Elsevier

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Elsevier (Begriffsklärung) aufgeführt.
Elsevier
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Rechtsform B.V.
Sitz Amsterdam
Leitung Erik Engstrom
Mitarbeiter 6.900
Umsatz 2,058 Mrd. £ (2011)
Gewinn 768 Mio. £ (2011)Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Branche Printmedien
Website www.elsevier.com

Elsevier [ˈɛlzəvir] ist ein ursprünglich niederländischer Verlag für wissenschaftliche Zeitschriften und Fachbücher. Er gehört zur Reed Elsevier Group.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Verleger- und Buchhandelsgeschlecht der Familie Elsevir – später Elsevier – wurde von Louis Elsevier, einem Buchbinder und Buchhändler aus Löwen/Flandern, 1580 in Leiden begründet, wo er wissenschaftliche – vorwiegend lateinische – Bücher für akademische Unterrichtszwecke verlegte. 1638 folgte eine Niederlassung in Amsterdam. Das Familienunternehmen vertrieb vornehmlich wissenschaftliche Bücher, unter anderem von Galilei, Descartes und Scaliger (die Elsevier alle persönlich kannte), in verschiedenen Sprachen. Zwischen 1583 und 1712 waren mindestens 14 Familienmitglieder als Buchhändler, Buchbinder oder Verleger tätig. Louis Elseviers Enkel, Isaac, dessen Betrieb zur Universitätsdruckerei Leiden avancierte, war der erste, der das Buchdruckerhandwerk erlernte, womit auch dieser Geschäftszweig von dem Familienunternehmen angeeignet wurde. Isaac Elsevier entwarf um 1620 das heute noch genutzte Markenzeichen der Firma – ein Ulmenbaum, dessen Stamm einer mit Trauben behangenen Weinrebe Halt bietet. Von 1622 bis 1680 entwickelte sich das Unternehmen zu einem wohlbekannten und höchst einflussreichen europäischen Druck- und Verlagshaus. Der Konzern bestand nicht aus einem Einzelunternehmen, sondern einer Vielzahl kleiner, autonomer Familienbetriebe, die miteinander arbeiteten. 1681 wurde die Niederlassung in Amsterdam geschlossen. 1712 starb das letzte Familienmitglied. Das Unternehmen blieb ohne Nachfolge und musste 1713 geschlossen werden.

Das heutige Verlagshaus Elsevier wurde im Jahr 1880 von Jacobus George Robbers gegründet. Robbers, ein niederländischer Buchhändler, übernahm den Namen Elsevier und das Firmenlogo für seinen neuen Verlag in Rotterdam. 1887 zog der Verlag nach Amsterdam um, wo er bis heute seinen Hauptsitz hat. Zu den Veröffentlichungen dieser frühen Jahre zählen Werke von Jules Verne und Dekkers Max Havelaar. Der Begriff Elsevier wurde im 19. Jahrhundert zum Synonym für kleinformatige Bücher, die man in der Tasche tragen konnte.

Internationale Öffnung und Zukäufe[Bearbeiten]

Mit der Übersetzung von deutschsprachigen Werken, zum Beispiel Karrers Organische Chemie ins Englische, trug Elsevier der Tatsache Rechnung, dass Englisch sich zunehmend als Sprache der Wissenschaft durchsetzte. Im Jahr 1937 eröffnete das Unternehmen ein Büro in New York, als Teil eines Joint Ventures mit Nordesmann. 1962 wurde in den USA die Elsevier Publishing Company gegründet, kurz danach auch eine Niederlassung in Großbritannien. 1979 verschmolz Elsevier mit der Nederlandse Dagbladunie (NDU) zu Elsevier-NDU und wurde damit auch Herausgeber von zwei großen niederländischen Tageszeitungen.

Nach einer tiefgehenden Umstrukturierung 1985, dem Kauf des in Oxford ansässigen Verlages Pergamon Press 1991, mit dem die Zahl der wissenschaftlichen Journale deutlich erweitert wurde, schloss sich Elsevier im Jahr 1993 mit dem britischen Medienunternehmen Reed International zum Unternehmen Reed Elsevier Group plc zusammen. 1999 wurde Cell Press gekauft, im Jahr 2001 der Wissenschaftsverlag Harcourt. Die Geschäftsfelder des nun global operierenden Medienkonzerns Reed Elsevier umfassen vier Bereiche: Wissenschaft & Medizin (Elsevier), Recht (LexisNexis), Erziehung (Harcourt) und Wirtschaft (Reed Business International).

