Elsa von Freytag-Loringhoven

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Elsa von Freytag-Loringhoven

Elsa von Freytag-Loringhoven, geb. Elsa Hildegard Plötz, (* 12. Juli 1874 in Swinemünde; † 15. Dezember 1927 in Paris) war eine deutsche Künstlerin des Dadaismus.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elsa Hildegard Plötz kam 1874 in der damals deutschen Hafenstadt Swinemünde zur Welt; ihre Familie war wohlhabend. Ihre künstlerische Laufbahn begann in Berlin. Mit ihrem zweiten Ehemann ging sie in die USA. Sie war Muse und Aktmodell, Malerin und Bildhauerin, Dichterin und Rezitatorin. Von 1913 bis 1923 lebte sie in New York, wo sie eine kurz anhaltende Popularität erlebte.

Wie viele andere Frauen in der Kunst konnte sie von ihrer Arbeit nicht auskömmlich existieren. Häufig in bitterer Armut lebend, da ihre Kunst und Person als zu exzentrisch empfunden wurden und die Kunstszene von Männern dominiert war, wurde sie u. a. von der Sammlerin und Mäzenin Peggy Guggenheim gefördert. Sie war Teil der US-amerikanischen Künstlerszene der Pariser Left Bank (Rive Gauche) in den 1920er Jahren, wo sie unter anderen mit Djuna Barnes bekannt war. Ihr wird zugeschrieben, unter dem Pseudonym „R. Mutt“ das 'einflussreichste Werk der Modernen Kunst'[1] geschaffen zu haben, als dessen Urheber traditionell ihr Freund Marcel Duchamp gilt: Fountain, ein zum Ready-made deklariertes Urinal.[2]

Elsa von Freytag-Loringhoven war dreimal verheiratet: in erster Ehe (1901) mit dem Jugendstilarchitekten August Endell, in zweiter Ehe (1910) mit dem Übersetzer Felix Paul Greve, in dritter Ehe (1913) mit Leopold Karl Friedrich Baron von Freytag-Loringhoven (1885–1919).

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Irene Gammel (* 1959) veröffentlichte 2002 unter dem Titel Baroness Elsa. Gender, Dada, and everyday modernity die erste Biographie Elsas von Freytag-Loringhoven.[3] Die Erzählerin in Siri Hustvedts Roman Damals (2019) ist eine große Verehrerin der in dem Roman oft nur Baroness genannten Elsa von Freytag-Loringhoven.[4]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Dada-Baroness. Elsa von Freytag-Loringhoven. Ausstellung, konzipiert von Ernest Wichner und Lutz Dittrich, initiiert von Irene Gammel und von Brigitte Ebersbach. Literaturhaus Berlin, 23. März bis 8. Mai 2005. Ein Katalog erschien im Verlag Edition Ebersbach.

Gruppenausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010: Wrong; Kunst im Tunnel, Düsseldorf kuratiert von Katharina Fritsch und Gertrud Peters.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ina Boesch: Die DaDa. Wie Frauen Dada prägten. Scheidegger und Spiess, Zürich 2015, ISBN 978-3-858-81453-1
  • Irene Gammel: Die Dada-Baroness. Das wilde Leben der Elsa von Freytag-Loringhoven (deutsche Ausgabe von Baroness Elsa. Gender, dada, and everyday modernity. A cultural biography). Edition Ebersbach, Berlin 2003 ISBN 3-934703-57-7
  • Britta Jürgs: Elsa von Freytag-Loringhoven, in: Britta Jürgs (Hrsg.): Etwas Wasser in der Seife: Portraits dadaistischer Künstlerinnen und Schriftstellerinnen. Aviva Verlag, Grambin 1999, ISBN 3-932338-06-5, S. 115–126

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Elsa von Freytag-Loringhoven – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Louise Jury: 'Fountain' most influential piece of modern art, in: http://www.independent.co.uk/news/uk/this-britain/fountain-most-influential-piece-of-modern-art-6156702.html, 2. Dezember 2004 (abgerufen am 14. September 2015)
  2. John Higgs, Was Marcel Duchamp's 'Fountain' actually created by a long-forgotten pioneering feminist? In: http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/art/features/was-marcel-duchamps-fountain-actually-created-by-a-longforgotten-pioneering-feminist-10491953.html - Auszug aus dem Buch John Higgs, „Stranger Than We Can Imagine: Making Sense of the Twentieth Century“, London: Weidenfeld & Nicolson 2015, ISBN 978-1-59376-626-9 (abgerufen am 14. September 2015)
  3. Judith Luig: Völlig Dada, in: taz, 22. November 2003; Katharina Rutschky: Unbeeinträchtigt von geistiger Gesundheit, in: Frankfurter Rundschau, 31. Dezember 2003.
  4. Siri Hustvedt: Damals. Reinbek bei Hamburg 2019. S. 221–223, 347, 428 u. a.