Else Kröner-Fresenius-Stiftung

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Else Kröner-Fresenius-Stiftung
(EKFS)
Rechtsform Stiftung privaten Rechts
Gründung 1983
Gründer Else Kröner
Sitz Bad Homburg vor der Höhe
Zweck Förderung der medizinischen Forschung und medizinisch-humanitärer Entwicklungszusammenarbeit
Vorsitz Dieter Schenk (Vorsitzender des Stiftungsrats), Michael Madeja (Vorsitzender des Vorstands), Tanja Dangmann (Vorstand)
Stiftungskapital 6.200.000.000 Euro (2018)
Website www.ekfs.de

Die 1983 gegründete gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung fördert medizinisch-wissenschaftliche Projekte und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte in Entwicklungsländern.[1] Seit 2014 verfügt sie über das größte Stiftungsvermögen (Verkehrswert) aller gemeinnützigen deutschen Stiftungen privaten Rechts.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Else Kröner (geb. Fernau, 1925–1988) übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg von ihrem Ziehvater und Förderer Eduard Fresenius dessen Pharmaunternehmen „Dr. Eduard Fresenius chemisch-pharmazeutische Industrie KG“ und führte es bis zu ihrem Tod 1988. Zuerst war sie Geschäftsführerin, ab 1982, nach Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft, Vorsitzende des Aufsichtsrates. Um nach ihrem Tod den Fortbestand des Unternehmens in seiner Gesamtheit zu sichern und um das Andenken an Eduard Fresenius zu pflegen, gründete Else Kröner am 7. April 1983 die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS). Zunächst wurde die Stiftung mit einem Kapitalstock von 50.000 DM ausgestattet. Die Stifterin verfügte aber testamentarisch, dass im Falle ihres Todes ihr gesamtes Privatvermögen – unter anderem 95 Prozent des Fresenius-Stammkapitals – auf die EKFS übergehen sollte. Um die Gemeinnützigkeit der Stiftung zu garantieren, wurde beschlossen, keine Förderanträge zu bewilligen, durch die die Fresenius Firmengruppe oder andere Pharmaunternehmen begünstigt werden könnten.

Am 5. Juni 1988 starb Else Kröner überraschend im Alter von 63 Jahren und die EKFS wurde in vollem Umfang handlungsfähig.

Stiftungszweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Verfassung der EKFS legte Else Kröner den Stiftungszweck wie folgt fest:

„(1) Die Stiftung dient der Förderung der medizinischen Wissenschaft, und zwar vorrangig auf den Gebieten der Erforschung und der Behandlung von Erkrankungen, einschließlich der Entwicklung von Geräten und Präparaten, beispielsweise von künstlichen Nieren. Die Stiftung darf nur solche Forschungsaufgaben fördern, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind. Die Stiftung dient ferner der Förderung der Ausbildung von Ärzten oder sonstigen in der Krankenbehandlung und Krankenpflege, vornehmlich auf dem Gebiet der Dialyse tätigen Personen, sowie der Förderung der Bildung und Erziehung besonders begabter Schüler und Studenten.“
„(2) Unter Beachtung des § 53 der Abgabenordnung verfolgt die Stiftung auch mildtätige Zwecke durch die Förderung von Unfallgeschädigten und deren Altenhilfe sowie durch Unterstützung von Personen, die infolge ihres geistigen, körperlichen oder seelischen Zustandes auf die Hilfe anderer angewiesen sind.“[3]

Organe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungstechnisch gliedert sich die EKFS in zwei Gremien: den Stiftungsrat und den Vorstand. Der Stiftungsrat bestellt den Vorstand und beaufsichtigt die Geschäftsführung. Außerdem entscheidet er über die Verwendung der Erträge und das Vermögen der Stiftung und beschließt alljährlich über die Entlastung des Vorstands. Seit 2006 ist eine Wissenschaftskommission verwaltungsmäßiges Organ der Stiftung und berät Stiftungsrat und Vorstand bei der Auswahl der Projekte zur wissenschaftlichen Förderung. Mitglieder der Wissenschaftskommission sind Stefan Endres, Lars Maier, Heike L. Pahl, Sascha Pahernik und Christine Klein.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Arbeitsschwerpunkt der Else Kröner-Fresenius-Stiftung liegt in der Förderung medizinischer Forschung und medizinisch-humanitärer Projekte.[4] Dabei werden Forschungsanträge aus allen Bereichen der Medizin berücksichtigt. Von 1983 bis zum Jahresende 2019 hat die Stiftung etwa 1930 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 430 Millionen Euro gefördert.[5] 2019 wurden rund 60 Millionen Euro an Fördermitteln bewilligt. Davon entfiel etwa ein Fünftel auf humanitäre Projekte.