Das Markenzeichen (Nonsolus-Imprint)[Bearbeiten]

Galileo Galilei: Discorsi e Dimostrazioni Matematiche Intorno a Due Nuove Scienze (1638) mit Elsevier-Markenzeichen

Im Markenzeichen, dem Ulmenbaum, dessen Stamm einer mit Trauben behangenen Weinrebe Halt bietet, ist jedes Bildelement ein Symbol: Die Ulme als Baum des Lebens steht für „Erfahrung“; die Traube als Zeichen des Wissens und der Gelehrte als „personifizierte Weisheit“. Mit dem lateinischen Schriftzug Non Solus – „nicht allein“ – unterstrich Isaac Elsevier die Aussage seines Imprints: Nur im Austausch mit anderen können sich alle Elemente – Erfahrung, Wissen, Weisheit – in einer symbiotischen Beziehung zueinander entfalten.

Heutiges Kerngeschäft[Bearbeiten]

Zum Kerngeschäft des Verlags zählen die wissenschaftlichen, technischen und medizinischen Publikationen. Elsevier veröffentlicht jährlich rund 1.800 wissenschaftliche Journale und 2.200 Bücher. Insgesamt sind rund 20.000 Werke und Titel lieferbar.

Durch kommerzielle Online-Publikationen wird das gedruckte Angebot des Verlags ergänzt. Dazu gehören das Online-Portal ScienceDirect, die Datenbanken MDConsult und Embase sowie die Suchmaschine Scirus, die auf wissenschaftliche Themen spezialisiert ist.

Journale (Auswahl)[Bearbeiten]

Deutsche Elsevier-Unternehmen[Bearbeiten]

Mit Wirkung zum 31. Dezember 2002 hat die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ihr wissenschaftliches, technisches und medizinisches Verlagsgeschäft an die MDL Information Systems GmbH, eine 100 %ige Tochtergesellschaft der Reed Elsevier Deutschland GmbH, die zur Reed Elsevier Gruppe gehört, verkauft. Unmittelbar nach diesem Verkauf wurde im Rahmen der Umstrukturierungen die MDL Information Systems GmbH in die Elsevier GmbH umfirmiert.

Seit Januar 2003 gehört der Fachverlag Urban & Fischer, München/Jena, zu Elsevier. Des Weiteren gehört der Dienstleister Servicecenter Fachverlage (SFG), Kusterdingen, zu Elsevier Deutschland.

Eigenständig ist die Elsevier Akademie in Duisburg.

Kritik an Elsevier[Bearbeiten]

Elsevier ist in den vergangenen Jahren aufgrund seiner aggressiven Preispolitik, vor allem im Zeitschriftenbereich, in die Schlagzeilen geraten. Robert Darnton wies darauf hin, dass ein Jahresabonnement der Elsevier-Zeitschrift Tetrahedron beispielsweise derzeit 39.082 US-Dollar kostet und der Publikationsbereich von Elsevier im Jahr 2009 einen Profit von 1,1 Milliarden US-Dollar machte, während Universitätsbibliotheken mit drastischen Budgetkürzungen zu kämpfen hatten.[1]

Diese für die Bibliotheken sehr ungünstige Entwicklung (siehe Zeitschriftenkrise) wird allerdings auch von anderen großen Verlagen vorangetrieben. Das Geschäft mit wissenschaftlichen Zeitschriften gilt als sehr lukrativ; im Jahr 2005 erzielte Elsevier eine Umsatzrendite von 31 %.

Wissenschaftler und Bibliothekare haben mehrfach einen Boykott von Elsevier-Zeitschriften gefordert. So wurde beispielsweise eine u. a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Petition gestartet, in der ein freier Zugang zu öffentlich finanzierten Forschungsergebnissen gefordert wird.[2] Einzelne Universitäten wie Stuttgart und Karlsruhe haben bereits in Boykottaktionen sämtliche Zeitschriften dieses Verlages zeitweilig abbestellt, mussten aber letztlich doch den Forderungen der Wissenschaftler nach diesen nachgeben. An der TU München wurde am 2. Mai 2012 öffentlich bekannt gegeben, dass das Direktorium des Zentrums Mathematik beschlossen hat „Aufgrund unzumutbarer Kosten und Bezugsbedingungen [...] alle abonnierten Elsevier-Zeitschriften ab 2013 abzubestellen.“[3] Insgesamt geht es dabei nicht nur um das Abbestellen überteuerter Titel, sondern es werden auch (etwa in Resolutionen des Senats der University of California, Santa Cruz von Ende 2003 und des Senats der Stanford-Universität vom Februar 2004[4]) Forscher dazu aufgerufen, keine Artikel mehr bei Elsevier-Magazinen einzureichen, sich nicht mehr zur Peer Review eingereichter Artikel zur Verfügung zu stellen und die Mitarbeit in Herausgebergremien zu beenden.

