Eliza Lucas Pinckney

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Elizabeth „Eliza“ Lucas Pinckney (* 28. Dezember 1722 auf den British West Indies; † 26. Mai 1793 in Philadelphia)[1] war eine amerikanische Pflanzerin. Als Sechzehnjährige übernahm sie während der kriegsbedingten Abwesenheit ihres Vaters die Leitung seiner drei Plantagen in South Carolina. Ihr ist die erstmalige Kultivierung und Verbreitung der Indigopflanze in den Vereinigten Staaten zu verdanken. Der blaue Farbstoff war in Europa sehr gefragt und veränderte die Wirtschaft South Carolinas gravierend. Indigo wurde nach Reis zur zweitwichtigsten Exportware der Kolonie und deckte mehr als ein Drittel der Einnahmen durch Exporte ab. Während Eliza selbst ursprünglich England loyal war, kämpften ihre Söhne Charles Cotesworth Pinckney und Thomas Pinckney später beide im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten. Da sie Abschriften ihrer Briefe in ihrem Notizbuch anfertigte, sind sie noch heute erhalten und zählen zu den bedeutendsten, persönlichen Zeitdokumenten amerikanischer Frauen des 18. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und frühe Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eliza wurde als Tochter von Anne und George Lucas auf den British West Indies geboren. Ihr Vater war Lieutenant Colonel der britischen Armee und lebte mit seiner Familie auf einer Zuckerrohrplantage auf Antigua. Sowohl Eliza als auch ihre Brüder Tom und George wurden in London unterrichtet, wo sie bei Mrs. Boddicott lebten, einer Freundin der Familie.[2] Es ist unbekannt, wie lange Eliza in England lebte. Da seine Frau kränklich war, brachte Lucas sie, Eliza und seine jüngste Tochter Mary, genannt Polly, im Jahr 1738 auf den amerikanischen Kontinent nach South Carolina, während seine Söhne in England blieben. Etwa sechs Meilen entfernt von Charleston besaß Lucas eine Plantage am Wappoo Creek, wo er sich mit seiner Familie niederließ.

Anders als andere Väter ermutigte Lucas Eliza niemals, sich mit den für Damen der damaligen Zeit üblichen Handarbeiten zu beschäftigen. Tatsächlich hegte er ein gewisses Misstrauen gegen nähende und stickende Frauen und soll gesagt haben, dass er „niemals Damen über ihren Handarbeiten reden sehen konnte, ohne zu argwöhnen, dass sie Schabernack ausheckten“.[3] Wenig später brach Krieg zwischen England und Spanien aus und Lucas schloss sich seinem alten Regiment auf Antigua an. Die Leitung von Wappoo und zwei weiteren Plantagen, die ihm gehörten, überließ er seiner sechzehnjährigen Tochter Eliza, da die Gesundheit seiner Frau sich nicht verbessert hatte.[1] Neben den Tätigkeiten auf der Plantage unterrichtete Eliza ihre kleine Schwester sowie die Kinder der Sklaven und half gelegentlich ärmeren Nachbarn in Rechtsangelegenheiten aus.

Botanische Experimente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie ihr Vater interessierte sich Eliza für botanische Experimente und begann mit Versuchen, diverse Pflanzen von den West Indies in South Carolina anzubauen. Mit 19 Jahren hielt sie fest, dass sie Feigenbäume gepflanzt hatte, um die Früchte zu trocknen und zu verkaufen.[2] Auch versuchte sie sich im Anbau von Eichen mit dem Plan, sie zum Bau von Schiffen zur Verfügung zu stellen. Ihre anderen Experimente waren die Aussaat von Ingwer, Baumwolle und Luzerne. Obwohl Freunde und Verwandte ihre Projekte amüsiert betrachteten, ließ sich Eliza nicht beirren und schrieb ihrer Freundin Mary Bartlett, der Nichte ihres späteren Ehemannes Charles Pinckney:

„Dein Onkel meint: „Sag der kleinen Visionärin, dass sie in die Stadt kommen und an jenen Vergnügungen teilnehmen soll, die ihrem Alter entsprechen.“ Bitte richte ihm aus, dass, was er jetzt als Marotten und Projekte betrachtet, sehr wohl nach und nach gedeihen könnte. Von den vielen wird eines bestimmt Erfolg haben.[4]

