Elmenhorst (Schiff)

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Die Elmenhorst war ein Frachtschiff und wurde wie auch die Thielbek und die Athen Ende April 1945 in Lübeck mit KZ-Häftlingen beladen.

Frachtschiff Elmenhorst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Elmenhorst war ein Frachtschiff der Reederei Bock, Godefroy & Co, wurde 1945 von der Lübecker Maschinenbaugesellschaft (LMG) abgeliefert und war mit 1925 BRT vermessen. Sie lag im Lübecker Hafen und wurde im April 1945 vom Reichskommissar für die Seeschifffahrt („Reiko See“), dem Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann, der sogenannten Häftlingsflotte zugeordnet und sollte mit Häftlingen aus dem KZ Neuengamme beladen werden.

Beladung mit Häftlingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Morgen des 20. April 1945 wurden die entkräfteten Häftlinge auf dem Appellplatz vom KZ Neuengamme zu Gruppen formiert, mit Handgepäck zum Verladebahnhof geführt und zu je 50 in Waggons verladen. Am 21. April erreichte der Zug Hamburg und gegen Abend kamen die Häftlinge in Lübeck an. Der Zug hielt hinter Lagerhäusern und Schuppen an einem Hafenbecken. Am Kai lagen die zwei Frachter Elmenhorst und Thielbek nebeneinander. Die ersten Waggons wurden entladen und die Häftlinge gingen hintereinander von der SS getrieben die Gangway hinauf, um durch die Ladeluken im Innern der Schiffe zu verschwinden. Inzwischen wurden an die 100 Toten, die während des Zugtransportes verstorben sind, aus den Waggons geholt. Im Vor- und Hinterschiff waren in je zwei übereinanderliegenden Laderäumen zwischen 2–3000 Menschen zusammengepfercht und lagen Kopf an Kopf auf den eisernen Platten auf dem Boden des unteren Decks und des Zwischendecks. Es war extrem eng, liegen konnten sie nur auf der Seite und die Beine nur mit Mühe ausstrecken. Das Essen, Trinken, Waschen und anderen normalen menschlichen Bedürfnisse waren riesige Probleme, da derartige Frachter für andere Aufgaben gebaut wurden.

Da der Kapitän der Cap Arcona sich mehrere Tage lang weigerte, Häftlinge auf sein Schiff zu lassen, benötigte die SS Ersatzraum zur Unterbringung. Anscheinend wurde daher die Elmenhorst nur als Zwischenlager genutzt, um die insgesamt 10.000 in Lübeck ankommenden Häftlinge unterzubringen. Auch verfügte sie im Gegensatz zu den anderen Schiffen über keinen Treibstoff, und verblieb im Gegensatz zur Cap Arcona, Thielbek und Deutschland im Lübecker Hafen. Gustav Krüger, der Kapitän der Elmenhorst, beschwerte sich über die Behandlung durch die SS und darüber, dass er auf seinem Schiff nichts mehr zu sagen hatte.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Elmenhorst überstand den englischen Jagdbomberangriff in der Neustädter Bucht, wurde im Mai 1945 beschlagnahmt und an Großbritannien abgeliefert. In Empire Galleon umbenannt, wurde sie später der UdSSR zugeordnet und in Kazan umbenannt. Die Kazan wurde 1973 in der UdSSR verschrottet.

Eingang zum ehemaligen KZ Neuengamme

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon im Herbst 1944 fanden Gespräche statt, in denen der Höhere SS- und Polizeiführer Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr, KZ Kommandant SS-Sturmbannführer Max Pauly und Reichskommissar für die Seeschifffahrt NSDAP-Gauleiter Karl Kaufmann die Lage erörterten und darüber sprachen, wie die Außenlager und das KZ Neuengamme geräumt werden können. Sowohl die Transportmöglichkeiten als auch der endgültige Verbleib der Häftlinge waren die wichtigsten Fragen. Heinrich Himmlers Befehl bezüglich der KZs: "kein Häftling darf in die Hände des Feindes fallen" führte ab März 1945 dazu, dass die Häftlinge der Außenlager ins Stammlager Neuengamme zurückgeführt werden. Etwa Mitte April erhielt Pauly einen Anruf von Bassewitz-Behr, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass eine Lösung für die restlichen 10.000 Häftlinge gefunden sei. Sämtliche im KZ Neuengamme verbliebene Häftlinge sollen auf Schiffe verladen werden, die der Reichskommissar für die Seeschifffahrt zur Verfügung stellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Strebel: Das KZ Ravensbrück. Geschichte eines Lagerkomplexes, mit einem Geleitwort von Germaine Tillion, zugleich Dissertation 2001 an der Universität Hannover unter dem Titel Der Lagerkomplex des KZ Ravensbrück, Paderborn; München; Wien; Zürich: Schöningh, 2003, ISBN 3-506-70123-1; Inhaltsverzeichnis herunterladbar als PDF-Dokument
    • in französischer Übersetzung: Ravensbrück. Un complexe concentrationnaire (in der Reihe Pour une histoire du XXe siècle), Traduction de l'allemand par Odile Demange. Préface de Germaine Tillion, [Paris]: Fayard, 2005, ISBN 2-213-62423-2
  • Wilhelm Lange: Cap Arcona, 2014, Stadt Neustadt in Holstein
  • Christoph Ernst; Ulrike Jensen: Aks letztes starb die Hoffnung; 1989 Hamburg, Rasch und Röhring Verlag
  • Katharina Hertz-Eichenrode (Hg.): Ein KZ wird geräumt; Edition Temmen; ISBN 3-86108-764-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]