2004 kündigten erstmals renommierte US-Universitäten wie Cornell, Harvard und das MIT einen großen Teil ihrer Elsevier-Zeitschriftenabonnements sowie Online-Pakete wie ScienceDirect, mit Verweis auf die Preispolitik des Unternehmens.

Ein weiterer Punkt der Kritik an Elsevier und anderen Wissenschaftsverlagen ist seit langem, dass sie von den Autoren die vollständige Übertragung des Copyrights an den eingereichten Arbeiten verlangen. (Dies bezieht sich auf das angelsächsische Copyright; im Urheberrecht, wie es im deutschen Sprachraum gilt, können nur Nutzungsrechte übertragen werden.) Unter anderem verliert der Wissenschaftler dabei das Recht, den publizierten Artikel in digitaler Form im Internet zum Download anzubieten.

Seit dem Sommer 2004 reagiert Elsevier darauf mit der Zusicherung, dass Autoren ihre Arbeiten unter Auflagen auch in der publizierten, zitierfähigen Form auf eigenen Homepages und denen ihrer Institute verwenden dürfen. Allerdings bleibt das Einstellen bei Open-Access-Archiven wie dem ArXiv oder PubMed Central weiterhin untersagt. Dennoch wird diese Änderung auch von vielen Kritikern als ein wesentliches Zugeständnis gesehen. Allerdings hat sich der Verlag mit den Pressemitteilungen nicht rechtlich gebunden; wie ein Mitarbeiter des Verlags deutlich machte, ist das auch nicht vorgesehen. Die neue Regelung kann also jederzeit wieder zurückgenommen werden.

Im Mai 2009 wurde bekannt, dass die australische Tochter-Firma von Elsevier zwischen 2003 und 2005 sechs medizinische Marketingjournale im Auftrag von Pharmafirmen publiziert hat, die wie Fachzeitschriften wirkten und nicht als Auftragsarbeiten gekennzeichnet waren. Die Firmenzentrale bedauerte dies und sprach von einer Panne.[5]

Im Januar 2012 veröffentlichte der bekannte Mathematiker William Timothy Gowers einen Aufruf[6] an alle Wissenschaftler, die Journale der Elsevier-Gruppe zu boykottieren.[7] Gowers kritisierte u. a. Elseviers Praxis, wissenschaftliche Journale nur als Gesamtbündel abzugeben. Um benötigte Journale abonnieren zu können werden Bibliotheken mit dieser Bündelung gezwungen, auch jene Journale zu beziehen, welche für sie nicht von Interesse sind. Weiterer Kritikpunkt war, dass der Verlag die US-Gesetzgebung unterstützt. Der Research Works Act (RWA) verbiete beispielsweise öffentlichen US-Forschungseinrichtungen, ihre Ergebnisse frei zu veröffentlichen. Elsevier sei nicht der einzige Verlag, der sich „schuldig“ mache, so Gowers, aber er sei der aggressivste („worst offender“).[8] Die Initiative gab sich den Namen The Cost of Knowledge.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Robert Darnton: The Library: Three Jeremiads, New York Review of Books, 23. November 2010.
  2. Petition for guaranteed public access to publicly-funded research results. Abgerufen am 6. Mai 2012 (englisch).
  3. Elsevier-Zeitschriften, 2. Mai 2012, Fakultät für Mathematik, TU München.
  4. Faculty Senate approves resolution regarding pricey journals, Stanford Report, Stanford University, 25. Februar 2004
  5. Konrad Lischka, Markus Becker: Medizin-PR: Elsevier ließ Pseudo-Fachblätter von Pharmafirmen bezahlen. In: Spiegel Online. 11. Mai 2009, abgerufen am 6. Mai 2012.
  6. The Cost of Knowledge.
  7. Ulrich Herb: Mobilmachung gegen Elsevier? Wissenschaftler drohen mit Boykott des Wissenschaftsverlages. In: Telepolis. 27. Januar 2012, abgerufen am 6. Mai 2012.
  8.  John Whitfield: Elsevier boycott gathers pace: Rebel academics ponder how to break free of commercial publishers. In: Nature. 9. Februar 2012, doi:10.1038/nature.2012.10010 (online, abgerufen am 6. Mai 2012).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David W. Davies: The world of Elseviers. Nijhoff, Den Haag 1954, DNB 450879283.
  • B. P. M. Dongelmans, P. G. Hoftijzer, O. S. Lankhorst (Hrsg.): Boekverkopers van Europa. Het 17de-eeuwse Nederlandse uitgevershuis Elzevier. Walburg Pers, Zutphen 2000, ISBN 90-5730-116-4, (Bijdragen tot de geschiedenis van de Nederlandse boekhandel N.R. 5).
  • Samuel Louis Hartz: The Elseviers and their contemporaries. Elsevier, Amsterdam u. a. 1955, DNB 577191276.

Weblinks[Bearbeiten]