Blüte der Indigopflanze

Bereits im Juli 1739 schrieb Eliza über ihre ersten Versuche Indigo anzubauen.[5] Der Farbstoff wurde für englische Uniformen benötigt und Eliza hoffte auf diese Weise die englischen Kolonien sowie England vom französischen Indigo unabhängig zu machen. Zudem wäre es eine nützliche Einnahmequelle für South Carolina, dessen einzige, nennenswerte Exportgüter Reis, Tierhäute und Holz waren. Ihre ersten Versuche schlugen fehl, teils wegen Frost, der ihre Ernte vernichtete, teils aufgrund von Sabotage durch ihren Farbstoffhersteller Nicholas Cromwell.[4] Dennoch setzte sie ihre Versuche fort und im September 1742 berichtete sie ihrem Vater stolz: „Wir werden genug übrig behalten, um nächstes Jahr eine Ernte zu haben.“[1]

Im Jahr 1744 schaffte Eliza es schließlich, 17 Pfund Indigo zu ernten und zu verarbeiten. Sie sandte sechs Pfund davon nach England, wo es als qualitativ gleichwertig mit französischem Indigo eingestuft wurde.[1] Um die Pflanze schnell zu verbreiten, verteilte Eliza die Samen unter anderen Pflanzern. Die Ernte erhöhte sich ständig, so dass im Jahr 1747 Indigo erstmals als wichtiges Exportgut nach England verschifft wurde. England förderte den Anbau in Carolina finanziell, um Frankreich auszustechen, was die Wirtschaft und die Anpflanzungen weiter ankurbelte. Innerhalb der nächsten dreißig Jahre entwickelte sich die Indigopflanze nach Reis zum wichtigsten Exportgut South Carolinas. Kurz vor dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg war der jährliche Export von Indigo auf 1.107.660 Pfund[6] (etwa 502.426 Kilogramm) angewachsen und entsprach mehr als einem Drittel der Exporte South Carolinas.

Auch als verheiratete Frau setzte Eliza ihre unternehmerischen Experimente fort, inzwischen auf der Plantage ihres Mannes, Belmont am Cooper River. Durch den Krieg mit Spanien wurde der Handel mit England beeinträchtigt und die Kolonien waren gezwungen, ihre Stoffe selber herzustellen. Eliza organisierte Webstühle für ihre Plantagen, so dass die Sklaven Baumwolle und Wolle zu Stoffen verarbeiten konnten und versuchte sich in der Seidenproduktion. Sie erntete die Seidenfäden persönlich und hatte so viel Erfolg damit, dass sie später drei Kleider anfertigen lassen konnte.[7]

Ehe und Familienleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Abwesenheit ihres Vaters freundete Eliza sich rasch mit dem benachbarten Juristen Charles Pinckney und seiner Frau an. Beide luden Eliza oft zu sich ein und stellten ihr ihre Bibliothek zur Verfügung. Sie las bei den Pinckneys sowohl Plutarch als auch die Werke John Lockes, letzteren auf Anregung Charles Pinckneys.[4] Im Jahr 1744 schließlich beschloss Lucas seine Familie nach Antigua zurückzuholen. In dieser Zeit starb Charles Pinckneys Ehefrau und nur wenige Monate nach deren Tod machte Pinckney Eliza einen Heiratsantrag, den sie akzeptierte. Zu diesem Zeitpunkt war Pinckney fünfundvierzig und Eliza zweiundzwanzig. Pinckney hatte bereits dem Common House of Assembly als Sprecher gedient und war Mitglied des Royal Council.[1] Es scheint sich um eine Liebesheirat gehandelt zu haben, da Pinckney auf jegliche Mitgift verzichtete und Eliza in einem ihrer Briefe schrieb: „Ich empfand so große Zuneigung zu ihm, wie sie ein menschliches Herz fühlen kann. Dies, gemeinsam mit seinen Tugenden und seiner Vorliebe für mich, schuf den stärksten Bund, der zwischen Sterblichen existieren kann.“[8]

In den ersten Jahren nach der Hochzeit beaufsichtigte Eliza weiterhin die Plantagen ihres Vaters und erzog ihre Kinder. Das Geburtsdatum des ersten Sohnes Charles wird in diversen Quellen unterschiedlich angegeben. Laut der American National Biography erblickte er am 14. Februar 1745 das Licht der Welt.[9] In einem Brief an Mrs Bartlett bat Eliza um bestimmte Spielsachen, die ihrem Sohn das Lernen erleichtern sollten, da sie und ihr Ehemann ihrem Sohn das Alphabet beibringen wollten, sobald er sprechen konnte. „Sie bemerken wahrscheinlich, dass wir frühzeitig beginnen, denn er ist noch keine vier Monate alt.“[10] Der nächste Sohn George Lucas Pinckney wurde 1747 geboren, starb aber wenig später. Auch Elizas Vater George Lucas, nach dem ihr Sohn benannt worden war, starb in diesem Jahr. 1749 folgte eine Tochter namens Harriot und 1750 der jüngste Sohn Thomas.

