Ellipsograph des Archimedes

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Ellipsograph des Archimedes als 3D-Animation.
Einstellbarer Ellipsograph, hergestellt circa 1900.

Der Ellipsograph, Ellipsenzirkel des Archimedes[1] oder Stuckateurzirkel[2][3] ist ein Mechanismus, der die Form einer Ellipse erzeugt.

Er besteht im Wesentlichen aus drei unterschiedlichen Bauteilen:

  1. einer Grundplatte mit zwei rechtwinklig zueinander liegenden Führungsnuten (andere Konfigurationen sind technisch möglich aber unüblich),
  2. einem Zeichenarm mit der Halterung für den Zeichenstift bei Punkt sowie zwei Gelenkaugen und ,
  3. zwei Kulissensteine mit Lagerbolzen, eingeschoben in den Führungsnuten der Grundplatte, verbinden die Grundplatte im Punkt und mit dem damit beweglichen Zeichenarm.

Der Abstand zwischen Zeichenstift und dem ersten Gelenkauge sei , der Abstand zwischen den Gelenken . Durch Variieren von und können bezüglich Größe und Form unterschiedliche Ellipsen gezeichnet werden. So ist die Länge der großen Halbachse und die Länge der kleinen Halbachse .[4]

Die Geschichte dieses Mechanismus ist nicht gesichert. Es wird angenommen, dass Proklos den Mechanismus kannte,[5] aber eventuell war der Mechanismus bereits zu archimedischen Zeiten bekannt.

Es existiert ein britisches Patent für diesen Mechanismus von 1894.[6]

Der Mechanismus ist auch bekannt als:

  • Archimedischer Ellipsograph[7]
  • Der Ellipsograph des Proklos[8]

Mathematische Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skizze vom Ellipsograph mit den Kenngrößen und eingezeichnetem Viertel der Ellipse,[9] Animation 44 s, Start nach 30 s Pause

Wie in der nebenstehenden Skizze zu sehen ist, hat die Strecke die gleiche Länge wie die horizontale Halbachse und die Strecke die gleiche Länge wie die vertikale Halbachse der Ellipsenlinie .[5] Da die beiden rechtwinkligen Dreiecke und zueinander ähnlich sind, ist folgerichtig der Winkel der Z-Winkel von .

Für die allgemeine Bestimmung des Punktes im kartesischen Koordinatensystem, gilt nach dem Satz des Pythagoras

, daraus folgt
,
, somit ist
.

Die mit dem Mechanismus vom Ellipsographen und dem Zeichenstift im Punkt erzeugbare Linie, ist eine sogenannte Ellipse in der 1. Hauptlage, denn wird für die (horizontale) große Halbachse die Länge sowie für die (vertikale) kleine Halbachse die Länge eingesetzt, entspricht die gefundene Gleichung der für die Ellipse in der 1. Hauptlage:

.

Äquivalenz zu den Cardanischen Kreisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cardanische Kreise (schwarz); und Ellipsograph (grau). Der Momentanpol ist mit einem pinken Punkt markiert. Zwei beispielhafte Ellipsen in rot und hellblau.

Als Cardanische Kreise bezeichnet man eine geometrische Anordnung bei der ein kleiner Kreis in einem doppelt so großen fest stehenden Kreis abrollt. Die ausgeführte Bewegung ist dieselbe die der Zeichenarm ausführt. Die Strecke liegt hierbei auf einem Durchmesser des kleinen Kreises. Somit kann mit einem Spirograph eine Ellipse[10] erzeugt werden, wenn das innere Zahnrad halb so viele Zähne hat wie das Hohlrad in dem es abrollt. Diese Analogie veranschaulicht auch, dass sich der Momentanpol des Zeichenarms auf dem Außenkreis mit dem Radius bewegt.

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mechanismus wurde als Physikspielzeug für Kinder verkauft.[11]

Ein US-Patent benützt das Prinzip des Ellipsographen für einen Ellipsenschneider.[12]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chris Sangwin: The wonky trammel of Archimedes, This article provides brief notes on an ancient problem: the ellipsograph of Archimedes (Memento vom 9. April 2017 im Internet Archive).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ellipsenzirkel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ellipsenzirkel. Zeno.org MEINE BIBLIOTHEK; aus Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 720–721, abgerufen am 6. April 2017.
  2. Franz Reuleaux: Theoretische Kinematik: Grundzüge einer Theorie des Maschinenwesens. 1875, S. 318 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  3. Franz Reuleaux, Alexander Kennedy: Kinematics of Machinery: Outlines of a Theory of Machines. 1876, S. 318, Fig. 248, (siehe Fußnote) (englisch, Volltext in der Google-Buchsuche).
  4. Lueger, Otto: Ellipsenzirkel oder Ellipsograph. Zeno.org MEINE BIBLIOTHEK; aus Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 3 Stuttgart, Leipzig 1906, S. 436–437 Fig. 2, abgerufen am 8. April 2017.
  5. a b Lueger, Otto: Ellipsenzirkel oder Ellipsograph. Zeno.org MEINE BIBLIOTHEK; aus Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 3 Stuttgart, Leipzig 1906, S. 436–437, abgerufen am 6. April 2017.
  6. Patent GB189402496: Ellipsograph. Angemeldet am 5. Mai 1894, Erfinder: Heinel Gustav, Barth Carl.Text, Zeichnung (S. 3)
  7. Archimedischer Ellipsograph. Do-it-yourSciences, Die Plattform für wissenschaftliche und pädagogische Werkarbeiten, 16. März 2010, abgerufen am 6. April 2017.
  8. Der Ellipsograph des Proklos. Kotsanas Museum of Ancient Greek Technology aus Die kinematischen geometrischen Mechanismen der Griechen der Antike, abgerufen am 6. April 2017.
  9. Lueger, Otto: Ellipsenzirkel oder Ellipsograph. Zeno.org MEINE BIBLIOTHEK; aus Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 3 Stuttgart, Leipzig 1906, S. 436–437 Fig. 1, abgerufen am 8. April 2017.
  10. Lueger, Otto: Cardanische Kreise. Zeno.org MEINE BIBLIOTHEK; aus Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 2 Stuttgart, Leipzig 1905, → Von De la Hire wurde nachgewiesen … S. 423–424. Fig. 1, abgerufen am 13. April 2017.
  11. Entertainment Center: Kentucky Do-Nothing. Scott Kraft, 22. März 2009, abgerufen am 6. April 2017.
  12. Patent US4306598: Ellipse cutting machine, siehe Fig. 1 und Fig. 2. Angemeldet am 26. Juni 1980, veröffentlicht am 22. Dezember 1981, Erfinder: David G. Peot.