Ellen Wiederhold

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Ellen Wiederhold (* 21. November 1921 in Hilden; † 4. September 1995) war eine deutsche Unternehmerin, Politikerin und Bürgermeisterin (CDU).

Ellen Wiederhold, Anfang 1960

Schule und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule und des Helmholtz-Gymnasiums studierte sie ab 1940 an den Universitäten Heidelberg und Bonn Chemie und Naturwissenschaften und promovierte 1949 mit dem Thema „Ester sechswertiger Zuckeralkohole“ zum Dr. rer. nat.[1]

Unternehmerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod ihres Vaters Walter Wiederhold im Jahre 1959 übernahm sie die Leitung der Hermann Wiederhold Lackfabriken, die mit 2500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 155 Millionen D-Mark (1966) zu den führenden Firmen dieser Branche zählte. Die Hildener Firma besaß Zweigbetriebe in Nürnberg und Etzen-Gesäß bei Bad König. Unter der breitgefächerten Produktpalette war die Marke „Ducolux“ weltweit bekannt. Zu den Kunden der Firma gehörten Baufirmen, Automobilwerke und auch die Deutsche Bundesbahn. Unter Ellen Wiederhold wurden in den Firmenlabors zwischen 1958 und 1969 die ersten Tagesleuchtfarben entwickelt. Tagesleuchtrot nach RAL 3024 erhöhte ab 1969 die Früherkennbarkeit von Feuerwehrfahrzeugen und senkte deren Unfallzahlen bei Alarmfahrten deutlich.[2] Der Jahresumsatz der Lackfabrik Wiederhold stieg bis Anfang der 1970er Jahre auf 280 Millionen Mark.

Wegen sinkenden Absatzes aufgrund der im Herbst 1973 ausgelösten ersten Ölpreiskrise sowie der Flaute im Bausektor und in der Automobilindustrie musste sie das Unternehmen im Jahre 1975 an den britischen Chemiekonzern Imperial Chemical Industries (ICI) abtreten, der einen 70-Prozent-Anteil an dem Familienunternehmen erhielt. Sie selbst blieb noch einige Jahre Mitglied der Geschäftsleitung. Die britische ICI wurde später von dem niederländischen Konzern AkzoNobel übernommen.

Bürgermeisterin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeisterin Ellen Wiederhold mit Amtskette

Ellen Wiederhold war von 1969 bis 1994, also 25 Jahre, Bürgermeisterin der Stadt Hilden, sie war die erste Frau in diesem Amt. Sie erfreute sich wegen ihrer Fürsorglichkeit und ihres sozialen Engagements für die Bürger in der Stadt großer Beliebtheit und wurde deshalb mit großen Mehrheiten mehrmals wiedergewählt.

So war sie Schirmherrin des Verbands der Vertriebenen aus Schlesien – der Patenschaft Hilden – Wohlau. Sie förderte die Städte-Partnerschaften mit der britischen Stadt Warrington und dem tschechischen Nové Město. Sie unterhielt freundschaftliche Kontakte zum britischen Militär, das in der Stadt seit dem Kriege stationiert war, und darauf mit der Bundeswehr, die nach Abzug der Briten die Hilderner Waldkaserne bezog. Sie unterstützte die zahlreichen sozialen Einrichtungen der Stadt und den Breitensport. Sie war wie ihr Vater Leitungsmitglied und von 1968 bis 1979 Vorsitzende des Hildener Industrie-Vereins. Für die Entwicklung der Stadt war ihr ausgezeichnetes Verhältnis zum damaligen Bundestagsabgeordneten, Bundesminister und Spitzenpolitiker Gerhard Schröder (CDU) (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen späteren Bundeskanzler von der SPD) förderlich. Ellen Wiederhold wohnte dort, wo auch schon ihr Vater Walter Wiederhold gewohnt hatte, im 1903 erbauten ehemaligen Landhaus des Bauunternehmers Otto Nebel (* 1870), direkt gegenüber der Lackfabrik.[3]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

'Rotes Haus' - hier wohnte Ellen Wiederhold.

Ellen Wiederhold wurde von den Bürgern der Stadt und den Mitarbeitern ihrer Firma als „mütterliche Patronin“ verehrt, die in Politik und Beruf – als Frau – „ihren Mann gestanden hat“. Liebevoll nannten sie die Hildener in ihrem südniederfränkischen Platt (Dialekt) „Us Ellen“! Nicht zuletzt wegen ihres Engagements für die Stadt und des von ihr geführte Unternehmen blieb sie unverheiratet, wurde aber Mutter von vier Adoptivkindern.

Für ihre Verdienste um die Stadt Hilden erhielt sie im September 1984 das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie im September 1986 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Die deutsche Bundeswehr verlieh ihr bereits im März 1984 das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold. Außerdem wurde sie im November 1994 zur Ehrenbürgerin der Stadt Hilden ernannt. Ein Platz, eine Sporthalle und eine Kindertagesstätte tragen heute ihren Namen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Reichen in Deutschland. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1966 (online).
  • Friedhelm Gröteke: Risse im Lack. In: Die Zeit, Nr. 34/1975.
  • Karl-Detlev Göbel: Laudatio anlässlich der Gedenkfeier der Stadt Hilden zum 80. Geburtstag - Hilden 2001

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ellen Wiederhold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Wiederhold Lackfabriken (Hrsg.): 100 Jahre Hermann Wiederhold Lackfabriken 1897 bis 1997, Hilden 1967, S. 114.
  2. Hans Jörg Wittsack: Das Phänomen des ’kalten Lichts‘ in: Farbe + Design, Mitteilungsblatt des Deutsches Farbenzentrum e.V., Ausgabe 47, 1989, S. 7ff.
  3. Christoph Schmidt: Hilden: Villa im Dornröschenschlaf. In: Rheinische Post. 9. August 2011, abgerufen am 19. April 2017.