Medizinisch-wissenschaftliche Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihren sieben Förderlinien unterstützt die EKFS neben Nachwuchswissenschaftlern, die am Beginn ihrer Eigenständigkeit in der medizinischen Forschung stehen, auch Ärzte, die Forschung und Klinik in ihrem Berufsweg verbinden (Clinician Scientists), Medizinstudierende, die eine hochwertige Promotion erstellen, und international bekannte Wissenschaftler, deren Forschungsprojekte Durchbrüche in der Diagnose und Therapie von Erkrankungen versprechen.

Die sieben Förderlinien sind:

  1. Erst- und Zweitantragsteller: Unterstützung junger Wissenschaftler im Bereich der Medizin, deren bisherige wissenschaftliche Arbeiten eine auch international erfolgreiche Karriere erwarten lassen. Das Programm möchte den Wissenschaftlern den Einstieg in die selbstständige Finanzierung ihrer Forschung durch die großen Forschungsinstitutionen ebnen.
  2. Schlüsselprojekte: Finanzierung von Forschungsvorhaben im Bereich der Medizin, die einen Durchbruch versprechen im Sinne der Entwicklung eines neuen Therapieansatzes oder der Änderung von allgemein akzeptiertem Lehrbuchwissen.
  3. Else Kröner-Memorial-Stipendien: Unterstützung besonders begabter Mediziner zu Beginn ihres Berufsweges, um durch eine zweijährige Freistellung von klinischen Aufgaben ein Forschungsvorhaben voranzutreiben.
  4. Else Kröner-Exzellenzstipendien: Unterstützung herausragender in Forschung und Klinik tätiger Ärzte (Clinician Scientist), um durch eine zweijährige Freistellung von klinischen Aufgaben ein besonders erfolgsversprechendes medizinisches Forschungsvorhaben weiterzubringen. Damit soll bereits habilitierten Ärzten die Berufung auf eine Professur ermöglicht werden.
  5. Else Kröner-Forschungskollegien: Unterstützung medizinischer Fakultäten und Hochschulkliniken im Rahmen von wissenschaftlichen Kollegien, um besonders begabten jungen Ärzten ein optimales Umfeld zur Vertiefung ihrer Forschungsarbeit und zum Einstieg in einen erfolgreichen Berufsweg als forschenden Arzt (Clinician Scientist) zu bieten.
  6. Else Kröner-Promotionskollegien für Medizinstudenten: Unterstützung von medizinischen Fakultäten, um besonders interessierte und begabte Medizinstudierende für eine anspruchsvolle Promotion zu gewinnen und sie für die Forschung zu begeistern.
  7. Else Kröner Clinician Scientist Professuren: Mit den Professuren soll Ärzten mit herausragenden Leistungen sowohl in Patientenversorgung als auch Forschung eine langfristige Perspektive gegeben werden, den Berufsweg des Clinician Scientist weiter zu gehen.

Weiterhin ist die Stiftung auch in der institutionellen Förderung tätig. Mit dem Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin in München fördert die EKFS ein Institut, das nachhaltige Ernährungsformen in der Medizin bearbeitet.[6] Das Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Digitale Gesundheit wurde im September 2019 ins Leben gerufen. Ziel des Zentrums ist es, das Potenzial der Digitalisierung in der Medizin und damit eine bessere Patientenversorgung zu erschließen.[7]

Wissenschaftspreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung vergibt als größte Einzelauszeichnung den Else-Kröner-Fresenius-Preis für medizinische Forschung.[8] Dafür wird von der Stiftung jeweils ein Forschungsfeld der Medizin definiert, das eine besonders intensive Entwicklung in den jeweils folgenden Jahren erwarten lässt. Es soll sich jeweils um ein Gebiet handeln, in dem neue Technologien Türen zu bisher unbeforschbaren Feldern öffnen oder in dem sich ein revolutionierender Paradigmenwechsel ankündigt. An der Auswahl des jeweiligen Themenfeldes für die Ausschreibung des Preises sind Nobelpreisträger der Medizin, Herausgeber großer, fachübergreifender medizinischer Fachzeitschriften und ideenreiche junge Forscher beteiligt.

Der Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Forschung wurde 2013 erstmals vergeben. Auf dem Gebiet der Immunologie wurde er Ruslan Medzhitov zuerkannt.[9] 2017 ging der Preis (auf dem Gebiet der Neuropsychiatrie) an Karl Deisseroth.[10] 2020 wurde der Preis in Höhe von 2,5 Mio. Euro an Alessandro Aiuti auf dem Gebiet der Gentherapie verliehen.[11]

Medizinisch-humanitäre Förderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die EKFS unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte, vorrangig in Entwicklungsländern. Schwerpunkte bilden hier die Förderung der medizinischen Lehre und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit (früher: Medizinisch-humanitärer Förderpreis) würdigt die EKFS zudem jährlich Projekte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern.[12] Prämiert werden seit spätestens 2012 alle zwei Jahre Projekte, die sich durch ein herausragendes und nachhaltiges Engagement für notleidende und kranke Menschen auszeichnen.[13]

