Elke Mascha Blankenburg

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Elke Mascha Blankenburg (1982)

Elke Mascha Blankenburg (Künstlername: Mascha; * 15. Dezember 1943 in Mindelheim; † 9. März 2013 in Köln[1]) war eine deutsche Kirchenmusikerin, Dirigentin, Musikhistorikerin, Musikjournalistin und Autorin.

Sie gründete 1979 in Köln den Internationalen Arbeitskreis Frau und Musik e. V. mit seiner bedeutenden musikhistorischen Forschungsstätte, das Archiv Frau und Musik. Es hat seit 2003 seinen Sitz in Frankfurt am Main.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blankenburg erhielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht, hinzu kamen Ballett und Violine. An der Musikhochschule Heidelberg und am Kirchenmusikalischen Institut in Schlüchtern studierte sie ab 1963 evangelische Kirchenmusik. Es folgte 1970/1971 ein Aufbaustudium in Chor- und Orchesterleitung an der Musikhochschule Köln bei Philipp Röhl. In den Jahren 1972 bis 1979 absolvierte Blankenburg mehrere internationale Meisterkurse für Dirigenten, unter anderem in Nizza, Sion, Stuttgart und Ossiach. In Wien war sie von 1973 bis 1975 Meisterschülerin von Hans Swarowsky. Damit war sie als Frau in Deutschland am bis dahin als Männerdomäne geltenden Dirigierpult – nach Hortense von Gelmini – eine Pionierin. Neben ihrem Studium war Blankenburg als Chanson- und Schlagersängerin und Musikkritikerin für Rundfunk und Presse tätig.

Kirchenmusikerin und Dirigentin in Köln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1970 war Blankenburg zwanzig Jahre Kirchenmusikerin an der Christuskirche in Köln-Dellbrück. 1970 gründete sie den Chor Kölner Kurrende, 1981 das Leonarda-Ensemble und 1986 das Clara-Schumann-Orchester Köln, ein professionelles Sinfonieorchester, das nur aus Frauen besteht. Mit Gabriella Pallenberg zusammen gründete Blankenburg 1995 das Orchestra Clara Schumann Roma als Schwesternorchester zum deutschen CSO Köln. Mit diesen Ensembles spielte sie verschiedene LPs und CDs ein, es entstanden Rundfunk- und TV-Produktionen in fast allen deutschen Sendern.

Freie Dirigentin, Musikerin und Musikhistorikerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Winter 1980 organisierte Blankenburg trotz Widerständen, zusammen u. a. mit Barbara Heller, das erste internationale Komponistinnen-Festival in Köln und Bonn. 1990 gab Blankenburg ihre Position als Kirchenmusikerin auf, um ganz als freiberufliche Dirigentin für Chor und Orchester zu arbeiten. 1999 musste sie wegen eines Hörsturzes im rechten Ohr ihre Dirigentinnentätigkeit aufgeben.

Blankenburg lebte abwechselnd in Italien und Deutschland. Von 2002 bis 2004 hatte sie eine Dozentur für Chorleitung an der MHS in Frosinone (Italien) inne, baute das Internationale Dirigentinnenarchiv (IDAK) in Köln auf und übernahm 2005–2007 erneut die künstlerische Leitung der von ihr 1989 gegründeten Internationale Komponistinnen-Bibliothek der Stadt Unna. Dort schrieb sie alle zwei Jahre den Fanny-Mendelssohn-Wettbewerb für Komposition aus und war für Komponistinnen-Festivals verantwortlich.

Grab von Elke Mascha Blankenburg auf dem Kölner Melaten-Friedhof

Blankenburg engagierte sich seit vielen Jahren besonders für die Erforschung vergessener Komponistinnen und deren Werke. Dazu schreibt sie in ihrem Buch Dirigentinnen im 20. Jahrhundert (Literatur), das heute als Standardwerk zu diesem Thema gilt:

„Mir war bewusst, dass ich eine Korrektur der Musikgeschichte, die Komponistinnen bis dahin unterschlagen hatte, einleite.“

1977 verfasste sie für die feministische Zeitschrift EMMA den Artikel Vergessene Komponistinnen, der wegen des großen Aufsehens, das er hervorrief, den Auftakt zur Frauenmusikbewegung in Deutschland darstellt.[2] 1978 gründete Blankenburg aus Resonanz auf den EMMA-Artikel den Internationalen Arbeitskreis Frau und Musik e. V., der sich seitdem für die Wiederentdeckung von Komponistinnen und die Förderung von Berufsmusikerinnen einsetzt, sowie dessen Archiv Frau und Musik. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit suchte Blankenburg in Archiven nach Kompositionen von Frauen, die meist nur in Handschriften vorlagen und die sie transkribierte, um aufgeführt werden zu können.