Im Jahr 1753 erhielt Pinckney den Posten des Commissioner of the Colony (zu deutsch: Bevollmächtigter der Kolonie) in London, eine Mittlerfunktion zwischen South Carolina und den englischen Handels- und Plantagenbeauftragten. Zu diesem Zweck zog die Familie nach England um, wo Pinckney von seinem verstorbenen Bruder ein Landgut bei Durham geerbt hatte. Zur Freude der Pinckneys wurden sie von der verwitweten Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg bei Hofe empfangen und als Geschenke überreichte Elizas Tochter Harriot der Prinzessin einen Witwenvogel, einen Papstfinken und einen Gold-Waldsänger,[11] die sie aus Amerika mitgebracht hatten. Eliza selbst schenkte der Prinzessin eines der drei Kleider aus ihrer selbst geernteten Seide.[7] Nach kurzem Aufenthalt in London siedelte die Familie nach Ripley, Surrey um, wo sie fünf Jahre lang lebten.

Rückkehr nach South Carolina und Unabhängigkeitskrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Pinckneys ursprünglich geplant hatten, in England zu bleiben, bis ihre Söhne die Schule beendet hatten, mussten sie ihre Pläne ändern, als der Siebenjährige Krieg in Nordamerika ausbrach. Im Mai 1758 kehrten Pinckney, Eliza und Harriot nach South Carolina zurück, während ihre Söhne weiterhin in England zur Schule gingen. Trotz ihrer Loyalität zu England war Eliza empört zu sehen, wie wenig das Mutterland seine Kolonien in Kriegszeiten schützte. Sie und ihr Mann planten ihre Landgüter zu verkaufen und ihr Geld in einem sichereren Land anzulegen.[12] Nur kurze Zeit später infizierte sich Pinckney mit Malaria und starb am 12. Juli. Trotz der Erschütterung über den Tod ihres Mannes nach vierzehn Jahren Ehe und dem Schmerz über die Trennung von ihren Söhnen nahm Eliza ihre Arbeit auf den Plantagen wieder auf, die in ihrer Abwesenheit schlecht bewirtschaftet worden waren. Zusätzlich leitete sie ein kleines Krankenhaus, als während des Krieges die Pocken ausbrachen und verlor laut eigenen Angaben nur einen von fünfzehn Patienten.[8]

In den folgenden zehn Jahren widmete sich Eliza ausschließlich ihren Plantagen und ihrer Tochter, die am 15. Februar 1768 Daniel Horry heiratete, einen Reisplantagenbesitzer. Ein Jahr später, fast elf Jahre, nachdem sie ihn zuletzt gesehen hatte, kehrte ihr Sohn Charles aus England zurück. Er und sein Bruder hatten in England vehement gegen den Stamp Act protestiert. 1774 kehrte auch Thomas zurück, um sich gemeinsam mit seinem Bruder ein Jahr später der amerikanischen Armee anzuschließen. Auf die Frage, auf welcher Seite der Kriegsparteien Eliza gestanden hatte, antwortete ihre Enkeltochter, sie hätte „zu Gott gebetet, sie [ihre Söhne] recht zu leiten, doch gab sie weder Ratschläge noch versuchte sie Einfluss zu nehmen; denn da sie, als die beiden Kinder waren, ihr Bestes getan hätte, gute und weise Männer aus ihnen zu machen, erkannte sie nun dankbar an, dass sie sie nicht nur an Größe, sondern auch Weisheit überträfen.“[13] Während des Krieges erlebte die Familie Plünderungen ihrer Plantagen und Einfälle der britischen Armee in Charleston. Eliza bezeichnete die Taten der Briten als grausam und den letztendlichen Sieg der Amerikaner als „großartige Befreiung“.[14]