Streit um die Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 2008 kam es zu einem Streit um die Ausrichtung der Stiftung. Die Ärztin Gabriele Kröner, die Stieftochter von Else Kröner, beschuldigte die drei Testamentsvollstrecker des Nachlasses von Else Kröner (insbesondere Dieter Schenk, der auch Firmenanwalt war), dass die Stiftung nicht genügend für gemeinnützige Projekte und die biomedizinische Forschung ausschütten würde und somit ihrem Stiftungszweck nicht nachkommen würde und sie außerdem aus Stiftungsrat und Aufsichtsrat des Unternehmens gedrängt zu haben. Die Stiftung, die 2008 auf ein Vermögen von 2,6 Milliarden Euro geschätzt wurde (im Vergleich zu 150 Millionen beim Tod der Stifterin 1988)[14][15], hatte zum Beispiel 2007 für wissenschaftliche Förderung und humanitäre Zwecke nur 7,45 Millionen Euro ausgegeben und seit Stiftungsgründung waren bis 2008 nur rund 70 Millionen Euro in solche Förderungen geflossen, während die etwa gleich große VW-Stiftung damals jährlich Projekte mit rund 100 Millionen Euro förderte. Die Verwalter der Stiftung wiederum sahen eine Hauptaufgabe der Stiftung im Erhalt der Kontrolle über den Fresenius-Konzern auch bei Kapitalerhöhungen, die eine höhere Ausschüttung verhindert habe. Der Einfluss der Stiftung konnte aber auf anderem Weg 2011 mit der Umstellung der Inhaberstruktur der Fresenius SE als Kommanditgesellschaft auf Aktien mit der Stiftung als Komplementärin sichergestellt werden. Gleichzeitig wurden Vorzugs- und Stammaktien umgewandelt, wobei der Anteil der Stiftung von 58 auf 29 Prozent sank, aufgrund der neuen Firmenstruktur behielten sie aber ihr Einspruchsrecht.[16] Auch bei Fresenius Medical Care sicherte die KGaA-Struktur, dass die Stiftung trotz eines Anteils von nur rund 30 Prozent die Kontrolle behielt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Kamp, Florian Neumann: Forschung Fördern – Menschen helfen 1983–2008. 25 Jahre Else Kröner-Fresenius-Stiftung. August Dreesbach Verlag, München 2008, ISBN 978-3-940061-18-8.
  • Ina Deppe, Michael Kamp, Florian Neumann und Anna Pezold: EKFS – Forschung fördern, Menschen helfen 2008 bis 2011. August Dreesbach Verlag, München 2012, ISBN 978-3-940061-89-8.
  • Julia Gäbler, Nicola von Lutterotti, Florian Neumann: Ernährungsmedizin im Fokus. 10 Jahre Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin. August Dreesbach Verlag, München 2016, ISBN 978-3-944334-79-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Else-Kröner-Fresenius-Stiftung: 27 medizinische Fakultäten... 3. Mai 2018, abgerufen am 7. Juli 2020.
  2. Die größten Stiftungen privaten Rechts in Deutschland nach Vermögen im Jahr 2014 (in Millionen Euro), de.statista.com, Stand: 15. Juli 2015, abgerufen am 25. Dezember 2015.
  3. Stiftungszweck | Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Abgerufen am 30. Juni 2020.
  4. Else Kröner-Fresenius-Stiftung | Initiative Frankfurter Stiftungen e.V. Abgerufen am 21. Februar 2019 (deutsch).
  5. EKFS-Jahresbericht 2019, S. 48 ff. EKFS, April 2019, abgerufen am 21. Februar 2019.
  6. KEM: Startseite. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  7. Else Kröner Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit. Technische Universität Dresden, abgerufen am 30. Juni 2020 (englisch).
  8. Forschungspreis: Else Kröner-Fresenius-Stiftung. Abgerufen am 1. Juli 2020.
  9. Nicola von Lutterotti: Kröner-Fresenius-Preis an Ruslan Medzhitov: Feinde des Immunsystems. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 21. Februar 2019]).
  10. Nicola von Lutterotti: Optogenetik: Wie das Licht seinen Weg in die Köpfe findet. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 21. Februar 2019]).
  11. Ärzte Zeitung (eb): 2,5 Millionen Euro-Auszeichnung für Erforschung seltener Immunerkrankung. Ärzte Zeitung, 10. Juni 2020, abgerufen am 30. Juni 2020 (dt).
  12. Beatrix Seewaldt: Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit. Abgerufen am 7. Juli 2020 (deutsch).
  13. Deutscher Ärzteverlag GmbH, Redaktion Deutsches Ärzteblatt: Verleihung. Abgerufen am 7. Juli 2020.
  14. Medizinische Förderung als Nebenprodukt (PDF), F.A.Z., 1. September 2008 (2,32 MB)
  15. Schlammschlacht um das Erbe, Der Spiegel 19. Mai 2008
  16. Lothar Gries, Das Erbe des Dr. Fresenius, Boerse.ARD, 2015

Koordinaten: 50° 13′ 48,4″ N, 8° 38′ 17,5″ O