten]

Bei Elite führt der Spieler Commander Jameson, der das Spiel mit knappem Startkapital und einem kleinen Raumschiff, einer Cobra Mark III, beginnt. Mit dem Raumschiff kann man zunächst praktisch nur Handel treiben und vom Erlös weitere Ausrüstung kaufen. Mit besserer Ausstattung bzw. Bewaffnung kann man auch Metalle auf Asteroiden abbauen, Piraten jagen oder selbst als solcher tätig werden sowie einige (je nach Version verschiedene) Spezialaufträge absolvieren. Im Fortschreiten des Spiels durchläuft man verschiedene Ränge; das Ziel besteht darin, die Kampfeinstufung „Elite“ zu erreichen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Originalversion von Elite wurde von David Braben und Ian Bell für den damals in Großbritannien populären Heimcomputer BBC Micro entwickelt. Elite selbst war vom Pen-&-Paper-Rollenspiel Traveller beeinflusst und übernahm viele Elemente – wie die Klassifikation von Sternsystemen und sogar die Form einiger Raumschiffe – von diesem Vorbild.[1][2]

Elite war eines der ersten Computerspiele, die dem Spieler die freie Bewegung in einer 3D-Umgebung ermöglichten. Als Science-Fiction-Spiel sprach Elite technologiebegeisterte Spieler durch eine sehr fortschrittliche Darstellung an, die den Stand der Technik bis dahin in vielerlei Hinsicht übertraf.

Neben den in der Infobox im Abschnitt „Plattformen“ genannten offiziellen Portierungen gab es inoffizielle Portierungen für den Commodore 128 und den Commodore Plus/4.

Technik[Bearbeiten]

Elite ist eine Weltraumsimulation mit 3D-Vektorgrafik, die verdeckte Linien nicht darstellt, um so den Eindruck solider Körper zu erwecken. Gegenüber den bei den zeitgenössischen Heimcomputern üblichen Drahtgittermodellen war das ein wesentlicher Fortschritt in der Qualität der räumlichen Illusion. Möglich war dieser Fortschritt durch die konsequente Verwendung der besonders einfach zu berechnenden konvexen Körper. In späteren Portierungen wurde, begünstigt durch die höhere Rechenleistung, teilweise auch Polygongrafik mit gefüllten Flächen verwendet.

Neben der neuartigen Grafikdarstellung gehörten dazu Details wie ein 3D-Radarschirm, der die Darstellungsweise von in der Luftfahrt verwendeten modernen Kollisionsvermeidungsradars aufgreift. Dieses System ermöglicht die genaue Positionsbestimmung von Objekten in einem sphärischen Raum.

Trotz der geringen Speicherkapazität der Heimcomputer bestand das Spielfeld von Elite aus ca. 2.000 Sternsystemen auf acht Karten („Galaxien“), die durch eine geschickte Verwendung eines Pseudozufallszahlengenerators mit festen Startwerten mit minimalem Speicheraufwand dargestellt werden konnten. Auch dieses Verfahren der Darstellung von Sternsystemen weist Ähnlichkeiten zum Rollenspiel Traveller auf.

Elite war auch das bekannteste Spiel, bei dem das Lenslok-Kopierschutzsystem eingesetzt wurde.

SciFi-Anspielungen[Bearbeiten]

Als Science-Fiction-Spiel zitiert Elite verschiedene Science-Fiction-Werke: In der Version für den Commodore 64 wird das Raumschiff des Spielers in einer Sequenz von eigentlich harmlosen, sich aber rapide vermehrenden Wesen überrannt – eine Anspielung auf die Tribbles aus der Fernsehserie Star Trek. Eine wichtige Rolle spielen die Raumstationen, an die der Spieler regelmäßig andocken muss. Diese werden im Handbuch als Coriolis-Raumstationen bezeichnet. Wie in der durch Stanley Kubrick verfilmten Geschichte 2001: Odyssee im Weltraum von Arthur C. Clarke rotieren diese Raumstationen um ihre eigene Achse, um im Inneren durch die Fliehkraft irdische Schwerkraft zu simulieren, was das Andocken zu einer spielerischen Herausforderung macht. Wer im späteren Spielverlauf einen Landecomputer sein Eigen nennen kann, wird mit dem im Spiel wie im Film während der Andocksequenz gespielten Donauwalzer unterhalten.