Die letzten Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hampton Plantation mit der George-Washington-Eiche links

Kurz nach Kriegsende starb Elizas Schwiegersohn Colonel Horry und sie lebte fortan mit ihrer verwitweten Tochter Harriot zusammen. Ungefähr zur gleichen Zeit verlor ihr Sohn Charles seine Frau Sarah, woraufhin Eliza sich sowohl um seine drei Töchter als auch um Harriots Tochter kümmerte. In den folgenden Jahren widmete sie sich ganz ihren Enkelkindern. Um 1791 absolvierte sie ihren letzten, öffentlichen Auftritt, als Präsident George Washington sie und ihre Familie auf der Hampton Plantation, South Carolina, besuchte und mit ihnen frühstückte.[15] Eine Eiche, die der Präsident Harriot bat nicht zu fällen, wurde ihm zu Ehren George-Washington-Eiche genannt und existiert heute noch.

Am 10. April 1793 brach Eliza mit ihrer Tochter und drei ihrer Enkelinnen nach Philadelphia auf. Sie war an Krebs erkrankt und hoffte in Philadelphia geschickte Ärzte und möglicherweise ein Heilmittel zu finden. Bei ihrer Ankunft war sie bereits schwer krank und es ging ihr zusehends schlechter. Sie starb am 26. Mai und wurde einen Tag später auf dem St. Peter’s Churchyard beerdigt. Auf seinen eigenen Wunsch hin fungierte George Washington als Sargträger.[16] 1989 wurde sie aufgrund ihrer Verdienste als erste Frau in die South Carolina Business Hall of Fame aufgenommen.[17]

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Charles Pinckney hatte Eliza vier Kinder:

  • Charles Cotesworth Pinckney (* 14. Februar 1745;[9] † 16. August 1825); ⚭ 1773 Sarah Middleton
  • George Lucas Pinckney (*/† 1747)
  • Harriot Pinckney (* 1749); ⚭ 15. Februar 1768 Daniel Horry
  • Thomas Pinckney (* 23. Oktober 1750; † 2. November 1828); ⚭ 1779 Elizabeth Motte

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. In: Women of Colonial and Revolutionary Times. South Carolina Heritage Series No. 10. The Reprint Company 1967
  • The Letterbook of Eliza Lucas Pinckney. Women’s Diaries and Letters of the Nineteenth-Century South Series. Edited by Marvin R. Zahniser. University of South Carolina Press 1972, ISBN 1-57-003186-X
  • Frances Leigh Williams: A founding family: the Pinckneys of South Carolina. Harcourt Brace Jovanovich 1978, ISBN 0-15-131503-5
  • Cokie Roberts: Founding Mothers. The Women who raised our Nation. Perennial 2005, ISBN 0-06-009025-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Elise Pinckney: Pinckney, Elizabeth Lucas. In: American National Biography Online. Oxford University Press 2000, Online Edition. Zugriff am 6. Januar 2016
  2. a b Cokie Roberts: Founding Mothers. The Women who raised our Nation. Perennial 2005, S. 3
  3. Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. The Reprint Company 1967, S. 11
  4. a b c Cokie Roberts: Founding Mothers. The Women who raised our Nation. Perennial 2005, S. 4
  5. Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. The Reprint Company 1967, S. 7
  6. Cokie Roberts: Founding Mothers. The Women who raised our Nation. Perennial 2005, S. 6
  7. a b Cokie Roberts: Founding Mothers. The Women who raised our Nation. Perennial 2005, S. 7
  8. a b Cokie Roberts: Founding Mothers. The Women who raised our Nation. Perennial 2005, S. 9
  9. a b Marvin Zahniser: Pinckney, Charles Cotesworth. In: American National Biography Online. Oxford University Press 2000, Online Edition. Zugriff am 6. Januar 2016
  10. Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. The Reprint Company 1967, S. 113
  11. Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. The Reprint Company 1967, S. 146
  12. Cokie Roberts: Founding Mothers. The Women who raised our Nation. Perennial 2005, S. 8
  13. Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. The Reprint Company 1967, S. 270
  14. Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. The Reprint Company 1967, S. 310
  15. Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. The Reprint Company 1967, S. 311
  16. Harriet Horry Ravenel: Eliza Pinckney. The Reprint Company 1967, S. 317
  17. Dress from the Pre-Revolutionary War-Era Added to Smithsonian Costume Collection, Zugriff am 14. Januar 2016