Zahlreiche Wieder- und Uraufführungen kennzeichnen Blankenburgs Arbeit, so zum Beispiel der ältesten bekannten Oper aus der Hand einer Frau, Francesca Caccinis La liberazione di Rugiero im Jahr 1980 anlässlich des Internationalen Komponistinnen-Festivals, das in Köln und Bonn stattfand. Das Leonarda-Ensemble brachte Vokalwerke von Komponistinnen aus Renaissance, Barock sowie zeitgenössische Kompositionen zur Uraufführung.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Blankenburg dabei dem Werk der Komponistin Fanny Hensel. Am 27. Mai 1984 dirigierte sie die Uraufführung von deren Oratorium nach Bildern der Bibel in der St. Maria Himmelfahrt-Kirche in Köln, am 7. Juni 1986 von deren Ouvertüre in C-Dur in der Alten Oper zu Frankfurt am Main mit dem Clara-Schumann-Orchester. Ebenso wurden Fanny Hensels A-Cappella-Chöre aus dem Jahr 1847 unter ihrer Leitung uraufgeführt. Die oben genannten Kompositionen von Fanny Hensel gab Elke Mascha Blankenburg im Furore-Verlag heraus.

Ihren Künstlernamen Mascha gab sie sich aus Verehrung für die jüdische Dichterin Mascha Kaléko. Blankenburg verstarb am 9. März 2013 in einem Kölner Hospiz. Ihr musikalischer Nachlass sowie ihre umfangreichen Aufzeichnungen befinden sich im Archiv Frau und Musik.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1986: Kulturpreis Die besondere Frau der Firma AVON-München für die Wiederentdeckung der Werke von Komponistinnen
  • 1989: Stadtmusikerin der Stadt Unna
  • 1999: Bundesverdienstkreuz am Bande für ihre künstlerische Leistung und ihre Forschungsarbeit im Bereich der Musikwissenschaft
  • 2008: Premio Domenico Rea (Neapel), Kulturpreis für das Lebenswerk

Mit ihrem Chor Kölner Kurrende erzielte sie folgende Auszeichnungen:

  • 1981: 1. Preis Chorwettbewerb NRW
  • 1982: 2. Preis Deutscher Chorwettbewerb und ein Dirigierstipendium des Deutschen Musikrates
  • 1986: 3. Preis Internationaler Chorwettbewerb Arezzo (Italien)
  • 1994: Silbermedaille Internationaler Chorwettbewerb Riva del Garda (Italien)

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autorin:

  • Fanny Mendelssohn-Hensel. In: Helma Mirus, Erika Wisselinck (Hrsg.): Mit Mut und Phantasie. Frauen suchen ihre verlorene Geschichte. Sophia, Straßlach 1987, S. 92 f.
  • Kontrapunkt: Musikkalender 1988. Furore, Kassel.
  • Kontrapunkt: Musikkalender 1989. Furore, Kassel.
  • Dirigentinnen im 20. Jahrhundert. Portraits von Marin Alsop bis Simone Young. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2003.
  • Rosen für Fanny Mendelssohn. In: Elke Heidenreich (Hrsg.): Ein Traum von Musik: 46 Liebeserklärungen. Bertelsmann, München 2010.
  • Tastenfieber und Liebeslust: Ein E-Mail-Roman. Gmeiner, Meßkirch 2011.

Noten-Editionen:

  • Fanny Hensel: Prelude für Orgel (1829) (= fue. 124). Furore, Kassel 1988.
  • Fanny Hensel: Weltliche a-cappella-Chöre (1846) (= fue. 510–515). 5 Bände. Furore, Kassel 1988.
  • Maria Anna Martinez: Sinfonie in C-Dur für Orchester. Tonger, Köln 1991.
  • Maria Anna Martinez: La Tempesta. Tonger, Köln 1992.
  • Fanny Hensel: Hero und Leander: Dramatische Szene für Sopran und großes Orchester (= fue. 532). Furore, Kassel 1993.
  • Fanny Hensel: Ouverture C-Dur für großes Orchester (= fue. 2507). Furore, Kassel 1994.
  • Fanny Hensel: Oratorium nach Bildern der Bibel für Soli, Chor und Orchester. Furore, Kassel 1994.
  • Barbara Strozzi: Il Primo Libro di Madrigali (1644). Band I: Zweistimmige Madrigale (= fue. 531). Furore, Kassel 1993.
  • Fanny Hensel: Nachtreigen. Tonger, Köln 1996.
  • Maddalena Sirmen: Six Sonates à deux violons. 2 Bände. Tonger, Köln 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kölner Stadt-Anzeiger. 14. März 2013, S. 29.
  2. www.emma.de/artikel/vergessene-komponistinnen-312787 (Stand: 06.11.2017).