Rezeption[Bearbeiten]

Bei Publikum und Fachpresse war Elite ein großer Erfolg, beispielsweise wurde es 1990 vom Power Play Magazin in der Rubrik Die 100 Besten Spiele präsentiert.[3]

Die Spiele Privateer, Privateer 2, Freelancer und Darkstar One sowie die X-Reihe sind dem Spielprinzip von Elite nachempfunden. Jumpgate, Vendetta Online und EVE Online bieten ein vergleichbares Spielprinzip in Form von Massive Multiplayer Online Roleplaying Games. Für Palm-PDAs gibt es mit Space Trader eine auf die Strategieelemente reduzierte Version.

Nachfolger[Bearbeiten]

Die Nachfolger unter den Titeln Frontier und First Encounters boten interessante Weiterentwicklungen (realistische Flugphysik, astronomisch weitgehend korrekte Simulation der Milchstraße), konnten aber in kommerzieller Hinsicht an den ersten Erfolg nicht anknüpfen.

Viele Versuche Klone von Elite zu erstellen wurden gemacht, während die meisten Projekte unfertig beendet wurden, ist der Open source Klon Oolite eine erfolgreiche Ausnahme. Elite: The New Kind wurde von Christian Pinder über Reverse engineering aus der Originalen BBC Micro-Version entwickelt und wurde auf vielen Plattformen portiert. Die weitere Verbreitung wurde jedoch eingestellt nachdem einer der ursprünglichen Autoren, David Braben, darum gebeten hatte.[4]

Für 2014 plant David Brabens Firma Frontier Developments unter dem Namen Elite Dangerous einen Mehrspieler- und netzwerkfähigen Nachfolger mit zeitgemäßer Grafik, der an das Spielprinzip des ursprünglichen Elite anknüpft. Das Projekt wurde über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter.com finanziert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

zeitgenössische Rezeption[Bearbeiten]

  • John Cook: Trader to the stars. In: Micro Adventurer, Nr. 14, Dezember 1984, Seiten 20-22. – Bericht zur BBC-Micro-Kassettenversion (englisch, Digitalisat bei worldofspectrum.org, abgerufen am 1. Dezember 2012)
  • Heinrich Lenhardt: Kosmisches Wirtschaftswunder. In: Happy Computer, Nr. 10/1985, Seiten 184–165. – Bericht zur C64-Portierung (Digitalisat bei kultboy.com, abgerufen am 1. Dezember 2012)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Francis Spufford: Masters of their universe (englisch). In: The Guardian, 18. Oktober 2003. Abgerufen am 11. Februar 2011. 
  2. Rusel DeMaria, Johnny L. Wilson: High Score. 2nd edition, McGraw-Hill/Osborne: Emeryville, Kalifornien 2004, ISBN 0-07-223172-6, Seiten 340-341. (englisch)
  3. Michael Hengst: Die 100 Besten Spiele: Elite. In: PowerPlay. 1990. Abgerufen am 18. November 2010.
  4. Christian Pinder: NewKind (englisch) www.newkind.co.uk/. Abgerufen am 14. Januar 2013: „Between the years 1999 and 2002 I wrote a remake of Elite known as Elite – The New Kind (E-TNK). E-TNK became one of the most popular versions of the game, played by thousands of people world wide. The remake was done as a learning experience, to see how Elite was written and to experiment with reverse engineering techniques. E-TNK ran under MS Windows but as I had released all the source code to the game it was quickly ported by other people to a number of systems including GNU/Linux, GameBoy Advance, GP32, OpenBSD, Mac OS X, BE OS, Atari ST, PalmOS and the PocketPC. Unfortunately in 2003 David Braben, one of the original Elite copyright holders, asked me to stop distribution of E-TNK so it is now quite hard to get hold of.